Mein Wissen über U-Boote habe ich aus N24-Dokumentationen und dem deutschen Erfolgsfilm Das Boot. Ich weiß quasi alles über die fiesen Unterwasserangriffswunder, mit denen die Deutschen den Zweiten Weltkrieg gewinnen wollten. Hätten sie die Verschlüsselungscodes für die Enigma nicht an den damaligen Feind verloren, wer weiß. Aber in jedem Fall sind U-Boote ein ausgesprochen fieses Kriegsgerät, auch heute noch. Passt also so gar nicht zu den eher peacigen Typen bei Nintendo.
2011 wurde Steel Diver für den 3DS veröffentlicht. Nur drei U-Boote, Sidescrolling und eine komisch zu handhabende Steuerung ließen das Spiel eher als schlechtere Demo dastehen. Anders gesagt: Das Spiel war eine Enttäuschung. Das wollte bei Nintendo wohl jemand nicht abschließend auf sich sitzen lassen. Immerhin gilt das Game Boy-Spiel Jagd auf Roter Oktober als echt gute U-Boot-Simulation.
Steel Diver: Sub Wars macht nun drei Jahre später vieles deutlich besser. Wir bekommen eine echte 3D-Welt geliefert, in der wir mit unserem U-Boot in allen Richtungen herumtauchen können. Wir dürfen an der Wasseroberfläche durch die Gischt preschen oder tief am Grund auf Schleichfahrt gehen. Das U-Boot sehen wir wahlweise aus der Third-Person-Perspektive oder aus einer halben Egoperspektive, quasi über die Haube hinweg wie beim Rennspiel. Die Steuerung ist wie im echten Leben unter Wasser sehr träge. Aber das gehört hier zum Konzept.
Die Grafik ist auf dem 3DS erstaunlich hübsch. Es gibt echten Wellengang auf dem offenen Meer, wir durchtauchen Militärkomplexe oder spielen Multiplayer im Aquarium oder Schwimmbecken. Nicht spektakulär, aber überzeugend. Die Level sind in sechs mal sechs Felder große Bereiche eingeteilt, nicht immer wird das volle Feld genutzt.
In der Kampagne stehen sieben Missionen zur Verfügung mit je drei Levelstufen. Mir müssen Ringe durchtauchen, Hindernissen oder Wasserbomben ausweichen, Feinde abschießen und rote Endgegner-U-Boote jagen. Derweil hängen uns Jagdboote am Heck und Bomber werfen aus der Luft ihre Ladung auf uns ab. Lustig wird es, wenn es im Modus Bombardierung darum geht, unter Zeitdruck Morsecodes zu übermitteln. Falsche abgeschickte Codes generieren Treffer aufs eigene Boot und die Ehrenmedaille kriegt man nur, wenn man den realen Morsecode wirklich zumindest teilweise auswendig lernt. Wir können normale Torpedos oder Zielsuchtorpedos abfeuern, Ziele mit dem Sonar ausfindig oder unser eigenes U-Boot unsichtbar machen.
Die kleine U-Boot-Simulation überzeugt durch ihre Einfachheit und den Tiefgang, den man finden kann, wenn man ihn nur sucht. Am offensichtlichsten geht das über die U-Boot-Besatzung. Bis zu fünf Besatzungsmitglieder kann man an Bord eines der 18-Boote nehmen, die in der Premiumversion aus dem Eshop für 9,99 Euro enthalten sind. Die Basisversion ist kostenlos spielbar. Die 32 Besatzungsmitglieder müssen in den Missionen eingesammelt werden. Sie ist eine hilfreiche Ergänzung zu den U-Booten, um deren Schwachpunkte auszugleichen oder Stärken herauszuarbeiten.

Ein bisschen problematisch ist der 3D-Modus. Einerseits sieht er schick aus, ist aber im normalen Spiel relativ unpraktisch.
Wer Steel Diver: Sub Wars länger spielen wird, ist zwangsläufig im Multiplayer unterwegs. Multiplayer ist immer eine Match Vier gegen Vier, entweder online oder lokal offline. Schon das Morsechatten, während man auf den Spielstar wartet, ist ein kleiner Lacher (und natürlich Training für die Kampagne). Nett ist online, dass man stetig neue Besatzungsmitglieder bekommt und auch die verfügbar gemacht werden, die Teammitglieder während des Matches einsammeln. Im Wesentlichen sind die neuen U-Boote für den Multiplayer wichtig. Den Ausgang der eher kurzen Kampagne beeinflussen sie tendenziell nicht so sehr. Wer keine Umwege will, kann für je 99 Cent nochmals U-Boote kaufen. Fünf sind derzeit im Shop am Start, etwas stärker als die Standard-u-Boote aber lange nicht so gut wie jene, die man sich hart erspielen muss.
Die Matches sind schnell angelegt und immer dann erledigt, wenn ein Team komplett ausradiert ist. Leider kann man Spieler aus den Matches nicht direkt hinzufügen als Freund, das wäre so nett. Dafür darf man sich per Morsecode die Koordinaten der anderen Spieler zuschicken. Die neun Karten kennt man zwar schnell quasi auswendig, aber sie sind weitläufig genug, um den acht U-Booten Auslauf und Möglichkeiten zur Deckung zu geben.
Ein bisschen problematisch ist der 3D-Modus. Einerseits sieht er schick aus, ist aber im normalen Spiel relativ unpraktisch. Eigentlich sollte man den 3D-Effekt fast sofort ausstellen, denn man neigt dazu, das Handheld zu stark zu bewegen, weil man mit dem Stick steuert. Besser beraten ist man hier mit dem Einsatz des Schiebepad Pro, wenn man denn eines hat. Es erleichtert die Steuerung des U-Bootes erheblich und minimiert das Wackeln. Wer mehr 3D will, weiß also, was zu tun ist.
Sehr nett ist er, dieser erste Versuch, ein bisschen Free-to-Play für den 3DS zu etablieren. Man kann sich mit der Gratisversion eine Weile unter Wasser halten und gibt dann gerne die zehn Euro aus, um mehr Inhalte zu kriegen. Und jenseits davon ein wunderbares Spiel für ein paar schnelle Multiplayerrunden auf dem 3DS.