Eigentlich handelt es sich bei Gods vs. Humans um ein Tower Defense-Spiel. Der Haken ist jedoch, dass der Turm nicht beschützt, sondern eingerissen werden soll. Die Menschen nämlich haben im Himmel nichts verloren und die sechzehn Götter der vier spielbaren Mythologien wehren sich mit ihren Mitteln gegen die Angreifer. Der Turm muss fallen, koste es, was es wolle.
Die Einführung ins Spiel ist etwas konfus. Mit kleinen Texten versuchte Entwickler Artefacts sein bestes, aber was zu tun ist, kann man bestenfalls erahnen. Dabei ist es im Grunde sehr einfach. Die Menschen bauen sich Etage für Etage nach oben. Empfindlich ist vor allem das Fundament des Turms und sollte Ziel der Attacken sein. Es ist daher sinnvoll, die Räume weiter unten so sehr zu beschädigen, dass sie einstürzen. Die Wucht der herunterstürzenden Räume fügen darunter befindlichen Räumen und dem Fundament erheblichen Schaden zu.
Um in einem Raum Schaden zu verursachen, stehen jedem Gott sechs Angriffs zur Verfügung. Dabei ist es mehr oder weniger unerheblich, aus welcher Mythologie der Gott stammt. Ob ägyptisch, griechisch-römisch, skandinavisch oder japanisch, die Unterschiede sind marginal. Vier Fixpunkte pro Raum muss die Energie abgezogen werden, damit er zusammenbricht. Es gibt einen Feuerball und einen Blitzschlag, die lokalen Schaden zufügen, Regen trifft drei Punkte und mit Hilfe von Wind können vier Felder beschädigt werden. Dazu gibt es eine Spezialattacke, die einen der vier Grundzauber verstärkt und eine Zornattacke, die mehrere Ebenen trifft.

Auch ein Gott muss seinen Schäfchen manchmal weh tun - aber nur ein kleines bisschen...
Die Menschen sind allerdings nicht untätig. Sie bauen nicht nur oben munter weiter, sondern reparieren auch beschädigte Räume und können bis zu drei von vier Attacken blocken, indem sie einen Beschützer aufstellen, der bei einem Angriff etwa den Blitz ableitet oder für den Regen ein großes Planschbecken aufbaut. Optisch erkennt man die Figuren mit der Zeit, so dass man weiß, ob sich diese oder jene Attacke lohnt. Will man den Beschützer aus dem Weg schaffen, muss er mit einer anderen Attacke angegriffen werden, bis seine Energie aufgebraucht ist.
Zu allem Überfluss gibt es Einheiten, die uns ebenfalls in die Quere kommen. Der Bauleiter beschleunigt die Arbeiter und sorgt dafür, dass Unterstützer schneller auf unsere Attacke reagieren können. Und es gibt böse Priester, die alle Beteiligten gegen uns aufstacheln. Diese Hassprediger sind wahre Plagen, sie beschleunigen alle Einheiten. Außerdem sorgen sie für eine schlechte Grundstimmung, die wiederum dafür sorgt, dass die Menschen keine Ehrfurcht mehr vor ihrem Gott haben. Und ohne Ehrfurcht wird nur wenig Kraft gesammelt, um zaubern zu können. Zauber nämlich verbrauchen unterschiedlich viele Ehrfurchtspunkte und sind erst ab einer bestimmt Grundmenge von Ehrfurcht verfügbar - beides ist je nach Gott unterschiedlich.
Davon betroffen sind die sechs Angriffszauber, aber auch die drei unterstützenden Zauber. Einer macht es möglich, die Arbeitsmoral durch ein bisschen Glück in unserem Sinn zu beeinflussen. Davon sind allerdings nur die Arbeiter beziehungsweise der Bauleiter betroffen. Es gibt auch einen Zauber, der lediglich den Bauleiter aus dem Raum vertreibt - auch das eine Arbeitserleichterung. Richtig praktisch ist es auch, den Raum komplett leerräumen zu lassen. Einerseits ist keiner mehr zum reparieren da und zum anderen werden die Menschen nicht wütend, wenn sie einer der Angriffszauber erwischt. Außerdem gibt es als Hilfe für den Gott treue Geistliche, die die Stimmung im Gegensatz zu den Hasspredigern verbessern.

Links ist die Zauber-Anzeige, die sich je nach Ehrfurcht mehr oder weniger langsam füllt, in der Mitte das Menü zu zaubern, darüber die aktuelle Stimmung und rechts die Übersicht zu bereits gebauten Stockwerken.
Über sechzig Level umfasst die Kampagne, der Schwierigkeitsgrad ist ansteigend, aber überfordert nie. Trotz des enormen Umfangs aber verpasst es Gods vs. Humans am Ende vollends zu überzeugen. Es macht Spaß gegen die Menschen anzutreten, die Animationen sind lustig und die Spielidee ist wirklich nett. Aber jedes der sechzig Level spielt sich ähnlich und die Zerstörung des Fundaments ist auch nichts, was nun ausgesprochen hohe Intelligenz erfordert. Natürlich muss man schauen, wie man am besten vorgeht, aber richtig schwer ist das Spiel eigentlich nur so lange wie man nicht weiß, wie es funktioniert.
Besser gelungen sind die sechzehn Herausforderungen, welche die Erfüllung einer bestimmten Aufgabe innerhalb einer gewissen Zeit erfordern. Darunter Dinge, wie den Turm ohne bestimmte Zauber zu zerstören, eine bestimmte Zahl von Menschen glücklich zu machen oder aber eine bestimmte Zahl von Stockwerken zu zerstören. Doch wie der Zweispieler-Modus, in dem zwei Spieler parallel um die Wette spielen, gehören die Herausforderungen nur zu den Kirschen auf der Torte und die machen allein leider nicht satt.
Gods vs. Humans gehört zu den wenigen Wiiware-Titeln, die preisintensiv sind - 1500 Nintendo-Punkte sind nicht gerade wenig. Aber für World of Goo zum Beispiel hat man diesen Betrag nur zu gerne gezahlt. In diesem Fall sollte sich jeder überlegen, ob er dem Spielkonzept etwas abgewinnen kann. Die Artefacts Studio haben wirklich viel in den Wiiware-Titel gepackt und um diesen erstaunlichen Umfang anbieten zu können, musste man bei der Präsentation offenbar Abstriche machen. Das Spiel selbst ist hübsch, aber die Menüs und Zwischensequenzen schauen unfertig aus, die Musik ist wenig abwechslungsreich. Und dennoch, wenn der Preis nicht abschreckt, wird man auch mit Gods vs. Humans Spaß haben. Gott sei Dank.
Zusätzliche Wertungen
- Grafik
- 7 / 10
- Sound
- 7 / 10
- Spielbarkeit
- 6 / 10
- Langzeitmotivation
- 6 / 10