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The Final Station

The Final Station

Es ist diese wunderschöne Kombination aus bedrückender Atmosphäre und intensivem Survival-Horror, die The Final Station zu einem so einzigartigen Erlebnis macht.

  • Sam Bishop

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Es sei euch verziehen, wenn ihr bei der Hintergrundgeschichte von Final Station mit den Augen rollt und „Schon wieder?" denkt. The Final Station ist das neuste Projekt von Oleg Sergeev, Andrey Rumak und Do My Best. Es ist ein Spiel über eine Apokalypse, bei der Zombies die Menschheit in den Abgrund gestürzt haben und wir die Rolle eines Überlebenden übernehmen müssen. Eine wirklich sehr bekannte Formel und selbst das nette Detail, dass wir einen Zug mitsamt Passagieren managen müssen, dürfte nur die wenigsten überzeugen - aber lasst euch davon nicht täuschen. The Final Station ist eine echte Perle und bekommt all das sehr schön hin.

Die Geschichte folgt dem Spieler - einem namenlosen Zugführer - durch die Reste einer Gesellschaft, vorbei an einer Zivilisation, die am Boden liegt. Wir sind einer der letzen Zugführer in dieser sterbenden Welt und müssen eine wichtige Fracht befördern. Während der Kampagne bekommt man das Gefühl, dass dieser Mann keine Fragen stellt, sondern pflichtbewusst seine Aufgabe erfüllt und stets genau dorthin reist, wo er gerade gebraucht wird. Auf dem Weg sammeln wir alle Überlebenden ein, die wir finden können und bringen sie in Sicherheit.

Das Gameplay beschäftigt sich dabei in erster Linie mit zwei Dingen; eines davon sind die Stationen des Zuges. Man beginnt in einem friedlichen Bahnhof und trifft auf seiner Reise noch einige andere davon, doch die meisten Stationen sind voller Gegner. Dort müssen wir häufig erst einen Code finden, der den Zug wieder freigibt, damit wir die Station verlassen können. Die Feinde sind nicht mehr als schwarze Gestalten - eine Folge des Zusammentreffens mit einer außerirdischen Macht - und sie haben Fähigkeiten, die sie gegen Schaden schützen oder besonders schnell machen.

Der zweite Bestandteil des Spiels ist der Zug selbst. Zwischen den Stationen muss der Zug, während der Fahrt, gewatet werden und eins der vielen Systeme bereitet einem immer Probleme. Deshalb müssen wir manuell die unterschiedlichen Bereiche des Zuges überblicken und reparieren, während wir gleichzeitig noch Hunger und Gesundheit der Passagiere im Auge behalten. Nahrung und Medizin sammeln wir in den Stationen ein. Für das sichere Abliefern der Überlebenden erhält man Belohnungen und Geld, es ist also ganz in unserem Sinne, sich um das Wohlergehen der Mitreisenden zu sorgen. Munition und Medizin können auch im Zug hergestellt werden, Bruchstücke einer Story finden wir in Form von Nachrichten anderer Zugfahrer.

Wieder zurück zu den Bahnhöfen, hier findet der Hauptteil des Spiels statt - zumindest an den feindlichen. Wie in so vielen Apokalypse-Spielen, ist das Management der knappen Ressourcen der Schlüssel zum Erfolg. Wie schon erwähnt braucht es Nahrung und Medizin, um uns und unsere Passagiere am Leben zu halten. Munition und andere Dinge lasen sich aber ebenfalls zu Geld machen. Munition ist wichtig, denn ein 2D-Spiel bietet nur wenige Möglichkeiten, Schwierigkeiten zu umgehen. Manchmal hat man keine Wahl und es braucht Waffengewalt, um sich gegen größere Gruppen von Feinden zu wehren. Jeder Raum muss durchsucht werden, denn in The Final Station ist das Sammeln von Ressourcen überlebenswichtig.

Die Steuerung beim Kampf ist denkbar einfach: rechte Maustaste ist der Nahkampfangriff, die linke Maustaste betätigt den Abzug, während man mit der Maus zielt. Es gibt drei Knarren im Spiel zwischen denen man mit Tab wechselt (man bewegt sich mit WASD oder den Pfeiltasten). Das Spiel profitiert von der Einfachheit und man kann direkt in die Geschichte einsteigen. Was die Kämpfe so spannend macht, ist die Ungewissheit. Man weiß nie, was einen im nächsten Raum erwartet, so lange er verschlossen ist. Da bricht schnell Panik aus, wenn man einen Raum voller Kreaturen betritt und sich blitzschnell zwischen Kampf oder Flucht entscheiden muss.

