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Sniper Ghost Warrior Contracts 2

Sniper Ghost Warrior Contracts 2

In diesem grimmigen Actionspiel werden die geduldigen Spieler mit dem perfekten Moment belohnt.

Auf einer Klippe irgendwo im Nahen Osten liege ich ganz still und schaue durch mein Fernglas. Sorgfältig scanne ich die Gegend ab und finde mein Ziel nach kurzer Zeit. Ich wechsle zum Scharfschützengewehr und folge ihm mit dem Zielfernrohr, während ich geduldig auf die richtige Gelegenheit warte, um den Abzug zu betätigen. Der Moment, auf den ich gewartet habe, steht unmittelbar bevor, deshalb halte ich den Atem an und drücke ab. Die Bulletcam visualisiert den Treffer, der mein Ziel leblos zu Boden sacken lässt. Die Mission wurde perfekt ausgeführt, Chaos bricht los.

Genau wie der Vorgänger ist die Handlung von Sniper Ghost Warrior Contracts 2 nicht revolutionär, dafür aber mit umso mehr Stereotypen und Klischees gefüllt. Wir sind in Kuamar, das irgendwo zwischen dem Libanon und Syrien liegt und seit über zwanzig Jahren von einem rücksichtslosen Diktator regiert wird. Nachdem der fragliche Bösewicht ermordet wurde und seine inzwischen an die Macht gekommene Witwe aus Rache einen gewaltsamen Angriff auf eine nahe gelegene Region plant, droht nun ein Krieg. Das ist natürlich keine optimale Situation, deshalb beauftragt man uns mit den Aufräumarbeiten und der Schadensbegrenzung. Wir übernehmen die Rolle von Raven, einem sehr erfahrenen Scharfschützen, dessen Aufgabe es ist, diesem Wahnsinn ein Ende zu setzen.

Ich schleiche gerne in Spielen herum und liebe es wirklich, als Scharfschütze zu spielen. Den richtigen Moment für den entscheidenden Schuss zu finden, ist für mich deutlich spannender, als andauerndes Actionfeuerwerk. Die Missionen, mit denen ich in Spielen wie Call of Duty am meisten Spaß hatte, waren normalerweise die ruhigeren Momente, in denen man als Scharfschütze spielen darf. Es ist schon etwas Besonderes, unentdeckt an Feinden vorbei zu kriechen und auf die richtige Gelegenheit zu warten, um einen perfekten Kopfschusses zu platzieren.

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Grafisch stellt der Titel im Vergleich zu seinem Vorgänger kein nennenswertes Update dar. Hübsche Panoramen dürfen wir trotzdem bestaunen.

Genau dieses Gefühl versprüht Sniper Ghost Warrior Contracts 2 besonders gut, denn es macht wahnsinnig viel Spaß, auf eindeutig böse Terroristen zu schießen. Die Scharfschützengewehre fühlen sich sehr schwer und robust an. Der starke Rückstoß sorgt dafür, dass ihr manchmal keine zweite Chance bekommt - deshalb muss der erste Schuss sitzen. Wie in den vorherigen Teilen wirbt das Spiel mit seiner sehr blutigen Zeitlupensequenz, die uns wirksam vor Augen führt, welche Gewalt wir hier in den Händen halten.

Die Karten von Sniper Ghost Warrior Contracts 2 sind riesig und es gibt insgesamt fünf Level, auf denen man sich frei bewegen und Aufgaben in einer beliebigen Reihenfolge angehen kann. Der freie Ansatz hat mir ganz gut gefallen, denn man kann selbstständig Pausen einlegen und eine Weile etwas anderes machen, wenn man irgendwo hängen bleiben sollte. In jedem Areal warten ein paar optionale Zwischenziele auf uns, nachdem wir das primäre Ziel ausgeschaltet haben. Das können Sabotageakte sein, wie die Zerstörung von Satellitensignalen, oder das Einschleusen von Viren in die Computersysteme des Feindes.

Auch wenn das Scharfschützengefühl bei weitem der lustigste und am besten gestaltete Teil des Spiels ist, sind diese kleinen Ablenkungen eine ziemlich nette Abwechslung. Die Größe der Spielwelten bedeutet gleichzeitig, dass man nicht einfach losrennen und alles niederschießen kann, denn man braucht Geduld, sonst läuft man sich die Beine wund. Ich habe schnell gemerkt, dass ich die Umgebung sorgfältig erkunden und kennenlernen sollte, um die Missionen bestmöglich zu Ende zu bringen.

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In jedem Areal warten ein paar optionale Zwischenziele auf uns, nachdem wir das primäre Ziel ausgeschaltet haben.

Die Vorbereitung erfordert ein wenig Fingerspitzengefühl, denn genau wie in früheren Spielen der Reihe geht es vor allem darum, einen geeigneten Ort für das Attentat zu finden. Der kann diesmal auch in einer Entfernung von über tausend Metern zum eigentlichen Ziel liegen, solange ihr präzise und ruhig seid. Die Soldaten, denen wir unterwegs begegnen, sind ebenfalls sehr aufmerksam und werden euch Probleme bereiten, wenn sie euch entdecken.

CI Games baut weiter auf dem Fundament des recht erfolgreichen Vorgängers auf und nutzt das Budget klug zur Erweiterung des Spielumfangs. Grafisch stellt der Titel im Vergleich zu seinem Vorgänger kein nennenswertes Update dar, doch Sniper Ghost Warrior Contracts 2 ist an vielen Stellen durchaus hübsch anzusehen. Wenn man sich jedoch ansieht, was andere Actionspiele heutzutage darstellen können, fällt der Titel etwas zurück und das trifft leider auch auf die Spielmechaniken zu.

Bei der vorhersehbaren Geschichte gibt es ebenfalls wieder etliche Patzer und auch die Sprachausgabe wirkt sehr steif. Dadurch hören sich die Dialoge langweiliger an, als sie tatsächlich sind. Die künstliche Intelligenz der Soldatenklone hat sich tatsächlich etwas verbessert, allerdings werdet ihr auch wieder auf sehr stumpfes Kanonenfutter treffen. Andere Feinde entdecken euch hingegen unerhört früh, weshalb ihr oft improvisieren oder neu laden müsst.

Die Zeitlupensequenzen sind nach wie vor ziemlich eintönig, aber sie gehören nach der langen Vorbereitung, die das Planen und Durchführen des perfekten Schusses erfordert, als grimmige Belohnung für mich auch irgendwie dazu. Die Optimierung des Titels ist dem Team hervorragend gelungen, denn nach gut 15 Stunden mit der PS4-Version habe ich keinen einzigen Schluckauf erlebt. Im Großen und Ganzen hat mir Sniper Ghost Warrior Contracts 2 viel Spaß gemacht und war eine schöne Erfahrung.

07 Gamereactor Deutschland
7 / 10
+
clevere KI, riesige Karten, schöne Umgebungen, solide Performance.
-
manche Mechaniken fühlen sich klobig an, schreckliche Synchronsprecher, langweilige Geschichte.
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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