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Batman: Arkham Asylum

Batman: Arkham Asylum

Versteckte Bomben in Gotham City, in der Klapsmühle eingesperrte Polizeichefs und ein entflohener Joker, der Batman als Geisel gefangen hält. Wir hatten in letzter Zeit wirklich alle Hände voll mit Verbrechensbekämpfung zu tun...

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Trotz aller Batman-Filme schien es bisher so zu sein, dass Batman in der Welt der Comics am besten ist. Meisterwerke wie „Year One", „Blind Justice" oder der absolute Favorit „A Killing Joke" markieren absolute Höhepunkte in der langen Karriere des Fledermausmannes. Die Hefte sind gleichzeitig verspielt und voll schwärzestem Bösen. Sie haben Unmengen guter Dialoge sowie Bilder, die alle für sich genommen bereits kleine ausdrucksvolle Meisterwerke sind, da sie das Gefühl der geplagten Seele vermitteln, die der Ritter der Finsternis im Grunde ja ist.

Diese Meinung hatte Bestand bis zu den ersten Minuten Spielzeit mit Batman: Arkham Asylum. Ein dunkles und ergreifendes Abenteuer steht uns bevor, das besser als alle Filme zuvor den Ritter der Finsternis genau so porträtiert, wie er sein soll. Wortkarg, effektiv, smart. Ein klassischer Superheld, der trotzdem noch im genau richtigen Maße menschlich ist, um die ganze Zeit interessant zu bleiben.

Batman: Arkham Asylum beginnt an einem jener dunklen, regnerischen Tage, die Gotham City anscheinend im Abo bestellt hat. Batman hat Joker gerade gefangen genommen und sitzt im Batmobil. Seine Mission: Den Joker nun für alle Ewigkeit einzusperren. Die ganze Situation ist von Anfang an unangenehm, denn der hervorragende Dialog lässt vermuten, dass Joker und Batman in all dem Wahnsinn und obwohl sie die krassesten Feinde sind, dennoch eine Art Bündnis haben. Und Batman ahnt, dass hier irgendetwas nicht ganz richtig läuft.

Nachdem sie gut im Arkham Asylum angekommen sind, bestätigt sich Batmans Verdacht. Mit der Hilfe von Harley Quinn flieht Joker, lässt gleichzeitig noch Gothams schlimmste Verbrecher frei und verriegelt das Gebäude. Weder Batman noch die anderen Polizisten und Wächter können sich aus dem Arkham Asylum befreien. Hilfe von außen kommt nicht rein und Joker hat sofort diabolische Pläne am laufen. Dies ist der Startschuss des bisher mit Abstand besten Batman-Spiels. Ein Spiel, das die ganze Zeit überrascht, unterhält und die Spannung auf eine sehr gute Weise vom ersten Bild... entschuldigung, von der ersten Sekunde bis zur letzten beibehält.

Der bekannteste Batman-Schurke ist ohne jeden Zweifel Joker. Dass ihm die Ehre zuteil wird, der zentrale Bösewicht des Spiels zu sein, ist eine ausgezeichnete Wahl. Und das obwohl der weißgeschminkte, reichlich psychopathische Scherzbold tatsächlich ein ganzes Jahr brauchte, bis er in den Batman-Comics 1940 seine Premiere feierte. Auf der Filmleinwand wurde er von Stars wie Jack Nicholson und erst kürzlich Heath Ledger dargestellt und in der animierten Fernsehserie lieh ihm Mark "Luke Skywalker" Hamill die Stimme. Mark Hamill gibt auch in Batman: Arkham Asylum den Joker, ebenso machen große Teile der Rollenbesetzung der genannten TV-Serie ihr Comeback in diesem Spiel.

Das Einzigartige an Batman: Arkham Asylum ist, dass die Entwickler Rocksteady Studios wirklich auf sämtliche Batman-Filme geschissen haben und sich stattdessen intensiv die besten Comics zu Gemüte geführt haben. Von dieser Warte aus haben sie ein Abenteuer erschaffen, das sich deutlich von den üblichen Batman-Titel mit ihrer Dauer-Action und den unzähligen Schlägereien abhebt. Sehr deutlich sogar. Wir haben hier nämlich ein Spiel bekommen, in dem wir erkunden, mit Menschen reden und wie in Riddicks erstem Abenteuer nach smarten Fluchtwegen suchen. Wir schleichen hoch oben zwischen den Dachgiebeln herum wie in Splinter Cell und springen in allerbestem Tomb Raider-Style zwischen Gebäuden umher.

