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The Legend of Zelda: Majora's Mask 3D

The Legend of Zelda: Majora's Mask 3D

Es ist das ungewöhnlichste Abenteuer der Reihe und deswegen auch das denkwürdigste. Und es hat eine liebevolle Neuauflage bekommen.

  • Martin Eiser

Obwohl es zunächst vielleicht etwas überrascht, aber es ist nicht die detaillierte Grafik und der 3D-Effekt, die in der neuen Version am meisten überzeugen. Es sind vielmehr die Elemente, die das Spielen komfortabler und natürlicher machen. Vor allem ist es die sanfte Steuerung, die meiner Meinung nach am deutlichsten zu spüren ist. Wer sich noch einmal den Titel für das Nintendo 64 vornimmt, der wird innerhalb von wenigen Minuten wissen, was damit gemeint ist. Diese ersten echten 3D-Titel in den Neunziger Jahren waren bahnbrechend in ihrer Zeit. Aber die Technik ist über die Jahre besser geworden. The Legend of Zelda: Majora's Mask 3D ist nun viel genauer und Probleme auf dem Bildschirm oder bei der Steuerung sind ein Relikt der Vergangenheit.

Zum anderen könnte ich persönlich die beiden Originale inzwischen nicht mehr ohne Unterstützung des zweiten Touchscreens spielen. Das Belegen von Tasten mit Gegenständen war damals ein Novum. Aber mit so vielen Masken und Gegenständen ist es heute eine große Erleichterung, all diese Möglichkeiten schnell mit dem Finger wählen zu können. Ich zum Beispiel trage den Bogen gern auf der X-Taste und den Enterhaken oder Bomben auf der Y-Taste. Nun kann ich zur gleichen Zeit noch ein oder zwei Masken auf dem Touchscreen unterbringen - nicht zu vergessen auch die Ego-Perspektive, Foto-Box und Ocarina. Und die Karte. Meine Güte, die Karte auf dem unteren Bildschirm. Es erleichtert die Navigation enorm, einfach nach unten zu schauen und reinzuzoomen zu können. Die Dungeons haben mit diesem System viel gewonnen. Das geht so weit, dass ich sie nun für unterhaltsamer und interessanter halte.

The Legend of Zelda: Majora's Mask 3DThe Legend of Zelda: Majora's Mask 3D
Zwei Bildschirme machen die Navigation an so vielen Stellen deutlich einfacher und erleichtern die Reise durch Termina.

Ich habe mit der Nützlichkeit der neuen Features begonnen und bin nicht direkt auf die schöne neue Präsentation eingegangen. Daher sei an dieser Stelle gesagt, dass die aufgefrischten Paletten, die neuen Texturen und natürlich modernen Lichteffekte selbstverständlich auch ihren Beitrag dazu leisten, um Räumlichkeiten besser abschätzen zu können. Ebenso sorgt der 3D-Effekt für eine bessere Immersion. Sichtbar wird dies vor allem in Spielen wie diesen, weil es nur wenige Abenteuer auf dem Nintendo 3DS gibt, die so ausgedehnte und weite Umgebungen bieten.

Neue Features sollten eben nicht nur für eine ästhetische Aufwertung sorgen, sondern The Legend of Zelda: Majora's Mask 3D tatsächlich zu einem besseren Spiel machen. Oder zumindest zu einem, das sich wie seine aktuellen Zeitgenossen spielt. Aber was ist, wenn man bei den Anpassungen übertreibt. Alles bisher Genannte passt fabelhaft zu wünschenswerten Verbesserungen, aber dennoch gab es die Befürchtung, dass wir in dem zum Teil sehr verwirrenden Abenteuer zu sehr an die Hand genommen werden und es zu viele Hinweise gibt. Das hätte auch den Anspruch und den Schwierigkeitsgrad beeinflusst.

Nun lässt sich aber glücklicherweise feststellen, dass die Zweifel nicht berechtigt waren. Eingangs wird durchaus versucht, uns mehr an die Hand zu nehmen und es gibt ein paar zusätzliche Hinweise für den richtigen Weg. Nichts davon aber stört. Und schon bald starten wir in das Spiel, dass wir so sehr lieben und an das wir uns gern erinnern - mit all seinen verdrehten Ansätzen, seinen Geheimnissen und dem respektablen Schwierigkeitsgrad. Und ich muss tatsächlich auch sagen, dass die ersten Stunden von The Legend of Zelda: Majora's Mask ein bisschen chaotisch sind und etwas zusätzliche Hilfe gar nicht schlecht ist.

The Legend of Zelda: Majora's Mask 3D
Über uns schwebt die ganze Zeit der mit jedem Tag näher kommende Mond, der die Welt zu zerstören droht.

