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Call of Duty: Ghosts

Call of Duty: Ghosts

Call of Duty und Infinity Ward, es ist einfach eine sehr gute Kombination. Insbesondere für Leute, die einen schnellen Multiplayer lieben und keine Angst vorm Sterben haben.

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Es ist, wie es ist. Jede Runde. Zehn Männer und zwei Frauen sitzen an je einer PS4 und spielen Call of Duty: Ghosts. Sie schreien entrückt, lachen manisch, fluchen weit unter der Gürtellinie. Sie hassen sich, lieben sich und hassen sich. Multiplayerzocken macht das mit einem, nirgendwo geht es so schnell und herrlich wie beim Platzhirschen. Ghosts ist in allen Modi schnell und unerbittlich. Man macht besser sofort seinen Frieden damit, schnell zu sterben. Will aber lieber leben, um die Killstreak zu bauen, die einem den heißen Kram liefert, um die Karte zu dominieren. Den Maniac, der alle messert. Den Helikopter oder die Drohne. Und Riley, den bissigen und knurrenden Schäferhund. Alle fürchten Riley, wenn er nicht gerade ihren eigenen Hintern beschützt.

Furcht, auch so ein Thema. Davor zum Beispiel, dass die Optik auf den Next-Gen-Konsolen nicht hochaufgelöst genug sein könnte. Schreiben durfen wir zuerst offiziell nur über die Leistung der PS4-Version, weil Microsoft auf ein getrenntes Embargo für das Xbox One-Spiel bestand. Activision hatte aber bestätigt, dass das Spiel auf der Microsoft-Konsole nur in 720p läuft. Und das sieht man auch, insbesondere im Multiplayer sind die fehlenden Pixel deutlich sichtbar. Menüs sind unscharf und Anbauteile von Waffen häufig kleine Pixelklumpen. In der Kampagne ist das Problem nicht so auffällig.

Die PS4-Version sieht sowohl im Solo- als auch im Multiplayer bombastisch gut aus in nativem Full-HD bei 60 Frames pro Sekunde. Es ist ein echtes Erlebnis der nächsten Generation. Das Bild ist ausgewogen, knackig scharf bis in kleinste Details und trotzdem nicht künstlich. Die zusätzlichen Pixel helfen dabei, die Spielwelt im Gesamtbild authentischer abzubilden. Sie wirkt einfach lebendiger als je zuvor. Die Versionen für PS3 und Xbox 360 erreichen nicht die grafische Qualität eines Battlefield 4, sind aber absolut konkurrenzfähig. Kein Grund, sich verstecken zu müssen, auch wenn manche Abschnitte im direkten Vergleich von Ghosts auf PS3 und PS4 schon sehr deutliche Texturenprobleme offenbaren. Die Level der Story und die Karten im Multiplayer sind durch die Bank optisch abwechslungsreich und immer wieder überraschend.

Call of Duty: GhostsCall of Duty: Ghosts
Die Grafik ist streckweise sehr schick - und ballern schwerelos im Weltraum und tief unter Wasser fühlt sich frisch an. Leider fehlen beide Optionen im Multiplayer.

In Call of Duty: Ghosts dominiert durch das schnelle Sterben im Multiplayer stets das Chaos, könnte man meinen - aber das stimmt nicht. Es geht um die richtige Balance. Niemand wird nie draufgehen. Es ist nur die Frage, wie weit man seine Kill-Death-Ratio im Plus hält. Wird man erschossen, liegt der Respawn nur eine Millisekunde entfernt. Man kann sich in der Killcam-Wiederholung den Ärger anschauen, was immer wieder mal auch eine lehrreiche Erfahrung sein kann. Denn mehr sterben als sterben lassen, dass will man als Shooterfan nie langfristig sehen.

Es gibt neun Spielmodi, sie sich bequem in Spiellisten verpacken lassen. Sie heißen Infected, Grind, Search and Rescue, Hunted, Cranked, Blitz - und auch die Klassiker Domination, Team Deathmatch und Deathmatch fehlen nicht. In der Summe gibt's hier präzise ausgebauten Multiplayerspaß, dem man die konzeptionelle Reife immer anmerkt. Die Layouts der vierzehn im Spiel enthaltenen Karten sind interessant, unterschiedlich und abwechslungsreich. Prison Break liefert enge Dschungel-Action, Octane dagegen offene Kämpfe mit einer Tankstelle als Treffpunkt der schießwütigen Dorfjugend. Whiteout schickt uns ins schneeweiße Alaska, wir ballern uns durch eine klinisch reine Panzerfabrik im Techlook ebenso gerne wie durch die schottischen Graslandschaften von Stonehaven. Auf der riesigen Außenkarte erlebt man sehr schön die Höhenunterschieden jenseits der hektischen Jagd durch die unterschiedliche Etagen irgendwelcher Gebäude.