Prügeleien, normalerweise die Hauptbeschäftigung in Batman-Spielen, kommen kaum vor. Batman hätte angesichts der misslichen Lage ohnehin ziemlich schlechte Chancen, aber er ist ja nun auch kein Dummkopf. Er schleicht sich an seine Feinde heran, lässt sich aus extremer Höhe auf sie herabfallen oder fängt sie in Fallen. Erst wenn es keine andere Wahl mehr gibt als stehenzubleiben und sich zu prügeln, kommt es final zur Schlägerei. Das verleiht Batman: Arkham Asylum ein etwas langsameres Tempo, das sich aber perfekt dazu eignet, die Story zu erzählen und Charaktere zu entwickeln sowie viel Zeit zum Erforschen lässt.

Man hat richtiggehend die Muße stehenzubleiben und sich das wenig gastfreundliche Interieur des gotisch inspirierten Arkham Asylums anzuschauen. Es vermittelt permanent eine auf den Punkt inszenierte, gespenstische Atmosphäre, deren Stille in regelmäßigen Abständen von Psycho-Joker unterbrochen wird. Der Weißgeschminkte macht uns mit gut geschriebenen Statements über das Lautsprechersystem des Gebäudes klar, was sich für ein Wahnsinn sich hinter seiner Stirn eigentlich verbirgt.

Batman: Arkham Asylum ist in kleinere Aufträge aufgeteilt, die wir Stück für Stück lösen. Es ist die ganze Zeit deutlich markiert, wo wir als nächstes hingehen sollen. Wer - entgegen aller Erwartungen - nicht versteht, was zu tun ist, kann mit einem Knopfdruck den Detektiv-Modus aktivieren. Dann sind wichtige Gegenstände markiert und es werden sogar die Bösewichte durch die Wände hindurch angezeigt. So bleiben wir nirgends hängen oder fühlen uns frustriert. Ein Gefühl, das Rocksteady Studios ohnehin durchgehend hervorragend transportieren.

Die Schlägereien sind simpel, ohne jedoch Spieltiefe zu verlieren. Anleitungen, welche Knöpfe was machen, tauchen während des ganzen Abenteuers immer wieder auf, so dass wir unsere Wahlmöglichkeiten unter Kontrolle haben. Ein Fehltritt, der normalerweise mit dem sicheren Tod enden würde, resultiert darin, dass Batman ganz einfach seinen Enterhaken losschießt und sich so automatisch rettet. Deswegen macht es wirklich Spaß, Arkham Asylum zu besuchen. Wir können es jede Sekunden genießen, denn es wird sich die ganze Zeit im genau richtigen Ausmaß um uns gekümmert.

Jeder Schurke von Rang, auf den Batman während seiner 70-jährigen Karriere als Comic-Held gestoßen ist, hat eine Rolle als Gangsterboss und es gibt mehrere unangenehme Begegnungen im Laufe der Reise. Die Supergangster regieren alle über einen bestimmten Bereich, der ihrem Charakter angemessen ist. Killer Croc kümmert sich um die Kloaken des Spiels. Bane treffen wir in der am besten bewachten Abteilung. Und Scarecrow ist Chef der Obduktionsabteilung. Die Begegnungen mit ihnen sind fantastisch und jeder Gangsterboss muss mit Köpfchen und Fingerfertigkeit besiegt werden - und nicht nur durch das profane Wedeln mit den Fäusten. Hier soll noch erwähnt werden, dass einer der Bosse des Spiels so unglaublich geheim ist, dass wir noch nicht einmal erzählen dürfen, womit er sich so beschäftigt. Aber vertraut unserem Wort, wenn wir sagen, dass die Kämpfe gegen die Bosse zum Besten gehören, was wir je erlebt haben. Das gilt ganz besonders für den Geheimnisumwobenen.

In knapp sieben Stunden ist Batman: Arkham Asylum geschafft, was vielleicht gerade noch an der untersten Grenze für ein Adventure ist, selbst wenn heutzutage viele Actionspiele noch kürzer sind. Trotz des fehlenden Multiplayers bleiben reichlich Dinge zum Sammeln im Game, und außerdem sind da noch die Challenge-Maps, die die Spielzeit einige Stunden verlängern können. Das Spiel ist am Ende tatsächlich derart cool, dass es viele auf einem höheren Schwierigkeitsgrad noch einmal spielen werden wollen.

