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Professor Layton und das Vermächtnis von Aslant

Professor Layton und das Vermächtnis von Aslant

Dass Denkaufgaben nicht dröge und langweilig sein müssen, beweist diese Reihe eindrucksvoll. Nun endet die Reise von Layton und Luke mit einem Paukenschlag.

  • Martin Eiser

Vor fünf Jahren hat Nintendo endlich Professor Layton und das geheimnisvolle Dorf in den Westen gebracht. Es war der Start einer wunderbaren Reihe, die nun mit dem sechsten Spiel ihren Abschluss findet. Der japanische Entwickler Level 5 hat es verstanden, knifflige Rätsel in eine hübsch erzählte Geschichte zu verpacken. Chronologisch endeten die Abenteuer von Professor Layton und seinem Lehrling Luke eigentlich schon vor drei Jahren mit Professor Layton und die verlorene Zukunft. Tatsächlich aber ist das jetzige große Finale der zweiten Trilogie, der Vorgeschichte zu den ersten drei Spielen, wesentlich fulminanter. Das Team hat nicht nur das letzte große Geheimnis um die Vergangenheit von Layton gelüftet, sondern auch spielerisch ihren besten Titel abgeliefert. In Professor Layton und das Vermächtnis von Aslant wurden auch die kleinen Ecken und Kanten der Reihe abgeschmiergelt und ein rundes Abenteuer abgeliefert, das schlichtweg herausragend ist.

Los geht es schon bei der Handlung. Die wartet zwar weiterhin mit abgefahrenen und nicht immer ganz glaubwürdigen Erklärungen auf, aber trotzdem bot sie noch nie so viel Inhalt. Geschickt verknüpft Level 5 die Handlungsstränge aus den letzten beiden Spielen und dem Film Professor Layton und die ewige Diva, um nun das große Geheimnis um die hochentwickelte, aber untergegangene Zivilisation der Aslant zu lüften. Ganz nebenbei erfahren wir dabei noch viele Hintergründe über den Professor sowie seinen Widersacher Jean Descole. Und obwohl es sich bei den Spielen der Serie eigentlich nur um eine Sammlung von Rätselaufgaben handelt, sind die Figuren und ihre Geschichten derart stark, dass sich das jüngste Abenteuer allein schon deswegen lohnt, um endlich ein vollständiges Bild von Layton zu bekommen.

Professor Layton und das Vermächtnis von Aslant
Im neuen Abenteuer versuchen wir das Geheimnis einer untergegangenen Zivilisation zu lüften und dürfen natürlich jede Menge Rätsel lösen.

Das Zusammenführen von verschiedener Fäden ist übrigens genau genommen auch Konzept des ganzen Spiels. Nach den ersten paar Stunden zerfasert sich die Handlung in fünf eigenständige Erzählungen auf, die wir unabhängig voneinander und in beliebiger Reihenfolge bearbeiten können. Erst am Ende folgen wir wieder geradlinig unserem Weg zum Finale. Es ist ein toller Kniff, den Level 5 vorgenommen hat. Das Abenteuer ist dadurch umfangreicher, deutlich abwechslungsreicher und wir haben auch ein bisschen spielerische Freiheit gewonnen. Wir machen uns unter anderem auf in eine eisige Winterwelt, in die Tropen und die Berge, die Wüste und den Dschungel. Wir sehen kleine Dörfer und größere Städte. Neun verschiedene Orte auf der ganzen Welt bereisen wir mit unserem Luftschiff und können alle entdeckten Schauplätze auch jederzeit erneut besuchen, um unentdeckte Geheimnisse auszumachen. So viel durften wir bisher noch nie erkunden.

Die wesentlichste Veränderung aber ist eine eigentlich eher unauffällige. In den Spielen bewegen wir Layton uns seine Truppe durch Standbilder, auf denen wir Leute zum Sprechen, versteckte Geheimnisse und Hinweismünzen finden. Tatsächlich funktioniert dieser Teil im Grunde wie ein ganz klassisches Wimmelbildspiel à la Wo ist Walter. Meist suchten wir also mit dem Touchscreen wie wild jede Ecke ab, um jedem Standbild auch das letzte Detail zu entlocken. Das planlose herumfahren mit dem Stift fühlte sich zu Weilen ein bisschen lästig an, zumal einige Dinge an tatsächlich sehr absurden Orten versteckt waren. In Professor Layton und das Vermächtnis von Aslant hat das Team dieses Spielelement nun perfektioniert.

Zum einen gab es bisher kaum ein Spiel, dass im 3D-Modus des Handhelds so wunderschön ausgesehen hat. Selbst bei den handgezeichneten zweidimensionalen Schauplätzen und Charakteren wird eine großartige räumliche Tiefe erreicht. Zum anderen sind die Verstecke fast durchweg logisch und wir gehen bei der Suche viel gezielter vor. Obendrauf es gibt deutlich mehr Objekte, mit denen wir interagieren können - manchmal kommt es sogar darauf an, dies in der richtigen Reihenfolge zu tun. Es wäre falsch zu sagen, das Abenteuer ist nun leichter geworden, weil wir eigentlich fast alles ohne große Probleme finden können. Dieser Teil des Spiels fühlt sich nun einfach fairer und wesentlich unterhaltsamer an als bisher.

Professor Layton und das Vermächtnis von AslantProfessor Layton und das Vermächtnis von Aslant
Neun verschiedene Schauplätze auf der ganzen Welt bereisen wir mit dem Luftschifft und auch im 3D-Modus sieht die Welt richtig hübsch aus.

