Ich liebe die Persona-Reihe abgöttisch, das muss ich sicher nicht noch einmal herausstellen. Als Atlus also "Tanzspiele" für die Reihe ankündigte, war ich nicht verwundert, sondern direkt wieder im Japano-Wahnsinn gefangen und musste mir die Titel natürlich angucken. Mit diesem Herumgehampel kann ich zwar überhaupt nichts anfangen, damit haben die Titel aber glücklicherweise auch nur am Rande etwas zu tun. In Persona 5: Dancing in Starlight und Persona 3: Dancing in Moonlight drückt man auf dem Controller Tasten im richtigen Takt und erliegt nebenbei den überwältigenden Charme einer Gruppe wunderbarer Freunde.

Atlus verkauft diese zwei Titel zusammen in der Persona Dancing: Endless Night Collection - dem eine digitale Kopie des sehr guten Rhythmusspiels Persona 4: Dancing All Night beiliegt.
In den Persona-Rhythmusspielen geht es vordergründig darum, sich durch das Tanzen selbst auszudrücken. Die individuellen Akteure nutzen ihre jeweiligen Personas, um den Schatten-Zuschauern mithilfe ihres Tanzes die eigenen Gefühle zu übermitteln. Die zwei Titel teilen sich Prämisse, einige Assets, sowie das Gameplay und erzählen je eine Seite des gleichen Storystrangs. Zudem wird in beiden Spielen der jeweils andere Teil kurz erwähnt, aber wirklich nur am Rande. Wenn man das eine Spiel zockt, fühlt sich das andere etwas redundant an - es sind aber schon eigenständige Games.
Die Persona-Tanzspiele sind im Grunde selbsterklärend: "Noten" schießen aus der Mitte des Bildschirms nach außen und wir müssen die insgesamt sechs entsprechenden Tasten im richtigen Augenblick auf dem Controller antippen, um eine Comboserie aufzubauen und die Höchstpunktzahl wachsen zu lassen. Zu viele Fehler in kurzer Zeit fegen uns schlussendlich von der Bühne. Variierende Takts, gehaltene oder Doppelnoten verkomplizieren das einfache Rhythmusspiel, die größte Hürde stellen die sogenannten Scratches dar. Die müssen zwar im Grunde gar nicht mitgenommen werden, sie bringen aber Extrapunkte und ermöglichen die begehrte Fever-Time (ein Feuerwerk auf der Bühnenshow).
Im Gegensatz zu Persona 4: Dancing All Night, in der wir mit Yu Narukami und seinen Freunden Rises Comeback auf dem "Love Meets Bonds"-Festival vorbereiten und eine spannende Geschichte über den Tod eines jungen Idols in der Midnight Stage aufklären, hat es sich Atlus bei den beiden neueren Iterationen leicht gemacht und die übergeordnete Rahmenhandlung auf simpel animierte Textsequenzen im Visual-Novel-Stil ausgelagert. Diese Einsparung nimmt den Titeln viel Potential und lässt sie zu reinen Nischenprojekten werden - diese Entwicklung bricht uns fast das Herz

Persona 4: Dancing All Night war noch ein richtiges Abenteuer mit cooler Rhythmusspielweise, für die beiden Folgespiele wurde die teure Story gekappt.
In Persona 5: Dancing in Starlight haben die beiden Wächter Justine und Caroline Ren Amamiya, den Protagonisten aus Persona 5, sowie dessen Freunde - die Phantom Thieves - in den Velvet Room geladen. Da Igor, der Schirmherr dieses transdimensionalen Ortes, gerade nicht anwesend ist, veranstalten sie einen Tanzwettbewerb mit dem Ziel, ihrer vorlauten Schwester Elizabeth zu zeigen, dass sie den außerordentlichsten Gast behütet und unterstützt haben. Die wiederum lädt deshalb Makoto Yuki und die anderen Mitglieder des SEES ein (mit zwei Ausnahmen) und Atlus verkauft diese Geschichte als Persona 3: Dancing in Moonlight.
Im direkten Vergleich fällt auf, dass der Story-Modus von Persona 4: Dancing All Night nun mit dem Menüpunkt "Social" ersetzt wurde. Darin finden wir über 60 kurzweilige Zwischensequenzen, in denen wir Zeit mit den verschiedenen Spielfiguren verbringen. Um diese erzählerischen Schnipsel freizuschalten, müssen bestimmte Herausforderungen erfüllt werden, die relativ gradlinig beim Spielen des Hauptmodus freigespielt werden. Noten wollen perfekt getroffen, die vielen Kostüme ausprobiert und affige Accessoires angezogen werden - man verliert sich schnell in irgendwelchen Untermenüs, um in möglichst wenig Zeit effektive Fortschritte zu erzielen.
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Sowohl in Persona 3: Dancing in Moonlight, als auch in Persona 5: Dancing in Starlight sind jeweils 25 Songs enthalten, die in vier Schwierigkeitsstufen gemeistert werden wollen. Die je acht Akteure (einige Mitglieder fehlen, welche das warum sind verraten wir aus Rücksichtnahme auf Spoiler nicht) haben nur zwei bis drei Choreografien pro Spiel erhalten, sie tauchen während der sogenannten Fever-Zeit aber noch einmal in anderen Bühnenperformances auf. Obendrein gibt es Lieder mit speziellen Gruppenauftritten, in beiden Titeln kann das aber auch mal nur eine lahme Slideshow oder ein Videozusammenschnitt sein. Und das war es dann auch schon in Sachen Umfang, mehr als zwölf Stunden ist man mit den beiden neuen Games nicht beschäftigt.

