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Gamereactor Kritiken Game & Wario
Kritiken Game & Wario

Game & Wario

Es ist eine Minispielsammlung. Das macht einem gleich Angst. Zum Glück aber ist es eine, die was kann. Denn sie kommt direkt aus der hauseigenen Spaßfabrik Nintendos.
Christian Gaca Getestet auf Wii U Aktualisiert 21 Juni 2013

Gamer lässt uns zum Kind werden, das heimlich im Bett mit seinem neongrünen Game Boy spielt.

Der Umfang des Spiels mag auf der ersten Blick relativ überschaubar anmuten. Zwölf Minispiele für den Solomodus und vier für den Multiplayer sind auf der Disc enthalten. Einziges Problem: Hat man sie alle durchgespielt, will man mehr. Natürlich. Man will immer mehr von guten Sachen, die lecker sind und vielleicht sogar ein bisschen süchtig machen. So wie Gummibärchen oder Meersalz-Pfeffer-Chips.

Schon das Intro ist herrlich. Es liefert eine lustiges Wii U-Persiflage von Wario, der eine Konsole rausbringt, um reich zu werden. Ich wünschte, Nintendo würde die Wii U-Version von Wario als Limited Edition veröffentlichen. Zur Not auch nur für mich. Der schicke und eigenwillige Stil des Designs zieht sich durch das ganze Spielerlebnis. Er ist im besten Sinne ganz klassisch Nintendo. Auf eine echte Sprachausgabe wurde verzichtet, das Brummeln, Grummeln und Kiecksen der Charaktere ist ohnehin viel passender.

Also, arbeiten wir uns mal durch die Games, die man alleine spielen kann. In denen geht es natürlich um den Highscore, der leider nicht online geteilt werden kann. Die Ranglisten sind lokal. Das Miiversum ist aktiviert, aber nur für das Artwork-Minispiel. Alle Minispiele sind als Cartridges für Warios Spielkonsole konzipiert, decken ein breites Spektrum ab und greifen sich hemmungslos Ideen aus vielen Genres. Fast alle Spiele haben mehrere Versionen, die entweder Varianten wie Endlosspielmodi sind oder einfach den Schwierigkeitsgrad durch weniger Zeit und höheren Stresslevel anziehen. Für Herausforderung ist gesorgt, auch gestandene Videospieler müssen keine Angst vor Langweile haben.

Meine persönlichen Solo-Favoriten sind Camera, Design und Gamer. In Camera müssen wir als Fotoreporterin Mona für den Diamant-City-Anzeiger heiße Bilder knipsen. Im Kern geht es darum, schnell Gesichter zu erkennen und mit dem Gamepad als Kamera möglichst gute Porträts zu machen. Dazu muss man unter Zeitdruck die richtigen Typen finden und kann zudem winzig kleinen Bonusfiguren abknipsen. Hier muss man extrem schnell und koordiniert unterwegs sein - sehr witzig.

Gamer lässt uns zum Kind werden, das heimlich im Bett mit seinem neongrünen Game Boy spielt. Und sich vor Mutti unter der Bettdecke verstecken muss, damit die illegale Spielzeit vorm Einschlafen nicht auffällt. Rein pädagogisch ist das natürlich Unfug, aber das Spiel bringt einfach Laune. Wir schlüpfen die Rolle des Retrokids 9-Volt aus der Wario Ware-Reihe und erleben die bekannten Minispiele nur mit D-Pad und A-Knopf. 9-Volt hat fünf Leben und muss nebenbei aufpassen, dass er unter der Bettdecke verschwindet, bevor Mutti die Tür aufreißt, aus dem TV starrt oder durchs Fenster reinkreischt. Verstecken kostet Wachbleiben-Energie. Sind die 100 Punkte verbraucht, pennt 9-Volt ein und das Spiel ist aus. Wird sehr schnell sehr hektisch.

In Design müssen wir Roboter entwerfen durch das Zeichnen von Linien. Mit dem Touchpen malen wir Geraden, Dreiecke und Kreise in möglichst korrekter Länge, Umfang und im passenden Winkel. Es ist ein klassisches Schätzspiel, das ebenso billig wie grandios lustig ist.

So lustig das Solospiel ist, der Multiplayer für bis zu fünf Spieler hat eigentlich noch mehr Potenzial, aber leider wirklich nur vier Minigames.

Dann gibt es noch Arrow, einen Duck Hunt-Klon mit Pfeil und Bogen. Wir nutzen das Gamepad zum Verschießen der Pfeile, um uns entgegen rennenden Mini-Warios abzuschießen. Endgegner erwarten uns oder wir müssen das Gamepad hochreißen, um einfliegende Kanonenkugeln abzuwehren. Es gibt ein eher konventionelles Skirennen und ein nettes Bowling. Das absurde Kung-Fu liefert ein hübsch gemachtes Jump‘n‘Run. In Patchwork müssen wir Flicken auf Schnittmustern anordnen, das ist eine absurde Mischung aus Tetris und Pullblox. Das Sidescroller-Hexenbesenflugspiel Ashley lässt uns Loopings drehen und durch Neigen des Gamepads fliegen. Taxi ist eine hübsche Mischung aus Shooter und Rennspiel aus der Isoperspektive. Aliens wollen unsere Farm leerräumen, wir müssen ihre Raumschiffe abballern, Tiere einsammeln und abliefern und am Ende das Mutterschiff vom Himmel holen. Allein das merkwürdige Rhythmusspiel Pirates wirkt zu überladen und erfordert Fähigkeiten, die scheinbar weder das Gamepad noch mein Gehirn unterstützen. Wer alle Games erfolgreich abschließt, kriegt noch einen Game & Watch-Klassiker spendiert.