Die ansprochene Präsentation ist übrigens tatsächlich auch ein ziemlich guter Grund, warum der letzte Ausflug mit Layton und Luke ganz besonders glänzt. Im vorletzten Spiel Professor Layton und die Maske der Wunder war einfach sehr deutlich sichtbar, dass es sich um einen sehr frühen Titel für den Nintendo 3DS gehalten hat. Es gab einen technischen Sprung nach vorn, aber dieser viel relativ klein aus. Und obwohl sich an dem Stil kaum etwas geändert hat, so sind es viele kleine Details, die positiv hervorstechen. Dazu gehört auch, dass die meisten Rätsel nun auch auf dem zweiten Bildchirm animiert sind. Drehen wir an Zahnrädern auf dem Touchscreen, wo sich unser Rätsel befindet, verändert sich in gleicher Form die Animation auf dem 3D-Bildschirm. Für die Atmosphäre ist diese Kleinigkeit sehr zuträglich.

Ausgeschmückt wird die Geschichte natürlich wieder mit erstklassigen Zwischensequenzen wie aus einem echten Zeichentrickfilm und die deutsche Sprachausgabe ist ebenfalls erneut gelungen. Sogar der Soundtrack schmeichelt mit seinen zum Teil durch orchestralen Stücken, obwohl natürlich viele Melodien aus den Vorgängern bekannt sind. Es gilt eben das, was sowieso schon auch für die Spielmechaniken gilt: Professor Layton und das Vermächtnis von Aslant ist nicht anders, sondern Level 5 hat das Spiel bis zur Perfektion auf Hochglanz gebracht. Es ist ein wahrhaft würdiger Abschluss nicht nur für diese zweite Trilogie, sondern für alle sechs Spiele.

Es gibt nur wenig, was wir dem Spiel vorwerfen können. Einerseits gelingt es nicht, gegen Ende die tatsächlich interessante Wendung zu nutzen, um einen emotionalen Moment zu erzeugen. Und wie erwähnt, ist die Handlung ist ziemlich abgefahren, aber zumindest die Auflösung geradeso plausibel. Wirklich gut war Level 5 in dieser Hinsicht ohnehin nur am Anfang der Reihe. Außerdem gibt es an zwei, drei Stellen ein paar Ungenauigkeiten bei der Beschreibung der Rätsel oder der Tipps. Wer auf die Hilfen zurückgreift, wird aber dennoch immer die richtige Lösung finden. Es ist auch wirklich Quängeln auf ganz hohem Niveau. Alles in diesem Spiel läuft glatt und schafft, wer wirklich alles entdecken will, in dreißig Stunden Spielzeit ein wohlig zufriedenes Gefühl. Wir lassen Professor Layton natürlich nicht gerne gehen, aber dieses Spiel ist einem Ende wirklich würdig.

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Der Umfang ist riesig und es gibt deutlich über 500 Kopfnüsse zu knacken - obendrauf wartet auch noch ein spezieller Streetpass-Modus auf uns.

Der bereits angedeutete Umfang ist es im Übrigen auch. Im Spiel selbst sind 150 Rätsel versteckt. Dazu kommen 24 weitere über die bekannten Zusatzaufgaben. Diesmal werden wir dafür übrigens zum Modeberater, Gärtner und Tierfreund. Ich vermute ganz stark, dass Level 5 erkannt hat, dass viele Anhänger der Reihe weiblich sind. Spielerisch macht es aber keinen Unterschied, denn eine Kopfnuss bleibt eine eben solche, auch wenn wir dafür Damen die richtige Oberbekleidung auswählen sollen. Obendrauf gibt es bei Abschluss der Hauptgeschichte noch 15 weitere Aufgaben und über die Internetverbindung vom 3DS folgen 365 zusätzliche Rätsel - ein Jahr lang an jedem Tag eines.

Als Kirsche haben Level 5 außerdem einen speziellen Modus für Streetpass entworfen. Die sogenannte Krempeljagd ist quasi die Reinform der Wimmelbildspiel-Elemente der Reihe. Während des Abenteuers finden wir immer wieder Objekte, die wir dann in dieser Variante ebenfalls zur Suche freigeben dürfen. Ein Aufgabe besteht also beispielsweise daraus einen schmierigen Ventilator, eine Libelle und einen Kanister zu finden. 100 Gegenstände gibt es im Spiel und als Preise winken simple Objekte zur Aufhübschung des Luftschiffs, aber eben auch spezielle Tickets, mit denen wir Traumsequenzen freischalten, in denen wir Figuren aus früheren Spielen treffen. Und weil Streetpass nicht überall so gut funktioniert, lässt sich eine Aufgabe optional auch gegen Spielmünzen freischalten.

Relativ schnell nach dem Beginn des Abenteuers wird klar, dass es sich hierbei um ein ganz besonderes Abenteuer handelt und Level 5 gelingt es auch, dieses Niveau durchweg zu halten. Professor Layton und das Vermächtnis von Aslant ist nicht einfach nur ein weiteres Meisterwerk, es ist der krönende Abschluss. Keine Reise mit Layton und Luke war bisher so schön, so umfangreich und so abwechslungsreich. Und wer einen Nintendo 3DS besitzt, für den ist es eigentlich eine ausdrückliche Pflicht, alle sechs Spiele der Reihe zu kennen - dieses aber ganz besonders.

Professor Layton und das Vermächtnis von Aslant
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10 Gamereactor Deutschland
10 / 10
+
erstklassige Präsentation, im 3D-Modus richtig hübsch, großer Umfang, interessante Spielmechaniken, Streetpass-Funktion
-
ein paar wenige Rätsel sind schlecht erklärt
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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