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No More Heroes 3

No More Heroes 3

Suda51 und Travis Touchdown sind zurück in Santa Destroy. Diesmal bringen sie einige der stilvollsten Kämpfe und Designs mit sich.

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No More Heroes 3

Lasst mich zunächst zum meiner Meinung nach umstrittensten Punkt kommen: No More Heroes 3 kombiniert befriedigende Kämpfe, wahnsinnige Situationen, Arcade-Liebe, verschiedene Kunststile und skurrile Charakteren miteinander, doch die Art und Weise, wie das Spiel strukturiert ist, sorgt dafür, dass man sich nicht durch diese typischen Slash-em-Up-Level kämpfen muss, wie es Fans möglicherweise erwarten. Die Kämpfe finden meist in Form von Herausforderungen oder direkten Bosskämpfen statt, doch dazwischen lenkt Grasshopper Manufacture den Fokus immer wieder zurück auf die offene Karte von Santa Destroy, wo sie uns eine Reihe von Aktivitäten und Minispiele präsentieren. Ich verbrachte die ersten fünf Stunden damit, darüber nachzudenken, ob das eine gute oder eine schlechte Design-Entscheidung war, aber um das zu beantworten, muss man zuerst beurteilen, wie viel Spaß in jedem anderen Aspekt des Spiels steckt.

Jetzt da das aus dem Weg geschaffen wurde, können wir uns dem dritten Eintrag von No More Heroes widmen. Teil 1 und Teil 2 sind 14 bzw. elf Jahre alt und Suda51s Team von Grasshopper Manufacture zollt diesen Originalen Tribut. Es gibt auch eine Reihe von Anspielungen, die an das jüngste Spin-Off von Travis Strikes Again: No More Heroes anspielen. NMH 3 zeigt von Anfang an seine Persönlichkeit, insbesondere mit der Art von Sequenzen, Einführungen und sogar mit spielerorientierten Abschnitten, die man normalerweise in keiner anderen Serie findet. No More Heroes schafft es durch seine Liebe zu Retro-Spielen, Anime-Superhelden und dem eigenen Vermächtnis auf einzigartige Weise, sich spaßig anzufühlen.

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Kampfgebiete sehen in Ordnung aus und funktionieren gut.

Der Einsatz von verschiedenen Kunststilen und auffälligen Bildern hat dazu beigetragen, dass ich mit dem Spiel am Ende doch zufrieden war. Es ist nicht so, dass ich es angesichts der vorherigen Bemühungen von Grasshopper Manufacture oder aufgrund des bisher gezeigten Filmmaterials nicht erwartet hätte, aber ich liebe es, wie das Spiel den Übergang von Unreal-Engine-ähnlichen Grafiken hin zu einem Zeichentrickfilm oder zu wunderschönen Illustrationen hinbekommt. Ständig wird der Stil gewechselt, sei es beim filmartigen Abspann, den Windows-3.11-Menüs oder bei den Pixelart-Dialogen, die an eine retuschierte Version von etwas völlig Anderem erinnern sollen. Das ganze Kunstwerk geht Hand in Hand mit den spektakulären, blutigen Begegnungen und es versucht die ansonsten schlecht aussehenden Open-World-Sektionen zu kompensieren.

Der Kampf selbst ist ein Vergnügen, denn es ist die bisher raffinierteste Version der bekannten No-More-Heroes-Spielsysteme. Obwohl ich anfangs die Optionen "High/Low Stance" vermisst habe, ist Travis' Kampfstil in NMH 3 abwechslungsreich und kraftvoll, mit einer Reihe von knallharten Bewegungen. Egal, ob ihr euch für die Bewegungssteuerung (eine lohnende körperliche Erfahrung) oder eine tastenbasierte Alternative (funktioniert gut und dieses Spiel eignet sich aufgrund seiner Struktur sogar für kurze Handheld-Sessions) entscheidet, das Beam-Katana, die Wrestling-Moves und die Spezialattacken des Todeshandschuhs werden euch schnell in Fleisch und Blut übergehen und den Bildschirm mit Blut und Pixeln füllen.

Wie üblich müsst ihr das Timing beherrschen, Combos meistern und wissen, wann ein Ausweichschritt notwendig wird (bzw. wann ihr aufhören solltet, die Tasten zu spammen). Ihr werdet verstehen lernen, wann Ressourcen, wie Katana-Batterien und Verbrauchsmaterialien (im Grunde vor allem Sushi) oder die Spezialkräfte am besten eingesetzt werden und es gibt ein paar zusätzliche RPG-Fortschrittsmechaniken. Ihr könnt Travis' Statistiken verbessern und seine Fähigkeiten anpassen, etwa indem ihr mit gesammelten Ressourcen Chips für den Todeshandschuh herstellt.

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Ihr könnt benutzerdefinierte Chips herstellen und Sushi bestellen.

All das sorgt für einen intensiven Kampf und einige Feinde werden eure Fähigkeiten wirklich auf die Probe stellen. Neben den spektakulären Finishern kann Travis eine spezielle Kampfform nutzen, was im Grunde bedeutet, dass ihr dann für kurze Zeit einen besonders starken Mecha steuert. Mit diesem rammt ihr das außerirdische Kanonenfutter unangespitzt in den Boden oder tretet Feinden im Weltraum in einem Star-Fox-ähnlichen Raumschiff gegenüber. Auch hier wurden einige gute Gedanken und Anstrengungen unternommen, um das Tempo mit verschiedenen, unterhaltsamen Arcade-Abschnitten zu brechen.

