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Crusader Kings III

Crusader Kings III

Ein neuer Erbe soll den Thron besteigen.

  • Mike Holmes

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Eine Kritik für Crusader Kings III zu schreiben, ist ein bisschen wie ein neues FIFA zu besprechen, denn auch wenn ich schon sechzig Stunden mit dem Spiel verbracht habe bleibt das Gefühl, dass ich noch Monate spielen muss, bis ich wirklich jedes Detail wahrgenommen habe. Der neue Dynastie-Simulator von Paradox Interactive hat so viel Tiefe, dass es fast unmöglich ist, sich im Detail allen Feinheiten zu widmen. Daher erzähle ich euch einfach davon, wie es mir die letzten Wochen mit dem Spiel ergangen ist und verpasse dem ganzen Ding dann eine Wertung.

In Crusader Kings müsst ihr eure Familie durch die Geschichte führen und erlebt Höhen und Tiefen, während ihr aus den dicken Mauern eures Schlosses über euer Volk herrscht. Ihr dürft die Rolle eines Königs oder einer König übernehmen, oder fangt weiter unten als Herzog oder Herzogin an. Dabei lasst ihr die Jahre ins Land gehen und pausiert nur, um Entscheidungen zu treffen die Einfluss auf eure Vasallen und Untertanen haben. Es geht allerhand vor, dabei wird alles über eine sehr detaillierte Karte kontrolliert, umgeben von vielen Menüs die euch mit wichtigen Informationen versorgen. Soweit so gut.

Der große Unterschied zwischen dem dritten Teil und dem lange unterstützen Vorgänger, ist die Qualität der Oberfläche. Die alten, handgemalten Porträts wurden durch ein fantastisches, neues 3D-System ersetzt, welches für glaubwürdige Nachfahren sorgt. Ich war mir am Anfang nicht sicher, ob mir das gefällt. Aber mittlerweile bin ich überzeugt und das natürliche Altern der Charaktere, ihre Narben sowie ihr körperlicher Wandel sind eine tolle Verbesserung und sorgen dafür, dass wir mit unseren Figuren eine echte Verbindung aufbauen können.

Crusader Kings IIICrusader Kings III
Wenn der Anführer eurer Dynastie stirbt, übernehmen wir dessen Erben, so wie es die Gesetze in unserer Ecke der Welt vorschreiben.

In Crusader Kings III übernehmen wir nicht nur die Rolle eines Herrschers, wie etwa in Civilization, sondern kontrollieren verschiedene Familienmitglieder über mehrere Generationen. Wenn der Anführer eurer Dynastie stirbt, übernehmen wir dessen Erben, so wie es die Gesetze in unserer Ecke der Welt vorschreiben. Nicht alle Familienmitglieder verfolgen die gleichen Ziele und einen neuen Charakter zu übernehmen gibt euch gleichzeitig die Gelegenheit für ein wenig Rollenspiel - denn jeder hat so seine Eigenheiten und persönlichen Umstände.

Es gibt zwei Dinge, die bestimmen wer wir sind: Vererbte Veranlagungen und der Lebensstil, den wir für jeden neuen Charakter wählen. Die Veranlagungen stammen von unseren Vorgängern, seht also zu, dass sich eure Cousins besser nicht zu nahe kommen. Physische Merkmale und eure Persönlichkeit wurden vererbt, ihr solltet also genau darauf achten, wem ihr den Hof macht und eure Entscheidung nicht nur vom potentiellen Zuwachs der Macht abhängig machen.

Die Lebensweise ist eher ein Rollenspiel-Aspekt, dabei dürft ihr aus fünf unterschiedlichen Pfaden wählen: Diplomatie, Wissen, Intrige, Kampf und Verwaltung. Jede Wahlmöglichkeit hat einen kleinen Fähigkeitenbaum, den ihr im Lauf des Lebens jedes Charakters ausbauen könnt. Die Upgrades sorgen für eine stärkere Bindung zu eurer Spielfigur und für größere Unterschiede, zudem geben sie euch die Gelegenheit regelmäßig bedeutende Entscheidungen zu treffen. Das wird durch einen weiteren Fähigkeitenbaum verstärkt. Dieser beeinflusst jedoch nicht nur den aktuellen Charakter, sondern eure gesamte Dynastie.

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Ihr könnt auch eure eigene Version einer populären Religion gründen, doch ganz alleine vorzugehen ist extrem risikoreich und keine einfache Entscheidung.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Religion, denn diese spielt am Hof im mittelalterlichen Europa eine wichtige Rolle. Wie der Name des Spiels schon andeutet, werdet ihr regelmäßig vom Papst zu Kreuzzügen eingeladen. Es liegt an euch, ob ihr euch seinem heiligen Krieg anschließen wollt, ihn finanziert oder ihm die kalte Schulter zeigt. Ein Kreuzzug hat seine gewissen Vorteile und macht die lokalen Oberen der Kirche glücklich. Ihr könnt auch eure eigene Version einer populären Religion gründen, doch ganz alleine vorzugehen ist extrem risikoreich und keine einfache Entscheidung.

