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Demon's Souls (2010)

Demon's Souls (PS3)

Wie schwer darf ein Spiel sein? Das ist die Frage, die bei Demon's Souls über Sieg und Niederlage entscheidet. Ohne jede Frage, viele der heute veröffentlichten Spiele lassen sich ohne große Probleme meistern. Der Tod, der in klassischen Spielen wie Super Mario Bros. oder Castlevania auf der Tagesordnung stand, eigentlich gibt es ihn heute nicht mehr. Ab und zu tauchen sie aber auf, die Spiele mit dem alten Geist. So wie Demon's Souls. Das ist kein Zuckerschlecken, sondern harte Arbeit.

  • Martin Eiser
HQ

Ganz klassisch kommt das Spiel zunächst um die Ecke gebogen. Die mystische Geschichte wird kurz angerissen. Über das Königreich Boletaria legte sich ein farbloser Nebel, das Königreich war von der Außenwelt abgetrennt und seelenfressende Dämonen begannen sich auszubreiten. Wer auch immer den Nebel betrat, er kehrte nie zurück. Lediglich einem gelang es, und er berichtete von König Allant XII, der das grausige Monster The Old One aus dem ewigen Schlaf weckte. Wessen Seele verloren war, der trachtete nach den Seelen der noch lebenden. Es herrschte Chaos. Und mit jeder Seele, die sich die Dämonen einverleibten, wuchs ihre Stärke.

An dieser Stelle kommen wir ins Spiel, basteln uns einen individuellen Charakter zusammen und wählen eine Klasse - darunter Magier, Priester, Dieb und Soldat. Im Anschluss folgt ein Tutorial, das wesentliche Steuerungsmechanismen erklärt und das mit der wichtigsten Lektion endet: Freunde dich mit dem Tod an. Denn im Grunde ist dieser Gegner gar nicht dazu gedacht, gemeistert zu werden. Man stirbt und die Seele landet im Nexus, der Zwischenwelt, die im Moment noch sicher ist vor The Old One und der Schar von Dämonen. Die letzte Bastion also.

Demon's Souls (2010)
Held gebaut, Tutorial gespielt und schon ist man reif für den Nexus.

Im Nexus hausen einige wenige verbliebene Menschen. Sie bieten sogar manchmal Nützliches wie Rüstungs- und Waffenreparaturen sowie passende Upgrades oder Zauber an. Auch The Black Maiden trifft man im Nexus. Ist der erste große Dämon besiegt, macht sie es möglich, bessere Statuswerte zu erkaufen. Die Währung im Nexus sind Seelen, die im Kampf gegen die besessenen Kreaturen in den fünf großen Welten errungen werden. Der geisterhafte Zustand, in dem wir uns befinden, sorgt im Übrigen dafür, dass die zur Verfügung stehende Lebensenergie reduziert wird. Im Gegenzug sind die Attacken etwas stärker.

Es ist übrigens nicht so, dass dieser körperlose Zustand von Dauer ist. Wird einer der großen Dämonen besiegt, die das Ende eines Spielabschnitts markieren, gibt's den Körper zurück. Gelingt das ein erstes Mal, dann fängt man langsam an zu begreifen, wie Demon's Souls funktioniert. Denn so schnell wie man seinen Körper wiedererlangt hat, genauso schnell muss man sich wieder an den Seelenzustand gewöhnen. Die Gegenstände zur Wiederbelebung jedenfalls sind so selten, dass man darauf keinesfalls setzen kann.

Natürlich gibt es noch Plan B. Ausgeklügelt und wirklich clever ist dieses Rollenspiel wegen der interessanten Einbindung eines Onlineparts. Demon's Souls ist nämlich eines der wenigen Solo-Rollenspiele, die sich offenbar wirklich über eine sinnvolle Einbindung einer Onlinekomponente Gedanken gemacht haben. Wie beschrieben, versuchen sich immer wieder Helden daran, in den farblosen Nebel einzudringen und das Königreich zu retten. Diese Helden sind in Form von Geistern sichtbar. In einer Art Paralleluniversum agieren andere Spieler neben uns. Eigentlich aber kämpft jeder nur für sich.

Doch es gibt auch Schnittstellen. Laufen wir durch die Welt, tauchen am Boden Blutlachen und leuchtende Hinweise auf. Blutlachen ermöglichen es, sich den Grund für den Tod des Spielers anzuschauen. Ein roter Geist läuft dann beispielsweise voran und anhand seiner Gesten lässt sich vermuten, was da weiter vorn vorgefallen ist. Ebenso nützlich sind Nachrichten, die auf Schätze hinweisen und vor Gefahren warnen. Aus einem Paket vorgefertigter Textbausteine lassen die sich schnell basteln.

