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WRC 3

WRC 3

Mit WRC 3 verspricht uns der italienische Entwickler Milestone ein nie dagewesenes Rallyerlebnis. Wir haben das Steuer in die Hand genommen und herausgefunden, was sich hinter der nächsten Bügelkuppe verbirgt.

Wenn Rally die anspruchsvollste Disziplin des Rennsports ist, dann ist die Fia World Rally Championship die anspruchsvollste Disziplin des Rallysports. In dreizehn Ländern von Schweden bis Argentinien werden Mensch und Maschine auf die Zerreißprobe gestellt. Wer siegen will, braucht ein kompetentes Werksteam und blindes Vertrauen in seinen Beifahrer. Schnelle Reflexe und Improvisation sind wichtig auf den engen Strecken, denn im Rallyesport sieht man jede Kurve nur ein einziges Mal.

Wir starten das Spiel und wählen den neuen Karrieremodus Road to Glory. Als kleines Licht versuchen wir hier uns in der Rally-Welt einen Namen zu machen. In 13 Ländern müssen wir 83 Etappen meistern. Dabei fahren wir in verschiedenen, homologierten Wagen aus unterschiedlichen Epochen. Zwischen jeder Etappe haben wir die Möglichkeit, unseren Wagen zu reparieren, wofür uns genau eine Stunde virtuelle Zeit bleibt. In der Werkstatt können wir unsere Boliden mit Teile-Upgrades verbessern.

Bei WRC 3 wird vor allem eine Sache deutlich: Rallyfahren ist schwer - irre schwer. Das liegt zum einen an den Strecken, die sich an den originalen WRC-Etappen orientieren. Eine Kurve jagt die andere und die Fahrbahn ist gerade breit genug für das Auto. Das ist so wirklichkeitsgetreu nachgebildet, dass selbst erfahrene Rally-Spieler ins Schwitzen kommen.

WRC 3WRC 3
Für Einsteiger ist es allerdings mörderisch - besonders, da das Spiel keine optische Ideallinie unterstützt.

Für Einsteiger ist es allerdings mörderisch. Besonders, da das Spiel keine optische Ideallinie unterstützt. Als Hilfsmittel erlaubt uns WRC 3 nur die Rückblende, also das Zurückspulen einiger Rennsekunden, deren Benutzung jedoch ordentlich Punktabzug gibt. Warum die Entwickler Rückblenden zulassen aber keine Ideallinie, bleibt unerklärlich.  

So ist man auf die Kommandos seines Beifahrers angewiesen und die kommen wie aus der Maschinenpistole. Auf den kurvenreichen Strecken redet unser Nebenmann quasi ohne Unterlass und sagt oft mehrere Manöver im Voraus an. Die Menge an Informationen erfordert ein Höchstmaß an Konzentration und so kam es schon mal vor, dass wir irgendwann den Faden verloren haben und statt nach rechts nach links gefahren sind.

Die Richtungssymbole am oberen Bildschirmrand verwirren leider mehr, als dass sie helfen. Eine Kurve mit dem Status "links 4" ist farblich kaum von einer "links 3" zu unterscheiden. Da das übernächste Symbol bereits angezeigt wird, muss man schon zweimal schauen um zu wissen, was einen hinter der nächsten Kehre erwartet. Das ist tödlich, denn jede Ablenkung endet - dank dem gut ausgearbeiteten Schadensmodell - mindestens mit einer Beule im Lack.

Die Fahrphysik hingegen ist auffallend anspruchslos. Das Fahrverhalten auf einer staubigen Dirt-Strecke in Kenia unterscheidet sich kaum von dem auf einer vereisten Bergstraße in Schweden. Wenn wir mit 50 km/h quer in ein Flussbett schlittern, sollte sich das aber bemerkbar machen - tut es aber nicht. Die Autos verhalten sich etwas besser: der Fronttriebler untersteuert, der Hecktriebler übersteuert, der Allrad lässt sich am ausgewogensten fahren. Aber dieses wunderbare Spiel mit den Trägheitskräften - wo man, den Finger leicht am Gas, bis zum Schluss nicht weiß, ob man die Kurve nun wirklich schafft oder nicht - das bleibt aus.

Was den Sound anbelangt, schneidet WRC gut ab. Wenn wir am Start den Motor aufheulen lassen, sprotzt, röhrt und dröhnt es stimmungsvoll aus dem Auspuff. Unter Volllast singt das Getriebe und beim Bremsen verpuffen die Benzinrückstände. Wer allerdings schon einmal einen Gruppe B-Rennwagen in Aktion erlebt hat, weiß, dass es hier noch Steigerungsmöglichkeiten gegeben hätte. Nichtsdestotrotz gehört der Sound eindeutig zu den Stärken des Spiels. Besonders schön ist, dass sich auch Schäden am Auto akustisch bemerkbar machen.  

Optisch fällt WRC 3 allerdings hinter seinen Konkurrenten zurück. Die Level sind ansehnlich, aber nicht besonders hübsch. Aufgrund der mangelnden Licht- und Partikeleffekte wirken die Strecken zum Teil ziemlich künstlich und leblos. Schön sind die vereisten Wasserlachen, die sich in kälteren Regionen auf der Fahrbahn bilden (auch wenn sie fahrtechnisch leider keinen Unterschied machen).

WRC 3
Aufgrund der mangelnden Licht- und Partikeleffekte wirken die Strecken zum Teil ziemlich künstlich und leblos.

Generell zählen die Etappen im Eis oder Schnee zu den optisch schönsten. Wenn wir aber mit achtzig Sachen quer durch die Wüste rasen, wäre es schön, wenn ein paar Staubkörnen fliegen würden. Dasselbe gilt für die Wasserlachen. Ein paar Spritzer auf der Windschutzscheibe hätten hier nicht geschadet. Rally ist brutal, dreckig und unbarmherzig - das wollen wir spüren und sehen.

Auch bei den Autos macht sich die Detailarmut bemerkbar, wenn beispielsweise die Stoßdämpfer im grauen Nichts des Radkastens verschwinden. In der Werkstatt können wir unsere Autos nach Herzenslust lackieren, doch im Vergleich zu den Customizing-Tools von Need for Speed oder Forza Motorsport 4 schneidet WRC 3 schlecht ab. Bei den Teile-Upgrades ist es ganz gravierend. Diese sind erst gar nicht sichtbar.

WRC 3 bietet zu viel Realismus, was die Strecken und die Beifahrer-Kommandos betrifft - und zu wenig bei der Fahrphysik. Da das Spiel außer den Rückblenden keine weiteren Hilfsmittel bietet, ist es besonders für Einsteiger ein Alptraum und verwehrt Fortgeschrittenen die Möglichkeit, sich langsam zu steigern. Die schwache Grafik und die fehlende Liebe zum Detail tun ihr übriges. Wer in diesem Genre antritt, muss sich mit Größen wie Collin McRae vergleichen lassen und hier schneidet WRC 3 leider nur mäßig ab, WRC-Lizenz hin oder her.

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