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Blacklight: Tango Down

Blacklight: Tango Down

Wie macht man eigentlich einen guten Shooter? Patentrezepte gibt es wahrscheinlich nicht. Zumindest aber scheinen die Produkte mit einem guten Mehrspielermodus vermehrt Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Ein Spiel wie {Call of Duty: Modern Warfare 2}, das für die Solokampagne die ein oder andere Kritik einstecken musste, verkauft sich hervorragend. Ja, es gibt sogar Spieler, die investieren 70 Euro in {Call of Duty}, um ausschließlich online unterwegs zu sein.

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In diese Bresche springen nach und nach Downloadspiele, die sich genau auf diese Zielgruppe konzentrieren. Titel wie Battlefield 1943 oder das jüngst erschienene Lead and Gold: Gangs of the Wild West haben es vorgemacht, Blacklight: Tango Down will nun auch etwas vom Kuchen abhaben. Den Fokus scharf auf das Mehrspielererlebnis gestellt - und dafür die Solo-Kampagne komplett über den Haufen geworfen.

Das Team von Zombies Studios weiß, was es da macht. Das sind Profis, wenn es um Shooter und Kriegsszenarien geht, arbeiten sie doch beispielsweise direkt mit der US-Armee zusammen, um für sie ernsthafte Simulationen für Trainingszwecke zu entwickeln. Die Erfahrung zieht der Entwickler aber auch aus seinem guten Team. Leute von Zipper Interactive (Socom, MAG), Gearbox Software (Borderlands) und Monolith Productions (F.E.A.R., Condemned) sind beispielsweise mit dabei. Und endlich ist ihr Baby draußen. Ihre Vision von einem grundsoliden Shooter, der schnell ist und Spaß macht.

Zwölf abwechslungsreiche Karten sind enthalten, sieben Mehrspieler-Modi und als Schmankerl mit dem Black Ops-Modus noch eine Koop-Variante für bis zu vier Spieler. Die Karten sind unterschiedlich groß und für vier bis sechzehn Spieler ausgelegt. Optisch macht Blacklight: Tango Down für die relativ kurze Entwicklungszeit von knapp einem Jahr wirklich einiges her. Nicht perfekt, aber der Titel erzeugt eine glaubwürdige Atmosphäre.

Blacklight: Tango Down
Die schöne Optik erzeugt eine glaubwürdige Atmosphäre.

Zu den Modi gehören Deathmatch, Team-Deathmatch, Retrieval, Domination, Detonation, Last Man Standing und Team-Last Man Standing. Deathmatch und Last Man Standing sind selbsterklärend, in Retrieval muss eine Datenkapsel vom gegnerischen Team gestohlen und zur eigenen Station gebracht werden. Umgekehrt versucht der Feind natürlich das gleiche. In Dominationen müssen Datenstationen aktiviert werden, damit das jeweilige Team Punkte dafür kassiert. In Detonation muss eine Bombe im feindlichen Lager platziert werden.

Domination und Detonation bieten darüber hinaus auch ein neues, für Shooter eher ungewöhnliches Feature. Um eine Datenstation zu aktivieren beziehungsweise die Bombe zu platzieren oder zu entschärfen, muss ein kleines Minispiel absolviert werden. Entweder muss sich eine Kombination aus vier Tasten gemerkt werden oder schnell eine Rechts-Links-Kombi im richtigen Moment geklickt werden. Da heißt es kühlen Kopf bewahren, sonst hat man sich ein-, zweimal verklickt und wird vom Feind überrannt.

In den teambasierten Modi ist jenes Team besser dran, dass sich gut abspricht, um den Gegner auszuspielen. Es nützt beispielsweise wenig, in Domination einfach nur von Station zu Station zu ziehen, um sie zu aktivieren. Sie müssen auch verteidigt werden. Und obwohl jeder Xbox 360-Besitzer kostenlos über ein Headset verfügt, scheint dies derzeit wenig zum Einsatz zu kommen. Es bleibt zu hoffen, dass sich das mit dem Herausbilden von Clans noch ändert. Diese werden nämlich indirekt vom Spiel unterstützt. Noch fehlt zwar eine Lobby oder ein direktes Clansystem, ab mit Hilfe eines Clan-Tags werden Spieler mit dem gleichen Tag automatisch in ein Team gepackt.

Blacklight: Tango Down
Mit dem Hyper Reality Visor kann man für einige Sekunden durch Wände schauen, um Feinde anzupeilen.

Es gibt übrigens auch eine Story zum Spiel, die aber lediglich im Hilfemenü kurz Erwähnung findet. Dabei ist es nicht so, dass sie den Entwicklern völlig egal ist. Nein, es befinden sich derzeit sogar ein Comic und ein Film in Arbeit, die Blacklight: Tango Down inhaltlich zur Seite stehen sollen. Denn auch ohne Einzelspielermodus gibt es eine Geschichte zu erzählen - wenn auch eine etwas ausgefallene. Man selbst ist Teil einer Spezialeinheit des Blacklight-Kommandos, um gegen die als The Order benannten Feinde vorzugehen. Allerdings kommt schnell raus, dass in der Krisenregion ein Virus ausgebrochen ist, der die Menschen in Zombies verwandelt hat, die wiederum gelernt haben, mit Maschinenpistolen umzugehen. Im Koop-Modus wird das etwas zusammenhangslos auch erlebbar gemacht.

