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Women in Games: Sechs Frauen blicken auf ihre Videospielindustrie

Wir haben mit sechs Frauen aus der Videospielindustrie über ihre Arbeit mit Games und über Women in Games gesprochen und sie über ihre persönliche Karriere ausgefragt.

  • Text: David Caballero & María Pardo

Während des Fun & Serious Game Festival im letzten Jahr im Dezember ist uns aufgefallen, dass die Anzahl an Frauen in der Gaming-Branche gestiegen ist, sowohl bei den eingeladenen Speakern als auch bei den Studios, die teilgenommen haben. Und ähnliches ist uns zuletzt auch schon bei anderen internationalen Konferenzen wie Gamelab, E3 und der Gamescom aufgefallen. Eine wirklich begrüssenswerte Entwicklung, dass jetzt auch Stimmen zu hören sind, die lange in den Hintergrund gedrängt wurden.

Als Abschlussfrage jedes der unten aufgeführten Interviews, wollten wir die Profis über ihre Meinung zu Frauen und deren Arbeit mit Videogames befragen, über die Women in Games-Bewegung (WIG) und über ihre persönliche Erfahrung mit ihrer Karriere in der Videospiel-Industrie.

Die Antworten waren so unterschiedlich wie interessant und kamen von Frauen, die sowohl etabliert als auch neu im Geschäft sind und in ganz unterschiedliche Rollen arbeiten. Wir haben all diese Antworten zu diesem Thema für euch zusammengefasst - die kompletten Interviews könnt ihr euch in den Videos ansehen.

Melissa MacCoubrey (Assassin's Creed Odyssey, Narrative Director)

"Es ist eine interessante Lernkurve, mehr Raum - nicht nur - für Frauen, sondern auch Minderheiten und die LGBTQ-Leute zu schaffen [...] und ich denke, wir haben noch einen weiten Weg vor uns"

Es ist eine interessante Lernkurve, mehr Raum - nicht nur - für Frauen, sondern auch Minderheiten und die LGBTQ-Leute zu schaffen. Es war sehr interessant für mich das wachsen zu sehen und ich denke, wir haben noch einen weiten Weg vor uns. Ich begrüße die Schritte, die gemacht wurden, um voran zu kommen. Und ich denke, es ist Teil meines Jobs, wie es der Job jedes Entwicklers ist, den Spielraum so groß und inklusiv wie möglich zu machen. Daher ist es für mich fantastisch, hier unter all diesen großen Namen zu sein, sie kennenzulernen, sie zu treffen und nicht nur die Vielseitigkeit unter den Entwicklern sondern auch bei den Inhalten zu erleben.

Das Fun & Serious Festival war für mich eine große Inspiration, denn ich durfte mit unabhängigen Entwicklern sprechen und die Leute auf menschlicher Ebene kennenlernen und nicht nur auf Marken-Ebene. Das ist sehr inspirierend, also denke ich, dass je vielseitiger wir die Inhalte machen als Entwickler, umso besser wird die Industrie werden und je mehr Leute wir dazu holen, desto besser wird es werden.

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Jade Raymond (Google VP, vorher Produzent und Managing Director bei Ubisoft)

"Ich will mehr junge Frauen dazu ermutigen, der Industrie beizutreten und ich denke, die einzige Möglichkeit das zu machen, ist selbst da draußen zu sein."

Eins der Dinge, über die ich sehr froh bin, ist, dass Frauen mehr und mehr sichtbar in der Videospielindustrie werden - und das ist eine der Veränderungen, die ich gesehen haben, besonders im letzten Jahr. Mehr Frauen reden, mehr Frauen werden sichtbar, die Arbeit dieser Frauen, die schon so lange da sind, bekommt endlich mehr Anerkennung. Es gibt doch einige Frauen, die wie ich in dieser Industrie arbeiten, 20 Jahre oder länger, aber sie waren vorher weniger sichtbar.

Ich denke, dass ist wirklich begeisternd, denn ich möchte mehr junge Frauen ermutigen, sich dieser Industrie anzuschließen und das geht nur, wenn man sich zeigt, zeigt, dass es eine tolle Industrie ist, den Frauen zeigt, dass man Erfolg haben kann und dann werden andere Frauen denken: "Ok, vielleicht... ich liebe Spiele, warum soll ich es nicht versuchen?" Ich liebe meine Karriere wirklich, ich denke es ist eine tolle Industrie und ich will diesen Enthusiasmus zeigen und mehr Frauen dafür begeistern.

