Liebster Susumu,
wir kennen uns jetzt schon fast acht Jahre. Ich erinnere mich daran, noch fast so, als wäre es gestern gewesen. Du warst mir sofort aufgefallen, in deinem rosa-hellblauen Raumanzug. Ich lächelte dich schüchtern an und du hattest deine Augen weit aufgerissen. Damals hast du meine Sprache noch nicht gesprochen. Und ich brachte nicht mehr als ein Konichiwa heraus.

Damals lernten wir uns kennen. Ich war bis über beide Ohren verliebt.
Aber ein gewisses Faible für Japaner hatte ich ja schon immer. Ich war ja gewissermaßen vom Lande und du warst so bunt und schrill. Du warst so ganz anders als das, was ich täglich zu sehen bekommen hatte. Und als du mir von deinem Leben erzählt hast, hing ich gebannt an deinen Lippen.
Von Blöcken hast du erzählt, die überall an die Erdoberfläche dringen und Städte überfluten. Natürlich wusste ich, dass du verrückt sein musstest, aber genau das war es, was mich so faszinierte. Und auch heute noch verfolgst du dein Ziel, in den Untergrund vorzudringen und führst die Tradition der Hori-Familie für deinen Vater Taizo fort, der sich als Dig Dug in den Achtzigern einen Namen gemacht hat. Und noch immer ziehst du mich damit in deinen Bann.
Was ich dir damals nicht verraten habe: In meinen Augen hattest du eine gewisse Ähnlichkeit mit den Powerpuff Girls. Der für mich damals einzige, aber wichtige Unterschied zu den amerikanischen Kindergarten-Kiddies war, dass du einen schicken Bohrer hattest, mit dem du Welt retten wolltest. Das imponierte mir.
Bis zum Mittelpunkt der Erde hast du dich gebohrt. Der Sauerstoff immer knapp am Limit, sechzig Sekunden reicht er damals wie heute - für mich jedes mal die quälende Ungewissheit, ob du unterwegs rechtzeitig weitere Reserven findest, um heil von deiner Reise zurückkehren zu können. Abenteuerlich klingt es, wie du davon erzählst, von Kettenreaktionen und dunklen, braunen Blöcken, die deinen Sauerstoffvorrat dezimieren.
Ich weiß, du glaubst, dass ich dich nicht ernst genommen habe, wenn ich mir deine Arbeit ein bisschen wie Tetris vorgestellt habe. Das eine sei nur ein Spiel, hast du gesagt, das andere bitterer Ernst. Aber was glaubst du, was jemanden durch dem Kopf geistert, der von Blöcken hört, die herunterfallen? Und außerdem weißt du doch ziemlich genau, dass ich dir zuliebe schon lange kein Tetris mehr angerührt habe.

Ständig bist du in Gefahr vor herabstürzenden Blöcken.
Und die Gefahr, der du dich aussetzt, finde ich jedes Mal beängstigend und ganz und gar nicht lustig. Ganz gleich, ob gleichfarbige Steine automatisch zusammenhaften und dich so vor weiteren herunterfallenden Blöcken schützen oder nicht. Sobald vier solche zusammenfinden, ist es Aus mit der Sicherheit. Die verschwinden einfach und mit etwas Pech wirst du durch die ausgelöste Reaktionskette begraben und verschwindest auch aus meinen Leben.
Wie oft habe ich dich eigentlich schon darum gebeten, damit aufzuhören, deine vermeintlich wahre und einzige Berufung an den Nagel zu hängen. Wenn dir dein Leben schon nicht wichtig ist, tu es doch für mich, habe ich immer und immer wieder gesagt.
Aber du hast nicht gehört. Noch immer kämpfst du dich nach und nach, erst dreihundert Meter tief und dann in späteren Missionen immer weiter. Gefährlicher wird es schon, wenn du dir selbst ein Zeitlimit setzt, um am Ziel anzukommen. Den perfekten Weg auswendig lernen, um deine eigene Zeit immer wieder zu schlagen. Nie scheint es dir dabei langweilig zu werden.
Manchmal bin ich mir gar nicht sicher, ob du wirklich weißt, wie sehr ich mit dir mitfiebere. Wie mein Puls steigt, wenn du dich auf deine größte Mission begibst, die endlos zu sein scheint. Nur für die Jagd nach dem Rekord strebst du da offenbar ins Nichts.
Aber dieser Kick, er hält dich offenbar jung. Während ich immer älter werde, versprühst du auch heute noch den gleichen Elan. Du bietest immer noch denselben Spaß wie damals, als wir uns kennenlernten. Ich fühle mich immer ein bisschen wie Wendy aus Peter Pan. Die sieht ihren Freigeist auch in regelmäßigen Abständen wieder und wieder und altert doch selbst mit jedem Treffen.

Es ist die Eifersucht, die mich auffrisst, immer dann, wenn du nicht in meiner Nähe bist...
Und während ich so träume von uns beiden und dieser besonderen Beziehung, die wir pflegen, habe ich Angst, dass du mich vergisst. Wie auch Peter Pan seine Wendy irgendwann vergessen hat. Mein Herz schlägt dann schneller und ich wühle in alten Kisten, um die Erinnerungen an dich wieder lebendig werden zu lassen.
Und ja, ich weiß, auch du arbeitest an unserer Beziehung. Du meldest dich und suchst dir dann auch immer einen Treffpunkt, an dem ich mit meinem schmalen Budget zu Rande komme. Dabei spielt doch Geld eigentlich gar keine Rolle. Und selbst wenn ich den Mond kaufen müsste, nur um bei dir zu sein.
Nein, Geld ist es nicht. Und auch nicht dein einfaches, wenn auch buntes Auftreten. Ich muss immer lachen, wenn ich dich in Aktion erlebe. Dabei lache ich nicht über dich, sondern freue mich nur, dass du genauso unmusikalisch bist wie ich und trotzdem so viel Spaß dabei hast. Du müsstest mich mal beim Karaoke erleben! Das ist ein Fest, das kann ich dir sagen.
Und wie froh ich war, dass ich dich heute nicht mehr teilen muss. Ganz allein kann ich dich bei deiner Reise begleiten, niemand mehr, der uns dazwischen funkt. Nur deine Rivalin Anna. Ausgerechnet eine Deutsche, die will auch immer, dass ich ihr Aufmerksamkeit schenke. Aber ich kann gar nicht, auch wenn sie noch so frohlockt. Ich hänge so sehr an dir, dass es mir selbst schon unheimlich ist.
Wenn mich damals jemand gefragt hätte, also vor unserer Zeit: Martin, glaubst du an wahre Liebe? - ich hätte ihn ausgelacht. Heute sehe ich das anders. Du bist das beste, was mir in meinem Leben passiert ist und hast es bereichert. Keine der noch so vielen Stunden, die ich noch immer mit dir verbringe, sind vergeudet. Sumusu, ich liebe dich.
Dein,
Martin
Zusätzliche Wertungen
- Grafik
- 7 / 10
- Sound
- 7 / 10
- Spielbarkeit
- 10 / 10
- Langzeitmotivation
- 10 / 10