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The Council

The Council (Komplette Staffel 1)

Wenn Geschichte, Kunst, Kultur, Religion und das Teuflische nahtlos zu einem fantasievollen Kunstwerk verstrickt werden.

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The Council beginnt als ein Abenteuer, das kurz zum Krimi wird und dann am Ende zu einem Spiel um Weltherrschaft und das Okkulte mutiert. Es verknüpft Geschichte, Kunst, Kultur, Religion und das Teuflische nahtlos zu einem fantasievollen Kunstwerk und verliert sich im Gegensatz zu etwas wie Fahrenheit nicht unterwegs.

In unserer Kritik zur ersten Episode von The Council haben wir geschrieben: Ihr könnt The Council als eins von zwei Dingen wahrnehmen. Entweder ein erzählerisches Abenteuer mit Rollenspiel-Elementen, die uns unseren Charakter weiterentwickeln lassen, wobei wir Gegenstände nutzen um die Story zu erkunden. Oder alternativ als Rollenspiel ohne jegliche Kämpfe mit starkem Fokus auf der Geschichte. Egal, wie ihr euch entscheidet, die Vorgabe ist sehr reizvoll und ebenso neuartig wie innovativ.

Nachdem wir das ganze Spiel abgeschlossen haben, neigen wir eher zur ersten Beschreibung, insbesondere durch die Art, wie sich die Geschichte entwickelt. Aber ohne jeden Zweifel betritt The Council durch seine Art, wie es ermüdende Mechaniken wie Quicktime-Events durch bedeutsame Rätsel ersetzt, neuen Boden, während gleichzeitig die verschiedenen Attribute unserer Spielfigur unterschiedliche Wendungen erlauben.

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The CouncilThe Council

In The Council schlüpfen wir in die Rolle von Louis de Richet, der eine Einladung von Lord Mortimer erhält, ihn auf seiner privaten Insel zu besuchen. Der Grund: Seine Mutter Sarah ist dort verschwunden. Die Suche nach Sarah mag der Grund für unseren Besuch auf der Insel sein, aber wie wir schnell feststellen, geht es hier um viel größere Dinge. Unsere Mutter ist Teil eines Rätsels, aber das gilt auch für Persönlichkeiten wie George Washington und Napoleon Bonaparte oder Gastgeber Lord Mortimer.

Im Gegensatz zu den letzten Telltale-Games verlässt sich The Council nicht nur auf Entscheidungen, die wir in Konversationen treffen. Denn es gibt ein System aus Attributen und Bemühungspunkten (ähnlich wie in Torment: Tides of Numera), was die Angelegenheit wesentlich interessanter macht. Zu wissen, wann Punkte ausgegeben und wann sie lieber angespart werden sollten, ist hier der Schlüssel zum Erfolg. Denn ihr wisst nie, wann ihr sie wirklich brauchen werdet.

Besonders gegen Ende gibt es ein paar sehr teure Optionen, die euer digitales Alter Ego retten könnten, falls ihr nicht die richtigen Attribute für bestimmte Optionen haben solltet. In jeder Episode gibt es mindestens einen Punkt, an dem ihr euch für einen Pfad entscheiden müsst und ihr so Einblicke erhaltet und dafür andere Informationen verpasst.

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The CouncilThe Council

The Council bietet ein paar großartige Puzzle, alle logisch und gut durchdacht, Rätsel über die ihr nachdenken müsst, aber ohne das euch dabei graue Haare wachsen. Und es sind Rätsel, die ihr lösen könnt oder an denen ihr scheitert, wodurch sich die Geschichte in eine andere Richtung entwickelt. Uns hat besonders gefallen, wie sehr die Rätsel von Lektionen in Geschichte und Religion durchzogen sind, was auch für die Story selbst gilt. Wir suchen nicht nur nach zufälligen Codewörtern oder Zahlen, alles ist integraler Bestandteil der Geschichte und die Fiktion saugt uns noch tiefer in die Erzählung.

