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Film-Kritiken

Ni no Kuni (Netflix)

Die Magie der Videospiele hat sich gut auf den großen Bildschirm übertragen, obwohl es die Fans sind, die das Meiste aus der Leinwandadaption herausholen.

Obwohl weniger als zwei Jahre seit der Veröffentlichung von Ni no Kuni: Schicksal eines Königreichs vergangen sind, haben wir das Spiel bereits zweimal abgeschlossen (und wir erleben derzeit unseren dritten Durchgang mit allen Erweiterungen, weil bekanntlich alle guten Dinge drei sind). Es gibt etwas in dieser magischen Welt, das uns davon abhält, uns gänzlich von ihr zu verabschieden, geschweige denn einen Moment unserer vielen Abenteuer zu vergessen. Das Spiel fesselt uns einfach.

Letztes Jahr erschien in Japan ein Kinofilm, der einige Themen aus den beiden Spielen aufgreifen sollte und seit kurzem ist dieses Ergebnis auch in Europa via Streaming-Option verfügbar. Selbstverständlich haben wir uns diesem Vorhaben angenommen und mit einem soliden Grundverständnis für das Ausgangsmaterial konnten wir dem Film gut folgen. Für Leute, die bislang keinen Kontakt zu Ni no Kuni hatten, ist das möglicherweise jedoch etwas schwerer.

Es handelt sich um eine wunderschön animierte Produktion, die genau wie die Spiele den Stil von Studio Ghibli nachahmt, was zum Charme der Serie beiträgt. Die meiste Zeit über kann man die CGI-Arbeit nicht unbedingt auf dem Bildschirm sehen, allerdings fallen manchmal einige Hinweise der Technik im Hintergrund auf - allerdings ebenfalls kaum sichtbar. Zumindest ist das so, bis wir uns den unvermeidlichen Kampfszenen zuwenden, in denen die CGI-Monster anfangen, uns die Augen zu verbrennen. Solche Szenen treten jedoch relativ selten auf.

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Ni no KuniNi no Kuni

Bei der Betrachtung der Geschichte treten jedoch größere Probleme auf. Für diejenigen, die die Spiele und das Universum, in dem wir uns hier befinden, nicht kennen, mag es eine einfache oder sogar kindliche Geschichte sein. Durch ein Gewirr tragischer Ereignisse werden zwei Freunde in eine andere Welt versetzt und jeder von ihnen versucht auf seine Weise, einen geliebten Menschen zu retten. Die Situation wird, wie zu erwarten, immer komplizierter und bald werden diese Freunde eine Schlüsselrolle bei der Rettung eines gesamten Königreichs spielen.

Das ist zwar alles schön und gut, aber einige der Wendungen sind leicht zu erkennen und es waren nur die letzten Szenen, die uns wirklich überrascht haben. Darüber hinaus denken wir, dass Fans und Kenner von Ni no Kuni aus diesen Ereignissen deutlich mehr mitnehmen, als es Neulinge tun. Hier gibt es viele Hinweise und Anspielungen, die nur diejenigen verstehen, die auch die Spiele gespielt haben. Wer sich eingehender mit den verschiedenen Hypothesen zur Lore des Films beschäftigt, kann anschließend sogar das Ende von Ni no Kuni II: Schicksal eines Königreichs anders wahrnehmen.

Wer die Dramaturgie auf den kleinsten gemeinsamen Nenner herunterbrechen möchte, der wird in Ni no Kuni eine typische Geschichte über Liebe, Mut und Opferbereitschaft vorfinden. Die Gesamtstruktur dieses Anime funktioniert gut und zieht den Betrachter an. Gleichzeitig konnten wir uns dem Gefühl einfach nicht entziehen, dass einige der Szenen absichtlich vage oder offen gelassen wurden, sodass nur die hingebungsvollsten Fans sie wirklich verstehen. Diejenigen ohne dieses Vorwissen werden zweifellos ein anderes Verständnis der Ereignisse bekommen. Offensichtlicher sind allerdings die Probleme, die der Film beim Tempo an den Tag legt. Einige Szenen treten unerwartet und ohne Erklärung auf, während andere sich wirklich hinziehen.

Ni no Kuni

Wenn man den Anime als eigenständiges Werk ohne den Kontext der Videospiele betrachtet - wie manche ihn sicherlich erleben werden -, beeindruckt das Ergebnis nicht so sehr. Stattdessen erwacht Ni no Kuni erst dann richtig zum Leben, wenn man anfängt, das Gesehene aufzubrechen und das neue Verständnis mit den Erkenntnissen, die man aus den Spielen kennt, zu kombinieren. Das ist sicherlich ein interessanter Ansatz, aber nicht jeder wird ihn zu schätzen wissen.

Einerseits erwarteten wir eine starke Verbindung zu den Fans der Spiele, die mit der großen Auflösung des Films sicherlich mehr als zufrieden sein werden. Gleichzeitig ist das Ergebnis unserer Meinung nach auch für all diejenigen ein kohärentes Ergebnis, die sich nicht unbedingt mit einem Spiel, das unter Umständen mehr als hundert Stunden andauert, auf einen Film vorbereiten möchten. Es ist etwas für die ganze Familie, doch wer mit dem Ausgangsmaterial nicht vertraut ist, verpasst nicht unbedingt etwas, wenn ihr ihn nicht anschaut.

Für Fans der Spiele bietet dieser Anime alles, was man sich nur wünschen kann: atemberaubende Grafiken, ein hervorragender Soundtrack, der genau im richtigen Moment die bekannten Melodien aus den Spielen einleitet, sowie eine großartige Wendung gegen Ende der Handlung (die vor allem Fans von Schicksal eines Königreichs anspricht). Der Anime ist gut genug, dass man ihn vielleicht ein zweites Mal sehen möchte, auch weil er wie gesagt zu eigenen Theorien anregt. Er wird euren Abend in jedem Fall nicht ruinieren, wenn ihr die zwei Stunden dafür aufbringt - selbst wenn ihr die Spiele noch nie gespielt habt. Das Beste aus eurer Zeit holt ihr aber sicher heraus, wenn ihr vorher Der Fluch der Weißen Königin oder Schicksal eines Königreichs gespielt habt.

07 Gamereactor Deutschland
7 / 10
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