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Film-Kritiken

Soul Filmkritik

Pixars wunderschöner, neuer Film strahlt innen ebenso wie außen.

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Wenn man sich anschaut, was Pixar in den letzten Jahren alles abgeliefert hat, dann lassen sich gleich mehrere Beispiele für pure Brillanz finden. Das Studio wurde für diese Leistung mit zahlreichen Preisen gesegnet und brachte Regisseure wie Brad Bird hervor, der mittlerweile sein eigenes Ding macht und damit auch sehr erfolgreich ist. Darum soll es hier aber nicht gehen, denn in diesem Artikel wollen wir eine weitere, wundervoll aussehende Arbeit des Pixar-Teams besprechen, die von Herzen kommt und eine emotionale Handlung verfolgt.

Regisseur Pete Docter ist für Soul verantwortlich, das aus dem gleichen Holz geschnitzt ist, wie der äußerst erfolgreiche Film „Alles steht Kopf". Es geht im Grunde darum, durch Animation und kindliches Staunen auf die wandelbare, menschliche Natur einzugehen. Obwohl Pixar in der Vergangenheit auch einige weniger herausragende Filme, wie „Arlo & Spot" oder einige der der „Cars"-Ableger, gedreht hat, gehört Soul definitiv zu den besseren Arbeiten des Studios.

Im Gegensatz zu „Alles steht Kopf", das sich direkt mit dem Übergang vom Kindes- zum Erwachsenenalter beschäftigt, und wie unsere Erinnerungen und Gefühle unser Bewusstsein bestimmen, geht es bei Soul um den Tod und letztendlich auch um das Leben. Diese Themen sind in der Tat bedeutend, vielleicht sogar noch ambitionierter als alles, was das Studio zuvor versucht hat. Das Herz dieser Geschichte bildet der charmante Protagonist Joe Gardener, an den wir aufgrund all seiner Fehler mit Leichtigkeit anknüpfen können.

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Joe ist ein Mann in den Vierzigern, der den Traum verfolgt, ein berühmter und gefeierter Jazzpianist zu werden. Der Weg dahin war holprig, doch just als er sein Ziel endlich erreicht hat, stirbt er plötzlich. Auf der Rolltreppe ins Jenseits entkommt Joe, scheinbar unfähig, seinen Tod zu akzeptieren, und durchbricht anschließend den sogenannten Schleier. Anschließend gelangt er zu einer Fabrik, die uns den Prozess hinter der Erschaffung der menschlichen Seele vor Augen führt. An diesem Ort trifft unser Held eine noch ungeborene Seele, 22 genannt, mit der er zusammen eine Reise antritt, auf der wir alle noch etwas lernen können.

Dieses Projekt erinnert mich so sehr an „Alles steht Kopf", weil sich beiden Filme ihren zentralen Themen auf ähnliche Weise nähern. In beiden Fällen geht es um ein übernatürliches, fast überkomplexes Thema, das durch einen farbenfrohen, mythischen Rahmen ins rechte Licht gerückt wird. In „Alles steht Kopf" waren die Gefühle Charaktere, hier werden Seelen in einer niedlichen Fabrik geschaffen, die einen persönlichen Grund zum Leben brauchen. Diese Formel ist bewährt, allerdings auch ein bisschen abgenutzt, da sogar so etwas wie „The Boss Baby" auf das Konzept von emotional mitnehmenden Themen zurückgreift, die durch einfallsreiche, jenseitige Welten in den Fokus gerückt werden. Es funktioniert, es schwingt als Allegorie mit, aber es ist wie gesagt auch sehr bekannt.

Ohne euch von der Handlung zu viel verderben zu wollen, kann ich sagen, dass Soul in seinem Kern zwar etwas stumpfer ist, als andere Produktionen des Studios, doch gleichzeitig ist es eine reine, wunderschöne Botschaft. Ein zeitloser Liebesbrief an das Leben und zwar nicht an das Instagram-Leben, sondern an das tatsächliche, reale Leben, das in jedem Moment genossen werden sollte. Im Guten wie im Schlechten, in den großen Momenten ebenso wie in der kleinen, unbedeutenden Routinen, die so viele von uns für selbstverständlich halten. Der Film braucht eine Weile, um in die richtige Stimmung zu kommen, doch sobald ihr die zweite Hälfte erreicht habt, solltet ihr euch auf den Tränenfluss gefasst machen, weil das Ergebnis involvierend, effektiv und unglaublich ergreifend ist.

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Die Reise dorthin ist auch nicht allzu schäbig. Vielleicht fehlt es dem Film an einer etwas kinderfreundlicheren Dimension, was für Pixar ja eigentlich immer eine inhärente Stärke war. Ein so breites Publikum anzusprechen und je nach Alter eine ganz unterschiedliche Erfahrung zu bieten, so etwas ist nicht leicht. Ich bin erwachsen und die Botschaft des Films fand bei mir Resonanz. Ob euer Siebenjähriger das Gleiche denkt, weiß ich aber nicht...

Unabhängig davon werdet ihr einen Film sehen, der außergewöhnlich hochwertig gestaltet wurde. Es ist ohne Zweifel das bisher schönste Bild von Pixar mit fabelhaftem, visuellem Design und einer herausragenden Animationsqualität. Es ist gleichermaßen eine Karikatur, sowie eine zutiefst realistische Darstellung, die ebenso lebendig wie einfach ist. Darüber hinaus zeigten Jamie Foxx und Tina Fey als Gardener und 22 erstaunliche, englischsprachige Synchronleistungen, dicht gefolgt von einer großartigen Besetzung, bestehend aus Graham Norton, Richard Ayoade, Rachel House und Alice Braga.

Soul besitzt die universelle Qualität, für die Pixars beste Werke bekannt sind. Es gibt jedoch ein paar Hürden, die dem Titel im Weg stehen: Zum einen ist der Antagonist eher fadenscheinig und macht am Ende sehr wenig aus der eigenen Bildschirmzeit - und dabei ist Rachel House ein stimmgewaltiges Kraftpaket. Die menschliche Komponente wirkt im Vergleich zur großen Dimension der ehrgeizigen Geschichte leider auch sehr unbedeutend. Obwohl sich diese beiden Seiten gegenseitig verstärken, dauert es eine Weile, bis man dort ankommt.

Trotzdem ist Soul exzellent gelungen somit auch einer der besseren Filme des vergangenen Jahres. Darüber hinaus zeigt sich erneut, dass Pixar trotz Themenparks, Merchandise-Wahnsinn, mehreren Multi-Millionen-Dollar-Franchise und einem zunehmenden Fokus auf Disney+-Formate ein Studio bleibt, das respektiert, gefeiert und geliebt werden darf. Ihre Filme sind immer noch magisch.

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08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
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