Ein guter Regent muss sich auch um seine Ländereien kümmern, und das ist einfacher gesagt als getan. Das Management eures Landes ist in Crusader Kings III wesentlich aufgeräumter und leichter. Ihr könnt eure Einnahmen maximieren, was besonders wichtig ist wenn ihr Krieg gegen eure Nachbarn führen möchtet, um euer Reich zu vergrößern. Ihr könnt viel Zeit und Geld damit verbringen eure Schlösser, Städte und Kirchen aufzuwerten. In Crusader Kings sind Kontrolle und Einfluss begrenzt, ihr müsst also eure Länder, Vasallen und Finanzen vorsichtig verwalten. Das ist genauso wichtig, wie eine kluge Hochzeit oder einen Krieg mit einem mächtigen Widersacher zu vermeiden.

Der Krieg ist natürlich ein wichtiger Bestandteil mittelalterlicher Zeiten. Wenn ihr nicht grade nach Gründen sucht, bei einem schwachen Nachbarn einzufallen oder den Papst im Mittleren Osten zu unterstützen, dürft ihr gegen Bedrohungen innerhalb und außerhalb eurer Grenzen kämpfen. Die Abgaben eures Volkes ermöglichen euch Truppen zu finanzieren, die zusätzlich noch von Söldnern unterstützt werden können (wenn ihr das nötige Kleingeld dafür habt). Der Kampf steht nicht im Mittelpunkt von Crusader Kings III, trotzdem habt ihr etwas Kontrolle über das Militär, die Zusammensetzung eurer Armee und das Platzieren von Einheiten. Ihr trefft auf eine feindliche Armee und ein kleines Fenster zeigt die unterschiedlichen Werte, bis ein Sieger feststeht.

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In Crusader Kings sind Kontrolle und Einfluss begrenzt, ihr müsst also eure Länder, Vasallen und Finanzen vorsichtig verwalten.

Eine subtilere Art eure Ziele zu erreichen, sind Spione. Intrigen sind mein Lieblings-Bestandteil von Crusader Kings III. Wir unterminieren unsere Rivalen oder meucheln eigene Familienmitglieder, sobald ihr Einfluss anfängt unkontrollierbar zu werden. Wir schmieden geheime Pläne und verschleppen oder verhaften unsere Gegner. Wir verführen sie oder schicken ihnen vergiftete Geschenke. Und wir können unseren Einfluss vergrößern, in dem wir das neue „Hook"-System einsetzen und Gefallen einfordern.

Ihr ahnt es bereits - es gibt in Crusader Kings III eine Menge beweglicher Teile und es ist leicht wichtige Details zu übersehen. Paradox haben hart daran gearbeitet, uns besser mit Schlüsselinformationen zu versorgen und das Spiel zugänglicher zu machen, aber trotz des verbesserten Tutorials, ist es noch immer eine harte Nuss. Einige Details hätten besser erklärt werden können, insbesondere die Gesetze der Erbfolge. Diese und andere Gesetze sind wichtig für unsere Familie, so ziemlich alles hängt daran dass ihr gut versteht, wie die Dinge funktionieren. Demzufolge ist es sehr frustrierend, wenn etwas schiefgeht und nicht völlig klar ist, wieso.

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Die alten, handgemalten Porträts wurden durch ein fantastisches, neues 3D-System ersetzt, welches für glaubwürdige Nachfahren sorgt.

Die neue Benutzeroberfläche erleichtert euch diese Aufgabe, auch die neue Enzyklopädie ist sehr hilfreich, auch wenn diese nicht alle meine Fragen beantwortet konnte. Die Karte selbst wirkt aufgeräumter und ist leichter zu verstehen. Nützliche Filter sorgen für einen besseren Überblick. Mein größter Kritikpunkt ist der Fakt dass sich einige Ereignisse häufig wiederholen, besonders die Attentate und sozialen Aktivitäten. Aufgrund des Tiefgang des Spiels, bin ich gewillt ein wenig Wiederholung zu verzeihen, aber die Entwickler hätten bei den Skripts für die Events gerne für mehr Abwechslung sorgen können.

In den letzten Wochen bin ich auf ein oder zwei kleinere Bugs gestoßen - einmal ein nacktes Porträt eines nahen Verwandten, aber abgesehen davon kam es zu keinerlei größeren Fehlern. Crusader Kings III ist schon zur Veröffentlichung ziemlich komplett (ihr könnt euch sicher sein, dass Paradox noch einige Erweiterungen bringen wird) und mir hat der lang erwartete dritte Teil richtig gut gefallen. Wie schon im Vorgänger erleben die Spieler ihre ganz eigenen Abenteuer und besonderen Momente. Es gehört zu den wenigen Spielen, die auch noch unterhaltsam sind, wenn wirklich alles schief geht. Der mittelalterliche Sandkasten sorgt für wirklich fantastische Dramen. Der König ist tot, lang lebe der König.

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09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
+
riesiger Sandkasten voller neuer Möglichkeiten, sauberere und zugänglichere Oberfläche, Änderungen rücken RPG-Elemente in den Vordergrund.
-
steile Lernkurve, Skript-Events wiederholen sich ein bisschen.
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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