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Tomb Raider

Tomb Raider

Square Enix hat uns eingeladen, ausgiebig mit der neuen Lara Croft und Tomb Raider rumzuspielen. Wir haben diese Möglichkeit natürlich gerne wahrgenommen, mit hohen Erwartungen. Immerhin geht es um eine Ikone der Spielewelt und für viele um eine Freundin aus Kindheitstagen.

Eine Sache wird schnell klar: Lara Croft ist erwachsen geworden. Und dass, obwohl das neue Spiel von Square Enix eigentlich am Anfang der Saga steht und den Ursprung von Tomb Raider behandelt. Mit der Lara Croft, wie sie so viele in Erinnerung haben, hat das Spiel wenig gemeinsam. Zumindest auf den ersten Blick.

Es gibt den Spruch: Gib' einem Menschen Macht und du erkennst, wer er wirklich ist. Bei Tomb Raider ist es andersherum: Setz' einen Menschen den Mächten aus und du erkennst, wer er wirklich ist. Square Enix verwöhnt unsere Heldin nun wirklich nicht. Gestrandet auf einer Insel im Drachendreieck, einer Art Bermudadreieck, müssen wir mit Zähnen und Fingernägeln ums nackte Überleben kämpfen. Alle sind gegen uns: die Natur, die Tiere, die Ureinwohner. Vor allem die Natur kennt keine Gnade. Während der ersten Stunde lernen wir eine völlig neue Seite unserer Heldin kennen. Lara ist ängstlich, unsicher und so gar nicht eine furchtlose Tomb Raider. Aber sie wirkt sehr menschlich. Deutlich wird auch: Lara hat einen eisernen Überlebenswillen.

Die ersten Stunden spielen sich wie eine Folge Man vs. Wild, mit dem Unterschied, dass uns Laras Schicksal uns um einiges näher geht. Laras Kampf, ihre Bewegungen, ihre Mimik - alles wirkt unheimlich glaubwürdig. Dasselbe gilt für die unbarmherzige Natur, die in all ihrer Schönheit und Grausamkeit auf uns einwirkt. Eben weil Lara so verletzlich wirkt, fesselt uns ihre Geschichte vom ersten Moment an. Das liegt auch an den Nebencharakteren. Zum ersten Mal ist Lara Teil einer größeren Gruppe, die uns zwar nicht auf Schritt und Tritt begleiten, aber in Zwischensequenzen die Handlung voranbringen. Auch hier haben die Entwickler großartige Arbeit geleistet. Jeder Charakter ist einzigartig, vielschichtig und plausibel ausgearbeitet.

Tomb RaiderTomb Raider
Die Kamera ist immer nah am Geschehen und bei Lara. Die Grenze zwischen Spieler und Spielfigur ist dünn.

Irgendwann machen wir dann erste zögerliche Schritte hin zum Tomb Raider. Wir erforschen unsere Umgebung, klettern durch die Gegend, suchen Schätze und Ausrüstungsgegenstände. Diese Passagen finden immer in einem größeren, frei begehbaren Gebiet statt, an dessen Rand wir ein Lagerfeuer errichtet haben. Dort verbessern wir dann unsere Ausrüstung oder verteilen Talentpunkte an unsere Überlebens-, Kampf- oder Jagdfähigkeiten. Danach geht es weiter ins nächste Gebiet. Wenn wir mal nicht weiterwissen, aktivieren wir Laras Instinkte, woraufhin relevante Objekte zu leuchten beginnen. Bei allem, was wir tun, begleitet uns Laras Stimme. Besonders, wenn wir Höhlen und Gräber erkunden und Lara in fast professoralem Ton über die Schätze doziert, erinnert es daran, dass Lara trotz ihrer Überlebenskünste eine gut ausgebildete Archäologin ist.