Batman: Arkham Asylum ist streckenweise richtig hübsch mit guten Animationen und delikaten Effekten. Rocksteady haben viel Mühe darauf verwandt, eine tiefe, gotische Atmosphäre zu schaffen. Batman selbst trägt zudem das graublaue Gewand, das in den Siebzigern eingeführt wurde und das er in der Welt der Comics auch heute noch trägt. Außerdem fährt er eine Karre, die jener ähnelt, die Tim Burton für den ersten Batman-Film entwickelte, bei dem er in den Achtzigern Regie führte. Comic-Enthusiasten bedanken sich für all diese Dinge, weil sie das Spiel diesen einen Tick besser machen.

Obwohl wir Arkham Asylum kein einziges Mal verlassen, bleibt die Umgebung variantenreich und wird nicht langweilig. Die ganze Anlage ist enorm komplex und wir haben die Möglichkeit, den Kampf nach draußen zu verlagern, so dass die eindrucksvolle Silhouette von Gotham City im Hintergrund funkelt. Oder wir erforschen Höhlensysteme, um weit voneinander entfernt liegende Abteilungen zu besuchen. Alle haben eine eigene Farbwelt und einen eigenen Charakter. Das Abenteuer wird von richtig guter Musik begleitet, die perfekt zum Spiel passt.

Von den Neulingen Rocksteady Studios werden wir mit Sicherheit in Zukunft noch mehr hören. Aber eigentlich sind sie gar nicht die Rookies, für die sie immer gehalten werden. Rocksteady Studios wurden 2004 in England von Sefton Hill und Jamie Walker gegründet. Die beiden kamen von Argonaut Studios, die hinter Erfolgen wie Star Wing für Super Nintendo oder dem supercharmanten I-Ninja stehen. Nach Flops wie Catwoman gingen Argonaut pleite und mehrere Entwickler wechselten mit zu Rocksteady Studios. Das einzige Spiel, dass sie bislang gemacht haben, ist das ganz ansehnliche Urban Chaos: Riot Response. Aber es wird ganz klar Batman: Arkham Asylum sein, mit dem der große Durchbruch kommt.

Auch wenn Batman selbst dieses Jahr unwahrscheinliche 70 Jahre als Superheld feiert, ist seine Spielgeschichte bedeutend kürzer und begann 1986 mit dem Spiel Batman für alle damals angesagten Computer. Seitdem folgte Spiel auf Spiel, mit dem Höhepunkten Batman für C64 und NES (1993) sowie Batman Returns für Mega Drive (1993). In den 15 darauf folgenden Jahren kamen nur noch Schrotttitel, bis letztes Jahr das tolle Lego Batman veröffentlicht wurde. Das ultimative Batman-Spiel ist jedoch Batman: Arkham Asylum. Wie bei allen großen Spielen üblich, kommt eine Sammler-Edition von Batman: Arkham Asylum. Diese ist ungewöhnlich gut gefüllt und außer Krimskrams wie einem Comic-Heft, einer Bonus-DVD und ähnliches bekommt wir einen hübschen Batarang für den Kaminsims. Ein Batman-Liebhaber sollte hier also zweifellos zuschlagen.

Batman: Arkham Asylum schafft es am Ende, den Superhelden Batman besser als bisher jedes andere Spiel oder jeder andere Film in seiner Persönlichkeit zu erfassen. Wir spielen den Ritter der Finsternis in absoluter Höchstform. Ein Fledermausmann, der sich lieber auf seine eigene List und seine Fähigkeiten verlässt als auf technisches Equipment. Das Spiel ist megaspannend, steigert sich häufig fast schon ins Gruselige und ist damit ganz einfach ein großer Genuss. Wir ernennen Batman: Arkham Asylum hiermit ohne jeden Zweifel zum besten Superhelden-Spiel aller Zeiten. Mit der einzigen Kritik, dass es mit seinen sieben Stunden wirklich etwas zu kurz geraten ist.

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09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
+
Abwechslungsreiche Spielmechanik, tolle Story, gute Spielkontrolle, passende Musik, hübsche Grafik, krasse Atmosphäre
-
Zu kurzes Abenteuer, Multiplayer-Modus fehlt
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