Demon's Souls (2010)
Unterstützung gefällig? Mitspieler können sich als blaues Phantom ihr Leben verdienen.

Außerdem ist es möglich, als Phantom direkter mit anderen Spielen in Kontakt zu treten. Als blaues Phantom steht man einem lebendigen Spieler in einem Koop-Modus zur Seite, um ihn in einem Spielabschnitt zu unterstützen, in dem der Endboss noch nicht besiegt wurde. Der Vorteil ist, dass man die in dieser Spielvariante erhaltenen Seelen auch beim Tod nicht verliert. Zudem erlangt man bei erfolgreicher Niederstreckung des letzten Dämons selbst das Leben zurück. Die Kontaktherstellung erfolgt für die jeweilige Spielpartei über den White Eye Stone beziehungsweise den Blue Eye Stone. Bis zu zwei blaue Phantome können einen Spieler auf diese Weise unterstützen.

Die zweite Variante fügt sich ebenso logisch in das eingangs erklärte Realitätskonstrukt ein. Denn so wie sich im Königreich körperlose Seelen an denn noch Lebenden zu schaffen machten, kann man dies auch als Spieler selbst. Möglich macht dies der Black Eye Stone, den man mit etwas Glück findet, wenn ein schwarzes Phantom besiegt wird. Sicher, es ist keine nette Angelegenheit, wenn ein Spieler einen anderen killt, aber um wieder in den eigenen Körper aus Fleisch und Blut zu schlüpfen, mag mancher dieses Opfer in Kauf nehmen. Ohne Risiko ist dies aber auch nicht. Für das Scheitern eines Attentats verliert man ein teuer erkauftes Seelen-Level.

Und noch ein weiteres Element spielt an dieser Stelle mit herein. Jede der fünf großen Welten mit ihren vier Abschnitten hat eine Tendenz, die zwischen White und Black schwankt. Zu Beginn ist sie im Offlinemodus neutral. Spielt man online, gibt es eine übergreifende Welt-Tendenz für jeden Abschnitt. Nach dem Besiegen von Endbossen oder schwarzen Phantomen beispielsweise steigt die Tendenz ins Helle. Wird der lebendige Körper innerhalb der fünf Welten dahingerafft oder gelingt einem schwarzen Phantom das Attentat, kippt die Tendenz in die andere Richtung.

Demon's Souls (2010)
Black or White nennt From Software, was für uns wahrscheinlich Gute und Böse ist. Tendenziös...

Beide Tendenzen haben Vor- und Nachteile. Je heller eine einzelne Welt strahlt, desto schwächer werden die Gegner und desto stärker wird ein Held in der Seelenform und die blaue Phantome. Umgekehrt können Gegner und schwarze Phantome mächtiger werden, je deutlicher die Welt ins Schwarze kippt. Auch sinkt die Lebensenergie in Seelenform stärker, dafür gibt es mehr Seelenenergie zu holen. Beide Varianten schalten zudem besondere Events frei. Ohne weiteres lässt sich also keine Empfehlung aussprechen.

Auch der Charakter selbst hat übrigens eine Tendenz. White bedeutet einen Vorteil für den Helden in Seelenform, Black bedeutet einen Vorteil für das schwarze Phantom. Beide Extreme bieten jeweils ein besonderes Event, so dass es sich lohnt entweder andere schwarze Phantome zu killen beziehungsweise andere Spieler wiederzubeleben, wenn man die Chance dazu hat. Oder ihnen beispielsweise in den Rücken zu fallen, wenn man kooperativ unterwegs ist.

Es ist wirklich ziemlich elegant, wie mittels der Phantome und der Tendenz eine Onlinekomponente integriert wurde, ohne auf ein ausgelutschtes, missionsbasiertes System zurückgreifen zu müssen. Zwar fehlt ein Chat wie auch die Möglichkeit, Freunde zu bevorzugen. Und auch die schwarzen Phantome dürften nicht jedem schmecken. Im Ergebnis jedoch bekommt From Software hier eindeutig ein großes Lob ausgesprochen.

Unberührt davon bleibt die Kritik am Schwierigkeitsgrad. Demon's Souls ist ein Action-Rollenspiel, in dem man ohne die richtige Strategie gnadenlos untergeht. Die Hilfen aus der Onlinekomponente sind da meist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Das simple Kampfsystem besteht aus Blocken, Kontern, starken oder normalen Waffeneinsatz beziehungsweise dem Zaubern. Die Lebensenergie reicht meist nicht lang, sodass es oberste Priorität ist, böse Überraschungen und Verletzungen zu vermeiden. Insbesondere im Nahkampf zieht man meist den kürzeren. In den dunklen Korridoren mit spärlichem Licht gilt das erst recht.

