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Back 4 Blood

Back 4 Blood

Hat Turtle Rock dem Zombie-Shooter-Genre etwas Sinnvolles hinzuzufügen?

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Auch wenn ich Back 4 Blood bisher erst zwanzig Stunden lang gespielt habe, kann ich bereits festhalten, dass ich nur wenige Spiele kenne, die einem in so einer kurzen Zeit so viele denkwürdige Momente bieten. Ich habe mich so oft am Rand des Todes befunden und konnte eine eigentlich ausweglose Situation mit rasendem Puls dann doch noch irgendwie in ein Comeback verwandeln, den Endgegner besiegen und anschließend mein ganzes Team wiederbeleben.

Ich will diese Kritik eigentlich gar nicht schreiben, sondern möglichst schnell zurück ins Spiel. Ihr habt das selbst gesteckte Ziel der Entwickler sicher alle gehört: Back 4 Blood will der geistige Nachfolger von Left 4 Dead sein. Einige Entwickler, die bereits am Original gearbeitet haben, setzen das gleiche Konzept nun noch einmal um. Ein paar neue Ideen und modernes Gameplay geben sie ebenfalls hinzu, denn es müssen Unmengen von Zombies gemetzelt werden, die in Back 4 Blood Ridden genannt werden (warum heißen die Biester eigentlich in jedem Spiel anders?).

Das Gameplay hat Turtle Rock gut hinbekommen und deshalb ist es eine wahre Freude, die Zombies mit einer Axt zu bearbeiten, sie mit Molotow-Cocktails in Brand zu setzen oder sie mit unseren Knarren zu perforieren. Die Untoten endgültig umzulegen wird einfach nie alt und die Kämpfe, Gegner und Quests sind abwechslungsreich genug, um das über Stunden hinweg machen zu können.

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Kein Spieldurchlauf fühlt sich wie ein anderer an, dafür sorgt das zentrale Deck-System von Back 4 Blood.

Aber noch bevor das Gemetzel beginnt, solltet ihr euch mit der Hub-Welt vertraut machen. Dort wählen wir unseren Charakter aus und legen das Aussehen, die Bewaffnung und (besonders wichtig) das Kartendeck fest. Im Gegensatz zu Left 4 Dead gibt es ein Fortschrittssystem, das unsere Chancen verbessert. Ihr braucht gute Karten, um auf die Herausforderungen reagieren zu können, die in den Leveln auf euch warten. Vielleicht muss euer gesamtes Team überleben oder die Gegner sind wesentlich stärker? Ihr könnt solche Anforderungen mit den Karten abfedern, indem ihr eurem Team mehr Gesundheit, größere Magazine oder bessere Angriffe zur Verfügung stellt.

Indem ihr neue Karten kauft, bleibt das Spiel abwechslungsreich und interessant. Es macht richtig Spaß, gemeinsam mit dem Team das Pro und Kontra bestimmter Kartenkombinationen zu diskutieren. Das Decksystem wurde nicht von allen Spielern positiv aufgenommen, aber ich kann mir Back 4 Blood gar nicht mehr ohne vorstellen. Diese Karten halten das Spiel zusammen und sind gleichzeitig eine Art Belohnung nach jeder Runde.

Die Level sind wunderbar groß (eine Runde dauert gerne mal zwei Stunden) und gleichzeitig abwechslungsreich. Im Safe-House könnt ihr euch zwischendurch kurz erholen, Ausrüstung auffrischen und dann geht es durch einen anderen Ausgang weiter. Da die Ziele wechseln und die Gefahr in den Leveln variiert, muss eine Strategie, die euch beim letzten Versuch durchgebracht hat, diesmal nicht zwangsläufig wieder zum Erfolg führen.

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Auf den staken Systemen macht der Titel einen richtig guten Eindruck, denn neben der Grafik ballert auch der Sound ordentlich.

