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Carnival Games VR

Carnival Games VR

Clowns sind zur Zeit ein schwieriges Thema. 2K laden zu Halloween trotzdem auf den Rummelplatz ein und das Ergebnis ist wirklich ein bisschen gruselig - wenn auch nicht mit Absicht.

VR ist momentan selbst für die Entwickler noch Neuland, eine große Spielwiese voller Möglichkeiten, aber auch Einschränkungen. Ihre Experimente sind der Grund, warum wir zum Start von Playstation VR so viele kurze Demos und Minispiele-Sammlungen bekommen. Auch 2K Games reiht sich in dieses Schema ein und liefert kurz nach dem VR-Startschuss auf Konsolen das preislich günstige Carnival Games für PS4 und HTC Vive. Am 6. Dezember folgt die Fassung für Oculus Rift.

Das Thema ist simpel: Ein Rummelplatz wird simuliert, komplett mit vielen Ständen, Shops und anderen Besuchern. Ein knuffiger Marktschreier mit Bärtchen und Melone auf dem Kopf führt uns in die Welt von Carnival Games ein und erklärt die grundlegende Navigation. Wir stehen immer still auf einer Stelle und können durch Bewegung unserer virtuellen Hände auf Attraktionen oder auf Wegweiser klicken. Was dabei allerdings nervt: Man muss seine Wahl manchmal durch Anklicken eines weiteren "Ja/Nein"-Feldes bestätigen. Das wäre bei der präzisen Steuerung nicht nötig gewesen. Diese statische Form der Bewegung ist aber auf jeden Fall ein sehr sicheres Konzept, um Motion Sickness vorzubeugen.

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Auch wenn man von einer einfachen, funktionalen Grafik sprechen könnte, macht VR das Ganze noch einmal deutlich schlimmer.

Trotzdem wurde mir persönlich sofort beim ersten Anblick dieses Spiels ein bisschen anders. Es ist sicherlich Geschmacksache, aber das Design ist für mein Befinden einfach unglaublich mies. Die grafische Präsentation des Parks wirkt unglaublich altbacken und die Figuren sind unglaublich hässlich. Wie sie sich bewegen, ist völlig absurd, und vor allem wenn sie sprechen, passt da einfach gar nichts zusammen. Damit erinnert das Ganze an das über zwanzig Jahre alte Theme Park. Und auch wenn man von einer einfachen, funktionalen Grafik sprechen könnte, macht VR das Ganze noch einmal deutlich schlimmer. Denn schon allein eine dreidimensionale Darstellung von Bildern erhöht psychologisch gesehen die Immersion, das freie Umsehen per natürlich wirkendem Headtracking verstärkt dies noch. Für unser Hirn wirkt diese Welt real, doch dass sie sich in derart lieblos gestalteter Art und Weise präsentiert, lässt das Ganze zum Albtraumszenario werden.

Man kann das nicht einmal damit entschuldigen, dass diese Grafik "kindgerecht" sei - denn PSVR ist grundsätzlich erst ab 12 Jahren freigegeben. Und in diesem Alter können die Kids schon sehr gut die Qualität einer visuellen Gestaltung einschätzen.

Aber auch ein hässliches Spiel kann Spaß machen, also schauen wir uns doch einmal die Attraktionen an. Aufgrund einer weiteren merkwürdigen Designentscheidung hat man Anfangs nur die Wahl zwischen Dosenwerfen und einem Schießstand, weitere Buden müssen erst mit dem Gewinn von Tickets freigeschaltet werden - und dazu sind erst einmal ein paar Runden an den beiden Startattraktionen nötig. Das Dosenwerfen funktioniert dabei gut. Immer komplexer werdende Stapel wollen abgeräumt werden, wobei auch nette Physikspielereien zu taktischen Überlegungen einladen, wo man hinwirft. Außerdem kann man mit diesem Spiel auch wunderbar schnell Tickets sammeln - denn wenn man seine drei Bälle einfach schnell verfeuert, bekommt man trotzdem fünf Tickets, genau so, als hätte man einigermaßen durchschnittlich Punkte erzielt.

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Das Spiel kostet nur knapp 20 Euro und bietet für dieses Geld einigermaßen angemessene Unterhaltung.

Als nächstes besuchen wir den Schießstand, wo mit zwei schnell feuernden Westerncolts Gummibälle auf alle möglichen Ziele geschossen werden. Das macht sogar noch mehr Spaß als das Dosenwerfen, wenn auch nur in der ersten Runde. Denn der Ablauf, wie die Ziele erscheinen, ist jedes Mal exakt gleich. Das ist in sofern ganz gut, als sich für die Highscorelisten trainieren lässt, die bei jeder Attraktion eingeblendet werden und den Abgleich mit anderen Spielern ermöglichen. Weitere Varianten der Ziele wären trotzdem für die Langzeit-Motivation deutlich wertvoller gewesen.

Hat man 50 Tickets zusammen, kann man das nächste Doppelpack an Attraktionen freischalten. Sehr viele von ihnen haben jedoch etwas mit dem Werfen von Dingen zu tun: Bälle, Ringe, Körbe... alles Varianten des gleichen Schemas. Dabei funktioniert das meiste gut, wenn auch das Glück manchmal ein Faktor sein kann. Es kam aber auch vor, dass sich die Kalibrierung irgendwie verzogen hat, so dass ich zum Beispiel immer zu weit nach rechts zielen musste - und das ließ sich auch durch das neue Ausrichten der Kamera mittels Start-Taste ändern, nur ein Neustart des Spiels brachte Besserung.

Für mich war dann allerdings sowieso bald Feierabend, denn bei dem Kletterkurs, an dem man wie in Kinect Sports Rivals eine steile Konstruktion erklimmen muss, wurde mir zum ersten Mal in meiner VR-Karriere richtig schlecht. In Driveclub VR habe ich bereits die gesamte Karriere absolviert, aber Carnival Games VR hat mich in dieser Disziplin in nicht einmal 30 Sekunden auf die Bretter geschickt. Aber auch das kann, wie die anderen problematischen Aspekte des Spiels, natürlich von Person zu Person anders laufen.

Für die Langzeitmotivation sollen übrigens Shops sorgen, in denen man zahlreiche Gummifiguren und Spielzeuge für die Tickets bekommen kann. Diese lassen sich auf einer Art Spielwiese herumwerfen und in Regalen oder einer Art Modelleisenbahn platzieren. Ein ähnliches Feature kennen wir schon aus The Playroom VR, dort ist es allerdings gratis und in hübsch zu haben. Unterm Strich muss man sagen, dass Carnival Games VR schon das ist, was es sein soll. Es kostet nur knapp 20 Euro und bietet für dieses Geld einigermaßen angemessene Unterhaltung. Die Grafik aber wirkt auch unter objektiver Betrachtung unterdurchschnittlich und unterstreicht so schon auf den ersten Blick den fehlenden Anspruch dieses Titels.

04 Gamereactor Deutschland
4 / 10
+
zwölf freischaltbare Attraktionen, Umfang passt
-
simple Grafik, extrem anspruchsloses Design, teilweise Probleme mit Kalibrierung und Steuerung
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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