Das Hauptproblem besteht wohl am ehesten darin, dass die Spieler das Gefühl bekommen könnten, diese erstaunlichen Kampftechniken nicht optimal einzusetzen. Die Hauptbosse - die rangierten Attentäter der galaktischen UAA plus einige Überraschungen - sind die Höhepunkte des Spiels. Diese Abschnitte weisen ein interessantes Level-Design auf, ihr müsst auf schmutzige Tricks achten und ab und an warten sogar Puzzle-Elemente oder verrückten Änderungen des Kamerawinkels auf euch.

Es ist nicht so, dass sich diese "Designated Matches", die man abschließen muss, um sich für den nächsten Ranglistenkampf anzumelden, keinen Spaß machen würden. Einige von ihnen konfrontieren uns mit erstaunlichen Gegner-Designs und die meisten stellen eine ernsthafte Herausforderung dar, das euch das neue Retry-System umso mehr wertschätzen lassen wird. Die wellenbasierten Verteidigungsmissionen sind auch nicht blöd, aber beides kann sich mit der Zeit zu gleichförmig anfühlen. Die Tatsache, dass die meisten Events über die Karte verteilt sind, isoliert die Hauptbegegnungen unnötig voneinander. Das sorgt häufig dafür, dass man nach einer tollen Stelle gelangweilt und gelegentlich auch genervt (ging mir jedenfalls so) zum nächsten Missionspunkt hetzt. Die Slash-'em-Up-Level vom originalen No More Heroes und Desperate Struggle waren auch keine Meisterklasse im Design, aber zumindest wiesen sie eine gewisse Kontinuität auf.

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Es gibt 100 Shirts mit exklusiven Designs zum Sammeln. Der Spielerstatus zeigt an, wie viel ihr anpassen könnt.

Einige Nebenmissionen und sonstige Aktivitäten sind in Ordnung und machen wirklich Spaß (ihr könnt Müll sammeln, gegen Alligatoren antreten oder entspannt Rasen mähen), aber andere sind entweder zu einfach oder spielmechanisch zu veraltet. Und das führt uns zu Santa Destroy selbst, wo all diese Symbole für Events platziert wurden. Wenn das Wii-Original eine Parodie auf die GTAs der Zweitausenderjahre war, scheint dieser Ort in No More Heroes 3 eine seltsame Art zu sein, die erste Iteration zu ehren. Die Welt sieht karg aus und ähnelt der Wii-Technik auf beinahe unangenehme Art und Weise. Ich habe mich einige Male gefragt, ob Grasshopper Manufacture vielleicht wollte, dass dieser Ort so schlecht aussieht, wie der Texturmatsch, an den wir uns erinnern.

Der offene Bereich schneidet insbesondere im Handheld-Modus schlecht ab, was die Suche nach Sammlerstücken wie Jeanes verlorenen Kätzchen oder Skorpionen für einen Ramen-Shop zu einer lästigen Angelegenheit macht. Ich schätze die thematischen Inseln (die Call-of-Duty-Parodie verdient viel Liebe) und ich verstehe, dass es kein richtiger Open-World-Schauplatz sein soll, sondern nur ein erweitertes Zentrum, aber es ist in erster Linie ein großer Kontrast zum tollen Kampfgeschehen und ein Aspekt, der mich dazu bringt, reguläre Levels zu vermissen.

Doch dann bemerkt man, dass der Kampf und die Persönlichkeit der Reihe immer noch vorhanden sind, weshalb man plötzlich doch eine gute Zeit mit dem Spiel hat - trotz der unsteten Dynamik. Auch wenn sich das Skript etwas weniger brillant anfühlt, regen einige der Dialoge und Erkenntnisse zum Nachdenken an. Ich habe die Diskussionen über Takashi Miikes Arbeit, die Gespräche zwischen Jess-Baptiste VI und den anderen Attentätern und einige der gesellschaftskritischen Kommentare jedenfalls sehr genossen. Vor allem die "Kill the Past"-Referenzen sind sehr gelungen.

Alles in allem werdet ihr in No More Heroes vor allem Spaß an Story-Zwischensequenzen, skurrilen Situationen und den vielen Kampfbegegnungen finden. Auch die abwechslungsreichen Alien-Designs und der erstaunliche Einsatz von Kunst und Musik lassen sind ein Genuss. Allerdings war die Erfahrung für mich nicht so stringent wie in den vorherigen Spielen und ich würde lieber kämpfen, als durch die Straßen von Santa Destroy zu fahren. Davon abgesehen funktioniert No More Heroes 3 besser denn je zuvor, wenn ihr nur wenige Minuten zwischendurch Zeit habt. Der Titel bleibt auch immer eigenartig, zeigt seine Retro-Liebe und ist mutig - für echte Fans ist es ein Muss.

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Die offene Welt sieht nicht so gut aus, besonders auf dem Handheld.
07 Gamereactor Deutschland
7 / 10
+
Schöner Mix aus unterschiedlichen Kunststilen und Musik, die Kämpfe waren noch nie so befriedigend, tolle Alien-Designs, einige verrückte Bosskämpfe, komische Momente hallen nach, Überraschungen für Fans.
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Santa Destroy ist einfach nicht spaßig, feindliche Herausforderungen können sich wiederholen, die großen Feinde werden kaum aufgebaut, einige Spielfehler, häufige Ladezeiten.
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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