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Kritiken Pokémon HeartGold/SoulSilver

Pokémon Soulsilver/Heartgold

Die kleinen Monster von Nintendo haben Videospielgeschichte geschrieben. Mit Pokémon Soulsilver und Pokémon Heartgold erscheint eine weitere Neuauflage der Klassiker. Während Pokémon Blattgrün und Pokémon Feuerrot dem Gameboy Advance die alte Welt näher brachten, wird diesmal der Nintendo DS mit…
Martin Eiser Getestet auf Nintendo DS 30 März 2010

Pokémon erschien 1999 in Europa, kurz vor meinem 16. Geburtstag. Ich weiß heute auch nicht mehr, warum wir damals alle so verrückt nach dem Spiel waren. Wir schauten die Serie, spielten die Spiele am Gameboy und am Nintendo 64. Sechs Jugendliche, die eigentlich nicht mehr zur Zielgruppe gehörten. Und auch wenn der Spuk zwei Jahre später mehr oder weniger vorbei war und die Veröffentlichung von Pokémon Gold und Silber nicht mehr dieselbe Hysterie auslöste, bleiben diese Nachmittage mit Pokémon ein wichtiger Teil meiner Jugenderinnerung.

Heute wieder mit den Pokémon unterwegs zu sein und sie alle wiederzusehen, das ist ein wenig komisch. Alles fühlt sich so vertraut an und sobald ich ihm hohen Gras stehe, weiß ich genau, dass ich sie alle haben muss. Ich brauche sie alle, keins darf mir entwischen. Ich muss Tag und Nacht unterwegs sein, weil je nach Tageszeit unterschiedliche Pokémon unterwegs sind. Ich muss sie trainieren, damit sich die kleinen Pokémon entwickeln. Und ich brauche den Meisterball, sonst entwischt mir das legendäre Pokémon. Ich brauche sie einfach alle. Wirklich.

Pokémon bleibt Pokémon bleibt Pokémon - und das Spiel gibt es selbstverständlich auch mit deutschen Bildschirmtexten.

Was Pokémon schafft, hat zum Jahrtausendwechsel Millionen von Müttern und Vätern verängstigt. Kinder kannten die Namen aller zweihundert Pokémon auswendig, wussten wo sie zu finden sind und auf welchem Level sie sich weiterentwickeln. Pikachu wurde zur streitbarsten Figur dieser Ära. Die einen lieben ihn, die anderen hassen ihn - bis heute. Heute steht die Serie mit ihren Spinoffs unmittelbar davor, die Schallmauer von 200 Millionen verkauften Spielen zu durchbrechen. Besser ist nur Mario.

Der Grund, warum damals sechs Jugendliche so fasziniert von der Serie waren, ist auch heute noch erkennbar. Denn auch Pokémon Soulsilver bzw. Pokémon Heartgold besitzen diese Leichtigkeit, die viele Rollenspiele nicht hinbekommen. Ganz simple Spielmechaniken schaffen am Ende ein doch sehr komplexes Erlebnis. Wir sind der Trainer, der mit seinem ersten Pokémon in ein großes Abenteuer startet. Pokémon haben dabei unterschiedliche Klassen, die unterschiedlich effektiv zueinander sind. Zudem kann ein Pokémon nur vier Attacken gleichzeitig im Repertoire haben. Will es also nach einem Levelaufstieg eine neue lernen, muss es vorher eine alte vergessen.

Auf diese Weise entstehen so viele individuelle Teams, die jedem Spieler das Gefühl von Einzigartigkeit vermitteln. In meinem Team waren ja damals meist einfach nur die possierlichsten Pokémon versammelt. Ohne Quaputzi und Enton konnte ich einfach nicht mehr leben, obwohl zu viele Wasser-Pokémon ja auch schnell zum Problem werden. Heute geh' ich etwas differenzierter vor. Nett ist übrigens, dass einem neuerdings das erste Pokémon immer direkt hinterher läuft. Stärkt das Trainergefühl. Meiner heißt übrigens immer Ash (Ketchum), wie auch der Trainer der ersten Anime-Staffel.

Die Präsentation wirkt wie gehabt etwas altbacken. Aber auch das hat seinen Charme.

Natürlich handelt es sich nur um ein Remake, bei dem die Grafik, zwar auf den Stand der restlichen DS-Spiele gebracht wurde, aber trotzdem inhaltlich kein wirklich neues Spiel vorliegt. Grafik und Sound wurden aufgehübscht, aber beides wirkt trotzdem altbacken. Für eine Neuauflage ist aber beides in Ordnung. Natürlich fragt man sich, was Sinn und Zweck dieses Spiels sind. Für sich betrachtet gibt es beides nicht. Aber ein wesentlicher Unterschied sind beispielsweise die 493 Pokémon, die mittlerweile enthalten sind. Viel mehr als damals in den Originalspielen. Und diese sind jetzt natürlich auch wieder kompatibel zu den anderen DS-Spielen - das wahrscheinlich wichtigste Pfund.

