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Ni no Kuni: Der Fluch der Weißen Königin

Ni no Kuni: Der Fluch der Weißen Königin

Ein kleiner Junge erkundet eine fremde Welt, um seine Mutter zu retten. Studio Ghibli und Level 5 haben gemeinsam ein großes Abenteuer geschaffen und wir sind froh, dass es auch den Weg nach Europa gefunden hat.

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Herbert Grönemeyer sang einst, dass wir den Kindern das Kommando geben sollen. Da heißt es, "die Welt gehört in Kinderhände, dem Trübsinn ein Ende". Tatsächlich ist Phantasie von Kindern grenzenlos, ihnen fällt es leicht zu träumen. Das hat auch Studio Ghibli erkannt. In ihren großen Kinofilmen wie Das Schloss im Himmel, Chihiros Reise ins Zauberland oder auch Ponyo: Das große Abenteuer am Meer sind immer Kinder in der Hauptrolle. Sie erleben ein großes Abenteuer und wachsen dabei über sich hinaus. Ja, es sind Zeichentrickfilme, und dennoch richten sie sich dabei keineswegs nur an ein junges Publikum. Die Filme sind lehrreich. Sie lassen uns die Welt mit Kinderaugen sehen und schärfen unseren Blick für Dinge, die uns oft längst entfallen sind. Ghibli ist nicht für Kinder, Ghibli ist Unterhaltung für die ganze Familie.

Level 5 wiederum ist eigentlich noch ein junges Studio, gerade einmal fünfzehn Jahre im Geschäft. Doch sie haben sich früh einen Namen gemacht, mit Dark Cloud, Dragon Quest: Die Reise des verwunschenen Königs und Rogue Galaxy. Und natürlich mit der Professor Layton-Reihe. Sie haben ein Händchen dafür, Geschichten zu erzählen und diese mit spannenden Spielmechaniken zu unterfüttern. Und sie probieren sich auch immer an Neuem aus, an Inazuma Eleven oder White Knight Chronicles. Wahrscheinlich ist auch genau so die Idee zu Ni no Kuni entstanden. Ghibli und Level 5, das klingt nach einer traumhaften Kombination.

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Ni no Kuni: Der Fluch der Weißen KöniginNi no Kuni: Der Fluch der Weißen Königin
Held Oliver macht sich in die unbekannte Welt Ni no Kuni auf. Er will Zauberer zu werden und seine Mutter retten.

Ni no Kuni: Der Fluch der Weißen Königin erzählt die Geschichte von Oliver, einem kleinen Jungen aus Motorville. Bereits früh im Spiel verliert er seine Mutter bei einem Unfall. Eigentlich weiß Oliver nun nicht so recht, wie es weitergehen soll. Er ist traurig und fühlt sich furchtbar allein. Als für ihn auch Tage später kein Land in Sicht ist, taucht Tröpfchen auf - eine merkwürdige Fee mit einer Laterne in der Nase. Merkwürdig ist diese Fee vor allem, weil sie einen starken walisischen Akzent hat, ungehobelt spricht und männlich ist. Irgendwie erwarten wir doch eher zarte, sanfte Wesen. Die schroffe und lustige Art aber retten Oliver. Statt sich selbst zu bemitleiden, macht er sich in die unbekannte Welt Ni no Kuni auf. Er will nun ein Zauberer zu werden und seine Mutter retten.

Nun wäre es falsch, zu viel über dieses Abenteuer zu erzählen. Schließlich lebt ein Rollenspiel von der Handlung, dieses hier aber durchaus auch von den Spielelementen. Was wir bereits in den ersten Spielstunden erfahren, ist die Mechanik der gebrochenen Herzen. Es gibt Menschen in Ni no Kuni, die sind unvollständig. Ihnen fehlt beispielsweise Enthusiasmus oder Mut. Andere wiederum haben davon mehr als genug. Oliver ist in der Lage, mit Hilfe eines Zaubers diese Defizite auszugleichen, indem er Menschen mit einem Überschuss in ihrem Herzen um eine kleine Portion davon bittet. Daraus ergeben sich allerhand Aufgaben. Manchmal muss der kleine Zauberlehrling sogar nach Motorville zurückreisen, denn jede Figur in Ni no Kuni hat einen Seelenverwandten in unserer Welt. Geht es einem Menschen in Ni no Kuni schlecht, könnten die Gründe dafür auch dort zu finden sein.

Ebenfalls essentieller Bestandteil des Spiels sind Vertraute. Dabei handelt es sich um kleine Monster, die wir in unserem Herzen tragen und die statt unser in den Kampf ziehen können. Der Vorteil dabei ist, dass sie über andere Stärken verfügen und damit eventuell effektiver sind. Wir teilen uns aber mit den Vertrauten Lebens- und Magiepunkte. Stirbt der Vertraute, wird auch unser Lebenslicht gelöscht. Vertraute finden wir in der freien Natur, denn jeder Gegner ist auch ein potenzieller Begleiter. Die Möglichkeit, Vertraute zu fangen, auszurüsten und weiterzuentwickeln steht uns nicht sofort aber recht früh im Spiel zur Verfügung. Bis zu drei davon kann jeder Charakter bei sich tragen und sie im Kampf jederzeit wechseln. Gesteuert werden sie dann genauso wie der kleine Held. Allerdings besitzen die Monster nur eine begrenzte Ausdauer und müssen sich dann erholen. Ein bisschen erinnert das Konzept an Pokémon - inklusive der Niedlichkeit der Charaktere und dem Sammelwahn, sie alle zu finden.

