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F1 2010

F1 2010

Die Formel 1 ist sicherlich die prestigsträchtigste Rennserie der Welt - und trotzdem gab es schon eine ganze Weile kein anständiges F1-Rennspiel mehr. Ist es Codemasters mit F1 2010 gelungen, die Pole Position zu erobern?

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Die Formel 1 ist eine meiner größten Leidenschaften neben Videospielen. Es gibt nur wenige Dinge, die mein Blut mehr in Wallung versetzen als die Rennaction in der Königsklasse. Ich bin bei jedem Rennen auf einer emotionale Achterbahnfahrt unterwegs, vom Anfang bis zum Ende. Nur leider gab's in den letzten Jahren kein anständiges F1-Rennspiel mehr. Deshalb war ich sehr aufgeregt, als Codemasters sich die F1-Lizenz sicherte vor 18 Monaten. Angesichts ihrer Erfahrung in Sachen Rennspiele und den Fähigkeiten der hauseigenen Ego-Engine waren die Erwartungen natürlich enorm.

Der Kern von F1 2010 ist der Karriere-Modus. Man kann drei, fünf oder sieben Saisons in der Formel 1 spielen, startet aber stets in einem der drei Rookie-Teams - also mit HRT, Lotus oder Virgin. In jeder Saison müssen Ziel erfüllt werden, um die Aufmerksamkeit der besseren Teams zu gewinnen. Je besser es läuft, desto größer ist die Belohnung. Vor jedem Rennen wird das Ziel analog zum bereits erreichten Programm auf der jeweiligen Strecke festgelegt. Die Herausforderung steht.

Anfangs kämpft man ein bisschen mit dem Setup der F1-Boliden. Verschiedene Arten von Reifen funktionieren gut auf bestimmten Strecken und bei bestimmten Temperaturen. Dann muss auch die Leistung des Fahrzeugs optimiert und an die aktuellen Bedingungen angepasst werden. Dafür gibt es Presets, es darf aber auch alles manuell justiert werden. Es dauert eine Weile, bis ein Auto gut auf der Straße liegt, da die allesamt ziemlich unterschiedlich unterwegs sind. Wer gerade eine ganze Saison Fahrpraxis in einem Lotus hinter sich hat und mit mangelndem Abtrieb und verlängerten Bremswegen lebt, für den ist es eine völlig andere Erfahrung, in einem McLaren zu sitzen und das Gefühl zu haben, auf der Ideallinie festgetackert durch die Kurven zu fliegen.

F1 2010
Als Jungfrau geht los, entweder im Team von HRT, Lotus oder eben Virgin.

Während meiner ersten Sitzungen im Lotus waren die Schwächen des Wagens kaum ersichtlich. Die Geschwindigkeit der Cosworth-Maschine auf den Geraden war definitiv auf Augenhöhe und auch die Bremsen stark genug. Die Probleme begannen mit und in den Hochgeschwindigkeitskurven. Der fehlende Abtrieb führte dazu, dass der Rennwagen zu weit aus der Kurve getragen und meine Ideallinie zum Witz wurde. Die Konfrontation mit Red Bull, McLaren und Ferrari war ernüchternd. Da gab es wenig, was ich tun konnte. Aber der geduldige Spieler gewinnt in F1 2010 - und bald wurde die Mühe mit einigen neuen Einstellungsmöglichkeiten und Verbesserungen am Auto belohnt.

Hier kommen die Ziele bzw. Herausforderungen für die jeweilige Strecke ins Spiel. Ein Ziel ist es etwa, mit Vollgas in einer bestimmten Zeit die Strecke zu schaffen. Wer das schafft, wird mit einem Upgrade belohnt. Anfangs ist es leicht, diese Herausforderungen zu meistern und zunächst mögen die Upgrades nicht nach viel klingen. Aber in einer F1-Schrottmühle sorgen zehn Prozent mehr Abtrieb für einen gehörigen Unterschied. Im Karriere-Modus dreht sich aber eher alles um den langsamen Fortschritt, und man kann ein Team über viele Jahre aufbauen oder eben versuchen, schnell in ein besseres Auto zu kommen.

Abhängig davon, wie lang die Karriere gewählt wurde, bekommt man an verschiedenen Punkten im Spiel neue Verträge angeboten. Wer nur drei Saisons spielt, kriegt die Aufmerksamkeit der Top-Teams natürlich fixer. Dazu gesellt sich der ständige Wettbewerb mit dem eigenen Teamkollegen. Wenn man erst einmal die Nummer Eins im Team ist, bekommt man die Upgrades immer vor dem Teamkollegen.

F1 2010
Im Regen sieht's am schönsten aus - aber das Fahren ist dann häufig kein Geschenk mehr.

Ein äußerst wichtiger Bestandteil in F1 2010 ist natürlich das Wetter. Vor jedem Rennen gibt's eine Vorhersage für das gesamte Rennwochenende. Die stimmt natürlich nicht immer, so dass man sich schnell an sich verändernde Bedingungen anpassen muss. Planung ist also extrem wichtig und es gilt zu lernen, die Bedingungen für sich arbeiten zu lassen. Zum Beispiel hab' ich die erste Pole Position rausgefahren als einziger Fahrer, der eine Rundenzeit im Trockenen registriert hatte. Dann kam der Regen und alle anderen Fahrer waren chancenlos in dieser Session.

Ich dachte, das sei die Chance zu glänzen. Hach, mein erster Sieg! Aber Felipe Massa zog einfach so an mir vorbei, obwohl ich die Ideallinie dicht gemacht hatte. Er gewann mit sieben Sekunden Vorsprung. Aber immerhin schaffte ich es, Mark Webber hinter mir zu halten und den zweiten Platz zu sichern. Im nächsten Rennen war dann alles wieder normal und ich qualifizierte an 15. Position. Am Anfang muss man wirklich um jede Herausforderung und jedes Upgrade kämpfen, denn das sorgt für ein paar Sekunden weniger auf der Uhr in jeder Runde.