Ein Beispiel dafür ist, dass wir nun etwas früher im Spiel das Lied der Schwingen lernen, um uns teleportieren zu können. Ja, vielleicht nervt uns die kleine Fee Taya nun etwas öfter mit ihrem "Hey, listen!", aber am Ende ist es trotzdem fordernd. Die Erfahrung lädt uns weiterhin zum Erkunden und Entdecken ein, wir improvisieren, entdecken versteckte Orte, finden merkwürdige Dinge und versuchen aus all dem eine Lösung für Rätsel zu ziehen. Ich habe auch nichts dagegen, dass das Tagebuch der Bomber nun viel präsenter und aufgeräumter ist. Im eigentlichen Spiel habe ich es noch weitgehend ignoriert, aber es ist ein perfekter Helfer, um alle Nebenaufgaben, Charaktere und vor allem die zeitliche Abfolge von bestimmten Ereignissen zu überblicken, die es in der dreitägigen Zeitschleife gibt.

Es ist weniger ablehnend und dafür zugänglicher. The Legend of Zelda: Majora's Mask 3D bringt eine Reihe seltsamer Ereignisse zusammen, die alle parallel ablaufen. Geschichten, die gerade passieren, die bereits passiert sind oder noch passieren werden. Während wir sie nach und nach bemerken, geht es weiter in der Handlung vorwärts, in dem wir Dungeons vervollständigen, Gegenstände, Masken und Kräfte erhalten, magische Melodien erlernen und die restlichen Teile der Karte aufdecken. Es ist im Grunde die ganz typische Struktur, welche die Serie in den 90er und den 00er Jahren populär gemacht hat, und die durch den 72 Stunden-Rhythmus gleichzeitig so charmant durchbrochen und verdreht wurde. Am Ende geht es immer wieder zurück zum Anfang, zum Morgen des ersten Tages.

Obwohl die ursprüngliche Formel noch immer eine ganz fantastische ist, werden wir mit vielen Dingen überrascht und erkennen, dass manches einfach nur auf diese Art und Weise möglich ist. Noch immer können wir zum Beispiel in der Lotterie gewinnen, weil die Gewinnziehungen sich immer wieder in dem gleichen Zyklus wiederholen. Es mag aber sein, dass viele dieser von einem Zeitplan abhängigen Ereignisse nicht besonders gut gealtert sind, weil sie zur lästigen Pflicht wurden. Es gibt nervige Kombinationen oder öde Laufwege.

The Legend of Zelda: Majora's Mask 3D
Die düstere Geschichte mit ihren vielen Masken macht dieses Kapitel von der Reihe so einzigartig und besonders.

Dazu gehören auch die Sachen, die durch das Besiegen von einem Boss ausgelöst werden, wie das Geschenk vom Deku-Butler oder die Ankunft des Frühlings. Nervig auch die Aufgaben, die wir erst starten können, wenn nur noch wenig Zeit verbleibt, wie die Zora-Eier oder die verirrten Feen. Es ist verständlich, dass dies auch Teil vom anspruchsvollen Schwierigkeitsgrad ist und sorgfältige Planung erfordert. An einigen Stellen hätte es aber trotzdem etwas zeitgemäßer gestaltet werden können, denn so fühlen sich diese Stellen einfach überholt an.

Das soll aber nicht heißen, dass diese Minuspunkte dem Spiel am Ende wirklich schaden. Denn es gilt weiterhin, dass The Legend of Zelda: Majora's Mask 15 Jahre alt ist, es wurde in einem Jahr entwickelt und ist noch immer ein Meisterwerk in Sachen Game Design. Die verschiedenen Orte und Charaktere laden zum Entdecken ein. Die vielen Masken treiben uns an, sie alle zu sammeln und das Spiel komplett mit 100 Prozent abzuschließen - ganz abgesehen davon, dass sie nebenbei noch ein bizarres und einzigartiges Feature darstellen, das besondere Fähigkeiten aktiviert und bestimmte Situationen aktiviert. Wann sonst schon konnte Link selbst zum Goron werden!?

Die Aktivitäten und Minispiele sind spaßig und machen süchtig. Die Dungeons sind natürlich auch von dem typischen Design der The Legend of Zelda-Reihe durchdrungen. Und es wagt sich auch an Dinge, die wir in The Legend of Zelda: Ocarina of Time so noch nicht gesehen haben. Dazu gehört etwa der Schädelbucht-Tempel. Der ist ein großartiges Unterwasser-Abenteuer, das man lieben oder hassen wird. Er ist quasi eine kompakte Version des legendären Wassertempels, aber mit den Kräften der Zora und der Zeit im Nacken.

The Legend of Zelda: Majora's Mask 3D
Unterstützt werden in der Ego-Perspektive auch die Bewegungssensoren vom Nintendo 3DS.

