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Nier Replicant ver.1.22474487139

Nier Replicant ver.1.22474487139

Lohnt es sich, den Vorgänger von Nier: Automata zu spielen? Ja, das tut es.

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Es ist eine emotionale, überaus tragische Erfahrung, die an vielen Stellen so schmerzhaft ist, dass sie lange nicht vollständig verheilen möchte.

Es ist nicht immer leicht alte Spiele zu spielen. Originalität hält dem Wandel der Zeit nur in einem gewissen Rahmen stand und moderne Komfortfunktionen setzen nostalgischen Gefühlen hart zu. Square Enix hat das Entwicklerstudio Toylogic unter den wachsamen Augen der damaligen Chefentwickler dennoch damit beauftragt, das originale Nier in der Version Nier Replicant ver.1.22474487139 neu aufzulegen - wahrscheinlich weil Nier: Automata ein zu mächtiges Zugpferd geworden ist.

Obwohl sich kaum leugnen lässt, dass es sich dabei im Kern um ein altes Spiel handelt, liefert das Team erfreulicherweise nicht nur genügend gute Gründe, um zu rechtfertigen, sich 2021 erneut (oder zum ersten Mal) mit diesem unsagbar traurigen Spiel zu beschäftigen. Ihre Arbeit sorgt gleichzeitig dafür, dass man dieses einzigartige Spielerlebnis heute in besserer und kompletterer Form erleben kann, als es damals der Fall war.

Die Rahmenhandlung wirkt auf dem ersten Blick überschaubar und redundant, weil sie entfernt an eine klassische Heldenreise erinnert (obwohl sie das nicht ist). Im Zentrum des Abenteuers steht ein aufopferungsvoller junger Mann, der alle Gefahren auf sich nimmt, um eine Heilung für seine kranke Schwester zu finden. Um der mysteriösen Runenpest zu trotzen, verbündet er sich mit einem magischen Zauberbuch, dessen Macht durch das Besiegen mächtiger „Schatten" wächst - Monster, die diese Welt bewohnen.

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Wie viele Geschichten des Autoren Yoko Taro sollen uns emotionaler Schmerz und Verlustängste von der eigentlichen Wahrheit fernhalten.

Der Vorgänger vom mitreißenden Nier: Automata knüpft an das erste Drakengard an; das ist eine Mischung aus tristem Hack'n'Slay und Aerial-Combat-Action auf dem Rücken eines Drachen. Diese Serie ist für ihre verstörenden Geschichten bekannt und Nier folgt dem gleichen Ansatz, indem es uns in die Irre führt, nur um uns im richtigen Moment einen Dolch in den Rücken zu rammen. Auf dieser Reise begegnen wir ungewöhnlichen Charakteren, die unvorstellbares Leid erfahren haben und jeden Moment an ihrem eigenen Dasein zu zerbrechen drohen. Selbst mit diesem Wissen ist es kaum zu ertragen, in welche Abgründe sich dieser tragische Plot begibt.

Spielerisch ist Nier deutlich seichter aufgestellt. In diesem klassischen Action-Abenteuer laufen wir verschiedene Stationen ab, dringen in lineare Kerker ein und töten unterwegs Schatten, um stärker zu werden. Die Vielfalt der Gegner und Umgebungen ist überschaubar, was sich auch bei den Nebenaktivitäten und beim generischen Quest-Design widerspiegelt. Häufig übernehmen wir unaufgeregte Sammelaufträge und rennen durch viel zu große, recht leere Gebiete, um nach irgendetwas Ausschau zu halten. Um darüber hinwegzutäuschen, wird in bestimmten Schauplätzen inszenatorische Aufmerksamkeit auf aufwändige Perspektivwechsel gelegt, die die Grenzen zu anderen Genres abtasten.

Toylogic hat dem zugrundeliegenden Gameplay-Gerüst in ver.1.22474487139 einige Modernisierungen spendiert, damit man das clevere Spiel auch heute noch gut nachholen kann. Abgesehen von den offensichtlichen grafischen Verbesserungen, die aus dem nicht gerade schönen Original ein deutlich ansehnlicheres Abenteuer schaffen, fallen weitreichende Anpassungen beim Kampfsystem auf. Am hilfreichsten ist sicherlich die Kamerafokussierung, die Konter und Ausweichbewegungen ermächtigt und Schwerthiebe seltener in die Leere gehen lässt. Zudem können wir nun akrobatischer in der Luft kämpfen und auch im schwebenden Zustand magische Attacken in flinke Angriffsketten einfließen lassen.

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Ver.1.22474487139 enthält neue Story-Abschnitte, die sich sehr gut einfügen, allerdings einiges an Arbeit voraussetzen.

