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EA Sports MMA

EA Sports MMA

MMA-Kämpfe haben hierzulande bisher weder eine große Lobby noch eine große Tradition. Doch die Fangemeinde der besonders in den USA sehr beliebten Kampfsportart wächst stetig. Da kommt EA Sports MMA gerade richtig. Doch ein Mischmasch aus so vielen Kampfstilen in einem Spiel - geht das überhaupt?

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Als der US-amerikanische MMA-Verband XFC vor gut einem Jahr Käfigkämpfe in Deutschland organisierte, war das Geschrei groß. Politiker und Moralapostel taten alles, um die Kämpfe zu verhindern, die sie nicht als sportlichen Wettstreit, sondern bloß als "Inszenierung brutaler Gewalt" sahen, wie es Berlins Innensenator Ehrhart Körting formulierte. Und auch wenn alle Versuche der MMA-Gegner scheiterten und die Kämpfe wie geplant statt fanden, im Grunde muss man Körting Recht geben. MMA-Kämpfe sind brutal, aber das ist auch Okay so.

Für alle, die nicht wissen, was MMA überhaupt ist: Es steht für Mixed Martial Arts und ist ein Potpourri aus Boxen, Kickboxen, Ringen, Judo und einer Menge anderer Kamfsportarten. Gekämpft wird sowohl im Stand als auch auf dem Boden. Das alles in ein Videospiel zu packen, ist eine äußerst schwierige Angelegenheit. Das ist EA Sports gelungen, zumindest größtenteils.

Die Steuerung von EA Sports MMA ist anders als man es von den meisten Kampfspielen gewohnt ist. Bewegt wird der Kämpfer in der Standard-Konfiguration mit dem linken Analogstick. Die Controller-Knöpfe kommen beim Greifen des Gegners und im Bodenkampf zum Einsatz. Geschlagen und getreten wird mit dem rechtem Analogstick, mit dem verschiedenste Gesten ausgeführt werden müssen. Ein ähnliches Steuerungskonzept also, wie es bereits in Fight Night Round 4 verwendet wurde. Die meisten Fans jedoch blieben damals der klassischen Steuerung treu. Diese steht auch in EA Sports MMA zur Wahl.

Um sich in die ungewohnte Steuerung reinzufummeln, bietet sich das Tutorial an, das nichts anderes als ein gewöhnlicher Kampf mit ständig aufpoppenden Hinweisen ist. Mit etwas Pech bzw. Glück ist der Gegner schnell hinüber, ohne dass wir die Gelegenheit hatten, die Steuerung auch nur ansatzweise kennenzulernen. Fünf oder sechs Mal sollte das Tutorial schon absolviert werden, bis jede Kampfsituation zumindest ein Mal durchgemacht wurde.

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Schläge und Tritte werden mit dem rechten Analogstick ausgeführt.

Wer sich dann bereit fühlt für ein paar Fights, darf sich offline wie online austoben. Dafür stehen knapp 60 lizensierte Kämpfer aus fünf Gewichtsklassen zur Auswahl. Größtenteils US-Amerikaner und Brasilaner. Als einziger Deutscher ist der Koblenzer Andreas "Big Daddy" Kraniotakes am Start. Ziel eines jeden Kampfes ist es, den Gegner entweder zur Aufgabe zu zwingen oder ihn K.o. zu schlagen, doch auch das gestaltet sich anders als in den meisten Kampfspielen.

Am oberen Bildschirmrand befindet sich die Ausdaueranzeige. Dreschen wir blind auf den Gegner ein oder hämmern im Bodenkampf nur wild auf die Tasten, sinkt die Ausdauer auf Null und man ist praktisch wehrlos. Auch Treffer in den Oberköper zehren an der Kondition. Bei Tritten und Schlägen auf den Kopf ist der Ausgang deutlich unberechenbarer. Abhängig von der Standfestigkeit des Getroffenen und der Stärke des Angreifers, ziehen Kopftreffer mal mehr mal weniger von der Kopfleiste ab, die nach wenigen Treffern erscheint. Ist die ein Mal unten, ist es der Kämpfer auch. Im schlimmsten Fall reicht ein perfekter Kinnhaken, um den Konkurrenten sofort auf die Bretter zu schicken.

Ein zweiter Weg um den Kampf für sich zu entscheiden, ist die sogenannte Submission. Das ist ein Haltegriff, wo dem Gegner auf schmerzhafte Weise Arm oder Bein verdreht werden. Wenn das Spiel in die Submission wechselt, zoomt die Kamera hinein, ein Röntgen-Blick zeigt uns das zu bersten drohende Gelenk und ein minimalistischer Tastenkrieg beginnt. Werden dem Kämpfer die Schmerzen zuviel, klopft er ab und der Kampf ist zu Ende. Auch in der Submission ist die Ausdaueranzeige von höchster Wichtigkeit.