In diesen Dungeons kann es aber schon passieren, dass das in die Jahre gekommene Konzept mit "Finde den besonderen Gegenstand und nutze ihn im zweiten Teil des Tempels" sich heute als etwas zu klassisch und abgenutzt anfühlt. Oder es erreicht eben nicht das unglaublich hohe Niveau, das Nintendo zuletzt in The Legend of Zelda: Twilight Princess und The Legend of Zelda: Skyward Sword gezeigt hat. Die Bosskämpfe passen auch nicht zu den gelungenen Erfahrungen in den Dungeons, aber diese Orte bieten weiterhin denkwürdige Rätsel. Und weil bereits die verirrten Feen erwähnt wurden, so ist dies auch eine großartige Ergänzung, um wirklich jeden Winkel eines Tempels zu durchforsten und was in der Serie immer wieder Verwendung finden sollte.

The Legend of Zelda: Majora's Mask 3D sieht außerdem viel besser aus als das Original, aber es behält seine fast schrille und verstörende Schönheit bei. Die neue Farbpalette, Lichteffekte und die neu gezeichneten Texturen wurden mit bedacht eingearbeitet, um den Kontrast und die traumhafte, mysteriöse Atmosphäre zu erhalten, die das Original bereits hatte. Es verstärkt den düsteren Hintergrund, den es von The Legend of Zelda: Ocarina of Time unterscheiden sollte. Durch die audiovisuellen Verbesserungen wird den schaurigen Dingen neues Leben eingehaucht. Die Musik im Dämmerwald Tempel gehört dazu, ebenso wie die schockierende Geschichte des Romani-Mädchens auf der Farm, Details wie die Schweinemaske und Orte wie Ikana Canyon. Und natürlich der Blick in den Himmel und zu sehen, wie der Mond mit jedem Tag größer wird. Frostig!

Statt einfach nur ein episches Abenteuer rund um die Ebenen und das Schloss von Hyrule zu sein, ist The Legend of Zelda: Majora's Mask wie einer von jenen seltsamen Träumen, die wir alle von Zeit zu Zeit haben und in die wir aus irgendeinem Grund gern zurückkehren. Mit so vielen Masken bedeckt, rückt Link etwas aus dem Fokus und schiebt den komischen Typen Horror Kid und Majora nach vorn. Aber ist das Spiel hier besser als The Legend of Zelda: Ocarina of Time?

The Legend of Zelda: Majora's Mask 3D
Mit dem neuen Nintendo 3DS ist die Navigation dank Kamera-Stick noch einfacher.

Meiner Meinung nach ist das nicht der Fall, denn dieses ist dem ungewöhnlichen Nachfolger wegen seiner Größe, dem Tempo und dem Gefühl für Fortschritt und Veränderung beim Helden einfach trotzdem überlegen. Ich muss aber zugeben, dass The Legend of Zelda: Majora's Mask am Ende auch das Spiel ist, dass viel besser dazu in der Lage ist, einen bleibenden Eindruck bei all jenen zu hinterlassen, die es beendet haben. Es ist wie eine B-Seite - weniger prunkvoll, aber dafür viel ausdrucksstärker.

Aber wir sprechen hier über zwei Meilensteine eines Genres. Als Action-Adventure ist The Legend of Zelda: Majora's Mask 3D ein absoluter Pflichtkauf für den Nintendo 3DS. Und trotz des Alters des Originals ist der Titel vielen anderen Vertretern vorzuziehen. Auch allein als Neuauflage betrachtet gehört es zu den am besten restaurierten und modernisierten Spielen, an die ich mich zumindest erinnern kann, selbst wenn natürlich weitere Extras und Bonis für Fans wünschenswert gewesen wären. Aber es bleibt dabei, egal, ob die Erfahrung ein weiteres Mal durchlebt werden soll oder wir das erste Mal einsteigen, den Ausflug nach Termina sollte niemand verpassen. Jede der 72 Stunden, die sich immer und immer wiederholen, werden wir lieben.

The Legend of Zelda: Majora's Mask 3D
The Legend of Zelda: Majora's Mask 3D
The Legend of Zelda: Majora's Mask 3D
The Legend of Zelda: Majora's Mask 3D
09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
+
viel bessere Navigation durch die Welt, bessere Steuerung, Verfolgen von Aufträgen ist einfacher, sanft und ohne lange Ladezeiten schärfer, schöner und noch düsterer, ungewöhnliche Geschichte und besonderes Szenario, wir können ein Gorone werden
-
mehr Extras für die Neuauflage wären nett gewesen, ein paar kleine Fehler, Abhängigkeit von Zeit nervt bei manchen Aufgaben, Bosse sind nicht auf dem selben Niveau wie der Rest vom Design
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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