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The Dark Pictures: Man of Medan

The Dark Pictures: Man of Medan

Gruselgeschichten gehören für Anne einfach dazu, deshalb begab sie sich mit feierwütigen Erwachsenen auf ein Geisterschiff mitten im Nirgendwo.

In jungen Jahren waren R. L. Stines Gänsehaut- und Fear-Street-Bücher mein persönlicher Einstieg in die Welt des Horrors. Heutzutage haben es mir vor allem die Werke von Stephen King und H.P. Lovecraft angetan, doch meine Liebe zu klassischen Horrorgeschichten hält bis heute an. Es gibt jedoch nur vereinzelt Videospiele innerhalb des Horrorgenres, die ein ähnliches Interesse bei mir wecken. Mit The Dark Pictures: Man of Medan verspricht Supermassive Games eine Videospiel-Anthologie, die die Welt des klassischen Horrors zurück auf unsere Bildschirme bringt. Ob ihnen das gelingt?

Wie immer fängt alles ganz harmlos an: Ein Tauchgang, ein verlassenes Schiffswrack und jede Menge Bier stimmen uns auf die Geschichte von Man of Medan ein. Alex und Julia, ein frischgebackenes Pärchen, nehmen ihre Geschwister mit auf einen Ausflug und werden begleitet von Fliss, der Kapitänin des Schiffs. Jeder der fünf Charaktere spiegelt einen anderen Persönlichkeitstypen wieder. Während Alex' kleiner Bruder Brad durch und durch den schüchternen Nerd widerspiegelt, haben wir mit Julia eine extrovertierte, rücksichtslose Person an Bord. Es dauert nicht lange bis alles schief läuft und sich die Tauchergruppe auf einem verlassenen Militärschiff mitten im Ozean wiederfindet.

Gameplay-technisch sieht Man of Medan seinem spirituellen Vorläufer Until Dawn extrem ähnlich. Abwechselnd übernehmen wir die Kontrolle über die fünf Jugendlichen, die nicht nur versuchen von dem Schiff zu entkommen, sondern gleichzeitig die Geheimnisse rund um das Geisterschiff aufdecken wollen. Während wir uns auf dem Schiff umschauen, stoßen die Charaktere auf wichtige Hilfsmittel, die uns zu einem späteren Zeitpunkt weitere Optionen ermöglichen. Ähnlich wie bei Until Dawn können wir in Man of Medan Gemälde entdecken, die uns Einblicke in zukünftige Geschehnisse geben. Oftmals müssen wir rätseln, wie der gute oder schlechte Ausblick zustande gekommen ist, um im passenden Moment die richtige Entscheidung zu treffen.

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Leider stimmt das Pacing in vielen Szenen einfach nicht.

Auch die Detektivarbeit sollte nicht unterschätzt werden: Überall auf dem Schiff befinden sich Tagebücher, hastig gekritzelte Notizen und Logbücher, die uns mehr über die Geschehnisse auf dem Schiff verraten. Verknüpfen wir diese Hinweise miteinander, offenbaren sich möglicherweise Informationen, die unser Spielverhalten maßgeblich verändern. Oftmals müssen wir uns entscheiden, ob wir lieber auf unser Bauchgefühl oder unseren Verstand hören sollten, denn wie uns der Kurator verrät: In Man of Medan ist nichts so, wie es scheint.

Der Kurator ist eine Entität, die mit uns das Spiel hindurch kommuniziert und liebend gern die vierte Wand zerbricht. Er ist zeitlos, allwissend und führt ein Archiv mit Geschichten über das Leben und den Tod. Unser Spieldurchlauf wird regelmäßig durch kleine Sequenzen, bei denen wir uns im Archiv des Kurators befinden, unterbrochen - eine wohlverdiente Pause zwischen all dem Schrecken. Mit kleinen Anspielungen auf unsere Entscheidungen und doppeldeutigen Tipps bringt der Kurator eine interessante Nuance in das Spiel.

Mit starken Inspirationen von Serien, wie Geschichten aus der Gruft oder Twilight Zone, strahlt die Geschichte einen gewissen nostalgischen Charme aus. Der Aufbau der Story gleicht einer Folge von Gänsehaut mit einem großen Twist, klischeebeladenen Charakteren, einer Prise Humor und einem allwissenden Narrator, der uns stets begleitet. The Dark Pictures: Man of Medan ist ein solides Horrorspiel, daran gibt es keinen Zweifel. Und doch macht sich ein gewisses Gefühl der Enttäuschung breit, während ich meinen ersten Spieldurchlauf beende.

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Quicktime-Events können über Leben und Tod entscheiden.

Denn obwohl Supermassive Games' die allgemeine Struktur des Spiels gut gelingt, fühlen sich einige Szenarien zu langgezogen, andere viel zu abrupt an. Die Quicktime-lastigen Sequenzen treten vor allem gegen Ende des Spiels auf, während wir in den anfänglichen Kapiteln fast ausschließlich damit beschäftigt sind, umherzulaufen und uns Dinge anzuschauen. Besonders bemerkbar ist das unpassende Erzähltempo im letzten Kapitel, das ich mehrmals mit verschiedenen Entscheidungen durchlief und nie zufrieden war.

Auf der Playstation 4 zerrt zudem so einige technische Fehler an der sonst sehr starken Atmosphäre des Spiels. Bei fast jedem Szenenwechsel oder zu Beginn eines Kapitels gibt es starke Framerate-Einbrüche. Kurz vor dem Ende meines Spieldurchlaufs schmierte mir das Spiel sogar einmal völlig ab. Dazu kommen weitere, jedoch nicht allzu störende Fehler, wie nachladende Texturen oder Gegenstände, die (ohne Hilfe des spukenden Schiffs) in der Luft schweben. Bandai Namco arbeitet bereits an einer Reihe von Patches, darauf haben sie uns vorsorglich noch einmal hingewiesen, ärgerlich ist das aktuell aber trotzdem.

Supermassive Games' Wissen im Bereich des Horrors ist beeindruckend. Special Features, die sich mit der Zeit über das Hauptmenü freischalten lassen, geben Einblicke in die Entstehung des Kurators, ein anderes Video gibt einen kurzen Überblick über die Geschichte der Horror-Anthologien. The Dark Pictures: Man of Medan ist ein gelungener Versuch eine klassische Erzählstruktur in ein modernes Medium zu bringen. Um die Fans auch für die kommenden Geschichten an der Stange zu halten, müssen sich die Entwickler jedoch etwas weiter von Until Dawns starken Einflüssen entfernen und die Struktur einer Horrorspielsammlung noch besser auf das Medium der interaktiven Unterhaltung abstimmen.

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In zukünftigen Episoden muss die Serie eigenständiger werden und sich von ihren Inspirationsquellen lösen können.
07 Gamereactor Deutschland
7 / 10
+
spiegelt wunderbar den Charme klassischer Horrorgeschichten wieder, Kurator liefert mit seinen geheimen Auftritten eine zusätzliche Spielebene, Geschichte bleibt durch kleine Twists und versteckten Hinweisen spannend...
-
... endet in den letzten Kapiteln jedoch viel zu abrupt. Viele technische Probleme, wie Framerate-Einbrüche, Texturfehler bis hin zum Spielabsturz möglich.
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KRITIK. Von Anne Zarnecke

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