Demon's Souls (2010)
Die kleinen Hinweise sind ebenso praktisch wie Blutlachen - ein interessantes Konzept.

Mit dafür verantwortlich ist auch die integrierte Ausdauer. Die grüne Leiste sinkt mit jedem Angriff oder nach dem erfolgreichen Blocken gegnerischer Angriffe. Die Leiste regeneriert sich rasch, ist das Schild oben jedoch sehr langsam. Nun stelle man sich einen Angriff mehrerer Feinde vor. Beim Einprügeln sinkt schnell die Ausdauer, schlägt man dann selbst zu, ist diese rasch aufgebraucht. Und wer die Leiste nicht im Auge hat, ist so trotz erhobenen Schildes schnell schutzlos. Selbst Züge zum Ausweichen verbrauchen Kraft. Wer also einmal von mehreren Feinden überrascht wurde, ist ganz schnell sein Leben los und mit ihm auch sämtliche gesammelten Seelen.

Nicht ganz endgültig allerdings. Die Blutlache verbleibt an Ort und Stelle und wenn man den Punkt erreicht, können die verlorenen Seelen wieder eingesammelt werden. Meist stirbt man jedoch an besonders kniffligen Stellen. Und ob es dann gelingt, diesen Punkt unbeschadet zu erreichen, um die Seelen zu retten? Eine zumeist zum Scheitern verurteilte Mission. Scheitern, ja, das ist es eben, was Demon's Souls befeuert. Nur am Rande: Bayonetta fand ich auch fordernd, aber dieses Rollenspiel hier ist ein paar Hausnummern weiter.

Mit Farmen kann jeder sich das Spiel natürlich erträglich spielen. Einfach einen Abschnitt, den man schafft, so oft spielen, bis der eigene Status ein Niveau erreicht hat, dass man auch die nächsten Abschnitte bewältigen kann. Natürlich muss zunächst Abschnitt Eins erfolgreich absolviert werden, aber mit ein klein wenig Training sollte das zu meistern sein. Aufleveln als Spielinhalt ist wiederum sehr mühselig, aber bei Rollenspielen durchaus gängige Praxis. Und zumindest werden die Level auch nach mehrmaligem Spielen nicht langweilig. Das strategische Vorgehen und das Auswendiglernen von Gefahren und Wegen wirkt dem effektiv entgegen. Wer auf Schritt und Tritt den Tod fürchtet, hat gar keine Zeit, sich zu langweilen.

Demon's Souls (2010)
Gegen den Riesen hier kann man übrigens auch kämpfen. Zumindest, wenn man sich traut.

Dieses Spiel verschlingt in jedem Fall Unmengen an Zeit. Selbst wer das Spiel im Schnelldurchgang bewältigen will, wird überdurchschnittlich lange an Demon's Souls sitzen. Zudem sind sicher fünf bis zehn Stunden nötig, um das Spiel überhaupt zu begreifen. Das ist wohl auch der Grund, warum Namco Bandai in Europa einen Strategy Guide beilegt. Denn komplett ohne Hilfe das Spiel zu bewältigen und alle Geheimnisse zu lüften halte ich für unmöglich. Eher noch glaube ich, dass viele Leute an einem bestimmten Punkt das Spiel von vorn beginnen. Mit dem eigenen Wissen ist der aktuellen Spielstand schneller und effektiver erreicht. Zum Beispiel werden sie wahrscheinlich nicht so viele der wirklich kostbaren Heilmittel verbrauchen und so mit einer besseren Ausgangsbasis an die kommenden Spielabschnitte herangehen.

Im Wesentlichen ist es das. Demon's Souls, ein wirklich überraschendes Rollenspiel, an dem sich gerade Hardcore-Spieler des Genres gern die Zähne ausbeißen. Dass Demon's Souls in Sachen Grafik eine gute Figur macht und insbesondere die fetten Endbosse beeindrucken, dass der Sound im Spiel nicht nur gelungen ist, sondern auch für die Strategie eine gewisse Rolle spielt und dass der Titel natürlich noch weitaus mehr Gameplay-Elemente bietet, die das Spielgefühl beeinflussen, das sei hier nur kurz angemerkt. Um es alles zu erzählen, würde vermutlich auch die doppelte Zahl an Zeichen kaum ausreichen.

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08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
fordernd, Gameplay mit Tiefgang, clevere Online-Komponente
-
Schwierigkeitsgrad schießt eigentlich über das Ziel hinaus, Kamera manchmal nervig, gelegentliche Ruckler
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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