Fat Princess: Fistful of Cake
Weihnachten ist gerade mal gefühlte zwei Wochen her und die unzähligen Süßspeisen und Festmahle liegen einem noch schwer auf den Hüften. Da ist plötzlich auch schon wieder Ostern und der Konsum von Schokolade steigt erneut ins Gesundheitsbedrohliche. Ein Spiel über tortensüchtige Prinzessinnen ist da zwar nicht der passende Trost, aber Spaß macht es trotzdem.
Die Geschichte von Fat Princess: Fistful of Cake ist zwar belanglos, dennoch ist die Legende von der fetten Prinzessin schön präsentiert. Im Stile eines Bilderbuches wird Kapitel für Kapitel erklärt, wie die Tochter des Königs zu einer derartigen Wuchtbrumme wurde. Kurz gefasst: Die unglaublich süchtig machende Torte, die die Prinzessin im Wald gefunden und verspeist hat, ist das einzige, das ihren Hunger stillt. Die Torte muss verflucht sein. Aber trotz der charmanten Plattheit der Story, will ich hier nicht zuviel verraten. Mit dem Gameplay hat die Legende ohnehin nicht viel zu tun. Sie ist eher ein netter Rahmen für eine schöne Spielidee.
Die Legende, aufgeteilt in 16 Kapitel, dient in erster Linie als äußerst ausführliches Tutorial. In jedem Kapitel müssen wir neue Aufgaben erfüllen, bekommen immer neue Features präsentiert, und lernen sämtliche Maps des Spiels kennen. Doch worum geht es Fat Princess: Fistful of Cake genau? In diesem märchenhaft angehauchten Strategiespiel stehen sich zwei Teams gegenüber. Rot und Blau. Jedes Team startet in seiner Burg, in der sich die Hutmaschinen befinden. Die Hüte, die diese Apparate ausspucken bestimmen die Klasse der Einheiten, die sie aufsetzen. Es gibt Krieger, Waldläufer, Magier, Priester und Arbeiter.
Wir allerdings steuern nicht das Team, sondern nur eines seiner Mitglieder, das wir in angeschrägter Draufsicht beobachten und es liegt an uns, eine Klasse zu wählen, um gegen das andere Team zu Felde zu ziehen. Der Krieger ist mit seinem Schwert ein prima Nahkämpfer. Der Waldläufer greift mit Pfeil und Bogen aus der Distanz an. Der Magier bewirft seine Feinde mit Feuerbällen. Der Priester heilt seine Kameraden auf dem Schlachtfeld und der Arbeiter kümmert sich um das Sammeln von Rohstoffen und die Instandhaltung der Burgtore.
Je nach Modus müssen die Teams verschiedene Aufgaben erfüllen, um den Gegner zu besiegen. In Befreit die Prinzessin muss unsere Prinzessin aus der gegnerischen Burg in die eigene gebracht werden und in Schnapp und Weg die gegnerische Adlige drei Mal entführt werden. In Zerstörung gilt es, eine Bombe in der gegnerischen Burg zu platzierten und im Team-Deathmatch wird bis zum bitteren Ende auf den Gegner eingeprügelt.
Pro Mannschaft gibt es bis zu zwölf Spieler, die die Aufgaben möglichst effizient untereinander aufteilen müssen. Im Einzelspielermodus regelt das die Künstliche Intelligenz. Im Multiplayer ist ein wenig Absprache unter den maximal vier Spielern pro Team nötig, die ebenso mit K.I-Mitspielern aufgefüllt werden. Wenn sich etwa niemand den Priesterhut aufsetzt, haben es die anderen ohne heilende Hand schwer auf dem Schlachtfeld. Ziehen alle in einfach nur in den Kampf, ist keiner da, um Steine und Holz abzubauen.
Diese Rohstoffe sammelt der Arbeiter, um Hutmaschinen zu verbessern oder um zerstörte Burgtore wieder aufzubauen. Die Burgen können auch um Katapulte erweitert werden, die uns bis vor die gegnerischen Burgtore befördern. Ein Upgrade der Hutmaschinen verbessert die dazugehörige Klasse. Der Krieger bekommt ein größeres Schwert und eine härtere Attacke spendiert. Der aufgelevelte Priester kann Gegnern Lebensenergie entziehen. Der Waldläufer erhält mit dem Upgrade ein Gewehr und der Magier wird um Eiskräfte bereichert. Der an sich nicht zum Kämpfen geeignete Arbeiter bekommt kleine Granaten, mit der er ein bisschen ins Kampfgeschehen eingreifen darf. Die alten Waffen gehen den Klassen aber nicht verloren. Mit einem simplen Tastendruck kann zwischen alter und neuer Waffe hin- und hergeschaltet werden.
Als besonders effizient stellten sich die verbesserten Krieger und Arbeiter heraus. Die Spezialattacke des Kriegers, die mit langem Drücken der Angriffstaste aufgeladen wird, ist sehr kraftvoll und zerschlägt manchen Gegner mit einem Streich. Da der Krieger dabei einen riesigen Satz nach vorne macht, eignet sich die Spezialattacke auch bestens zur Flucht. Ein aufgelevelter Arbeiter ist in doppelter Hinsicht praktisch. Er kann nicht nur die Burg besser verteidigen, sondern sich auch beim Sammeln von Rohstoffen besser zur Wehr setzten. Der Arbeiter überlebt länger und kann so auch mehr sammeln. Doch auch ein offensives Vorgehen mit dem Arbeiter ist möglich. Die Bömbchen haben ordentlich Wumms und der Arbeiter ist flink. Ein Standard-Krieger ist gegen einen verbesserten Arbeiter praktisch chancenlos.