Die Komposition wurde neu arrangiert, was vor allem dafür sorgt, dass die wundervolle Musik häufiger in den Vordergrund gerückt wird. Abgesehen davon möchte ich die englische Synchronsprecherin Laura Bailey hervorheben, die in ihrer tragenden Rolle fantastische Arbeit leistet. Die ständigen Diskussionen ihrer Figur Kainé mit Grimoire Weiss (Liam O'Brien) sind hervorragend vertont worden und beleben das Spiel in vielen Bereichen förmlich. Die anderen Sprecher geben ebenfalls tolle Darstellungen ab, da jeder Charakter einen oder mehrere starke Auftritte hat. Die englische Tonspur muss sich nicht vor der japanischen Synchronisation verstecken und dabei werden in Version 1.22 Gespräche vertont, die im Ursprungsspiel von 2010 unvertont blieben. Davon ausgenommen sind weiterhin die Abschnitte im kargen Text-Adventure-Stil, die sich noch immer primär an Leseratten richten.

Das alles täuscht nicht darüber hinweg, dass Nier spielerisch relativ schnell stagniert. Nachdem der Zugang zu allen drei Waffenarten und den erwachsenen Formen der Magie gewährt wurde, tritt das Spiel etwas auf der Stelle. Das ändert sich bis ganz zum Ende auch nicht mehr. Im späteren Spielverlauf werdet ihr verstärkte Varianten der bekannten Monster bekämpfen, viel Zeit mit der Suche nach seltenen Materialien verbringen und eure Spielzeit vielleicht mit allerhand Nebenbeschäftigungen ausdehnen. Abgesehen von der funktionalen Neupräsentation bleibt die tragische Handlung das stärkste Verkaufsargument von Nier Replicant ver.1.22474487139. Die wird letztlich auch darüber entscheiden, wie sehr ihr das Spiel genießen werdet.

Das erste Nier ist kein allzu umfangreiches Rollenspiel, allerdings endet es auch noch nicht, sobald ihr nach ca. 20 Stunden zum ersten Mal die Credits gesehen habt. Einen Teil des Programms werdet ihr wiederholen müssen, um neue Facetten der Geschichte zu erleben und auf weitere Spielinhalte zugreifen zu können. Der erste Zyklus von Nier unterscheidet sich sehr von der Erfahrung, die wir im zweiten oder erst im dritten Versuch sammeln. Sobald ihr Ende A gesehen habt, werden Rückblicke und Erinnerungen verfügbar, die hintergründige Charakterzüge und Themen beleuchten. Dazu gehören auch völlig neu erstellte Abschnitte, die damals im Original noch gar nicht enthalten waren.

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Yoko Taros besondere Art des Storytellings setzt eine erhebliche Investition der Spieler voraus, die entsprechend riskant ist, jedoch ebenso viel Potential in sich birgt (so sie aufgeht).

Besonders hervorheben möchte ich einen zusätzlichen Quest, der sich in der zweiten Spielhälfte eingeschlichen hat. Was als weiterer, unscheinbarer Botengang beginnt, mündet in einer fulminanten Konfrontation, die sprichwörtlich einen langen Schatten wirft. Abgesehen von diesen inhaltlichen Neuerungen eröffnet der zweite "Spielverlauf" auch das DLC „Die Welt des wiederverwendeten Gefäßes", das mit einer sehr exzentrischen, audiovisuellen Note aufbereitet wurde und weitere Überraschungen bereithält. Ihr dürft euch außerdem auf einige kosmetische Anpassungsmöglichkeiten freuen, die wir euch nicht verderben wollen.

Ihr müsst das Spiel nicht zwingend bis zu diesem Punkt spielen, denn ihr bekommt eine in sich geschlossene Geschichte, selbst wenn ihr bereits bei den ersten Credits aussteigen solltet. Ihr verpasst dann aber die Hintergründe und Feinheiten, die euch unterschiedliche Perspektiven eröffnen. Einige Überraschungen setzen zugegebenermaßen Vorwissen voraus, weil sie an die anderen Werke von Yoko Taro anknüpfen. Wer die früheren Spiele des Entwicklers mag oder sich "nur" in Nier: Automata verliebt hat, der sollte unbedingt das neue Ende erleben, das all diese Spiele näher zusammenbringt.

Nier Replicant ver.1.22474487139 positioniert sich effektiv zwischen einem modernen Remaster und einem vollumfänglichen Remake. An der technischen Präsentation wurde vieles getan, wovon vor allem das aktualisierte Kampfsystem mit seinen modernen Anpassungen profitiert. Fans werden die zusätzlichen Story-Details und insbesondere das neue Spielende lieben, das sich sinnvoll in das düstere Universum von Yoko Taro einfügt. Die grundlegende Spielstruktur wurde in dieser Produktion allerdings nicht angegangen, was viele Altlasten aus längst vergessenen Tagen zum Vorschein bringt. Diese Mängel versinken jedoch im Elend, in dem der Autor die schmerzhafte Wahrheit seiner Geschichten versteckt.

08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
moderne Kampfanpassungen bauen auf Nier: Automata auf, neue Story-Abschnitte werden sinnvoll eingebunden, aktualisierte audiovisuelle Präsentation erleichtert Einstieg.
-
redundante Spielstruktur setzt Investition der Spieler voraus, Zeichen der Zeit lassen sich kaum überdecken.
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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