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Elex

Elex

Die Essener von Piranha Bytes erschaffen eine Welt, die Science-Fiction und Fantasy miteinander vermisch, doch nicht alles verläuft dabei nach Plan.

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Mit der von Kritikern gefeierten Gothic-Reihe und die Ausflüge ins Risen-Universum haben die Entwickler Piranha Bytes in der Vergangenheit bewiesen, dass sie solide Rollenspiele beherrschen. Nach der moderaten Rezeption von Risen 3: Titan Lords haben die Essener damit begonnen an ihrer neuen IP zu arbeiten, einem Mix aus Sci-Fi- und Fantasy-Elementen. Elex zieht seine Spieler mit einer vielfältigen, postapokalyptischen Welt und ineinander verwobenen Queststrängen in seinen Bann, doch gelingt dem deutschen Studio mit dieser Prämisse ein Geheimrezept oder ist Elex lediglich nur eine verhaltene Umgestaltung bereits bekannter Ideen?

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Jax steht weiterhin auf der Abschussliste der Albs und muss seine verlorenen Fähigkeiten trotz Elex-Entzug wiedergewinnen.

Zuerst wollen wir euch ein wenig Hintergrund geben: Nachdem ein Komet auf die Oberfläche der technologischen Utopie Magalan aufschlägt, verendete die Welt grauenvoll und die verbleibenden Menschen leben fortan zusammengepfercht in kleinen Enklaven. Die Zukunft dieser Welt ist hoffnungslos und düster und wird von einem mächtigen Element namens Elex beherrscht, das aus den Fragmenten des Meteoriten gewonnen wird. Diese süchtig machende Substanz sorgt für eine extreme geistige Leistungssteigerung und bemächtigt diejenigen, die es wagen von ihr zu kosten. Nur die wenigsten überleben das, die meisten Menschen mutieren beim Versuch oder werden gänzlich verrückt. Aus der Asche dieser Welt sind im Verlauf der Zeit vier große Fraktionen entstanden, Banditen, Berserker, Kleriker und die bösen Albs. Jeder Stamm verfolgt eigene Ziele und verschiedene Ideologien und hat eine klare Haltung zum Umgang mit dem Elex.

In Elex schlüpfen wir in die Haut von Jax, einem früheren Alb-Kommandanten, der seiner eigenen Hinrichtung nach dem Fehlschlag eines Auftrags auf magische Weise entgangen ist und nun auf Elex-Entzug seinem Schicksal in Magalan überlassen wurde. Unserer Ausrüstung beraubt müssen wir uns nur mit einem rostigen Metallrohr verteidigen und überleben. Schnell wird klar, dass wir weiterhin auf der Abschussliste der Albs stehen, weshalb wir uns neu ausrüsten und die verloren gegangenen Kräfte des Elex' ersetzen müssen. Ein guter Anlaufpunkt sind die drei neutralen Fraktionen in Magalan, die in den Albs einen gemeinsamen Widersacher sehen.

Die Erkundung ist einer der wichtigsten Aspekte von Elex und das bemerken wir schon am Anfang des Abenteuers. Die spielerische Freiheit dieser riesigen und vielfältigen Welt lässt uns schon anfangs toll gestaltete Wüsten, Wälder und vulkanische Regionen betreten (auch wenn uns sämtliche Gegner dort mit einem Schlag töten). Das Erforschen der offenen Welt bietet dem Titel eine spielerische Qualität, denn sie wird nicht von Ladebildschirmen unterbrochen. Die optische und inhaltliche Varianz dieses Reiches ist eine von Elex' größten Stärken und fängt ein Gefühl ein, das irgendwo zwischen Fallout und The Witcher liegt - etwas, das nur wenige Spiele in dieser Form replizieren. In einem Moment werden wir in einer Raketen-verschießenden Mech-Rüstung Albs bekämpfen und anschließend mit Dinosauriern und giftspeienden Spinnen auf Tuchfühlung gehen. Außerdem haben wir ein Jetpack mit dem wir mit großer Leichtigkeit die Umgebungen erkunden und dadurch Klippen und andere Höhenunterschiede sicher überbrücken.

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Trotz technischer Schwächen zieht uns Elex regelmäßig mit verzweigten Geschichten und der Spielwelt in seinen Bann.

Was Elex außerdem hervorragend umsetzt ist das Gefühl der Konsequenzen. Alle NPC können getötet werden, was ihre respektiven Queststränge ultimativ beendet. Selbst in kritischen Punkten der Geschichte dürfen wir uns frei entscheiden die Wahrheit zu erzählen oder zu lügen - wir sind nur unserer eigenen Moralvorstellung verpflichtet. Einmal wurden wir gefragt, ob wir einen früheren Begleiter ausliefern wollen, weil dieser in einem Gebiet einen Mord begangen haben soll. In dieser moralischen Zwickmühle haben wir uns augenscheinlich für die Auslieferung des Kameraden entschieden, nur um im Abschluss daran die rechtschaffenden Wachen zusammen mit der wütenden Begleitung zu bekämpfen. All das hat zu einer sehr individuellen Spielerfahrung geführt, die sich angesichts unserer gewählten Fraktion als überaus interessanter und belohnender Missionsstrang erwies.

