Als die Welt von Age of Conan ihre Pforten öffnete, da lag sie, um es kurz und bündig zu sagen, in Scherben. Überall hatten sich Programmfehler eingeschlichen. Starke Latenzen sorgten in den meisten Fällen für mehr Frust als Lust und das Balancing war scheinbar auch kaum durchdacht. Dennoch hielten viele Spieler dem Titel die Treue, was vermutlich an der Alterseinstufung lag: Nur erwachsene Helden hatten Zugangsberechtigung. Und ein jeder wollte die barbusigen Tänzerinnen und das rote Blut fließen sehen. Wo andere Genrevertreter mit Comicoptik aufwarteten, da bot das Werk aus dem Hause Funcom ein deutlich ansprechenderes Gewand. So kam es, dass genügend Abonennten zusammenkamen, damit die Entwicklung auch nach der Veröffentlichung voranschreiten konnte.
Mittlerweile ist Age of Conane nahezu fehlerfrei und bietet treuen Fans eine willkommene Erwachsenenwelt mit düsteren Abenteuern. Doch dem Volk dürstet es nach neuen, noch blutigeren und noch gefährlicheren Abenteuern. Und schon bald sollen sie eben diese bekommen: Die erste Erweiterung namens Rise of the Godslayer ist fast startbereit. Wir haben uns in aller Ruhe umgesehen. Schauplatz der Erweiterung ist das Land Khitai, ganz im Osten. Wie in der realen Welt zeichnet sich der Osten im Spiel durch ein asiatisches Flair aus. Doch noch mehr hat der Titel mit der Realität gemein: Die Reise in den fernen Osten ist lang. Frischlinge können nicht mal eben hinüber laufen, sondern müssen sich beachtlichen Strapazen aussetzen.

Nicht jede Figur ist dem Spieler freundlich gesinnt. Dieses Biest ganz besonders nicht!
Um nach Khitai zu gelangen, benötigt der Spieler entweder einen dicken Geldbeutel oder aber einen Hauch Kühnheit. Wer das nötige Kleingeld besitzt, der kann sich eine Reise in die fernen Länder kaufen, verpasst somit aber möglicherweise Gelegenheiten, Erfahrungspunkte zu sammeln und interessante Schauplätze zu besuchen. Wer nämlich den Weg der Kühnheit beschreitet, der schließt sich einer Karawane an, die gen Osten reist.
Ganz ohne Probleme verläuft diese Reise natürlich nicht. Da wollen, nur um ein Beispiel zu nennen, fiese Kraken das Schiff der Reisenden zum Kentern bringen. Durch ein witziges Moorhuhn-Minispiel lassen sich solche Bestien aber relativ schnell in die unendlichen Tiefen des Meeres zurückdrängen. Klar sollte sein, dass es gleich mehrere solcher Aufgaben zu lösen gilt.
Aber noch etwas ganz Anderes ist klar. Age of Conan: Rise of the Godslayer wird eine starke Hintergrundgeschichte für all jene bieten, die sie haben wollen. Das ist auch zwingend notwendig, denn die Entwickler entschieden sich im Verlauf der Entwicklung für einen eher ungebräuchlichen Schritt: Das Levelobergrenze wird bei Erscheinen der Erweiterung nicht angehoben. Eine ungewöhnliche Entscheidung, doch ist sie im Hinblick auf die sonstigen Veränderungen durchaus sinnvoll. Es wurden natürlich neue Fraktionen integriert und auf der Karte finden Spieler jetzt sogenannte "Points of Interests" finden. Diese Punkte zeigen an, wo die Geschichte der Erweiterung weitergeführt werden kann. In deren Verlauf müssen wichtige Entscheidungen getroffen werden: So ist es praktisch unmöglich, mit allen neuen Parteien die Friedenspfeife zu paffen, denn ausgewachsene Feindschaften regieren die neuen Länder. Herrschaftsfragen sind mal wieder ungeklärt.

