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Kritiken
Bit. Trip Runner

Bit. Trip Runner

Er läuft nicht für die Frauenrechte und auch nicht für Tibet. Wofür er eigentlich genau läuft, weiß er wahrscheinlich nicht einmal selbst. Aber wie ein kleines Duracell-Häschen kann Commander Video einfach nicht mehr damit aufhören und verzaubert uns dabei.

Dieses Spiel widerspricht den Regeln moderner Spiele so elegant, dass im Ergebnis trotzdem eins herauskommt, das man nie wieder aus der Hand legen möchte. Grafisch folgt Bit. Trip Runner keinem Trend und an die heute üblichen Spielregeln hält es sich nur bedingt - auch nur gerade so, dass die Frustgrenze angenehm niedrig bleibt. Und das, obwohl das Scheitern in diesem Spiel mehrfach auf der Tagesordnung steht.

Der Held des Spiels ist Commander Video. Kenner der Bit. Trip-Reihe kennen diesen schwarzen Pixelklotz bereits. Diesmal jedoch ist er tatsächlich auch der Star des Spiels und wie schon der Name Bit. Trip Runner vermuten lässt, ist er gut zu Fuß unterwegs. Eigentlich kennt er sogar gar kein Halten mehr. Er läuft und läuft und läuft. Und das macht er auch ganz von alleine ohne jegliches Zutun mit einem ordentlichem Tempo.

Bit. Trip Runner
Commander Video rennt und nichts darf ihn stoppen. Wie gut, dass er unter anderem einen Kick beherrscht.

Die Aufgabe als Spieler besteht darin, ihn trotz seines unnachgiebigen Drangs zu laufen sicher durch die 36 Level zu manövrieren. Nach und nach lernt Commander Video neben dem klassischen Springen weitere Techniken wie Blocken und Kicken. Besonders beeindruckend ist seine Fähigkeit, ausdauernd auf dem Boden entlang zu rutschen und dabei so unfassbar cool auszusehen, wie es selten ein Held vor ihm getan hat.

Doch obwohl das Spiel diesmal so völlig anders zu sein scheint als die drei bisherigen Veröffentlichungen, so unterscheidet sich Bit. Trip Runner im Detail dennoch nur geringfügig. Noch immer ist es nämlich die abgefahrene Mischung aus visuellen und musikalischen Effekten, die kurz daran zweifeln lässt, ob es sich bei dem Titel nun um ein Spiel oder ein Kunstprodukt handelt.

Überwindet Commander Video Hindernisse, sammelt Goldbarren oder eins der roten Plus-Teilchen ein, wird ein Sound erzeugt, der den Klangteppich im Hintergrund ergänzt. Weil die Laufgeschwindigkeit dabei konstant bleibt, fühlt es sich ein wenig so an, als würde man ein Lied nachspielen. Lässt man einen Goldbarren oder ein optionales Hindernis aus, wirkt das Lied unvollständig, weil der entsprechende Ton nicht erzeugt wurde.

Dazu kommt die visuelle Komponente. Der Grafikstil, eine Pixelwelt in der dritten Dimension, strotzt nur so vor lauter wunderbaren Farbtupfern. Und werden die in jedem Level vorhandenen Plus-Teilchen eingesammelt, verändert sich nicht nur die Musik hin zu einem orchestralen Klang, Commander Video zieht dann auch einen Regenbogen hinter sich her.

Bit. Trip Runner
Wurden vier im Level verstreute Plus-Teilchen eingesammelt, zieht Commander Video einen hübschen Pixel-Regenbogen hinter sich her.

Meist habe ich einen Level abgebrochen und von vorn begonnen, wenn ich eins dieser Teile verpasst habe. Wusste ich doch, dass es sich ansonsten falsch angefühlt hätte. Musik und Bild hätten nie den Höhepunkt erreicht. Eine unvollständig Symphonie. Und im Grunde geht es einem mit den noch schwieriger zu sammelnden Goldbarren ähnlich. Erwischt man wirklich alle, wartet ein Retro-Level im 2D-Stil als Bonus - auch ein ganz besonderes Erlebnis. Außerdem können noch mehr Punkte für den Highscore gesammelt werden.