Neu sind die Field Orders. Der erste Spieler, der stirbt, verliert einen blauen Koffer, in dem die Field Orders stecken. Das sind kleine Aufgaben für jenen Spieler, der sich das Teil schnappt. Er muss nun zwei Feinde von hinten oder einen mit einem Schuss aus dem Sprung erledigen. Als Belohnung warten zufällige Waffenlieferungen und manchmal die großen dynamischen Events, die die Karte komplett verändern. So explodiert etwa eine Tankstelle oder eine herabstürzender Satellit krempelt die Karte um. Diese Events passieren eher selten, sind also keine echten Gamechanger. Es gibt kleine Ereignisse, die sich ohne Field Order auslösen lassen. Etwa neue Abkürzungen, die durch durch das Niederschießen eines Baumes entstehen. So dynamisch und radikal wie in Battlefield 4 verändern sich die Level im Multiplayer allerdings nicht.

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Im Panzer wirbeln wir ordentlich Staub auf und lassen die Kanonen glühen.

Der Energiedrink für Call of Duty-Charaktere sind seit jeher die Perks. Ebenso wie die Waffen und Anbauteile dürfen wir alle Perks von Anfang an kaufen, aber im Gegensatz zu den Waffen nicht alle gleich nutzen. Mit Herausforderungen im Hintergrund müssen wir weiter Erfahrungspunkte zum Leveln des Charakters sowie Squad Points verdienen. Mit letzteren muss man alles kaufen, auch die 40 Perks. Sie sind neu eingeteilt in ein Raster aus den sieben Kategorien Speed, Handling, Stealth, Awareness, Resistance, Equipment und Elite. Man hat für den Charakter je nach Auswahl der Ausrüstung eine bestimmte Anzahl von Perk-Slots zur Verfügung, die mit unterschiedlich platzhungrigen Perks bestückt werden. Runterfallen ohne Schaden zu nehmen kostet einen Slot, wer unsichtbar für gegnerisches Radar und Sat-Com sein will, muss hingegen drei Slots investieren. Es führt zu einem Schere-Stein-Papier-Spiel mit 40 Variablen. Man kann Wochen damit verbringen, das für den eigenen Spielstil perfekte Setup zu finden.

Und dann ist da ja noch die Story. Die wird gerne belächelt, ist aber echt mehr als nur einen schnellen Blick wert, auch wenn sie faktisch eine untergeordnete Rolle spielt. Die Geschichte um Hesh und Logan Walker, die gemeinsam mit ihrem Vater Elias die USA retten wollen, ist zwar immer wieder auch unerträglich patriotisch, bietet aber eine unglaubliche überzeugende Unterhaltung.

Die meisten Level sind relativ linear, obwohl es immer mehrere Wege durch fast jede Sektion gibt. So lassen sich Gegner flankieren, selbst unter Wasser kriechend. Es gibt einen schicken Amazonas-Level, der diese Linearität aufsprengt. Wir landen nach einem Fallschirmsprung im dichten Gestrüpp, das uns kaum einen erkennbaren Weg schenkt. Nur mit einer schallgedämpften Pistole und einem Smartphone mit Herzschlagsensor am Arm bewaffnet müssen wir unser Team wiederfinden.

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Auch im Helikopter dürfen wir unterwegs sein und greifen dabei ein riesiges Offshore-Ölfeld an.

Auf dem härtesten Schwierigkeitsgrad ist jedes Level ein bitteres Erlebnis, insbesondere jene Passagen, in denen man flüchten muss und kaum lokalisieren kann, woher die Schüsse wirklich kommen. Das Problem gab es auch im grafisch unglaublichen Unterwasserlevel. Hier fühlt sich Call of Duty: Ghosts im besten Sinne wie einer dieser alten Bond-Filme an, in denen ein Superbösewicht seine Atombomben unter Wasser wegschaffen will. Einfach cool gemacht. Getoppt wird das durch einen Ausflug ins Weltall hoch zu jener ODIN-Raumstation mit der die USA beschossen werden sollen. Hat man so noch nicht erlebt. Schwerelos Typen in Raumanzügen wegzuziehen, das hat schon eine neue Qualität. Ich wünschte, die hätten das im Multiplayer gemacht - aber es kommt ja noch DLC.