Mein Rat für Frauen ist der gleiche, wie für jeden Menschen. Mein Rat ist, seid ehrlich zu euch selbst, wofür ihr leidenschaftlich seid. Wenn eure Leidenschaft Programmieren ist, großartig. Wenn ihr Künstler seid, also, Audiodesign oder Schreiben - das tolle an der Videospielindustrie ist, welche unterschiedlichen Fähigkeiten alle gebraucht werden, um ein Spiel zu machen. Und ich glaube, man ist wirklich erfolgreich, wenn man seiner Leidenschaft folgt, denn dann macht man seine beste Arbeit.

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Rhianna Pratchett (Writer, Tomb Raider / Overlord / Mirror's Edge)

"Wir hatten oft die gleiche Art männliche Charaktere [...] ich denke, die Vielseitigkeit ist nicht besonders groß, bei der Art, wie wir männliche Charaktere und Maskulinität zeigen."

Ich denke, es gab immer schon weibliche Figuren und sie hatten schon immer hohe Qualität, es hat nur nicht diese Quantität. Ich denke, dass ist etwas, das beginnt sich zu verändern. Mit den männlichen Charakteren hatten wir oft die Quantität, aber nicht unbedingt die Qualität. Oft wurde die gleiche Art männlicher Charaktere für die Spiele kopiert, es gibt keine große Vielseitigkeit wie wir männliche Charaktere zeigen, wir wir in Spielen Maskulinität zeigen. Ich denke, es kann noch viel getan werden, um die Typen von Charakteren, die wir unter den Geschlechtern zeigen, noch erweitern können. Wir können noch viel tun, was Alter, Fähigkeiten, ethnischen Hintergrund und sexuelle Orientierung angeht - bei allen Charakteren - nicht nur bei Frauen.

Ich denke, wir werden mehr weibliche Protagonisten sehen. Es gab bereits sehr interessante Nebenfiguren wie Elizabeth in Bioshock Infinite. Wir hatten Ellie in The Last of Us und sie war so populär, dass sie jetzt im nächsten Spiel ist - es passieren interessante Dinge. Ich habe eine leicht gestörte Perspektive, denn all die Frauen in der Spieleindustrie ziehen sich gegenseitig an, wir sind ein großer Kreis aus allen Frauen in Spielen und manchmal lässt sich nicht so leicht sagen, was das für die gesamte Industrie bedeutet.

Es wird langsam besser und ich denke, mehr Frauen interessieren sich dafür, an Spielen zu arbeiten. Es ist wichtig, dass die Frauen, die jetzt in der Spieleindustrie arbeiten, ihre Erfahrungen teilen und über die verschiedenen Möglichkeiten sprechen, die ihnen offen stehen. Ich möchte mit Mädchen an Schulen sprechen und sie wissen lassen - weißt du - oft gibt es diese Wahrnehmung, dass man sich sehr für Mathematik oder Wissenschaft interessieren muss und das es nur ums Programmieren geht, aber das ist nicht die Idee. Ihr könnt als Musiker an Spielen arbeiten, als Künstler, als Produzent, als Designer... wenn man über diese Möglichkeiten spricht, entzündet man ein Feuer in ihnen und plötzlich sehen sie, dass hier ein Platz für sie ist.

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Lottie Bevan, Gründerin und COO, Weather Factory

"Frauen, die jetzt erwachsen werden, die Spiele spielen... bekommen eine sehr visuelle Rückmeldung, dass diese Industrie nicht für sie ist."

Ich hätte es absolut nicht geschafft (das Studio zu gründen) ohne Alexis Kennedy. Er ist ein erfahrener Hund, er hat schon zwei Studios gegründet, aber ich denke, es ist wichtig Frauen in Führungspositionen zu haben. Im Moment, wenn man sich die Industrie ansieht, auch wenn es besser wird, ganz oben in der Spieleindustrie sind in erster Linie Männer. Ich meine, wir haben Jade Raymond und Brenda Romero, aber sie sind die Ausnahme und sie sind fantastisch, aber die meisten Leute in der Industrie, in wichtigen Positionen mit Verantwortung - sind Männer. Das bedeutet, die Frauen, die heute aufwachsen, die Spiele spielen und denken „Vielleicht werde ich ein Spieleentwickler, wenn ich älter bin", sie bekommen eine sehr visuelle Rückmeldung, dass dies keine Industrie für sie ist.

