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Blood & Truth

Blood & Truth

Sony macht euch zu Superspionen der virtuellen Realität - ganz nach dem Vorbild von Agent Bond. Oder war es Agent Bean?

Während es mit dem neuen Auftritt von Daniel Craig als Doppel-Null-Agent immer noch kleine Problemchen zu geben scheint, tobte in letzter Zeit auch Mister Bean mal wieder als Johnny English über die Kinoleinwände - und nahm dabei gleich noch den aktuellen Virtual-Reality-Trend aufs Korn. Ähnlich turbulent lässt es nun auch Sonys London Studio krachen, indem sie das Minispiel „London Heist" aus der VR-Minispielsammlung Virtual Worlds als vollwertigen Titel auf die PSVR bringen.

Wir verkörpern in dem Spiel den britischen Soldaten Ryan Marks. Ein Undercover-Einsatz in einem Wüstenstädchen gibt uns einen ersten Überblick über Steuerung und Gameplay-Mechaniken, die uns erwarten. Wahlweise können die Move-Controller oder auch ein normaler DualShock 4 verwendet werden, wobei letzteres dem Spiel doch einiges an Charme nimmt. Denn das wirklich Coole daran sind neben den Schießereien die vielen Aktionen, die über die Bewegungssteuerung ausgelöst werden, und mit denen uns London Studio quasi eine Art „Best of" der momentan etablierten VR-Spielmechanismen liefert.

Wir können beidhändig ballern, die Waffen mittels Gesten in ihre Holster an den Hüften oder auf dem Rücken verstauen, Munition in unserem Gurt horten und die Knarren damit wieder beladen. Wir werfen Granaten und Bierflaschen, öffnen Schubladen und betätigen Türklinken. Mehr spielerischen Gehalt bieten dagegen das beidhändige Klettern, wie man es aus Robinson: The Journey kennt, oder das Knacken von Sicherheit-Schaltkreisen mit diversen Werkzeugen - quasi eine Miniaturversion von Statik: Institute of Retention. Doch auch ein faszinierender Ausflug in eine interaktive Kunstausstellung erwartet uns: In Blood & Truth gibt es düstere Abschnitte mit psychedelischen Jumpscares, wir werden kreativ mit einer Farbkanone und toben uns mit Sprühdosen aus.

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Das gesamte Gunplay könnte einen Hauch mehr Wumms vertragen.

So vielseitig geht es unter anderem deswegen zu, weil Ryan nicht „nur" ein Soldat ist. Zurück in London lernen wir seine Familie kennen, die erfolgreich in der Unterwelt der britischen Metropole mitspielt. Doch wie es die Story-Logik so will, kommt natürlich der Rivale Tony daher und mischt die Familie mit Hilfe der irren Killerin Armanda gehörig auf. Deswegen bleibt es uns in Ryans Haut überlassen, das titelgebende Blut zu vergießen und die Wahrheit herauszufinden, die hinter dem Ganzen steckt. Das Game ist in 19 lineare Missionen unterteilt, von denen allerdings etwa die Hälfte kaum mehr als Cutscenes sind. Die spielen in der virtuellen Realität und machen - vor allem auf der PS4 Pro - dank der wirklich beeindruckenden Grafik eine Menge her. Die Interaktionsmöglichkeiten sind dabei aber oft eben sehr begrenzt.

Auch in den Missionen werden wir eng an die Hand genommen, denn frei bewegen können wir uns nicht. Stattdessen werden beim Umschauen Positionsmarker eingeblendet, die wir dann per Knopfdruck ansteuern. Das ist allerdings nicht so verunglückt wie bei Bravo Team, da wir in der Ich-Perspektive bleiben und während der Bewegung auch weiter Zielen und Schießen können. Das Ganze spielt sich ähnlich wie ein Rail-Shooter im Stile von Virtua Cop oder Time Crisis, nur dass wir über weite Strecken selbst bestimmen können, hinter welcher Deckung wir uns als Nächstes postieren möchten. Manchmal ist dann sogar ein leises Vorgehen möglich, wenn wir Wachen mit dem Schalldämpfer erledigen. In der Regel gibt es aber dicke Schießereien.

Diese werden mit den üblichen Waffen bestritten; es gibt Pistolen, Revolver, SMGs, Sturmgewehre, Pump-Action-Schrotflinten und ab und zu auch mal ein Sniper-Gewehr oder einen Granatwerfer. Viele dieser Knarren spucken in unterschiedlichen Kombinationen auch mal beidhändig Blei. Die Langwaffen lassen sich mit der zweiten Hand stabilisieren, was allerdings nicht allzu viel Auswirkung auf die Schussgenauigkeit zu haben scheint. Mit Reflexvisieren und Fernrohren können wir mit einem zugekniffenen Auge ganz genau zielen, doch oft ist dafür gar keine Zeit. Besonders dann nicht, wenn mal wieder eine Action-Passage auf uns wartet, in der wir als Beifahrer in einem Fahrzeug die Waffen sprechen lassen oder auch in einer Art selbstlaufender Parkour-Sequenz unterwegs sind. Das fühlt sich dann wirklich vollends wie ein Rail-Shooter an.

