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Kritiken
The Night of the Rabbit

The Night of the Rabbit

Noch zwei Tage Sommerferien, noch zwei Tage Zeit für ein großes Abenteuer - Matthias Kempke erzählt uns eine wunderschöne Geschichte.

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"Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne", schrieb einst Hermann Hesse. Es sind auch die richtigen Worte, um etwas über The Night of the Rabbit zu erzählen. Das Adventure handelt von Jeremias Haselnuss, einem 12-jährigen Jungen, der noch zwei Tage Sommerferien hat. Es bleiben ihm zwei Tage Zeit für ein großes Abenteuer und zwei Tage, um endlich ein großerer Zauberer zu werden. Es ist die neueste Eigenproduktion vom Hamburger Entwickler Daedalic Entertainment - stammt aber diesmal aus der Feder von Matthias Kempke und nicht aus der von Jan Müller-Michaelis.

Es ist ein Spiel über das Geschichtenerzählen und über Fantasie. Und so begegnen wir schon zu Beginn des Spiels zwei sehr merkwürdigen Figuren - einem Hasen und einem Waldschrat. Letzterer scheint eine wichtige Figur in dieser Welt zu sein, denn er will dem offenbar verirrten Hasen helfen, den Anfang seiner Geschichte wiederzufinden. Und das sei eigentlich ziemlich einfach, denn der "Anfang riecht nach Frühling" und Ende rieche "ganz anders". Was es mit diesem mysteriösen Treffen auf sich hat, erfahren wir aber erst am Ende des Spiels, denn die Hauptfigur ist wie bereits erwähnt ein anderer, nämlich ein kleiner Junge.

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The Night of the RabbitThe Night of the Rabbit
Jerry will Zauberer werden und der Marquis de Hoto verspricht, ihn auszubilden und vor dem Abendessen wieder nach Hause zu bringen.

Sein Wunsch, ein großer Zauberer zu werden, könnte tatsächlich wahr werden, als er den Marquis de Hoto trifft. Der verspricht ihm, ihn auszubilden und dafür reisen die beiden durch ein Dimensionstor nach Mauswald. Hier leben allerhand sympathische Waldtiere, aber auch wundersame Wesen wie ein griesgrämiger Kobold. Und ein paar merkwürdige Echsen mit Masken sind aufgetaucht und mit ihnen lauter Plakate für eine Vorstellung für den großen Zaroff - beides ist sehr mysteriös und verheißt nichts Gutes. Viele der Mauswald-Bewohner schließen wir auf der Reise in unser Herz. Meist aber nicht auf Grund des Humors, sondern eher, weil sie so unglaublich niedlich sind. Die Dialoge ziehen sich an einigen Stellen leider etwas zu sehr in die Länge, ohne wirklich etwas für Atmosphäre und die Handlung zu tun. Dadurch neigt man dazu, Passagen per Mausklick zu überspringen. Die deutsche Sprachausgabe aber ist gut geworden.

Die Rätsel sind in der Regel logisch. Die Spielwelt wird mit der Zeit immer größer und dazu kommt noch die Möglichkeit, Mauswald auch bei Nacht zu besuchen. Dadurch kann es manchmal etwas schwieriger werden, auf die richtige Lösung zu kommen. Als Unterstützung gibt es ein Tagebuch, das uns dabei hilft, unsere aktuellen Aufgaben im Blick zu behalten. Eine echte Hilfe, falls wir einmal nicht weiterkommen, fehlt aber. Außerdem sind einige Rätsel nur in einer bestimmten Reihenfolge lösbar, ohne dass wir immer einen Hinweis dafür bekommen. Durch viele dieser Elemente ist der Titel eigentlich nur für Adventure-Anhänger interessant. Das ist etwas ärgerlich, weil das Genre heute so viel mehr leisten könnte. Und für einen Titel, der sich vornimmt, das Geschichtenerzählen in den Mittelpunkt zu rücken, legt das nur unnötig Steine in den Weg.

Jerry ist aufgeweckter, aber dennoch ziemlich kindlich dargestellter Held. An dem Alter von zwölf Jahren sollte man sich dabei vielleicht nicht so sehr hochziehen, wohl aber zur Kenntnis nehmen, dass seine Worte und Reaktionen eben manchmal etwas nervig sein können. Er ist zumindest keinesfalls so sympathisch wie beispielsweise Edna oder Lilli, die ebenfalls Heranwachsende in Spielen von Daedalic verkörpern. Aber die Welt, durch die wir uns bewegen, erinnert schließlich auch stark an Kinderbücher wie Der Wind in den Weiden und soll gar nicht so wahnsinnig sein, wie die Heldinnen aus dem Harvey-Universum. Das Spiel appelliert an das Kind in uns und das macht The Night of the Rabbit so charmant und eigen. Allerdings schmeckt eben genau das auch nicht jedem.

The Night of the Rabbit
Das Menü ist übersichtlich, lässt sich leicht bedienen und beinhaltet später auch all unsere magischen Fähigkeiten.