Der Charakterfortschritt ist sehr klassisch. Aufträge und Missionen geben uns Erfahrungspunkte mit denen wir im Level aufsteigen und lassen uns anschließend Attributspunkte verteilen. Pro Level bekommt Jax zehn Punkte gutgeschrieben, die wir in verschiedene Statistiken wie Waffenschaden und Fähigkeiten investieren. Mir persönlich hätte es gefallen, wenn wir Jax' Fähigkeiten zu einem späteren Zeitpunkt im Spiel noch umgestalten dürften, so wie das etwa die Borderlands-Reihe erlaubt. Dadurch hätten spezialisiertere Charaktere verschiedene Spielstile erleben können (was doch eigentlich eine schöne Idee wäre). Fähigkeiten aus den Kategorien Kampf, Persönlichkeit, Überleben und Crafting verfeinern wir durch die Gespräche mit bestimmten Lehrern. Das hat Piranha Bytes deshalb gemacht, um den Charakterfortschritt an die Geschichte zu binden.

Elex benutzt eines der vielfältigsten Waffenarsenale in der Geschichte der Rollenspiele und gibt uns allerhand Schwerter, Flammenwerfer, Armbrüste und Raketenwerfer an die Hand. Mit magischen Fähigkeiten lassen sich zudem Unterstützungsdrohnen heraufbeschwören oder verheerende Schockwellen mit denen wir unsere Gegner durchschütteln. Eingehende Attacken wehren wir einfach mit dicken Schilden ab. Obwohl einige Sci-Fi- und Fantasieelemente nicht ins Spiel passen und sich merkwürdig fehlplatziert anfühlen, ist diese Vielfalt respektabel.

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Fortschritte sind auch im Kampfsystem zu finden, aber spielt Elex lieber als Third-Person-Shooter.

Im Vorfeld des Spiels wurde das Kampfsystem offensiv mit den Einflüssen von Dark Souls beworben, was natürlich nichts mit Elex' Performance zu tun hat. Die wesentlichen Elemente mit sind mit einem Ausdauermanagement und der Ausweichrolle zwar dabei und ja, es gibt dedizierte Taste für leichte und schwere Angriffe, doch ganz im Gegensatz zum ungeschickt gewählten Vergleich fühlen sich sämtliche Auseinandersetzungen schrecklich an. Die Nahkämpfe sind schwerfällig und unsere Ausdauerleiste ist ständig leer, was kaum die Möglichkeit für die wichtige Ausweich-Bewegung oder einen schweren Schlag zulässt. Und so komisch es klingt, Piranha Bytes hat damit trotzdem Fortschritte für die Serie gemacht. Fernkampfwaffen und allerhand geworfene Objekte funktionieren auf vielen Ebenen besser, weshalb wir euch empfehlen Elex so gut es eben geht als Third-Person-Shooter zu spielen. Wir haben schon nach kurzer Zeit gelernt Nahkämpfen grundsätzlich aus dem Weg zu gehen und unsere Distanz zu potentiellen Gegnern zu suchen.

Es gibt eine schreckliche Lücke zwischen Elex' Musik und der visuellen Präsentation. Die offene Welt überzeugt mit etlichen Details, ihrer wunderhaften Inszenierung und der einzigartigen Architektur von umfangreichen Fraktionsfestungen, die sich über weite Teile der Karte erstrecken. Das alles zerschellt jedoch hart an der schwachen Sprachausgabe, den armseligen Charakteranimationen und dem davon komplett gelösten Dialogen. Die Musik war größtenteils ziemlich angenehm, setzt stellenweise aber unangenehm aus und wird etwa in Konversationen manchmal so laut, dass wir dem Gespräch nicht mehr lauschen können. Dazu gesellen sich unzählige (und da übertreiben wir ganz und gar nicht) technische Spielfehler, die an vielen Stellen die Immersion brechen, die die offene Welt durchaus in der Lage ist aufzubauen.

Elex konnte uns mit seiner interessanten Prämisse und der gemischten Natur von Science Fiction und Fantasie-Rollenspiel kurzzeitig gewinnen, doch der übergeordneten Qualität fehlt es einfach an Feinpolitur. Präsentation und die Machart der Kämpfe halten das Erlebnis zurück und verhindern, dass wir eine erinnerungswürdige Erfahrung erhalten. Das variantenreiche Setting der offenen Welt, die spielerische Freiheit und die enorme Auswahl der Waffen sind tolle Faktoren für Liebhaber und Spieler, die das zu schätzen wissen, doch der Spielfluss fühlt sich unvollständig an und scheitert daran, selbst die fundamentalsten Dinge zu realisieren.

06 Gamereactor Deutschland
6 / 10
+
Vielfältige offene Welt, etliche Dutzend Waffen, nobles Konzept.
-
Schwerfälliger Kampf; technische Fehler; arme Animationen sämtlicher Charaktere.
overall score
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