Skip to main content
Gamereactor Kritiken Archibald's Adventures
Kritiken Archibald's Adventures

Archibald's Adventures

Die Playstation Minis haben sich gerade über eine Million Mal verkauft. Ein Qualitätsmerkmal ist das aber nicht unbedingt. Mit Archibald's Adventures kommt zumindest mal wieder ein Titel, der dem gerecht wird, was die Minis sein sollen: kleine Spiele zum kleinen…
Martin Eiser Getestet auf Multi 21 Juli 2010

Irgendwie erinnert mich der Held in Archibald's Adventures an jenen unerschrockenen Jungen, der vor allem in den siebziger und achtziger Jahren als Weltraumtrotter in einer Zeichentrickserie mit seinem aufblasbaren Raumschiff regelmäßig tolle Abenteuer erlebte. Je nach Ost oder West hieß er Adolars oder Archibald und schlich sich nachts aufs Dach und startete in die Weiten des Weltalls.

Und wer weiß, vielleicht ist dieser Vergleich mit dem Zeichentrickhelden Archibald auch gar kein Zufall. Nicht nur, dass die ungarische Serie auch in der tschechischen Heimat von Entwickler Rake in Grass beliebt war, den schlichten Charme und den durchaus naiven Mut des Hauptcharakters teilen beide. Allerdings, der Skater Archibald von Entwickler Rake in Grass stürzt sich nicht in die dunkle Nacht, sondern landet durch ein Missgeschick im Labor eines schrulligen Professors, der seine Experimente und Maschinen nicht mehr unter Kontrolle hat.

An solchen Rohren kann Archibald mit dem Magnetroller entlang sausen.

Glücklicherweise gibt es natürlich auch ein paar gute Nachrichten, denn so manche Erfindung des Professors ist auch hilfreich. Da ist zum Beispiel eine Maschine, die Blasen produziert, mit denen sogar leichte Kisten bewegt werden können. Und es gibt einen Magnetroller, der wie eine kleine Raumkapsel aussieht. Damit kann sich Archibald an Metallflächen heften und sie entlang rasen - alle Fähigkeiten werden nach und nach eingeführt und gut erklärt und das komplett in Deutsch. Auch dafür ein Lob an den Entwickler.

Aus diesen Gerätschaften jedenfalls bastelte das kleine Team ein Jump'n'Run, das im Grunde aber voll und ganz auf Rätsel setzt. Denn das Ziel, eine Tür zum nächsten Level, kann so nah und doch so weit entfernt sein. Die Verbindung in die Welt der Hüpfspiele aber sorgt dafür, dass eben nicht nur schnöde Denkaufgaben gelöst werden, sondern die Spielerfahrung viel umfassender ist. Den Monstern und Fallen auszuweichen, Sprünge richtig zu platzieren, all das erfordert auch eine Menge Geschick. Und trotz dem relativ geringen Repertoire an Fertigkeiten herrscht eine Menge Abwechslung.

Ist ein schwieriges Level gelöst, verschafft einem das durchaus ein gewisses Hochgefühl. Denn oft genug ist ein Kniff notwendig, um zum Ziel zu kommen. Und während man zum tausendsten Mal über das Level streift und sich alle Möglichkeiten ausmalt, was mit den vorgegebenen Schaltern, Bomben, Hebeln, Transportern und so weiter alles angestellt werden kann, macht es plötzlich klick und das eben noch verkrampfte eigene Gesicht zeigt plötzlich sein schönstes Lächeln. Großartig.

Die einfache zweidimensionale Optik mag so manchen 3D-verwöhnten Spieler etwas stören. Aber was dem Einen altbacken erscheint, ist für den Anderen ein liebevoll gezeichnetes Schmuckstück. Ebenso schlicht wie die Grafik ist auch der Sound. Die spartanischen Klänge jedenfalls stören zumindest niemanden beim Tüfteln und Knobeln.

Die Blase wird separat gesteuert und reagiert wie Archibald sehr empfindlich auf Fallen und Monster.

Fast zweihundert solcher Räume muss Archibald knacken. Dass es beim Tüfteln und Knobeln keinerlei Zeitvorgabe gibt, wurmt allerdings ein wenig. Denn zwar bietet das Spiel genügend Stoff, um sich viele Stunden damit auseinander zu setzen. Und auch der Schwierigkeitsgrad ist genau richtig angesiedelt - schwer, aber lösbar. Aber so eine kleine interne Uhr, gekoppelt an einen Highscore, wäre Gold wert gewesen. Nicht einmal die Zahl der Leben ist beschränkt.

Dennoch ist Archibald's Adventures das wohl beste Mini-Spiel, dass derzeit erhältlich ist. Dass es den Titel bereits für PC, Mac sowie Windows- und Apple-Telefone gibt, mag etwas wurmen. Aber zumindest mit dem kompakten Preis von rund drei Euro und dem unfassbar guten Gameplay sollte die Veröffentlictung für Playstation Portable- und PS3-Besitzer trotzdem eher ein Grund zur Freude sein. Dieses Spiel sollte man definitiv nicht verpassen.

Zusätzliche Wertungen

Grafik
8 / 10
Sound
8 / 10
Spielbarkeit
10 / 10
Langzeitmotivation
10 / 10
9
Herausragend von 10 · Gamereactor Deutschland
Pro fordernde, aber lösbare Rätsel, relativ großer Spielumfang
Contra keine Highscores
Vollständiges Profil 13.607 veröffentlichte Artikel
9
Herausragend Netzwerk-Wertung über 1 Ausgaben
Fakten zum Spiel
Entwickler Rake in Grass
Termin 14 Juli 2010
Getestet auf Multi
Genre Puzzle
Plattformen
PC Mac iOS PSP PS3 Mobil PSN
Warum Gamereactor vertrauen
23 Ausgaben Jede mit eigener Redaktion und eigenen Wertungen.
1998 Erscheint seit Durchgehend unabhängig geführt.
100% Selbst gespielt Geschrieben aus Zeit mit dem Spiel, nie aus Pressematerial.
1–10 Netzwerk-Wertung Die Wertung jeder Ausgabe, gemittelt und ausgewiesen.