Ich denke, je mehr Frauen wir in Führungspositionen bekommen, egal ob kleine Indie-Teams wie uns oder wichtige Regisseure von großen Triple-A Studios die Frauen sind, umso klarer wird die Botschaft, das Gaming eine Industrie für alle ist. Und wir werden Spiele machen, die sich mehr mit femininen Interessen beschäftigen, was hoffentlich mehr Mädchen dazu ermutigt zu spielen, es ist alles ein Kreislauf.

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Eva Gaspar, CEO Abylight Studios

"Dank der digitalen Verkaufswege und dem Aufkommen der Indie-Spiele, erleben wir ein größeres Spektrum an Leuten, die in dieser Industrie arbeiten oder die Videospiele konsumieren."

Ich denke Frauen werden sichtbarer, aber es gibt auch andere Gruppen, die unterrepräsentiert sind. Dank der digitalen Verkaufswege und dem Aufkommen der Indie-Spiele erleben wir ein größeres Spektrum an Leuten, die in dieser Industrie arbeiten oder die Videospiele konsumieren. Es ist auch eine Evolution der Gesellschaft. Technologie ist der Kern, es ist nicht etwas seltsames, dass manche Leute an Universitäten machen, sie ist Teil des Lebens. Meine Mutter spielt Videospiele und sie hat sich nicht sehr dafür interessiert. Es ist im Kern eine Evolution, aber etwas, dass wir in Echtzeit erleben, verstehst du? Bei Technologie und Videospielen sehen wir es, es gibt erst eine Gruppe, die aktiver ist und dann folgt der Rest.

Zu den Frauen in Videospielen: Ich habe keine Antwort, warum es früher weniger Frauen gab, ich habe es nie verstanden. Ich habe nie verstanden warum. Aber es ist eine Tatsache, dass niemand gesagt hat, ihr könnt nicht mitmachen, es ist nicht wie in anderen Industrien, wo aktiv Geschlechter ausgeschlossen wurden. Niemand hat mir je gesagt: „Das kannst du nicht machen". Es entwickelt sich weiter, das ist alles.

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Brenda Romero, CEO bei Romero Games

"Die Herausforderung ist größer als nur unsere Industrie. Wir werden mehr Frauen zum Programmieren bringen."

Das Erste, was mir in den Sinn kam, hat eigentlich nichts mit der Videospielindustrie zu tun. Ich mache das jetzt seit 37 Jahren, ich denke, ich habe alles gesehen, aber ich glaube, ich werde sicher noch etwas erleben, wozu ich denke: „Oh nein, ich habe doch noch nicht alles gesehen!"

Im letzten Jahr zum Beispiel, und das war nicht in der Videospielindustrie, hörte ich, dass Frauen einfach nicht für Technik geeignet wären. Sie wären einfach nicht dafür geschaffen, der einzige Grund, warum Frauen programmieren können, wäre es, weil ihre Eltern sie unterstützen. Das ist natürlich Blödsinn, ich meine, es war eine Frau die COBOL erfunden hat, es war eine Frau, die das Programmieren erfunden hat, es gab ein reines Frauen-Team an Programmierern bei ENIAC, in vielen Fällen programmieren Frauen 6502 in kleine Chips, damit Puppen zu Weihnachten sprechen.

Es ist unglaublich, dass mir erzählt wird, das Frauen nicht für Technik geschaffen sind und dann gibt es sowas... ernsthaft?! Ich habe mit jemandem darüber gesprochen und mir wurde gesagt, es lohnt sich nicht, sich angegriffen zu fühlen und meine Antwort war: "Oh nein, genau darum geht es, ich müsste mich noch viel mehr aufregen."

Die Herausforderung ist viel größer als unsere Industrie. Wir werden mehr Frauen zum Programmieren bringen. Ich denke, was auch immer sie wählen, ich will, dass Frauen eine Rolle bei der Zukunft der Technologie spielen und die Technologie-Firmen haben bisher nur sehr wenige Frauen. Deswegen haben wir Controller, die nicht in Frauenhände passen oder Sicherheitsgurte, die keine Rücksicht auf Brüste nehmen. Es ist also sehr wichtig, dass Frauen einen Platz am Tisch haben und wir mehr Frauen dazu einladen, aber das ist viel größer, als nur Videospiele.

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