Forestrike
Visuell beeindruckende Retro-Vibes sind nicht ganz das, was sie scheinen.
Die neueste Veröffentlichung von Skeleton Crew Studio, Forestrike, fiel mir sofort mit ihrer stilvollen Retro-Ästhetik ins Auge. Doch es erweist sich schnell als mehr als nur ein weiterer Pixel-Brawler und erhöht die Erwartungen noch mehr.
Die Geschichte bereitet die Bühne: Der Kaiser der alten Lande ist unter den Einfluss eines finsteren Admirals gefallen und hat das Reich in Gefahr gebracht. Um seinen Herrscher und seine Heimat zu retten, wagt sich der junge Kampfkünstler Yu nur mit den Lehren seiner Meister in Gefahr und lernt bald, dass Fäuste allein ihn nicht zum Sieg tragen.
Forestrike legt großen Wert auf Erzählung und Charakterentwicklung. Der Dialog entfaltet sich durch Sprechblasen, doch diese Dialoge verlaufen oft in langweilige Wirrereien. Du wirst dich nach Action sehnen, während du dich durch endlose meisterhafte Gedanken und Fertigkeitsmenüs klickst. Es fühlt sich an, als würde das Spiel sein saftigstes Element, den Kampf, zurückhalten.
Das Kern-Gameplay entfaltet sich in Arenen mit Seitenansicht und einem einzigen Bildschirm. Jede Begegnung stellt Yu gegen eine zufällige Auswahl an Gegnern, und das Beseitigen dieser Gegner schaltet den nächsten Kampf frei, bis die Karte in einem Bosskampf gipfelt. Die Bewegung erfolgt seitlich, und der Kampf beschränkt sich auf vier Aktionstasten: Grundangriff, schwerer Schlag, Ausweichen und Gegenstandsbenutzung. Im Verlauf lernt Yu neue Techniken, aber es werden keine zusätzlichen Knöpfe hinzugefügt; stattdessen wechseln die Spieler Fähigkeiten ein- und aus, um ihrem bevorzugten Kampfstil zu entsprechen.
Als Roguelite hat Forestrike eine absichtlich bestrafende Schwierigkeitskurve. Alle Illusionen von Kung-Fu-Meisterschaft zerfallen schnell, wenn man immer wieder niedergeschlagen wird. Doch hier liegt der Aufhänger des Spiels, der vom Titel angedeutet wird: Yu besitzt die Fähigkeit, Kämpfe vorherzusehen, was sich als "Übungsmodus" äußert. Diese Übungskämpfe spiegeln echte Begegnungen wider, können aber unabhängig vom Ausgang endlos wiederholt werden. Es ist eine clevere Möglichkeit, Szenarien stundenlang zu proben, wenn man möchte. Ein Sieg im Training garantiert zwar keinen Erfolg im eigentlichen Kampf, aber es gibt dir eine faire Chance. Verlieren im echten Kampf setzt dich auf den Ausgangspunkt zurück, allerdings mit den Fähigkeiten, die du unterwegs erworben hast.
Siege bringen Münzen ein, die in Gasthäusern, die über die Reise verteilt sind, für Hilfe und Sammelobjekte ausgegeben werden können. Yu erhält auch neue Fähigkeiten von seinen Meistern, wie zum Beispiel Kämpfe mit einem zusätzlichen Schildpunkt zu beginnen oder Bonusenergie zu erhalten, wenn er unbewaffnete Feinde mit einer Waffe besiegt. Spieler können auswählen, welche Fähigkeiten sie mitnehmen, aber das Menüsystem wirkt unnötig verworren. Ich hatte oft Schwierigkeiten, die Logik hinter dem Kaufen, Upgraden oder Tauschen von Fähigkeiten zu verstehen, und das Spiel erklärte das nie klar genug bei all dem Gerede.
Optisch ist Forestrike ein Triumph. Seine atmosphärische Pixelkunst strahlt einen warmen Retro-Charme aus, mit geschichteten Parallaxen-Hintergründen, die Tiefe und Effekte wie Rauch und Regen hinzufügen, was das organische Gefühl der Welt verstärkt. Die Charaktere sind nach klassischem Kung-Fu-Kino gestaltet, und die Animationen fangen Martial-Arts-Moves mit authentischer Eleganz ein. Kleine Details, wie Nahaufnahmen von Yus Augen vor dem Kampf, offenbaren den Geschmack und die Zuneigung der Entwickler für Kung-Fu-Filme. Die Dialogporträts sind handgezeichnet und passen nahtlos zum Erscheinungsbild des Spiels und verleihen den Charakteren Persönlichkeit und Präsenz. Auf der Switch OLED läuft das Spiel so flüssig wie ein Kung-Fu-Meister, der Straßenschläger ausschaltet, wobei die Ladezeiten kaum wahrnehmbar sind.
Da der Dialog nur aus Text besteht, beschränkt sich die Sprachausgabe auf das Knurren der Gegner und das Lachen der exzentrischen Meister. Die Soundeffekte sind im Comic-Stil übertrieben und passen perfekt zum Ton des Spiels. Der Soundtrack, perkussive Rhythmen und Holzbläsermelodien sorgen für Atmosphäre und unterstreichen sowohl die Martial-Arts-Action als auch das lockere Abenteuergefühl der alten Länder.
Forestrike hinterlässt einen gemischten Eindruck. Die wunderschönen Grafiken, die starke Atmosphäre und die faszinierenden Kampfmechaniken stolpern über prätentiösen Schwierigkeitsgrad, langgezogene Dialoge und unklares Fähigkeitsmanagement. Sogar sein einzigartiger Aufhänger ist nicht ganz so bahnbrechend, wie er zunächst scheint. Der Einstieg in das Spiel erfordert Geduld und Anpassung, und die Länge kann entmutigend wirken. Dennoch ist der spielerische Kung-Fu-Geist unbestreitbar.