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Wenn der Schlag sitzt, gehen die Lichter aus. Einen Kampf per K.o. zu beenden, ist die bei weitem spaßigste Methode.

Der Karriere-Modus bekommt ein Sonderlob: Als Nobody starten wir in der Kampfsportschule von MMA-Star Bas Rutten, erlernen neue Kombos und arbeiten uns von Kampf zu Kampf. Eine tolle Idee is est, dass das mit den Kämpfen verdiente Geld für Reisen zu anderen Schulen auf der ganzen Welt verwendet werden kann. Dort gibt es wiederum je nach Spezialisierung weitere Techniken zu erlernen.

Was zu einem großen Teil zum Spielspaß beiträgt, ist die gelungene Inszenierung der Kämpfe. Jeder Kämpfer wird von einem Ringsprecher vorgestellt und die Einmärsche in die wirklich großen Arenen sehen mit den vielen Licht- und Pyroeffekten sehr hübsch aus. Hier hätte sich EA Sports sogar noch etwas mehr austoben und die Einmärsche in die Länge ziehen können. Wer sich das nicht gerne anguckt, kann es ja schließlich abbrechen.

Ein weiterer Atmosphäre-Pluspunkt ist der euphorische Kommentator. Besonders bei Submissions oder Knockouts schreit der Typ so laut, dass sich seine Stimme förmlich überschlägt. Das reißt einen selbst und jeden anderen vor dem Fernseher so mit, dass im Wohnzimmer nicht weniger gejubelt wird als in der Arena. Da es sich um ein EA-Spiel handelt, muss über den Soundtrack im Grunde nichts gesagt werden. Jeder Titel knallt so sehr rein, wie ein dicker Kinnhaken. Selbst der Titel-Song von Linkin Park hat mich begeistert. Dabei kann ich Linkin Park nicht ausstehen.

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Die Submission ist der zweite Weg, einen Kampf für sich zu entscheiden. Dabei werden dem Gegner Arm oder Bein auf schmerzhafte Weise verdreht. Dank des Röntgen-Blicks sehen wir, wie viel der Gegner noch erträgt.

Optisch ist EA Sports MMA gelungen. Die Animationen sehen sehr sauber und flüssig aus und die Kämpfermodelle sind äußerst detailreich. Im Laufe des Kampfes fangen die Kontrahenten an, vom eigenen Schweiß zu glänzen und sehen nach einigen Treffern ziemlich lädiert aus. Ohne einige Flecken vom eigenen oder vom fremden Blut kommt man jedenfalls nie davon. Besonders schön sehen die Wiederholungen der Höhepunkte aus, in denen jeder einzelne durch die Luft fliegende Schweißtropfen zu sehen ist.

Die große Stärke von EA Sports MMA, nämlich die sehr tiefe und komplexe Steuerung, ist zugleich auch die größte Schwäche. Nicht, weil es einfach unheimlich schwer ist, die unzähligen Gesten und Tastenkombinationen zu erlernen und zu verinnerlichen. Es ist vielmehr so, dass dem Spiel dadurch etwas Härte verloren geht. Der Sport, den so viele für seine Brutalität verurteilen, fühlt sich auf einem weichen Stick einfach selbst zu weich an. Die klassische Steuerung ist wegen der beschränkten Möglichkeiten keine Alternative und selbst in dem Modus fühlt sich das ganze immer noch weich an.

Außerdem ist oft nicht wirklich klar was gerade im Ring vor sich geht. Wenn zwei Kämpfer sich eng umschlungen auf dem Boden wälzen, dann scheint es oft, als würde der Zufall regieren. Gegen einen CPU-Gegner geht das meistens noch. Gegen einen menschlichen Gegner führt das oft zu Situationen, in denen außer einem ständigen Hin und Her nichts passiert.

EA Sports MMA lebt zu einem großen Teil vom Drumherum - wenn sich bei einem schweren Treffer der Bildschirm grau färbt und der Gegner kurz reaktionsunfähig ist, die Halle plötzlich laut wird, der Kommentator anfängt zu schreien und uns der Bildschirm auffordert, auf den Gegner einzudreschen. Das sind die Momente, in denen EA Sports MMA am meisten Spaß bringt, auch wenn es noch weit davon entfernt ist, eine perfekte Umsetzung des Sports zu sein.

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07 Gamereactor Deutschland
7 / 10
+
60 lizensierte Kämpfer, sehr schöne Optik, toller Soundtrack, ein extrem euphorischer Kommentator, netter Karriere-Modus
-
Oft unübersichtliche Situationen, etwas schwammige Steuerung, schwaches Tutorial
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