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Kritiken Mario & Sonic at the Olympic Winter Games

Mario & Sonic bei den Olympischen Winterspielen

Wenn Nintendo und Sega gemeinsame Sache machen, steigen die Erfolgchancen. Schaffen es die beiden Publisher, die offizielle Lizenz zur Winter-Oympiade in ein tolles Game zu verwandeln? Mal sehen.
Christian Gaca Getestet auf Wii 9 Oktober 2009

Hätte mich jemand vor einer Woche auf der Straße angesprochen und gefragt, wo und wann die nächsten Olympischen Winterspiele stattfinden, hätte ich diese Frage nicht beantworten können. Keine Ahnung? Japan vielleicht, oder Norwegen? Irgendwo im Schnee jedenfalls. Dank Mario & Sonic bei den Olympischen Winterspielen weiß ich das jetzt. Vancouver, Kanada, 2010.

Der Segen einer offiziellen Lizenz - sie ist mit einem fassbaren Ereignis verbunden, echten Olympischen Spielen in diesem Fall. Großer Nachteil dabei, es fällt sofort das böse Wort: Lizenzspiel. In aller Regel ist das kein so gutes Zeichen. Und auch Mario & Sonic bei den Olympischen Winterspielen macht da leider keine echte Ausnahme. Trotz der geballten Kraft von Nintendo und Sega in einem umfangreichen Sport- bzw. Partyspiel. Trotz der Liste hochrangiger Teilnehmer aus beiden Spiele-Universen.

Die wesentlichen Modi sind die Winterspiele und die Partyspiele. Partyspiele gibt es drei: Wheel Challenge, Panel Flip und Balloon Attack. Ernsthaft spielbar ist leider nur Balloon Attack. Dort wird aus den freigespielten Disziplinen eine ausgewählt - und die Spieler bekommen je nach Platzierung im Spiel zwölf, zehn, acht oder sieben Schüsse im folgenden Ballon-Shooter. Dort können Spezialitems genutzt werden, um Punkte zu machen. Wer alles verschossen hat, darf dann seinen Mitspieler als Blockade auf die Nerven gehen. Kinderkram insgesamt, aber wenigstens sehr lustiger, was man von Wheel Challenge (eine lahme Glücksrad-Variante) und Panel Flip (Kästchenwandern für Langweiler) leider nicht sagen kann.

Bei den Winterspielen überzeugt das Sportfest für bis zu vier Spieler - im Team oder gegeneinander. Hier wird eine Olympiade nachgespielt, mit einigen überraschenden Wendungen. Das Sportfest dauert 16 Tage, in denen wir uns durch Trainingseinheiten, Wettbewerbe oder Rivalenduelle kämpfen. Das geht gegeneinander als echter Contest oder im Team, maximal zu viert. Zehn Charaktere stehen zur Auswahl, darunter so illustre Vertreter wie Dr. Eggman, Bowser Jr. oder Metal Sonic. Vergessen wurde wieder einmal Toad, der darf nur als tausendfacher Klon im Publikum ausharren bzw. gemeinsam mit einem Sega-Mädchen namens Cream den blöden Ansager mimen. Aufgeteilt in vier Gruppen gibt es schnelle, kräftige und geschickte Typen sowie die Alleskönner rund um Mario. Individualisten wählen dagegen einfach das eigene Mii aus.

Die persönliche Nintendofigur darf umfangreich modifiziert werden - einer der nettesten Parts des Games überhaupt. Alle Spielaktivitäten schalten Sternemarken zum Einkaufen frei für einen von acht In-Game-Shops. In der Boutique wird nach Klamotten geshoppt, die dem eigenen Mii angezogen werden dürfen und dessen Fähigkeiten verbessern. Dasselbe gilt auch für das Equipment (Boards, Skier und der Bob). Komplett sinnlos dagegen ist die Bücherei. Wer will schon 30 Sternemarken ausgeben um herauszufinden, was der Gedanke hinter Maskottchen so ganz im Allgemeinen ist? Richtig: niemand. Es hagelt übrigens extra viele Sternemarken für erreichte Bonusziele wie etwa ohne Bandenberührung den Eiskanal entlang rasen oder olympische Bestmarken brechen. Nett hierbei, dass sich Geistdaten für schnelle Abfahrten und Eiskanalrennen speichern lassen.

