Karaoke Revolution ist frustrierend. Doch das darf nicht falsch verstanden werden, denn das bezieht sich weniger auf das Gameplay, sondern auf den Gesamteindruck. Das Spiel macht so viel richtig und bietet großartige Funktionen, von denen sich sowohl Sony als auch Microsoft mal eine Scheibe abschneiden sollten. Am Ende aber bleibt ein fader Beigeschmack.
Zunächst gehören zum dicken Lob die zahlreichen Modi. Bis zu sechzehn Spieler können im Mehrspielermodus gegen- oder miteinander singen. Fantastisch ist vor allem der Partymodus. Hier können Teams gebildet und bis zu zehn Runden selbst zusammengewürfelt werden. Auch Singstar bietet ein ähnliches System, allerdings können da maximal acht Spieler eingebunden werden. Außerdem erlaubt es Konami durch eine Genre-Festlegung mehr Einfluss auf die gespielten Songs zu nehmen.
Duettsongs sind als Boni ebenso mit an Bord wie Medleys. Letztere dürfen allerdings selbst zusammen gestellt werden und zwei bis fünf Songs umfassen. Bei der Konkurrenz sind diese bereits vordefiniert. Sogar ganze Setlisten können erstellt werden. Von solchen vordefinierten Listen träumen Singstar-Freunde seit langem. Immerhin Lips ist mit diesem Feature bereits ausgestattet.

Am Mikro steht der eigene Avatar, unten gibt es den Text und Tonhöhe.
Was jedoch beiden fehlt ist ein Karrieremodus. Karaoke Revolution hat sich daran versucht - und er ist nicht schlecht umgesetzt. Bei den diversen Aufgaben handelt es sich zwar nicht um sonderlich kreative, aber zumindest werden Karaoke-Freunde gefordert, sich mit den diversen Songs und Schwierigkeitsstufen auseinanderzusetzen. Auch lassen sich durch den Karrieremodus diverse Extras freischalten.
Hier offenbart sich ein weiterer großer Unterschied zu Singstar und Lips: Gesungen wird mit einem selbstgebauten Avatar auf einer Bühne, so wie es auch in Guitar Hero, Rock Band oder eben Rock Revolution funktioniert. Zwar sieht der männliche Avatar trotz umfassender Anpassungsmöglichkeiten immer ein bisschen schwul aus, aber das Feature ist halbwegs erträglich und auch die Bühnenbewegungen kann man durchgehen lassen.
Wie der Avatar darf auch der Veranstaltungsort selbst im Baukastensystem zusammengeschustert werden. Und wer im Karrieremodus fleißig war, dem stehen einige Extras zur Verfügung. Sogar Effekte wie beispielsweise ein Sepia-Nostalgie-Filter können hinzugefügt werden. Ebenso gibt es große Videoleinwände, die unter anderem das originale Musikvideo zeigen. Einen Modus, bei dem nur das Video eingeblendet wird, fehlt leider.

Es gibt diverse Möglichkeiten zur Individualisierung. Das Spiel ist übrigens auch komplett in Deutsch spielbar.
Das Singen ähnelt nicht nur deswegen auch mehr den Games mit Musikinstrumenten. Am unteren Rand wird der Text einblendet, die Tonhöhe durch einen kleinen beweglichen Cursor vermittelt, der einer Kompassnadel ähnelt. Singstar und Lips machen es da leichter. Anfangs hatte ich sogar noch Probleme, weil die angeschlossene Playstation Eye-Kamera offensichtlich auch als Eingabegerät erkannt wurde und das Singstar-Mikrofon austrickste.
Ansonsten wird bei besonders gutem Gesang nicht nur das Publikum fröhlicher und jubelt mehr mit, statt lauthals Buh zu rufen, sondern es füllt sich auch eine Leiste mit Starpower und ein Multiplikator. Wird die Starpower freigesetzt, erhöht sich der Multiplikator leichter und damit schneller. Für kontinuierliche Gesangsqualität sind so richtig hohe Punkte möglich. Übrigens wird für guten Gesang tatsächlich einigermaßen genau auf Tonhöhe, Rhythmus und Aussprache gesetzt.
Obendrauf gibt es einen Onlinemodus, den aber offenbar keiner nutzt. Mir war es zumindest nicht möglich, ein Spiel zu starten, weil entweder niemand gefunden wurde oder aber keine stabile Verbindung zustande kam und das Spiel abstürzte. Ebenso ist es nicht wirklich gut um den Liederladen bestellt. In den USA, wo der Titel bereits seit November erhältlich ist, sind bisher kaum Tracks veröffentlicht wurden, in diesem Jahr noch kein einziger. Dafür sind jedoch auf der EU-Disc bereits 75 Songs drauf, wo die Amerikaner sich mit 50 zufrieden geben mussten.

Aufwendige Bühnen können kinderleicht selbst erstellt werden. Mit dabei auch Videoscreens, die das zum Lied passende Originalmusikvideo zeigen können.
Wo das Spiel auf ganzer Linie versagt, ist die Präsentation. Denn noch schlimmer als die schlacksigen Avatare, die nicht gegen Musikvideos getauscht werden können, sind Menüs und Anzeigen im Spiel. Karaoke Revolution wirkt lieblos und billig. Und das obwohl sich der Entwickler eigentlich den einen oder anderen Gedanken gemacht hat, was die Modi angeht. So reicht es optisch weder an Lips und schon gar nicht an Singstar heran. Sogar Rock Band und Guitar Hero überflügeln Karaoke Revolution.
Und das ist es auch, was so frustrierend ist. Karaoke Revolution hätte ein richtig gutes Spiel werden können. Sogar ein Modus, der auf Punkte verzichtet und den Text ähnlich wie bei richtiger Karaoke anzeigt, ist integriert. Aber das Auge singt mit. Schon die Avatare und Bühnen wirken trotz ihrer diversen Anpassungen nicht astrein. Zusammen mit der restlichen Präsentation ist das eben maximal noch Mittelmaß. Eine Empfehlung gibt es nur für jene, die auf einen Schlag günstig einen Haufen Songs haben wollen und die sich wenig um die Präsentation scheren. Singstar-Besitzer sollten dagegen lieber hoffen, dass Sony die guten Ideen des Spiels in einem Update aufgreift.
Zusätzliche Wertungen
- Grafik
- 5 / 10
- Sound
- 9 / 10
- Spielbarkeit
- 7 / 10
- Langzeitmotivation
- 6 / 10