Der Highscore ist aber letztendlich nur zweitrangig. Viel mehr wert ist es tatsächlich, das Level musikalisch und optisch in vollkommener Perfektion zu erleben. Diese Genugtuung, das schier Unmögliche geschafft und alle Einsätze richtig getroffen zu haben, ist so unglaublich befriedigend, da pfeift man auf irgendeine Liste, die einem diese Perfektion bescheinigt. Und das empfindet man auch nicht nur selbst so, dieser Funke springt auch auf jene über, die nur zuschauen.

Ein bisschen Training wird gerade im späteren Verlauf des Spiels schon nötig. Man lernt sie auswendig, die Level, saugt den Beat auf und ertappt sich später dabei, eigentlich gar nicht mehr wirklich auf den Bildschirm zu schauen, sondern nur die Melodie wiederzugeben. Das ist ein bisschen so wie bei Guitar Hero & Co., mit dem Unterschied, dass die Eingabemaske eine völlig andere ist - vielleicht erinnert sich noch jemand an Donkey Kong: Jungle Beat. Eher so fühlt es sich an. Zumindest wandern eben bei Bit. Trip Runner die Augen irgendwann an den rechten Rand des Bildschirms und springen nur in wirklich kniffligen Situationen noch einmal zurück zum kleinen Commander Video. Alles andere besorgt der Rhythmus.

Bit. Trip Runner
Werden alle Extras in einem Level ingesammelt, winkt ein Bonuslevel in 2D, in dem noch mehr Punkte gesammelt werden können.

Fies ist bei Bit. Trip Runner, dass ein Fehler wie beispielsweise der Sprung gegen eine Wand oder ein Hindernis zum Levelneustart führt. Ist dieses wirklich lang, müsste ein Fehler eigentlich ziemlich frustrierend sein. Nicht aber so in diesem Spiel. Zum einen ist das Spiel zwar schwer, aber durch Training wirklich schaffbar und gerade durch das Rhythmusgefühl für einen "Song" ist es durchaus sinnvoll, den Zähler wieder auf Null zu stellen. Zum anderen fragt das Spiel nach einem Fehler aber auch nicht, ob man noch einmal spielen will. Der Held läuft einfach am Anfang des Levels wieder los - ohne Rast.

Und so saß ich stundenlang vor dem Fernseher und dachte mir immer neue Gründe aus, warum ich das Spiel nicht mit einem Klick auf die entsprechende Taste beende. Es machte mich rasend und wütend, wenn ich ein Level nicht schaffte. Aber meine Aggression richtete sich nicht gegen das Spiel, sondern gegen meine eigene Unfähigkeit. Sie spornte mich an, besser zu werden und das Spiel letztendlich doch zu schlagen und sich erhaben und gut zu fühlen.

Jedenfalls ist Bit. Trip Runner für 800 Nintendo Punkte wirklich ein Schnäppchen. Selten war ein Spiel derartig intensiv und derartig fesselnd sind tatsächlich nicht einmal die meisten Vollpreis-Spiele. Irgendetwas hat Gaijin Games einfach richtig gemacht. Irgendetwas ist es, dass ihr Spiel so großartig macht und einen direkt im Herz trifft. Vielleicht haben sie das Geheimrezept von Nintendo gestohlen, die Meister darin sind, solche Spiele zu kreieren. Jednefalls iszt das hier ihr definitiv bestes Spiel und gleichzeitig eines der besten Downloadspiele überhaupt.

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09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
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audiovisuelles Leckerli, Spielprinzip mit Suchtgefahr, fordernd, günstig
-
Scheitern schmeckt nicht jedem
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