Ob Sonnenschein oder Regen, Tag oder Nacht, über Wasser oder unter Wasser, in der Luft und am Boden - es ist wirklich alles drin. Es gibt die heftige Verteidigung eines Flugzeugträgers inklusive Osprey-Angriffen aus dem Helikopter und Satellitenraketenangriff auf ein riesiges AC-130-Gunship ebenso wie einen Panzerausflug als steuernder Bordschütze, der ferngesteuerte Munition durch die Wüste lenkt. Wir rutschen aus einem kollabierenden Wolkenkratzer heraus, nachdem mit Hilfe eines 50.cal-Megasnipers in einem Baseballstadion aufgeräumt wurde. Sicher, vieles im Spiel ist auf Effektfeuerwerk ausgerichtet. Das Tempo ist krass, 18 Missionen liefern uns knapp sechs Stunden beste Popcorn-Unterhaltung. Wer den härtesten Schwierigkeitsgrad wählt, wird deutlich länger brauchen.

Doch das war es noch nicht. Neben dem regulären Multiplayer und der Story bietet Call of Duty: Ghosts noch zwei andere Modi und eine Tablet-Spielerei. Der Extinction-Modus schickt die Zombies in den Urlaub, jetzt müssen die Aliens ran. In einem Koop-Arcade-Vergnügen für bis zu vier Spieler müssen wir gegen schier endlose Alien-Wellen kämpfen. Es sind lange Sessions, weil es eben darum geht, durchzuhalten. Es gibt keine Speicherpunkte und man startet nach dem Versagen immer wieder bei Null. Jeder erledigte Alien bringt bares Geld, je nach Performance etwas mehr oder weniger. Wir dürfen und sollten es schnell in neue Waffen und Munition investieren - und in passive Verteidigungsoptionen wie Turrets, Elektrozäune oder Feuerbarrieren. Je länger man lebt, umso mehr Möglichkeiten kommen hinzu. Aber auch umso mehr Ärger. Der Extinction-Modus ist eine triviale Sache, aber saulustig. Insbesondere wenn später die fiesen Aliens kommen, die Säure verspucken oder einem direkt vor der Nase explodieren.

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Im Multiplayer immer wieder die Waffe der Wahl: das Messer. Leise und von hinten erledigt es die Gegner wirklich am schönsten.

Der Squad-Modus ist eine Variation des Multiplayers und dient Producer Mark Rubin zufolge als Einstieg für Neulinge ebenso wie als Spaßoption für Cracks. Wir spielen hier gemeinsam oder gegeneinander gegen von der Künstlichen Intelligenz gesteuerte Bots. Die haben eine lebendige Spielerintelligenz eingeimpft bekommen, so dass sie fies um die Ecke schlittern oder an einer solchen campen. Sie wirken erstaunlich natürlich, spielen sehr aggressiv im Team und unvorhersehbar. Es gibt vier Modi.

In Squad Assault spielen wir gegen ein Team aus Bots, die sich andere Spieler zusammengebaut haben. Map und Modus werden vom Architekten des Teams ausgewählt. Safeguard ist eine Survial-Variante, in der uns die Ausrüstung zufällig aufs Spielfeld gedroppt wird. In Squad vs. Squad treten zwei Spieler mit fünf von ihnen ausgewählten Bots gegeneinander an. Je nach Qualität der Auswahl können die Bots hier schnell zum entscheidenden Faktor werden. Wargame ist quasi ein riesiger Bot-Spielplatz, den man zu reinen Trainingszwecken nutzen wird.

Auch eine App haben sie eingebunden. Mit der können wir Clan War spielen, einen passiven Kleinkrieg via Tablet. Acht Teams kämpfen alle zwei Wochen gegeneinander. Es gibt zehn Aufgaben, die man für als Capture Point einnehmen kann, einfach, indem man spielt. Wer einen dieser Punkte hält, bekommt in einem bestimmten Spielmodus einen In-Game-Bonus, etwa 25 Prozent mehr Erfahrungspunkte. Außerdem werden Items im Game freigeschaltet durch Clan War. Jeder Clan macht übrigens automatisch mit. Auch als zweiter Bildschirm taugt das Tablet durch die App. Wir werden etwa schnell Loadouts ändern können. Im Fokus steht hier kontextsensitives Handeln als Erleichterung der Spielerfahrung.

Call of Duty: Ghosts lebt für den Multiplayer. Es gibt keinen Konkurrenten, der ein annähernd ähnlich komplettes Paket für Konsolenspieler liefert, das auf ein sauschnelles, nicht unbedingt realistisches Erlebnis setzt. Battlefield 4 ist da einfach etwas anderes. Call of Duty: Ghosts hält die 9/10. Es ist oben, da wo es hingehört.

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09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
+
grandioser und vielseitiger Multiplayer, Extinction-Modus, tolle Popcorn-Solokampagne
-
zu viel Story-Patriotismus und lineare Kampagne, dynamische Events im Multiplayer zu unscheinbar
overall score
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