Die Persona-Spiele haben eine wundervolle Ansammlung liebenswürdiger Charaktere, die sich ganz unweigerlich in euer Herz tanzen werden.
Der dritte Persona-Ableger wird hierzulande nicht viele Fans haben, deshalb dürfte es das Spiel schwieriger haben, neue Spieler anzusprechen. Nichtsdestotrotz ist Persona 5: Dancing in Starlight das faulere Paket, denn obwohl der Soundtrack von Persona 5 phänomenal gut ist, fällt die Songliste gefühlt etwas magerer aus. Atlus verkauft einige Lieder doppelt, Rivers in the Desert ist zum Beispiel gleich in drei unterschiedlichen Versionen auf der Disc enthalten. Diesen Vorwurf müssen sich letztlich aber alle drei Rhythmusspiele gefallen lassen, da sich Atlus für viele elektronische Remix-Versionen entschieden hat. Die Songs sind in den zwei neuen Spiele melodisch auch nicht mehr so breit aufgestellt, wie noch in Persona 4: Dancing All Night. Wem das Ausgangsmaterial gefallen hat, der wird sicher etwas finden, das dem eigenen Geschmack trifft.
Atlus' Rhythmusspiele sind nicht wirklich schwierig, eine Lernkurve ist natürlich trotzdem vorhanden. Die niedrigen Schwierigkeitsgrade konzentrieren sich auf den grundlegenden Takt, während wir auf "All Night" jede Nuance selbst übernehmen müssen. Viele unterschiedliche Modifikationen beeinflussen den Schwierigkeitsgrad, das reicht von variierender Reaktionsgeschwindigkeit, über wabernde Noten bis dahin, wo wir schließlich gar keine Noten mehr sehen und die gesamte Choreografie auswendig bringen müssen. Es gibt auch Parameter, die Spielfehler bis zu einem gewissen Grad verzeihen.
Kommen wir nun zu den nervigen Dingen: Die kurzen Vorschausnippets der Lieder wiederholen sich schnell, was bei den Einstellungen der Modifikationen und Outfits nervt. Auch ganz furchtbar sind die repetitiven Off-Kommentare unserer Freunde während eines Songs, die sich immerhin im Optionsmenü ausstellen lassen. Wer im jeweiligen Social-Link weit genug vorangeschritten ist, wird in Persona 3/5 Dancing in die Privaträume seiner Vertrauten eingeladen. Das ist schön, wird aber schnell auch sehr merkwürdig: Dort werden wir nämlich stets alleine gelassen und sollen anschließend irgendwelche Briefe suchen, die die Velvet-Room-Wächter fies für uns versteckt haben (der Modus ist sogar in (PS)VR spielbar...). Wer nicht unter Regale, hinter Leinwände oder in die Dusche seiner Freunde klettern will, während die gerade etwas anderes unternehmen, verpasst zum Glück nur weiteres Sammelzeugs.

Atlus achtet verständlicherweise darauf, dass frühe Testberichte keine großen Überraschungen vorwegnehmen, wir möchten aber trotzdem kenntlich machen, dass Fans der Reihe sehr gut behandelt werden.
Schade finden wir ansonsten noch den fehlenden Mehrspielermodus, alle drei Games der Persona Dancing: Endless Night Collection sind nämlich als reines Soloabenteuer konzipiert worden. Die Highscores der Titel werden zwar online geteilt, man spielt letztlich aber immer alleine. Immerhin könnte ein zweiter Spieler in Ruhe die Bühnenshow genießen, das fällt beim Selber-Spielen nämlich flach. Tatsächlich ist das blinkende Treiben auf der Bühne häufig sogar ablenkend, da die bunte Farbgestaltung der Hintergründe dem des HUD gleicht, wodurch bestimmte Noten im hektischen Treiben untergehen können.
Rhythmisch auf dem Controller Tasten zu drücken mag vielleicht nicht das Coolheits-Level von Laserschwertern erreichen, mit denen man sprichwörtlich den Beat durchsäbelt, großen Spaß hatte ich mit der Endless Night Collection von Persona aber trotzdem. Man muss zugegeben ein derber Fan der Reihe sein, um die Games wegen ihrer Kurzgeschichten zu spielen - die kleinen Schnipsel sind größtenteils oberflächlich geschrieben (was natürlich auch den Figuren zu verdanken ist), wehmütig und gefüllt mit allerhand Referenzen. Es ist also ein fauler Nischentitel, der große Fans der Reihe trotz seiner Schwächen glücklich machen wird. Wer mit der IP allerdings nichts anzufangen weiß, dem werden diese Titel wahrscheinlich kaum etwas bieten können.