Ni no Kuni: Der Fluch der Weißen Königin
Neben den einzigartigen Mechaniken hebt sich das Spiel vor allem durch seine atemberaubend hübsche Präsentation ab.

Das dritte Element sticht ebenfalls heraus, wenn wir Ni no Kuni: Der Fluch der Weißen Königin mit anderen Rollenspielen vergleichen. Im Spiel integriert ist ein Buch, das Magischer Begleiter genannt wird. Dabei handelt es sich um ein Nachschlagewerk für Magier. Es enthält Zaubersprüche, Zutaten, Monster und Gegenstände sowie ein Kapitel über die Regionen der Welt und eines mit interessanten Fabeln. Wenn wir das Buch bekommen, ist es noch nicht vollständig. Erst im Laufe der Zeit sammeln wir die fehlenden Seiten. Besonders macht all das den Magischen Begleiter noch nicht. Aber wir nutzen ihn nicht nur als Informationsquelle, sondern lösen manchmal auch Aufgaben mit ihm. Kein Wunder, dass der Sammleredition des Spiels auch eine gedruckte Fassung des Buches beiliegt. Diese ist aber anders als die elektronische Variante nur in Englisch.

Ansonsten funktioniert der Titel über weite Strecken wie ein typisches japanisches Rollenspiel. Es gibt eine Oberweltkarte und Dungeons. Die Kämpfe laufen in Echtzeit ab, aber wir werden bei Feindkontakt dennoch zunächst in eine Art Arena geworfen. Pausiert wird der Kampf nur, während wir eine Fähigkeit unseres Charakters oder einen Gegenstand auswählen. Ansonsten müssen wir versuchen, die richtige Aktion anzusteuern, während der Charakter durch die Arena manövriert wird. Lästig ist dies vor allem, wenn wir in eine Verteidigungshaltung gehen wollen. Ehe diese Punkte im Ringmenü erreicht sind - und häufig gleich wieder übersprungen werden - hat der Gegner meist seinen starken Angriff ausgeführt.

Die Gefechte sind zwischendurch fast etwas lästig, weil sie Überhand zu nehmen scheinen. Wer sich aber nicht zu lange in einer Region aufhält, um Vertraute und sich selbst hochzuleveln, wird genug Herausforderungen bekommen. Und wen das Herz eines Rollenspiels wirklich nerven sollte, der hat immer noch die Möglichkeit, den Easy-Modus zu spielen. Dieser ist einfacher und soll jene locken, die vor allem wegen der schönen Geschichte spielen wollen.

Ni no Kuni: Der Fluch der Weißen Königin
Die Präsentation des Spiels ist wunderschön - als würden wir durch ein Anime laufen.

Neben den einzigartigen Spielmechaniken hebt sich Ni no Kuni: Der Fluch der Weißen Königin vor allem durch seine atemberaubend hübsche Präsentation ab. Es sind die wunderschön gezeichneten Welten von Studio Ghibli, die uns glauben lassen, dass wir kein Videospiel vor uns haben, sondern einen Anime spielen - einen japanischen Zeichentrickfilm eben. Nicht ohne Grund haben wir den Titel schon einmal als das schönste Spiel für die Playstation 3 bezeichnet. Dazu kommt ein orchestraler Soundtrack, dessen Stücke zwar nicht immer ganz passgenau sind, aber fantastisch klingen. Schade nur, dass hier ein wenig die Abwechslung fehlt. Bestimmte Titel hört man einfach immer wieder, bis sie einem zu den Ohren raushängen.

Die Geschichte von Oliver ist rührend, auch wenn es Level 5 und Studio Ghibli leider nicht gelungen ist, dies im großen Finale deutlich zu machen. Aber vielleicht war es ja auch Absicht. Mit dem Ende von Ni no Kuni: Der Fluch der Weißen Königin ist es zumindest gelungen, eine Überdosis Kitsch zu vermeiden und stattdessen mehr Raum für die eigene Fantasie zu lassen. Wer die letzte Schlacht geschlagen hat, bekommt noch ein paar zusätzliche Aufgaben und weitere Geheimnisse zum Entdecken. Mindestens 40 Stunden wird man schon brauchen, bis der Abspann läuft. Wer alle Missionen abschließen will, muss eher 60 Stunden einplanen und Trophäen-Jäger noch einmal deutlich mehr. Der Umfang des Spiels geht wirklich schwer in Ordnung.

Ni no Kuni: Der Fluch der Weißen Königin ist ein Abenteuer wie aus einem Bilderbuch. Ich habe mit dem Spiel so viel Zeit verbracht und kann mich trotzdem noch an alle wichtigen Passagen erinnern. Es sind die einzigartigen Charaktere, die wir im Gedächtnis behalten - all die wundersamen Gestalten, die wir in unser Herz schließen. Sie alle bringen eine Geschichte mit, sie alle haben irgendeinen sympathischen Wesenszug an sich. In dieser Welt ist kein Platz für Hass, nur für ganz viel Liebe. Es ist ein bisschen so, wie Herbert Grönemeyer es schon damals gesagt hat. Und wer es bis jetzt nicht geglaubt hat und sich für Anime oder Rollenspiele zu schade war, der soll sich einen Ruck geben: "Wir werden in Grund und Boden gelacht, Kinder an die Macht."

Ni no Kuni: Der Fluch der Weißen Königin
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Ni no Kuni: Der Fluch der Weißen Königin
09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
+
wunderschöne Präsentation, nette Geschichte, niedliche Monster, interessante Spielmechaniken, großer Umfang, tolle (englische) Sprachausgabe
-
nur deutsche Bildschirmtexte, wenig Abwechslung bei der Musik
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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