Gleiches lässt sich auch über die Präsentation sagen. Die Bilderbuch-Optik ist wunderschön und die Animationen für ein Adventure wirklich in Ordnung. Es gibt viele abwechslungsreiche Schauplätze, die unterstreichen, wie viele Ideen in das Spiel geflossen sind. Untermalt wird alles von einem erstklassigen Soundtrack, der die gleiche hervorragende Qualität hat wie der von A New Beginning. Bei der Graifk mag es vielleicht Nörgler geben, die nicht so viel von 2D halten, aber bei der Musik gibt es keine Diskussion, die ist großartig.

In Sachen Bedienung hat sich Daedalic etwas Nettes einfallen lassen. Unser Inventar ist kreisrund und soll wohl ein wenig dem Durcheinander in unserem Rucksack nachempfunden sein. Das praktische ist, dass es sich mit dem Mausrad ein- und ausfahren lässt. Dadurch haben wir immer schnell Zugriff, ohne irgendwo klicken zu müssen. Über die Leertaste erhalten wir relativ zu Beginn die Möglichkeit, uns die Punkte anzeigen zu lassen, mit denen wir interagieren können. Hierfür gibt es sogar eine schöne Erklärung vom Spiel, warum wir dies sehen können. Im Inventar werden außerdem Zauber aufgelistet, die aber eher selten zum Einsatz kommen.

Als nettes Extra beinhaltet The Night of the Rabbit neben dem eigentlichen Spiel auch acht Hörspiele und ein Kartenspiel. Die acht freischaltbaren Geschichten basieren auf einem Kinderbuch von Kempke und jede ist ungefähr 20 Minuten lang. Wer sie hören will, muss sie allerdings erst finden und dafür zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Außerdem gibt es ein integriertes Kartenspiel mit Sammelkarten. Die Regeln werden zu Beginn unser Ausbildung als Zauberlehrling erklärt. Auch diese Karten müssen wir im Spiel suchen. Sammelbar sind obendrein noch Tautröpfchen und Sticker, die den Wiederspielwert erhöhen, sollte man nicht alles bereits beim ersten Mal entdecken.

The Night of the Rabbit
Im Spiel sind acht Hörspiele über Mauswald und ein eigenes Quartettspiel integriert - beides muss aber auf unserer Reise erst gefunden und vervollständigt werden.

Das große Wipfelfest muss Jerry organisieren und vier Zauber erlernen, bevor er ein richtiger Zauberer wird. Auf seiner Reise wird er sich dafür mit allerlei Problemen auseinandersetzen, um sich am Ende seiner schwierigsten Aufgabe zu stellen und den Bann des Zaroff zu brechen. Die Handlung von The Night of the Rabbit lässt uns lange im Dunkeln tappen, wo das alles hinführt. Am Ende gelingt aber ein hübscher Bogen zu einer plausiblen Erklärung inklusive einem Hinweis auf einen Nachfolger. Aber wie sagte der Waldschrat doch schon zu Beginn des Spiels so schön: "Mit einem Ende beginnen immer auch andere Geschichten."

"Nur wer sich auf den Weg macht, kann seinen Weg finden." Auch dieser Satz blieb irgendwie hängen. Er gilt aber nicht nur für den jungen Helden von The Night of the Rabbit, sondern auch auf für Matthias Kempke, den Autor und kreativen Kopf des Spiels. Er hat 2007 sein erstes Adventure What Makes You Tick? kostenlos im Internet veröffentlicht. Der Titel entstand während des Studiums und die Entwicklung war hauptsächlich eine angenehme Ablenkung vom Alltag. Im Jahr 2010 erschien dann der kommerziell veröffentlichte Nachfolger A Stitch in Time und nun ist sein erstes richtig aufwändig produziertes Spiel am Start. Er hat seinen Weg gefunden. The Night of the Rabbit muss ganz ausdrücklich für die wunderschöne Welt und die vielen netten Ideen gelobt werden. Nur der Spielfluss ist bisweilen etwas holprig.

Lieber Matthias, als wir uns beide über Adventures und die Welt von Jerry Haselnuss unterhalten haben, war da dieses Leuchten in deinen Augen und eine ganz ehrliche Begeisterung sichtbar. Und diese Liebe ist auch im fertigen Spiel zu spüren. Aber es existieren inzwischen doch nun wirklich verschiedene Wege, wie ein Adventure durch Rätselhilfen weniger frustrieren und dabei trotzdem fordern kann. Und im Grunde gibt es für die Genre-Fans bereits wirklich viele kleine Extra-Rätsel im Spiel, die dazu einladen, sich auch abseits der Handlung auszutoben. So aber lässt sich die ganze Schönheit der Geschichte vermutlich erst beim zweiten Durchgang genießen - und das ist schade.

The Night of the Rabbit
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The Night of the Rabbit
08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
liebevoll animierte Welt, großartiger Soundtrack, interessante Geschichte, integriertes Kartenspiel und Hörspiele, viele Geheimnisse, angenehme Bedienung, Schnellreisefunktion, toller Kopierschutz in der Handelsversion, deutsche Sprachausgabe
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manche Dialoge etwas langatmig, fehlende Rätselhilfe, Held ist leider nicht der gewünschte Sympathieträger
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