So lustig das Solospiel ist, der Multiplayer für bis zu fünf Spieler hat eigentlich noch mehr Potenzial, aber leider wirklich nur vier Minigames. Online spielbar ist nur Artwork - und auch nur in einer passiven Version über das Miiversum, indem man sich Bilder hin und her schickt. Artwork ist letztlich Montagsmaler im Nintendo-Gewand, was das Spielkonzept nicht unlustiger macht.

Islands lässt uns fünf Runden lang abwechselnd rechteckige Fronks-Figuren auf Plattformen und Gebäudestrukturen schießen, die mit unterschiedlichen Punktwerten verziert sind. Wenn man den Minecraft-Witz verdaut hat, wird das schnell ein strategisches Pilotwings, in dem einem der Zufall immer wieder einen Strich durch die Rechnung macht. Denn die Würfel hauen sich gegenseitig von ihrem Zielen und rotierende Fragezeichen und hungrige Möwen tragen auch ihren Teil bei. Strategen werden es lieben und sich über den Zufall kaputt ärgern.

Am Ende bleibt aber das Problem, dass so einige Spieler den Umfang für zu gering halten könnten.

Disco spielen wir zu zweit und schicken uns in dem Rhythmusspiel Noten hin und her, indem wir an den beiden Enden des Gamepads abwechselnd als Angreifer und Verteidiger die hoffentlich richtige Tastenkombinationen drücken, die der Angreifer abschickt. Ein bisschen ist das wie Guitar Hero, nur das es das Gamepad sehr genau nimmt mit dem Drücken der richtigen Taste im richtigen Moment. Wirkt fast etwas zu komplex deshalb.

So richtig toll ist aber Fruit, eine moderne Version von Räuber und Gendarm. Wir müssen Früchte klauen in einem von drei Settings. Eines ist ein Museum, in dem wir aufgebahrte Melonen einkassieren müssen. Mit Hilfe von ein paar Lichtschaltern verschaffen wir uns Tarnung und klauen am Gamepad spielend die Früchte, während die Mitspieler auf den Fernseher schauen und versuchen müssen, uns zu enttarnen. Das scheitert natürlich gerne daran, dass sich die Figuren alle sehr ähnlich sehen. Und wer erst einmal die Bewegungsmuster der von der Wii U gesteuerten Charaktere imitiert, wird zum echten Meisterdieb.

Für erfolgreiches Spielen und das Absolvieren aller Level bekommt man übrigens Spielmünzen, die man im Chick-N-Win gegen Kapseln eintauschen kann, die ein Huhn legt. 240 Bonusdinge verstecken sich hier: sinnvolle Spieletipps ebenso wie sinnlose, absurde, verstörende und völlig durchgeknallte Wario Ware-Minispiele oder Konzeptzeichnungen ohne Konzept. Herrlich irre. Hier fragt man sich wirklich, ob sie bei Nintendo bewusstseinserweiternde Maßnahmen ergreifen, um solche Sachen als Resultat zu bekommen.

Am Ende bleibt aber das Problem, dass so einige Spieler den Umfang für zu gering halten könnten. Immerhin wird das Spiel nicht als Vollpreistitel vermarktet, sondern auf Augenhöhe mit 3DS-Titeln. Weitere Minispiele als Download sind leider, leider nicht geplant. Game & Wario ist eine hübsche Minispielsammlung, die viele kleine und große Ideen zu einem herrlichen Spaß verknüpft. Es ist Nintendo, so gut wie Nintendo bei solchen Spielen ist. Es wird wohl Nintendo Land ablösen. Aber der Umfang hätte gerade bei den Multiplayer-Minispielen einfach größer sein müssen. Und man hätte sie alle online gegeneinander spielen können müssen, was eben nicht geht. Und fehlende Onlineranglisten gehen auch gar nicht bei so einem Titel.

8
Gut von 10 · Gamereactor Deutschland
Pro fast alles lustige Minispiele, herrlicher Humor, klassischer Nintendo-Style
Contra geringer Umfang, kein vollständiger Multiplayer, fehlende Onlineranglisten
Netzwerk-Wertung Durchschnitt über 5 Gamereactor-Ausgaben
5,6 Spanne 5–8
Gamereactor 5
Gamereactor Norge 5
Gamereactor Deutschland 8
Gamereactor España 5
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Vollständiges Profil 18.512 veröffentlichte Artikel
8
Gut Netzwerk-Wertung über 5 Ausgaben
Fakten zum Spiel
Entwickler Nintendo
Publisher Nintendo
Termin 28 Juni 2013
Getestet auf Wii U
Genre Party
Plattformen
Wii U
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23 Ausgaben Jede mit eigener Redaktion und eigenen Wertungen.
1998 Erscheint seit Durchgehend unabhängig geführt.
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