Fat Princess: Fistful of Cake wirkt auf den ersten Blick wie ein Spiel für Kleinkinder und auch die putzige Aufmachung des Covers offenbart nicht, wie brutal es in dem Spiel abgeht. Wenn die Spielfiguren aufeinander einprügeln, fließt jede Menge Blut. Verletzten schießt die rote Soße aus den Wunden heraus, und nach einem Gruppengefecht ist vor Leichen und Blut nichts mehr vom ursprünglichen Untergrund zu sehen.
Wer diese liebenswerte Kombination aus Knuddel-Optik und Grausamkeit nicht mit ansehen kann, der schaltet das Blut einfach ab. Optisch unterscheidet sich die PSP-Version kaum von der fast gleichwertigen PS3-Variante Fat Princess, die im letzten Sommer auf den Markt kam. Selbstverständlich ist das Bild nicht so gestochen scharf, aber wer die PS3-Version kennt, merkt schnell, dass diese noch blutiger ist als die PSP-Variante. Am Sound gibt es wenig zu meckern. Die Musik ist märchenhaft-kitschig, jedoch ohne zu nerven. Die Soundeffekte sind, mit Ausnahme der Krieger-Spezialattacke, nichts besonderes aber zweckmäßig. Die Tode der Einheiten werden von einem netten Splatter-Sound begleitet, was das Spiel noch ein Stück grausamer macht.
Am oberen Bildschirmrand befindet sich die Lebensanzeige in Form von Herzen. Je nach Klasse sind es mehr oder weniger. Sind wir verletzt und kein Priester ist in Sicht, reicht es einfach stehenzubleiben. Der Verwundete setzt sich hin und regeneriert langsam selbst, ist dabei aber wehrlos. Segnet eine Einheit das Zeitliche, taucht sie nach einigen Sekunden in der eigenen Burg wieder auf.
Oben links und rechts auf dem Screen werden die Burgen angezeigt, in denen je nach Modus Bombe oder Prinzessin zu sehen sind. Wird die Prinzessin entführt, wandert sie am Bildschirmrand entlang zur anderen Seite. So kann sofort eingeschätzt werden, wo sich die Gute tatsächlich befindet und in welche Richtung sie sich bewegt. Ein Druck auf die Select-Taste öffnet die Karte, auf der wir nicht unsere eigene Position sehen, sondern auch die von allen anderen Einheiten, den großen Bomben oder den Prinzessinnen.
Klare taktische Anweisungen gibt es in Fat Princess: Fistful of Cake nicht. Wir sind ohnehin nur für eine Einheit zuständig und können darum das gesamte Spiel nur begrenzt beeinflussen. Dennoch können unsere Entscheidungen den Unterschied machen. Es bleibt uns überlassen, ob wir die andere Burg stürmen oder den eigenen Laden zusammenhalten. Die Prinzessin regelmäßig mit Torte zu füttern und sie so auf Kleinwagengröße zu mästen, ist eine Möglichkeit, das Vorhaben der Gegner zu erschweren.
Alleine ist eine solch fette Prinzessin nicht zu transportieren, besonders weil der Träger schutz- und wehrlos ist. Teammitglieder können jedoch helfen, indem sie sich per Tastendruck einklinken und so den Transport erheblich erleichtern. Dumm nur, dass die PSP-Mitspieler nicht die klügsten sind. Für gewöhnlich laufen diese an einem vorbei, anstatt beim Tragen der dicken Lady zu helfen.
Und auch sonst ist die Künstliche Intelligenz eher doof. Teamkameraden fallen beispielsweise von Klippen, laufen gegen Wände, stehen tatenlos herum oder ignorieren Gegner sogar dann, wenn diese mit einer Prinzessin auf dem Arm herumlaufen. Schlecht gelöst ist, dass sie offenbar an ihrer Klasse kleben. Arbeiter greifen selbst dann nicht zum Schwert oder Zauberstab, wenn das Rohstoff-Konto zum bersten gefüllt ist.
Schade an Fat Princess: Fistful of Cake ist, dass die Einzelspielermodi zu einfach geraten sind. Gladiatorenkampf und Sensenmann sind zwar nette Ideen, die KI-Gegner jedoch keine ernsthafte Konkurrenz. Ein nie enden wollender, anwachsender Sturm von Gegnern wäre eine wünschenswertere Lösung gewesen. Der lieb gemeinte Fußball-Modus ist einfach nur Schrott.
Auch wirklich schade ist die Gestaltung des Team-Deathmatches. Für jedes verlorene Leben wird dem Team ein Punkt abgezogen, wenn ein Team bei Null ankommt, ist das Match zu Ende. Nur ist die Startpunktzahl leider nicht individuell einstellbar, weshalb eine solche Partie bereits nach wenigen Minuten entschieden ist. Hier wurde viel Potenzial für wirklich epische Schlachten verbraten.
Fat Princess: Fistful of Cake lebt in erster Linie von den Multiplayer-Partien, was zum Großteil an der dummen KI liegt. Abgesehen von sechs neuen Maps gibt es gegenüber der PS3-Version keine signifikanten Unterschiede. Wer an der wirklich schönen Spielidee gefallen findet und diese auch unterwegs genießen möchte, darf zur PSP-Version greifen. Das lohnt sich natürlich besonders für jene, die meistens ein Wlan-Netz um sich haben. Alle anderen sollten die blutigere und billigere PS3-Version aus den Playstation Network laden.