Als solche ist sie zunächst einmal nicht trainiert, Menschen zu erschießen. Das Spiel unternimmt hier keine Mühen, irgendetwas zu beschönigen. Die Kamera ist immer nah am Geschehen und bei Lara. Die Grenze zwischen Spieler und Spielfigur ist dünn. Entsprechend heftig ist die Reaktion auf ihren ersten Kill. Man merkt Lara an, dass ihr das Töten zuwider ist. Da unsere Feinde nicht am Frieden interessiert sind, stumpft auch der überzeugteste Pazifist aber schnell ab. Unser Bogen ist zwar besonders für leise Überfälle eine wunderbare Waffe, im Kampf gegen größere Verbände zückt Lara aber fix die Feuerwaffen.

Dass sie noch ungeübt im Schießen ist, wird angesichts des wild schwankenden Fadenkreuzes schnell deutlich. Macht aber nichts, denn auch unsere Schießkünste und Waffen lassen sich mit Talentpunkten verbessern. Schnell lernen müssen wir allerdings, uns sauber von Deckung zu Deckung zu bewegen, da unsere Gegner diese mit Feuerpfeilen und Molotow-Cocktails in Brand setzten. Generell agiert die feindliche Künstliche Intelligenz äußerst clever und wartet mit vielen unterschiedlichen Kampfstilen und Taktiken auf. Die Gefechte sind lebhaft und temporeich, mit tollen Soundeffekten.

Aufregend sind auch die Schauplätze. Die Insel inmitten des Drachendreiecks ist ein eigener, sehr vielseitiger Charakter. An der Küste reihen sich die Schiffswracks unterschiedlichster Epochen nebeneinander, in den Baumwipfeln hängen abgestürzte Bomber aus dem Zweiten Weltkrieg, es gibt ein Bunkersystem und verlassene Minen - alles teilweise oder ganz von der Natur verschlungen. Dann ist da noch ein Ureinwohner-Kult, der grausame Menschenopfer darbringt und eine vergessene Gottheit. Was brauchen wir mehr? Die Grafik-Engine stellt das alles sehr hübsch und flüssig dar, besonders die Wasser-, Feuer- und Lichteffekte sind beeindruckend. Wenn wir vom strömenden Regen in eine Höhle fliehen und dort eine Fackel entzünden, überkommt uns fast ein wohliges Gefühl.

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Die Grafik-Engine stellt das alles sehr hübsch und flüssig dar, besonders die Wasser-, Feuer- und Lichteffekte sind beeindruckend.

Feuer hat in Tomb Raider nicht nur einen ästhetischen Nutzen, sondern ist auch ein nützliches Werkzeug. Wir brauchen es, um Rätseln zu lösen und uns einen Weg durch sperrige Holzkisten zu brennen. Das Spiel kommt übrigens fast ganz ohne Bildschirmmenüs aus. Nur eine Minimap zeigt uns unsere Position, die unseres Camps und wie viele Artefakte es noch zu finden gibt. Wenn wir nicht weiterwissen, genügt es, die Instinkte zu aktivieren, woraufhin wichtige Objekte in unserer Umgebung zu glühen beginnen. Dann müssen wir nur noch herausfinden, wie wir sie am besten kombinieren. Die Steuerung ist sehr benutzerfreundlich - Lara nimmt unsere Befehle ohne Verzögerung entgegen, klettert, schießt und rennt wie wir es wollen. Nur das Deckungssystem erweist sich als etwas hakelig.

Drei Stunden haben wir mit Lara verbracht, waren am Ende geschafft und beeindruckt. Unsere größte Sorge ist, dass Square Enix nicht genug Inhalte für den Rest des Spiels aufgehoben hat. Ein großer Teil des Spiels steht und fällt damit, wie glaubhaft Laras Entwicklung umgesetzt wird. So eine Verwandlung zu einem Tomb Raider ist nicht leicht. Behält Lara auch weiterhin ihre menschliche, verletzliche Seite oder steigt sie irgendwann nur noch über Berge von Leichen? Die Kombination aus Aktion, Entdeckung und Überlebenskampf ist entscheidend. Und dann stellt sich da noch die Frage, ob genügend von Laras Weiblichkeit erhalten bleibt, um sie von männlichen Abenteuern wie Nathan Drake abzugrenzen. Mit den vielen Nebencharakteren hat sich Square Enix zumindest die Möglichkeit für die eine oder andere Überraschung offen gehalten.

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