Ebenfalls im Spiel enthalten sind übrigens Nintendos Wi-Fi-Features. Lokal darf gekämpft, getauscht oder sich in Minispielen vergnügt werden. Dazu gibt es Voicechat-Unterstützung. Online gibt es lediglich die Möglichkeit, Pokémon zu tauschen. Integriert wurde dazu auch eine Wii-Unterstützung in Form von Nachrichten, die mitteilen, wenn ein globaler Tausch von Pokémon geklappt hat. Nintendo geht eben auf Nummer sicher, dass im weltweiten Datennetz kein Kind zu Schaden kommt.

Als Schmankerl gibt es im Spiel noch ein paar kleine Minispiele und als Extra-Hardware den Pokéwalker. Auf das kleine, flache, piepsende Gerät mit einfachem LCD-Bildschirm kann jeweils ein Pokémon geladen werden. Der integrierte Schrittzähler wird dazu genutzt, das Laufen mit dem Pokémon zu simulieren. Im Gegenzug kann man Watt sammeln, die zur Itemsuche oder den Kampf gegen Pokémon dienen. Beides wird natürlich stark vereinfacht dargestellt, trotzdem ist es möglich, neben Angriff und Abwehr auch einen Pokéball zu werfen, um ein Pokémon zu fangen. Wer viele Watt sammelt, der kann übrigens auch neue Routen freischalten, auf denen es vielleicht noch seltenere Pokémon zu finden gibt. Und ganz nebenbei kann so ein Pokémon übrigens auch eine Erfahrungsstufe pro Pokéwalk-Einsatz aufsteigen.

Der Pokéwalker mit integriertem Schrittzähler liegt jeder der beiden Editionen bei.

Wird das Pokémon zurückgeladen, gibt es eine kurze Zusammenfassung der Erlebnisse. Wann ist das Pokémon gelaufen, wann hat es gespielt und wann hat es sich ausgeruht. Und das ist nicht nur furchtbar niedlich, sondern die Idee mit dem Bewegungstherapie für Kinder ist gar kein schlechter Schachzug von Nintendo. Zumal sie die Technik bereits in Lauftraining DS verbaut haben und es wahrscheinlich ein Leichtes war, dass umzusetzen. Für die Eltern hoffe ich jedoch, dass sie Zugriff auf die Bedienungsanleitung haben, um den Ton des Dings unterdrücken zu können. Der ist nämlich unzumutbar.

Im Paket liefert Nintendo mit Pokémon Soulsilver und Pokémon Heartgold ein nettes Update für jene, die das Original bereits kennen. Auch der Pokéwalker ist ein nettes Extra, dass hoffentlich nicht mit dem nächsten Teil einfach wieder fallen gelassen wird. Neulinge sind ohnehin willkommen, dieses Stück Videospielgeschichte auszuprobieren. Die Sogwirkung mag für das erwachsenere Publikum begrenzt sein, nichtsdestotrotz bleiben Pokémon Soulsilver und Pokémon Heartgold hervorragende Spiele, die mit einem enormen Umfang aufwarten. Hundert Stunden Spielzeit sind für alle, die bei der Stange bleiben, sicher drin. Und wer beide Editionen besitzt, um wirklich alle enthaltenen Pokémon fangen zu können, darf diese Zahl ruhig multiplizieren.

Zusätzliche Wertungen

Grafik
6 / 10
Sound
7 / 10
Spielbarkeit
9 / 10
Langzeitmotivation
9 / 10
8
Gut von 10 · Gamereactor Deutschland
Pro Sammelsucht, Spielumfang, Pokéwalker, bekannt simple Komplexität
Contra altbackene Präsentation, wenig Neues
Netzwerk-Wertung Durchschnitt über 1 Gamereactor-Ausgaben
8,0
Gamereactor Deutschland 8
Vollständiges Profil 13.607 veröffentlichte Artikel
8
Gut Netzwerk-Wertung über 1 Ausgaben
Fakten zum Spiel
Entwickler Game Freak
Publisher Nintendo
Termin 26 März 2010
Getestet auf Nintendo DS
Genre RPG
Plattformen
Nintendo DS
Warum Gamereactor vertrauen
23 Ausgaben Jede mit eigener Redaktion und eigenen Wertungen.
1998 Erscheint seit Durchgehend unabhängig geführt.
100% Selbst gespielt Geschrieben aus Zeit mit dem Spiel, nie aus Pressematerial.
1–10 Netzwerk-Wertung Die Wertung jeder Ausgabe, gemittelt und ausgewiesen.