Der Kollege gewinnt vielleicht keinen Schönheitswettbewerb, dafür frisst er aber auch die Richter.
Die neuen Länder sind groß. Riesig, wenn man es genau nimmt. Und auch damit haben die Entwickler sich den Wünschen der Community angenommen, denn Fans forderten schon seit langer Zeit Gebiete mit größeren Ausmaßen. Ausgelegt sind die frischen Zonen dabei in erster Linie auf ausgewachsene Charaktere. Für Anfänger gibt es dagegen nur ein neues Gebiet. Doch selbst das bietet genügend Platz für ausgedehnte Abende. Neue Gegner, zahlreiche Quests und unsäglich viele neue Waffen wurden eingebaut, reichlich Material für zahlreiche Stunden in Khitai. Durch die Entscheidung, das höchste Level nicht noch höher zu legen, müssen erfahrene Veteranen aber nicht zwangsläufig umsteigen. Gerade für Optikfetischisten dürfte dies ein wahrer Segen sein, denn nicht jedes neue Schwert passt zum alten Aussehen.
All die obligatorischen Neuerungen sind schön und gut, doch zum Glück gibt es auch waschechte Gameplay-Anpassungen. Auch die hängen einmal mehr mit dem nicht erhöhten Maximallevel zusammen. So darf nun ein jeder Spieler seiner Klasse neue Fertigkeiten verleihen, die natürlich vorher erlernt oder entdeckt werden müssen. Von diesen neuen Fertigkeiten dürfen dann jederzeit neue mitgenommen werden - aber eben nur eine bestimmte Anzahl. Dabei wird zwischen PvE (Mastery), PvP (Prowess) und allgemeinen Fertigkeiten (Expertise) unterschieden. Jeder Spieler darf sich sein eigenes Set zusammenstellen, ganz nach seinen eigenen Wünschen und nach seiner Spielweise geformt. So kann es, unter gewissen Umständen, passieren, dass sich im Duell zwei Magier gegenüber stehen, die sich jedoch komplett voneinander unterscheiden.
Wer einmal keine Zeit hat, sich für das teuer bezahlte Geld in der Welt des MMORPGs aufzuhalten, für den gibt es jetzt ein neues Offline-System. Das ist gerade dann interessant, wenn jemand eine Party mit seinen Freunden hat, jedoch für einige Tage in den Urlaub fährt. Schaltet er dann das System ein, so bekommt der eigene Charakter jeden vierten Tag einen Level gutgeschrieben, steigt also auf. So verliert der Urlauber nicht komplett den Anschluss und bekommt dennoch etwas für sein Geld. Das System ist natürlich optional und darf erst ab Stufe 30 verwendet werden.

Ein Hauch von Asien wird in den neuen Schauplätzen verströmt.
Wer es dann endlich in die schwersten Dungeons geschafft hat, wird natürlich auf neue Endgegner treffen. Und die sollen es in sich haben. Natürlich werden hier allerhand Rätsel mit dabei sein. Wem das alles dann irgendwann zu leicht ist, der kann dann noch in einen besonderen Modus gehen, in dem dann nicht nur der Endgegner, sondern auch dessen Schergen allesamt und auch noch zur gleichen Zeit angreifen. Wer das überlebt, der bekommt natürlich eine entsprechende Belohnung.
Technisch präsentiert sich die erste Erweiterung von einer äußerst schicken Seite, was aber nicht weiter verwundert, war doch schon Age of Conan eines der schönsten Onlinerollenspiele überhaupt. Und ist es sogar nach wie vor noch, obwohl es schon zwei Jahre auf dem Buckel hat. Die neuen asiatisch anmutenden Gebiete und Gebäude fügen sich nahezu nahtlos in die restliche Spielwelt ein und überzeugen insbesondere beim Design. Auch einige neue Effekte gibt es, die sich ebenfalls sehen lassen können. Schön bleibt schön, das war ganz offensichtlich das Motto der Schöpfer.
Und sonst? Sonst bekommen Spieler von Age of Conan: Rise of the Godslayer genau das, was sie erwarten: Unterhaltung für Erwachsene. Mit neuen Bordellen, wo leichte Damen munter und nackt vor sich hintanzen, blutigen Kämpfe und Krieg wohin das Auge blickt. Sicherlich wird die Erweiterung, die bereits am 11. Mai das Licht der Welt erblickt, kein neuer Höhepunkt in der Geschichte der MMORPGs, doch werden gerade Fans die sinnvollen Neuerungen sehr zu schätzen wissen. Age of Conan: Rise of the Godslayer führt fort, was in den letzten zwei Jahren schon begonnen wurde: Das Spiel wird noch einen Tick erwachsener, blutiger und spaßiger. Da wird der fehlerbehaftete Launch fast gänzlich vergessen gemacht.
Zusätzliche Wertungen
- Grafik
- 9 / 10
- Sound
- 7 / 10
- Spielbarkeit
- 8 / 10
- Langzeitmotivation
- 8 / 10