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Aber es ist die Story, die einen richtig fesselt. Der Spieler wird mit mysteriösen Geschehnissen konfrontiert, die den Kontext für die erzählerischen Elemente bilden. Es gibt diese unheilvolle Alien-Macht, die augenscheinlich Einfluss auf die Menschheit hatte, doch weitere Hintergründe behält das Militär für sich. Und irgendwie spielen wir darin eine Rolle, da wir und andere Lokführer vom Militär Aufträge erhalten, die keinen Sinn zu ergeben scheinen. Die Atmosphäre von Verzweiflung, universellen Sorgen und niederschmetternder Hoffnungslosigkeit wiegt schwer und das pflanzt in uns die Saat des Heldenmutes. Wir bemerken, dass es nicht ums uns als Einzelperson geht, sondern um die Anderen und dass den Überlebenden zu helfen und die Aufgaben des Militärs zu erledigen, vielleicht dabei helfen könnte, diesen ganzen Horror zu beenden. Das wird auch dadurch unterstützt, dass unsere Figur während der Kampagne nur wenig spricht und wir die Ressourcen persönlich zu den Überlebenden in dem Zug tragen - zwei subtile Details, die ihren Eindruck hinterlassen.

Aber all dies wäre nicht ohne die atemberaubende Musik von Geoff Hart-Jones möglich. Die Atmosphäre wird durch ein geisterhaftes Klavier und die langsamen, unheimlichen Töne getragen, die spärlich aber effektiv in Schlüsselmomenten einsetzen - insbesondere gegen Ende des Spiels. genauso wichtig ist bei diesem Soundtrack die Stille, die oft nur von Schüssen, Fußtritten und sich öffnenden Türen durchbrochen wird. Es gibt keinerlei Sprachausgabe, alles wird mit Text abgehandelt.

Der in so vielen niedlichen Indie-Games eingesetzte Pixel-Stil wird hier zu etwas völlig anderem. Die Farbpalette ist eine Mischung aus grau und schwarz und passt hervorragend zu der trostlosen Welt und auch wenn alle Figuren sehr klein sind - sind sie weit davon entfernt niedlich zu sein. Sie sehen aus wie echte Menschen und das ist großartig gemacht. Die gesamte Welt fühlt sich an, als sei sie von wirklichen Menschen bevölkert - alle mit eigenen Gesichtern. Von den Zügen bis zu den Toiletten sieht das Spiel atemberaubend aus und der dunkle Stil passt wirklich ganz hervorragend.

Das Level-Design ist ebenfalls makellos. In jeder Station wurden die Gebäude intelligent und variantenreich designt und erfordern oft eine Rundreise, um den Code für die Weiterfahrt zu bekommen. Ein Level stach dabei besonders hervor. Der Bahnhof wurde mem Besitzer eines Hauses auf einem nahen Hügel überwacht und wenn man das Haus auf der Suche nach dem Code betritt, stößt man dort auf einige finstere Geheimnisse. Das alles wird über Hinweise in der Umgebung erzählt und gehört zu den großen Leistungen dieses Spiels. Einige der schaurigsten Momente von The Final Station entstanden durch das Lesen von Nachrichten, Notizen oder anderen Objekten in den Leveln, die den Spielern Hinweise auf die Welt und ihre Bewohner geben, wenn man das möchte.

Leider fehlt ein Tutorial und das ist irgendwie ein bisschen frustrierende. Ich hatte den Vorteil, immerhin schon die Vorschau gespielt zu haben, aber es gibt keine Hinweise darauf, wie man die Vorräte an die Überlebenden verteilt oder wie man die Stromversorgung des Zugs managt. Das lässt sich zwar im Menü nachlesen, aber da manches davon schnell gemacht werden muss, wäre es sehr hilfreich gewesen, nicht nur gesagt zu bekommen, dass man es machen muss, sondern auch wie.

Die Checkpoints sind etwas zu großzügig verteilt. In einer Welt in der Ressourcen kostbar, Munition knapp und das Wohl der Überlebenden von uns abhängt, sollte es ein Gefühl der Bedrohung geben - was leider durch die regelmäßigen Checkpoints unterbunden wird. Das macht das Spiel etwas einfacher, aber steht dem entgegen, was es erreichen will.

The Final Station ist geisterhaft schön - von Anfang bis Ende - und die wenigen Kritikpunkte machen insgesamt kaum etwas aus. Das Spiel steckt euch in die Schuhe eines einsamen, isolierten Lokführers, der das Gewicht der Welt auf seinen Schultern trägt und das werdet ihr wirklich fühlen, genau wie die korrupte Welt um euch herum. Das Gameplay, die Atmosphäre und der visuelle Stil gehen Hand in Hand und machen die Zombie-Apokalypse von The Final Station einzigartig, auch in ihrem Horror.

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The Final StationThe Final StationThe Final Station
09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
+
Furchterregende Atmosphäre, simples aber effektives Kampfgeschehen, Entscheidungen zu treffen ist kritisch, wichtige Geschichte über Moral und Heldenmut, tolles Storytelling-Design
-
zu häufige Checkpunkte entfernen die Bedrohung der Welt, es gibt kein Tutourial
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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