Es gibt da etwa ein Rätsel, das uns den Mythos des Minotaurus und Theseus näher bringt als es Assassin's Creed Odyssey geschafft hätte. Und das ist nur ein Beispiel dafür, auf welch vielfältige Art und Weise uns das Spiel Einblicke verschafft und uns dazu bringt, uns ein reales Buch zu schnappen. Hier geht es viel um Jesus Christus und das Christentum, aber durch den okkulten Blickwinkel wird das alles interessanter als du vielleicht glaubst.

Die große Schönheit liegt darin, wie die Geschichte auch weitergeht, wenn wir an einem Rätsel scheitern oder es nicht schaffen, das Leben von Jemanden zu retten. Scheitern führt in dieser Geschichte nur zu einer anderen Art von Geschichte und bedeutet andere Abzweigungen und unterschiedliche Enden.

Unser individuelles Ende ist sicher auf viele Arten und Weisen ein Scheitern gewesen - unser Louis schaffte es nicht, die Insel zu verlassen, auch seine Mutter nicht. Trotzdem war es ein Ende, das durch unsere Entscheidungen verursacht wurde, auch wenn wir es uns an manchen Stellen ein wenig leichter hätten machen können. Das okkulte Thema, das anfangs nur angedeutet wird, blüht ab Episode 3 richtig auf. Es ist ein wenig problematisch, das es alles, was wir zu wissen glaubten, auf den Kopf stellt. Aber wir fühlten uns dadurch nicht betrogen - ganz im Gegenteil - unsere Augen wurden geöffnet, um das große Ganze zu sehen.

Was wir allerdings sagen können ist, dass die Zusatzfähigkeit des Gedankenlesens nicht so nützlich und interessant ist, wie sie hätte sein können. Es wäre reizvoller gewesen, wenn sie früher vorgestellt worden wäre, unerklärt und weniger nachdrücklich.

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The CouncilThe Council

Die erste Episode von The Council ist ein wenig länger als die folgenden, aber durch den Fokus auf Rätsel und Erkundung haben wir sicher 15 Stunden mit dem gesamten Spiel verbracht. Außerdem schreit alles nach einem zweiten Durchgang, denn ihr wollt ohne Frage andere Entscheidungen treffen, es gibt viele Abzweigungen zu erkunden und Details, die ihr beim ersten Mal sicher verpasst haben werdet. Vielleicht lassen sich ja sogar einige Leben retten.

Es gibt ein paar Kleinigkeiten, die noch etwas Politur vertragen hätten. Uns sind grafische Fehler und teilweise fehlende Sprachausgabe begegnet. Die Ladezeiten sind ein wenig ausgedehnt und es gibt einige Übersetzungsfehler oder Stellen, an denen die Untertitel nicht mit dem Gesprochenen übereinstimmen. Es gab zudem ein oder zwei Stellen, an denen nicht ganz klar war, wie es weitergehen soll.

The Council ist ein Spiel, das bei euch bleibt und wir sind ein wenig neidisch auf unsere Leser, die das Spiel noch nicht gestartet haben und es in einem Durchgang genießen können. Es funktioniert als Episodenabenteuer, aber es hat sicher Vorteile, es jetzt an einem Stück zu genießen, weil dadurch alle Nuancen und subtilen Hinweise besser wahrgenommen werden können. Auch wenn manche Stellen noch ein wenig Politur vertragen hätten, wir sind extrem gespannt, was Big Bad Wolf wohl als nächstes angehen wird.

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08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
Meisterhafte Mischung aus Geschichte, Religion, Okkultismus und Mythologie. Tolle Rätsel, Fortschritt sowohl durch Erfolg als auch durch Misserfolg, RPG-Mechanik funktioniert wirklich gut
-
Fehlt stellenweise Politur, einige Ziele könnten klarer sein, Kehrtwende der Hauptgeschichte kann nerven
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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