Aufgeteilt ist das Sportfest in olympische Disziplinen und Traum-Disziplinen. Letztere sind eher an Videogames angelehnt, etwa mit Rennen im Stil von Mario Kart inklusive Itemboxen, Beschleuningungsfelder und Münzen- oder Ringe-Einsammeln. Unterbrochen wird es immer wieder von Trainingseinheiten und Duellen mit Rivalen, die gelegentlich auftauchen. Diese Einzelrennen gegen bekannte Persönlichkeiten wie etwa den Omega-Roboter sind etwas schwerer (aber weit weg von nicht lösbar) und lockern den harten Sportfestalltag auf.

Dort sind es am Ende die Traum-Disziplinen, die Mario & Sonic bei den Olympischen Winterspielen vor einer schlimmen Wertung retten. Denn mit ihnen wird aus der ganzen Chose am Ende ein schönes Partyspiel für alle Altersklassen. Das ist explizit positiv gemeint, denn das Spiel funktioniert gerade richtig gut, wenn Klein und Groß gemeinsam zocken. Skispringen im Traummodus zum Beispiel ist top: Durch eine Super Mario Galaxy geht ein ewiger Skisprung. Oder Bobfahren durch einen LSD-Tunnel in Höchstgeschwindigkeit mit Mario-Kart-Items. Prima. Ohne die Traum-Varianten der Level... nun ja, lassen wir das, es gibt sie ja zum Glück.

Das Gameplay ist insgesamt weder übermäßig komplex noch ist die Grafik besonders großartig, wobei das ist bei einem Sportspiel mit Partyanspruch auch nicht das Ziel sein muss. Wäre das Game für Wii Motion Plus angepasst, täte das der Steuerung sich enorm gut. Toll gelöst ist dagegen die optionale Steuerungsvariante mit dem Balance Board, wo etwa im Sitzen Schlitten oder Bob gefahren wird. Das funktioniert so viel, viel besser als mit der Wiimote.

Am Ende aber bleibt doch einiges an Kritik. Die Ladezeiten sind das größte Problem. Ladezeiten nerven jeden, klar, und natürlich ist jeder irgendwie an sie gewöhnt. Aber wenn beim Laden der Disziplinen Zeit bleibt, darüber nachzudenken diese Ladezeiten zu messen, sind sie einfach zu lang. Das nervt vor allem auch ungeduldige Kinder. Die olympischen Standarddisziplinen sind allesamt eher langweilig geraten. Sie bieten keine wirkliche Herausforderung, weder alleine noch im Duell. Und für die ernsthaft spannende Jagd nach Highscores ist die Steuerung schlicht nicht komplex genug. Da helfen auch die WFC-Onlineranglisten nichts (mal abgesehen davon, dass die Ladezeiten beim Checken jeder einzelnen Liste noch schlimmer sind als zwischen den Disziplinen. Da kann man echt Getränke holen gehen).

Es wird sicher einige Leute geben, die Mario & Sonic bei den Olympischen Winterspielen besser finden als ich. Vermutlich durchaus zu Recht, weil sie es nicht zwangsläufig mit anderen Games direkt vergleichen. Macht man genau das, bleibt am Ende ein ordentliches, aber eben nur ordentliches Partygame übrig. Es bietet zwar deutlich mehr Spieltiefe und Spaß als andere Produktionen, bleibt aber insgesamt ein durchschnittliches Videogame. Menschen mit eigenen Kindern allerdings sollten sich das Game unbedingt zulegen, als willkommene Abwechslung zu Wii Sports Resort.

Zusätzliche Wertungen

Grafik
6 / 10
Sound
7 / 10
Spielbarkeit
8 / 10
Langzeitmotivation
6 / 10
7
Gut von 10 · Gamereactor Deutschland
Pro Die Traum-Varianten der Disziplinen, spiel- und modifizierbare Miis
Contra Schlichte Steuerung, schnell langweilig werdende Standarddisziplinen,
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