Angesiedelt ist der Titel in der nahen Zukunft. Das drückt sich einerseits in der Spielwelt aus, die ein wenig futuristisch daherkommt, ohne dabei abgehoben zu wirken. Nichts was im Spiel enthalten ist, wirkt völlig abwegig - ganz ähnlich wie es sich auch mit unserer Ausrüstung verhält. Es gibt den Hyper Reality Visor, mit dem man für einige Sekunden durch Wände schauen kann, um Freunde und Feinde anzupeilen. Das wirkt ein wenig wie eine Art Wärmesensor. Die Sicht ist blaugrün eingefärbt und in orange sind Hinweise markiert.

Nutzt man das Feature, darf man nicht schießen. Zudem ist der Sensor nur wenige Sekunden einsetzbar und muss sich dann wieder aufladen. Dennoch verhindert er, dass sich Spieler einfach nur sinnlos verschanzen, denn gefunden werden sie am Ende sowieso. Der Sensor ist jedoch nicht nur Segen. Im Spiel gibt es neben gewöhnlichen Granaten und Proximity Mines zwei weitere Arten von Granaten, die die technische Ausrüstung beeinflussen. Die Digi-Granate erzeugt ein Feld, dass die Sicht in einem Bereich verpixelt - quasi eine Art Rauchbombe. Die EMP-Granate wiederum lässt den Visor abstürzen - Hightech mit Bluescreen, großartig.

Blacklight: Tango Down
Derzeit nervt vor allem das Matchmaking noch - mit wem man spielt, ist allzu häufig dem Zufall überlassen.

Diese Finessen nützen natürlich nur im Detail etwas. Für gewöhnlich wird man in einem ganz gewöhnlichen Schusswechsel sein Leben lassen oder welche nehmen. In Sachen Waffen will man ebenfalls punkten. Zu den sechs Grundtypen gehören Pistole, Schrotflinte, Maschinenpistole, Sniper-, Sturm- und schweres Maschinengewehr. Die können nach und nach stark an die eigenen Spielbedürfnisse angepasst werden. Welchen Lauf soll die Waffe haben, welches Zielfernrohr, Mündung, Magazin und so weiter. Es ergeben sich daraus zahlreiche Kombinationsmöglichkeiten, einige davon auch durchaus essenziell, um den Erfolg - also beispielsweise die Kopfschussrate - zu erhöhen.

Auch ein paar optische Anpassung in Form von Tarnmustern gibt es für Waffen wie auch für den Charakter. Letzterer kann übrigens auch noch mit unterschiedlichen Panzerungen ausgestattet werden. Diese bieten aber nicht nur Vorteile, sondern haben immer einen gleichermaßen starken Nachteil. Freigeschaltet werden mit der Zeit auch Waffen-Tags, die Boni in Sachen Gesundheit, Geschwindigkeit und Schaden gewähren - eine Variation der beliebten Perks. Jeder muss am Ende selbst entscheiden, was besser zu der eigenen Spielweise passt. Und weil all diese Extras sowieso erst nach und nach mit dem durch Erfahrungspunkte steigendem Rang freigeschaltet werden, bleibt genug Zeit, sich darüber Gedanken zu machen.

Blacklight: Tango Down
Mit individuell ausbaubaren Waffen will der Online-Shooter punkten.

Neben den Achievements gibt es ein umfangreiches Medaillen-System, wo in 55 verschiedene Kategorien Bronze, Silber und Gold winken. Es gibt eine Medaille für Kopfschüsse, eine für Kills durch die Shotgun oder für eigenhändig platzierte Bomben. Eine kleine nette Motivation, die hier am Rande läuft, ganz unabhängig vom eigenen Rang und der Bestenliste.

Auch ein paar Schwächen fehlen derzeit nicht. Neben dem fehlenden Clan-System nervt vor allem der ausbleibende Headset-Einsatz der Spieler. Letzteres können die Zombie Studios natürlich nur indirekt beeinflussen. Das man Spielern auch Erfahrungspunkte gewährt, wenn sie einem Mitspieler helfen ist beispielsweise eine solche Maßnahme. Zudem ist der Titel noch nicht wirklich ausbalanciert. Zur Zeit ist es auf manchen Karten noch möglich, dass sich ein Spieler in der Nähe eines Spawn-Punktes verschanzt und so zum echten Ärgernis wird. Die in diesem Gebiet aufgestellten Maschinengeschütze müssen wohl angepasst werden. Hübsch wäre auch eine größere Lobby, in der man sich zum Spielen verabreden kann. Derzeit entscheidet noch viel der Zufall, mit wem man am Ende zusammenspielt.

Alles aber Dinge, die noch ausgemerzt werden können und den Eindruck nur ein wenig trüben. Blacklight: Tango Down sieht gut aus, spielt sich gut und könnte tatsächlich für frischen Wind im Online-Shooter-Genre sorgen. Natürlich bietet das Gameplay nichts wirklich weltbewegendes und keine großen Neuerungen. Aber gerade die Integration des Visors als elementares Spielelement verpasst dem Spiel etwas eigenes. Und am Ende glänzt es vor allem dadurch, dass man es nicht mit endlosen Features überfrachtet hat. Wenn die Zombie Studios den Titel jetzt noch mit Updates unterstützen, um die Community mit Nachschub und den nötigen Anpassungen zu versorgen, hat der Titel die Chance für den schmalen Preis von rund 14 Euro etwas ganz Großes zu werden.

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08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
großartige Präsentation, viele Karten, viele Modi, Hyper Reality Visor, preiswert
-
Matchmaking, niemand nutzt das Headset
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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