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Cities XL 2011

Cities XL 2011

Maxis hat Häuslebauer wie mich im Stich gelassen. Vor sieben Jahre erschien mit Sim City 4 das letzte echte Spiel der großartigen Serie. Glücklicherweise sind wir aber nicht ganz verloren. Cities XL 2011 setzt überall da an, wo Sim City seinerzeit aufgehört hat.

  • Martin Eiser

Städte wachsen organisch. Am Reißbrett entstandenes, entpuppt sich im Nachhinein oft als großer Fehler. Denn nicht alles kann geplant werden, wenn ein Quartier entsteht. Und Ausbessern kommt die Stadt meist teuer zu stehen. So zumindest sieht es in der Realität aus, in der Städte durch schlechte Planung oder unvorhergesehene Ereignisse scheitern. In Sim City war das immer etwas anders. Die Modellstadt ließ sich vorher ohne Probleme entwickeln und nach und nach aufbauen. In großen Rechtecken wurden die Wohn-, Gewerbe- und Industrieflächen angelegt - zumindest wurde so die maximale Ausbeute erzielt und kein Planquadrat verschwendet.

So gesehen müsste ich Cities XL 2011 eigentlich hassen. Typisch Deutsch liebe ich diese organisierte Ordentlichkeit. Effiziente Bezirke sind gute Bezirke, alles andere wird abgeholzt. Und obwohl ich wie auch bei Sim City typisch mit dem quadratischen Anlegen von Flächen begonnen habe, werde ich Schritt für Schritt bekehrt, davon abzuweichen - und dafür gibt es mehrere gute Gründe. Denn Cities XL 2011 ist viel komplexer in der Struktur, bietet mehr Möglichkeiten. Und das Stadtwachstum ist deutlich organischer.

Wer ein Spiel beginnt, hat relativ beschränkte Möglichkeiten. Wohnhäuser für ungelernte Arbeiter, Schwerindustrie, einfaches Gewerbe. Doch das Spiel entfaltet sich nach und nach, baut Wirtschaftskreisläufe auf, in denen eins das andere bedingt. Betriebe und Gewerbe brauchen je nach Größe und Art ungelernte oder qualifizierte Mitarbeiter, brauchen Führungskräfte und Spitzenpersonal. In der Industrie wiederum wird zwischen Landwirtschaft, Schwerindustrie, Produktionsbetrieben, High-Tech-Industrie und einfachen Büros unterschieden. Während das Gewerbe für den Einzelhandel, die Business- und Urlaubshotels sowie die Freizeitunterhaltung zuständig ist.

Cities XL 2011
Im 3D-Modus können die Städte im Detail betrachtet werden...

Alle Zweige haben unterschiedliche Bedürfnisse, sie sind miteinander vernetzt, brauchen sich. Daneben gibt es die äußeren Einflüsse, für die ein Bürgermeister ebenfalls sorgen muss. Wird der Müll ausreichend entsorgt, gibt es Wasser, Strom und Kraftstoffe wie Öl? Fühlt die Bevölkerung sich wohl, weil es genug Schulen und Krankenhäuser gibt, sich die Menschen sicher fühlen und so weiter? Es bieten sich so viele komplexe Möglichkeiten, die bei Sim City noch so simpel gestrickt waren. Dort entwickelte sich gar nichts, wenn ein echter Mangel bestand. Die Städte in Cities XL 2011 können mit Mangel umgehen, es gibt eine Zufriedenheitstoleranz, die auch im Einklang etwa mit den Steuern sein muss.

Dieses Spiel hat den Anspruch, die Realität besser abzubilden. Parks und Plätze sind nicht auf ihre Größe festgelegt, sondern fügen sich da ein, wo sie hinsollen. Ist ein weites Areal dafür vorgesehen, dann wird die Fläche farbtopfartig gefüllt, aber auch kleinste Nischen freuen sich über ein bisschen grün und machen das Klima in der Stadt besser. Es gibt viele verschiedene Straßen und Brücken, den öffentlichen Nahverkehr, bestehend aus Bus und U-Bahn. Freigeschaltet wird das erst mit der Zeit, genau wie die dichtbesiedelteren Gebiete. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen und nicht anders wächst die Stadt langsam. Organisch.

Gebiete können nicht immer in Planquadrate gepresst werden. Manchmal ist es ein Berg, der hier einen Strich durch die Rechnung macht. Dann ist es nötig, selbst die Straßenzüge zu entwerfen, kleine Siedlungen durch das Festlegen des äußeren Kreises aufzuspannen. Gerade, weil das so unkompliziert ist, wird es auch gern angewendet. Und obwohl es immer noch viele Rechtecke auf der Karte gibt, zwischendurch wird das ganze von merkwürdigen Formen durchbrochen. Eine Stadt wird vielschichtiger und deutlich spannender zu regieren. Und eine, bei der die Herausforderungen und auch die Schwierigkeit mit ihrer Größe steigen.

Cities XL 2011
Von oben wird's überschaubarer - und das Layouten von Stadtviertel wird möglich.

Was Cities XL 2011 dennoch mitbringt, sind die übergreifenden Verbindungen mit anderen Städten. Güter wie Abfall, Wasser und Strom, aber auch Einzelhandel und Landwirtschaft können in anderen Städten erworben oder an sie abgegeben werden. Damit wird der Weg für Spezialisierungen geebnet. Ein kleines Dorf vielleicht, das ertragreiche landwirtschaftliche Nutzflächen für die große Stadt bewirtschaftet und dafür wichtige Produktionsgüter für die eigene Bevölkerung importiert. Das Industriemoloch, dem die Umwelt den Buckel runterrutscht, aber dafür Geld von den hübschen Städten bekommt, die selbst auf Hightech und ein Lebensumfeld setzen, in dem sie hohe Steuern kassieren können.

Auch das der Tourismus als neue Komponente ins Spiel eingepflegt wurde, macht es interessant, denn im Zusammenhang damit können auch spezielle Gebäude im amerikanischen, europäischen und asiatischen Stil eingepflegt werden. Darunter auch Sehenswürdigkeiten und touristische Attraktionen. Übrigens kann sich Sim City noch ein andere Scheibe abschneiden: Das Errichten von öffentlichen Verkehrsmitteln ist logischer. Statt einfach nur sinnlos Stationen in die Welt zu setzen, müssen richtige Linien eingerichtet werden. Dabei kann es auch durchaus sinnvoll sein, bestimmte Stationen mehrfach zu nutzen - bei der U-Bahn wie beim Bus.

Was eingedampft wurde in Cities XL 2011 ist der ambitionierte Mehrspieler-Modus aus dem Vorgänger. Lediglich auf einen Spieler ist dieser Titel ausgelegt. Was bleibt, ist die gegenüber Sim City 4 weniger elegante Optik, die nicht so übersichtlichen Menüs, die ressourcenfressende Rechenzeit der wachsenden Stadt und die vielen Bugs, die hoffentlich mit dem ein oder anderen Patch beseitigt werden. Niemand hat Lust, ein Spiel zu spielen, das in regelmäßigen Abständen abstürzt. Die Lust an Cities XL 2011 kann das aber dennoch nicht bremsen, denn es ist eine wirklich konsequente Fortsetzung des bekannten Spielprinzips.

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08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
komplexes Spiel, frustriert trotzdem nie, gute Lernkurve
-
kein Onlinemodus, Bugs
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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