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Mit Reflexvisieren und Fernrohren können wir mit einem zugekniffenen Auge ganz genau zielen, doch oft ist dafür gar keine Zeit.

So ballern wir uns durch tolle Locations und Szenen, die oft ein geniales Hollywood-Feeling aufkommen lassen. Wenn es dann aber mal so richtig kracht und alles voll mit Explosionen und Flammen ist, kommt die Konsole an ihre Grenzen. Dann sieht das Geschehen doch oft unecht aus und es entsteht eine etwas unfreiwillige Komik, doch ein Hauch von Humor schadet diesem martialischen Treiben nicht. Insgesamt hält die Story etwa fünf bis sechs Stunden bei Laune, es gibt allerdings hinterher noch eine Menge Sammelgegenstände zu entdecken, die zum Beispiel in Schubladen versteckt sein können, oder als besondere Zielmarkierung gefunden und abgeschossen werden müssen. Jede Action-Mission wird auf einer Skala von einem bis fünf Sternen bewertet, die wir in Upgrades und Lackierungen für unsere Waffen investieren.

Das Waffen-Tuning fällt jedoch recht dezent beziehungsweise zahm aus, womit wir auch schon zum leichten Manko von Blood & Truth kommen: Das gesamte Gunplay könnte einen Hauch mehr Wumms vertragen. Es sieht zwar schon cool aus, wie die Patronenhülsen aus den Waffen fallen (vor allem, wenn wir die optionale Zeitlupe aktivieren), doch die brachiale Kraft, die beim Abfeuern der Waffen freigesetzt wird, kommt für meinen Geschmack nicht deutlich genug rüber. Dabei kann man in den Umgebungen eigentlich schön viel zerstören, nur ist das Trefferfeedback irgendwie oft etwas merkwürdig. Deshalb bekommt man gerade beim Kampf gegen Motorräder manchmal das Gefühl, komplette Magazine zu entleeren, ohne auch nur einen einzigen Kratzer zu verursachen.

Seinen größten Reiz entfaltet das Spiel aber sowieso bei den wilden Dauerballereien, wo man über solche Sachen nicht nachdenkt. Richtig gelungen sind auch die ruhigen Szenen ganz ohne Schusswechsel, wo das London Studio interessante Dinge ausprobiert. Sie versuchen Geschichten in VR zu erzählen und wollen Emotionen erzeugen. Die normalen Gefechte sind hingegen teilweise etwas zäh - das kommt durch die halbautomatische Fortbewegung, bei der man oft nicht noch einmal zurückgehen kann. Störend ist auch das Nicht-Erkennen der Gesten beim Nachladen, weshalb wir öfters mal die Magazine durch die Luft warfen oder die Waffe plötzlich mit der linken Hand griffen, statt sie neu zu bestücken. Weniger schlimm, aber eben doch ärgerlich ist die manchmal erzwungene Langsamkeit, wenn neue Bewegungspunkte erst sehr spät aktiviert werden. Ach, und nicht-abbrechbare Cutscenes gibt es in diesem Game auch.

Das ist aber alles Jammern auf hohem Niveau, unterm Strich stellt Sony mit Blood & Truth mal wieder unter Beweis, dass sie im VR-Bereich absolute Vorreiter sind. Während die anderen großen Firmen die schwierige Investition in neue Spielideen scheuen, liefert Sony nach einer etwas zögerlichen Phase 2018 in diesem Jahr einen VR-Hit nach dem anderen ab. Da kann sich Daniel Craig auch gerne noch etwas mehr Zeit lassen, während wir uns in Blood & Truth austoben - und den inneren Mr. Bean können wir bei dieser Gelegenheit auch jederzeit rauslassen. Einfach unseren Gegnern den Mittelfinger zeigen oder mit der Geste des Teufelshorns abrocken, und damit sogar die eine oder andere Trophäe freischalten.

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Das Game ist in 19 lineare Missionen unterteilt, etwa die Hälfte davon ist kaum mehr als Cutscenes.
08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
fantastische Szenerien, viele tolle VR-Ideen, spaßige Rail-Shooter-Sequenzen.
-
Gunplay etwas zu zahm, Steuerung manchmal überfrachtet und hakelig.
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ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt