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The Nioh Collection

The Nioh Collection

Die ersten beiden Nioh-Ableger bekommt ihr nun mit allen zuvor veröffentlichten Zusatzinhalten in einem technisch überzeugenden Gesamtpaket.

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In ihren Nioh-Spielen zwängt Team Ninja überlebensgroße Interpretationen realer und mystischer Figuren in einen fantastischen Rahmen, der lose auf der japanischen Sengoku-Periode basiert. Erzählerisch handelt es sich dabei um Geschichten über die Korruption der Menschen, die sich mithilfe einer dämonischen Energiequelle namens Amrita die unheilvollen Kräfte der Yokai aneignen und letztlich daran verenden. Motive und Entwicklungen sind häufig schon früh absehbar, doch die schicke Inszenierung und der straffe Erzählstil gleichen das etwas aus.

Der bekannte Gameplay-Mix aus leichten und schweren Angriffen wird in Nioh um drei Kampfhaltungen erweitert, die verursachten Schaden stufenweise gegen Mobilität eintauschen. Außerdem wurde die Ausdauerleiste, die darüber abstimmt, wie viele Aktionen ihr noch aneinanderreihen könnt, ehe ihr euch erschöpft in die Defensive begeben müsst, mit einem rhythmischen Element erweitert, das gutes Timing belohnt. Combos, Zauber und Ninja-Werkzeuge eröffnen situationsbedingte Gelegenheiten und ihr könnt auf einen Schutzgeist zugreifen, der euch bei Aktivierung weitere Vorteile im Kampf gewährt. In Nioh 2 gibt es darüber hinaus noch eine Mana-Leiste für spezielle Yokai-Fähigkeiten, die euch aus brenzlichen Situationen herausboxen können.

Mit The Nioh Collection erschien kürzlich eine Neuauflage dieser ersten beiden Spiele. Grundsätzlich könnt ihr die PS4-Abenteuer bereits dank Abwärtskompatibilität auf der PS5 spielen und das ist schon eine nennenswerte Performance-Steigerung im Vergleich zur letzten Konsolengeneration. Die Remastered-Editionen von Nioh 1 und Nioh 2 bieten auf der Playstation 5 jedoch zwei bemerkenswerte Alleinstellungsunterschiede: Zum einen liegen die Ladezeiten im niedrigen einstelligen Sekundenbereich. In der Originalversion müsst ihr Spielstart und bei jedem Tod ca. 20-30 Sekunden warten, wohingegen ihr in den beiden optimierten Remastern fast augenblicklich wieder im Spiel seid. Das macht sich bemerkbar, da ihr häufig das Zeitliche segnen (oder frustriert die Konsole ausschalten) werdet.

The Nioh Collection
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In Nioh Remastered bekommt ihr das Hauptspiel sowie die drei DLCs Der Drache des Nordens, Unbeugsame Ehre und Ende des Blutvergießens. Nioh 2 Remastered bietet euch ebenfalls das Hauptspiel und die Add-Ons Der Schüler des Tengu, Die Dunkelheit in der Hauptstadt und Der erste Samurai.

Den zweiten Unterschied bildet der 120-fps-Modus, der das visuelle Erscheinungsbild beider Games zwar deutlich reduziert (ungefähr auf HD-Niveau), auf unterstützten Monitoren dafür aber sehr hohe Bildraten bietet. Im älteren Nioh 1 ist der Modus sehr überzeugend, allerdings nicht so stark wie die Erfahrung des Qualitätsmodus. Aufgrund des aufwändigeren Effektgewitters in Nioh 2 müsst ihr deutliche Einschnitte in der Sichtreichweite, der Auflösung und vor allem beim Detailgrad der Schatten hinnehmen. Die Framerate kann zudem häufig nicht gehalten werden, weshalb ihr lieber auf einen der anderen beiden Darstellungsmodi (4K oder Performance) wechseln solltet. Generell mochte ich den Qualitätsmodus in beiden Spielen am liebsten.

Abgesehen von diesen technologischen Optimierungen steckt in The Nioh Collection zum Preis von 80 Euro einiges an Wert. Allein Nioh 1 bietet rund 50 Stunden an Inhalten und der Nachfolger ist sogar noch ein Stück vollgestopfter. Beide Action-Games haben nach der Veröffentlichung je drei Add-Ons bekommen, die alle zwischen sechs bis zehn Stunden lang sind. Wie schnell ihr euch durch all diese Inhalte beißen könnt, hängt in erster Linie natürlich von euren eigenen Fähigkeiten ab und wie häufig ihr dem Spiel in die Falle geht. Ihr dürft euch auf jeden Fall auf eine überwältigende Menge an schwierigen Auseinandersetzungen einstellen, wenn es das ist, wonach ihr sucht.

Soulslikes haben den Ruf, ziemlich schwierig zu sein, allerdings zeigt das große Interesse an dem Thema, dass diese Spiele letztlich doch nicht so unzugänglich sind, wie es von außen wirken muss. Wenn ihr ebenfalls einen Blick wagen wollt, ist eine gebündelte Neuveröffentlichung wie die von The Nioh Collection im Grunde eine tolle Gelegenheit, um mächtig viele Inhalte in bestmöglicher Form mit einem gewissen Ersparnis zu kaufen. Nioh ist jedoch einer der schwierigsten Vertreter seiner Art, weil die hohe Spielgeschwindigkeit wenig Spielraum für eigene Fehler lässt und Team Ninja alles auf frustrierende Art und Weise abstraft. Und das gilt nicht nur bei den Duellen mit herausfordernden Feinden, sondern auch beim Level-Design und der Positionierung von Hindernissen.

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Das erste Nioh ist in vielerlei Hinsicht die reduziertere Erfahrung, doch spielerisch hat sich die Reihe seit 2017 nicht stark weiterentwickelt.

Wer bereits einige Vorerfahrung mit einem Nioh-Spiel gesammelt hat, darf seine Playstation-4-Speicherstände auf die Remastered-Kollektion übertragen lassen. Dafür müsst ihr in den jeweiligen Originalspielen die Option Cross-Save-Management (Hauptmenü > System) auswählen und eure Daten via Cloud-Save online bei Koei Tecmo speichern. Im Remaster ladet ihr diese Daten auf dem gleichen Wege anschließend wieder herunter, was augenblicklich viele der errungenen Trophäen für euch freischaltet. Meine Konsole will aus irgendeinem Grund immer zuerst die PS4-Version von Nioh 1 installieren und schaltet nicht automatisch zur lokal gespeicherten PS5-Version um, aber das sind vernachlässigbare Kinderkrankheiten, die Sony sicher bald in den Griff bekommt.

Das haptische Feedback vom Dualsense-Controller wurde integriert, aber die Technologie stellt keine nennenswerte Bereicherung des Soulslike-Subgenres dar. In der freien Bewegung vibriert das Gamepad nun seicht, wenn man durch zerstörbare Gegenstände läuft, ansonsten simulieren die Trigger einen Wiederstand beim Abfeuern der Fernkampfwaffen. Mit sehr wenig Aufmerksamkeit hat Team Ninja die Implementation der Aktivitäten-Funktion vorgenommen, die ich als völlig unnötig empfand, weil wichtige Informationen fehlen. Damit springt ihr über das Playstation-Untermenü in eine Handvoll Missionen, die euch das Spiel selbstständig empfiehlt.

Mir sind zwar ein paar Sound- und Anzeige-Bugs aufgefallen, abgesehen davon laufen die beiden Spiele aber sehr rund. The Nioh Collection ist auf der PS5 insgesamt ein beeindruckender Port eines soliden Spiels und somit der ideale Einstiegspunkt für alle, die Nioh bislang verpasst haben und es unbedingt nachholen wollen. Leider nutzt sich die Spielerfahrung zum Ende hin stark ab, da die Games spielerisch sehr monoton sind. Wenn ihr euch die Herausforderungen gut einteilt, dürftet ihr mit dem Paket deutlich mehr Spaß haben. Ich freue mich deshalb sehr darüber, dass sich Team Ninja nun erst einmal mit anderen Projekten beschäftigen möchte. Die Japaner sollen sich ruhig ein bisschen Inspiration einholen, ehe sie die Yokais wieder über Japan entfesseln und uns zur Klinge greifen lassen.

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Nioh 2 wird gerne als Nioh 1.5 oder als Erweiterung bezeichnet, da so viele Ideen und Assets fast unverändert übernommen worden.

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09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
+
toller PS5-Port, für euer Geld erhaltet ihr eine Menge Inhalte, solide Actionspiele mit hohen Produktionswerten.
-
ihr solltet nahezu frustresistent sein, die beiden Spiele sind sehr gleichförmig und viele Inhalte werden wiederverwertet.
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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