Es gibt vier Schwierigkeitsstufe: leicht, normal, hart und Experte. Und jede Stufe kann auf den Spielstil zugeschnitten werden, den man sucht. Die Standard-Einstellungen auf leicht machen fast alles für den Spieler, bis auf das Gas geben. Das Spiel bremst vollständig, hilft beim korrekten Einlenken und die Traktionskontrolle sorgt für Dauerhaftung. Die Mitfahrer sind hart im Nehmen, so dass man sich seinen Weg nach vorne rammen darf. Man kann alle diese Hilfen auch abschalten, ohne dass sich die allgemeine Schwierigkeit ändern würde. Vorwärts rammen ohne größere Schäden am Auto ist weiterhin kein Problem und die nachsichtige Fahrphysik ist ständig präsent.

F1 2010
Immer Sommer geht's schneller und besser rund, besonders wenn man in einem Wagen der Top-Teams sitzt.

Auf dem normalen Schwierigkeitsgrad agieren die anderen Fahrer aggressiver und die Physik ist härter und schwieriger zu kontrollieren. Wer zu hart aufs Gas geht am Kurvenausgang, der fliegt schnell ab. Wer einen Konkurrenten von hinten touchiert wird feststellen, dass womöglich der Frontflügel wegfliegt, sonst aber nicht viel passiert.

Wer sich auf hart und Experte vorwagt, wird mit mehr und mehr Herausforderung konfrontiert. Im Expertenmodus gibt's keinen Zugriff mehr auf die Rückspul-Funktion, um Fahrfehler und die Zeit zurückzudrehen. Auch die Geschwindigkeit wird in einer ganz anderen Art und Weise präsent. Die Schäden haben stärkere Auswirkungen und jede Form von Kontakt mit anderen Autos kosten einen saftigen Preis. Es ist übrigens nicht ganz korrekt, das Spiel einen Simulator zu nennen, wie Codemasters es tut. Um ehrlich zu sein ist es ein Spiel mit einer ziemlich offensichtlichen Arcade-Tendenz, aber einer, die eine Vielzahl von Herausforderungen präsentiert, wenn die Schwierigkeit denn hoch gestellt wurde.

Diese Herausforderungen sollten nicht mit dem Realismus von Spielen wie Rfactor oder Geoff Crammond's Grand Prix 4 verwechselt werden, die in dieser Abteilung viel besser unterwegs sind. F1 2010 ist so sehr ein Simulator wie Race Driver: Grid einer ist. Es ist vielmehr ein zugängliches Rennspiel im Sinne eines Formula One Championship Edition von Sony. Doch F1 2010 bleibt unterhaltsam für jemanden wie mich, der die wahren Simulatoren nie so richtig geschätzt hat. Das Gefühl der Geschwindigkeit ist enorm und die nachsichtige Fahrphysik gepaart mit der Rückspul-Funktion sorgen für eine ziemlich gute Arcade-Erfahrung.

F1 2010
Die Boxenstopps haben ihre Tücken, besonders wenn alle auf einmal Reifen wechseln wollen...

Es gibt einige Probleme, die nicht ignoriert werden können. Trotz der Tatsache, dass F1 2010 schön aussieht, es ist bei weitem nicht so hübsch wie Codemasters frühere Titel Colin McRae: Dirt 2 oder Race Driver: Grid. Zumindest nicht auf den Konsolen. Die PC-Version allerdings sieht auf einem leistungsstarken Rechner blendend gut aus.

Auch die Boxenstopps müssen erwähnt werden. Wer in den Top Ten qualifiziert, muss zum Rennbeginn den identischen Reifensatz nutzen wie im Qualifying. Das Problem ist, wenn der Rest des Feldes die gleiche Art von Problemreifen fährt und dann alle auf einmal in die Boxengasse wollen. Ich saß mehr als einmal in dem Auto, das zuerst in der Boxengasse fuhr - mit dem Rest der Autos und Fahrern mit derselben Idee hinter mir. Nach dem schnellen Reifenwechsel stand ich dann da und sah meinem Team zu, wie sie die anderen Autos überholen ließen.

Es gibt nämlich eine Regel in der Formel 1, die vorgibt, wann es sicher ist, einen Wagen losfahren zu lassen, um Kollisionen zu vermeiden. Aber gezwungen zu werden, zusätzliche 20 Sekunden während eines Boxenstopps zu warten, nur weil der einen Tick zu langsam war, das ist verrückt. Es passiert zwar nicht immer so, nervt aber jedes einzelne Mal enorm. Man darf die Boxenstrategie aber auch komplett manuell anpassen und manchmal sollte man besser riskieren, die Grenzen dessen, was der Reifen überlebt, etwas ausdehnen.

Trotz der etwas enttäuschenden Grafik bietet F1 2010 ein unterhaltsames Paket, mit viel Inhalten und Herausforderungen. Es ist ein Genuss, die Rennwagen zu fahren und ich persönlich bin froh, dass Codemasters nicht stärker in Richtung Simulation tendiert hat. Die Fahrzeuge sind nicht schwer zu meistern, aber nie so einfach, dass es ein langweiliges Spielerlebnis wird. Wer sich eine intensive F1-Simulation erhofft hatte, der allerdings wird wohl eher enttäuscht sein.

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08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
Sehr zugängliches Spiel, tolles Tempogefühl, reichlich Einstellungsmöglichkeiten, netter Karrieremodus
-
Boxenstopps sind dämlich gelöst, Konsolengrafik sichtbar zu schwach
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