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Gamereactor Kritiken TV Superstars
Kritiken TV Superstars

TV Superstars

Trash-Formate gibt es im Fernsehen eine Menge und Zuschauer, die sich das reinziehen, auch. Wenn Videospiele schon um die freie Zeit der Konsumenten mit anderen Medien buhlen, dann ist es nur fair, wenn Trash auch auf den Konsolen Einzug hält.
Martin Eiser Getestet auf PS3 4 November 2010

Der Weg zum Superstar ist hart und steinig. Der Weg zum TV-Sternchen hingegen kann locker-leichtfüssig beschritten werden. Einfach durch ein paar Shows tingeln, auffallen und schon hebt einen die Klatschpresse auf das Niveau eines Promis. Bei TV-Superstar wurde diese Grundidee in vier Shows verpackt, um sich vom Z-Promi bis zum A-Promi hochzuarbeiten. Zwischendrin lockern Wettbewerbe um Werbeverträge den Superstar-Alltag auf. Und alles unter dem Deckmantel von Playstation Move, welches dem Ganzen eine Daseins-Berechtigung geben soll.

Gleich zu Beginn bauen wir uns unseren eigenen TV Superstar als Avatar und nehmen dafür mit der Playstation Eye-Kamera drei Posen auf, die in die Figur geschnitten werden. Das Ergebnis wird dann noch ein bisschen gepimpt, damit man sich wirklich im Trash-Context zu Hause fühlt. Sogar optisch ist man dem Schmalspur-Fernsehen ganz nah, denn hier wurde offenbar mit wenig Geld halbwegs Vorzeigbares arrangiert. Und in Sachen deutscher Sprachausgabe haben sie sogar in "bekannte" Sprecher investiert. Der einstige Popstars-Gewinner Ross Antony etwa spricht einen homophilen Modeberater, der als Chefkoch aus der Serie South Park und als Nachrichtensprecher Kent Brockman aus Die Simpsons bekannte Donald Arthur derweil einen Hip Hop-Koch.

Die erste Show Frogstar imitiert den Supermodel-Wahnsinn. Auftakeln mit ausgefallenen Outfits, Schminke, hochtoupierte Frisuren und es muss eine Kür auf dem Laufsteg absolviert werden. Die Steuerung im ersten Teil ist unverständlich träge und macht das Stylen fast unmöglich. Das Nachäffen von Bewegungen mit dem Move-Controller auf dem Laufsteg krankt ebenfalls in Sachen Steuerung. Erstaunlich, dass es keinem der Entwickler aufgefallen ist, dass das Nachäffen einer Choreografie ohne Hilfe unnötig schwierig ist, wenn man nicht jede Bewegung auswendig lernt. Da nützt die beste Technik nichts, wenn es spielerisch trotzdem weit hinter dem vergleichsweise simplen Just Dance für die Wii zurückfällt.

Beim Schminken wird die Katastrophe ganz besonders deutlich - dabei ist die Idee mit den Trashformaten ganz nett.

Das gleiche trifft übrigens auch auf die Werbedeals zu, bei denen es auch nur um das Aufführen der richtigen Choreografie geht. Diese sind im späteren Verlauf oft nur frustrierend. Besser funktioniert da schon das Kochduell Big Beat Kitchen mit Big Chili D. Leckere Gerichte kochen unter enormen Zeitdruck erfordert durchaus einiges an Fingerfertigkeit: Zutaten zurechtschneiden, zusammenrühren und in der Pfanne fertig zubereiten. Die Bewegungen wurden dabei aber so weit vereinfacht, dass sich der Hobbykoch hochkonzentriert der zeitlichen Optimierung der Abläufe widmen kann. Zwischendrin gibt es zwar auch kleine Rhythmus-Einlagen durch den rapenden Koch, die sind allerdings nicht spielentscheidend.

Frei nach American Gladiators geht es bei Let's Get Physical vorwärts. Dem Gefuchtel auf einem Laufband folgt das Highlight der Sendung, eine Flugschau der besonderen Art. Als menschlichen Katapult werden wir auf eine zerstörbare Papierwand geschossen und müssen uns während des Flugs ausrichten, um der vorgefertigten Kontur möglichst exakt zu entsprechen. Das Zielen selbst erfolgt automatisch, so dass glücklicherweise nur der Move-Controller in die richtige Position gebracht werden muss. In einer späteren Neuauflage der Show verändert sich das Spielkonzept und es müssen bei einer Art Dosen-Schießen mit Hilfe einer Paintball-Pistole lediglich die wehrlosen Moderatoren abgeknallt werden. Schade, dass es dieses Format noch nicht ins echte Fernsehen geschafft hat. Ich bin mir sicher, dafür gäbe es ebenfalls eine breite Fan-Gemeinde.

Halbwegs gelungen ist auch das Format DIY Raw, eine Art Wohnen nach Wunsch. Es gibt vorgefertigte Wohnungsbesitzer, denen ihr Heim mal so richtig aufgemöbelt werden kann - alle laufen jedoch nach dem gleichen Muster ab. Erst den Putz von den Wänden kloppen, dann Bretter für den Boden zurechtschneiden, dann ein Motiv an die Wand streichen sowie Fliesen mit Schablonen besprühen und sie am Ende richtig zusammenpuzzeln. Als letzte Amtshandlung gilt es dann noch, geeignete Möbelstücke zu platzieren, etwa besonders altbackene für die Oma oder stilvolle für das reiche Ehepaar. Wieder ist es vor allem der Zeitruck, dem man gewachsen sein muss, aber leider auch der ungenauen Steuerung. Der Hammer etwa, mit dem die Wände freigemacht werden, fühlt sich nicht wie ein Objekt an, über das man wirklich Kontrolle hat.

Am Ende betreibt man bei TV Superstars gewissermaßen Pfusch am Bau. Die technischen Unzulänglichkeiten der Steuerung sind kein gutes Zeugnis für die Fähigkeiten von Playstation Move. Nein, sie schrecken ernsthaft ab, sich weitere Spiele zuzulegen. Außerdem gibt es Tonfehler und wirklich nervige Ladezeiten, die einen schnell vergessen lassen, wie viel Spaß man mit dem Spiel vielleicht sogar gerade hatte. Das Ganze ist so leider eine wirklich herbe Enttäuschung, die auch von der lustigen Präsentation mit ihren gelungenen Synchronsprechern nicht kaschiert wird. Schade, dass selbst für den günstigen Preis eine eigentlich witzige Idee böse heruntergewirtschaftet wurde.

Zusätzliche Wertungen

Grafik
6 / 10
Sound
4 / 10
Spielbarkeit
3 / 10
Langzeitmotivation
5 / 10
4
Mangelhaft von 10 · Gamereactor Deutschland
Pro kurzweilige Trashformate als Minispiele aufbereitet
Contra geringer Umfang, schlechte Move-Steuerung, nervige Ladezeiten, Tonfehler
Netzwerk-Wertung Durchschnitt über 1 Gamereactor-Ausgaben
4,0
Gamereactor Deutschland 4
Vollständiges Profil 13.607 veröffentlichte Artikel
4
Mangelhaft Netzwerk-Wertung über 1 Ausgaben
Fakten zum Spiel
Entwickler Sony
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Termin 27 Oktober 2010
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