Leider ist das System nicht perfekt, da die Herausforderungen auch sehr unfair ausfallen können. Es kann gut sein, dass ihr gleich zu Beginn eine Mission bekommt, die eigentlich so gut wie unmöglich ist. Vermutlich ist die nächste Aufgabe dann plötzlich so einfach, dass es fast schon langweilig wird. Daran muss noch gearbeitet werden, denn es macht einfach mehr Spaß, wenn die Herausforderung kontinuierlich steigt und nicht plötzlich rapide ansteigt oder abfällt.

Die acht verschiedenen Charaktere mit ihren einzigartigen Fähigkeiten tragen ihr Teil dazu bei, dass Back 4 Blood auch langfristig interessant bleibt. Unterschiedliche Teamkonstellationen ermöglichen neue Synergien, was Turtle Rock sehr kreativ umgesetzt hat. Das Gameplay wird aufgeweicht, indem wir manchmal dazu gezwungen sind, Barrikaden zu erreichten oder durch einen Abschnitt zu schleichen. Es gibt sogar ein paar Bosse, aber die sind nicht wirklich spektakulär.

Ich habe am Wochenende auf der Xbox Series X gespielt und die Beta auf dem PC erlebt. Back 4 Blood sieht auf beiden Plattformen ziemlich gut aus, vor allem weil die Welt glaubwürdig wirkt (und nicht von unsichtbaren Wänden durchbrochen wird). Die Umgebungen sind abwechslungsreich und das ist auch wichtig in einem Mehrspielerspiel, in dem wir die gleichen Gebiete immer und immer wieder aufs Neue besuchen. Der Sound ist fett, mit tollen Effekten, heftigen Explosionen und schönen Einsatz von Umgebungsgeräuschen.

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Das Gameplay hat Turtle Rock gut hinbekommen, denn es ist eine wahre Freude, die Zombies zu bearbeiten.

Back 4 Blood ist eindeutig ein Koop-Spiel, deshalb ist es so verwirrend, dass Turtle Rock vor der Veröffentlichung stark damit geworben hat, dass man den Titel auch alleine spielen kann. Das geht zwar, es macht aber keinen Spaß. Man kann sein Deck nicht ausbauen, Fortschritte werden nicht gespeichert und man arbeitet nebenbei nicht mal an den Erfolgen oder Trophäen. Und mit der KI will ich ehrlich gesagt gar nicht anfangen, denn die trifft äußerst fragwürdige Entscheidungen und stellt sich unglaublich dämlich an.

Für mich persönlich ist das egal, denn Back 4 Blood ist wie gesagt ein Mehrspielerspiel, das man mit seinen Freunden spielt. Der Titel ist für Solospieler einfach nicht empfehlenswert, auch weil man auf den höheren Schwierigkeitsgrade - die erst so richtig Spaß machen - menschliche Teamkameraden braucht.

Back 4 Blood ist meiner Meinung nach trotzdem ein würdiger Erbe von Left 4 Dead. Das Spiel hat alles, was das Original so toll gemacht hat und es kombiniert diese Basis mit modernem Gameplay und einer hochwertigen Produktion. Jede Runde hat ihre denkwürdigen Momente und ihr werdet mit euren Freunden viel zu lachen haben. Das Spiel ist zwar nicht perfekt, da unter anderem die Qualität der Herausforderungen schwankt, was wiederum zu Spitzen im Schwierigkeitsgrad führt. Solospieler müssen sich leider ebenfalls nach anderen Dingen umschauen, weil sich der Spaß allein doch sehr in Grenzen hält. Aber wenn ihr mit ein paar Freunden ein bisschen Action erleben wollt, dann werdet ihr momentan kaum etwas Besseres finden.

08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
audiovisuelle Präsentation von hoher Qualität, wunderbarer Koop-Mehrspieler.
-
sprunghafter Schwierigkeitsgrad, Einzelspielererfahrung ist viel zu langweilig.
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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