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Minute of Islands
Feature: E3-2021-Berichterstattung

Minute of Islands

Wir begeben uns auf eine emotionale Reise, um unsere von tödlichen Pilzsporen heimgesuchte Welt zu retten. Dafür arbeiten wir sogar mit Riesen zusammen.

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Giftige Pilzsporen überziehen diese Welt wie Schnee und deuten das Ende an. Es ist unsere Aufgabe, dieses Schicksal abzuwenden.

Die Berliner Entwickler Studio Fizbin beschreiben ihren Titel Minute of Islands als narratives Puzzlespiel, wobei sich das Spiel mit seiner Prämisse einer jungen Protagonistin, die eine emotionale Zeit durchlebt, auch durchaus ans Coming-of-Age-Genre anlehnt. Wir spielen die junge Mechanikerin Mo, die mit dem sogenannten Omni-Stab nichts weniger als das Schicksal der Welt in ihren Händen hält. Seit einem Ereignis namens Exodus ist ihre Welt in Schieflage geraten. Gelbe Pilzsporen verbreiten sich über das gesamte Land und vernichten dabei alles, was ihnen in die Quere kommt.

Als Licht in der Dunkelheit gelten die mysteriösen Riesen, die tief unter der Erde leben und dank ihrer Maschinen bisher dafür gesorgt haben, dass besagte Sporen von Mos Heimat ferngehalten wurden. Nun, da diese Titanen in den Schlaf gefallen und ihre Maschinen stehengeblieben sind, droht der nahende Tod auch das Schicksal unserer Inselgruppe in den Untergang zu stürzen. Innerhalb von fünf Kapiteln und einer Spielzeit von knapp sieben Stunden liegt unser Ziel deshalb klar vor den Augen: Die Luft auf den vier Inseln reinigen und die jeweiligen Insel-Riesen erwecken, damit wir die Sporen weiterhin fernhalten und Mos Heimat beschützen können.

Die Inselbesuche laufen stets nach dem gleichen Schema ab: Zuerst müssen die Luftfilter auf der Oberfläche repariert werden, danach geht es auf zu den Riesen in den Untergrund. Der besagte Omni-Stab ist dabei nicht nur die wichtigste Waffe von Mo, sondern auch die der Spieler. Dank dieses Werkzeugs können wir mit den Maschinen interagieren und sie nach und nach reaktivieren. Spielerisch präsentiert sich Minute of Islands als Mischung aus Plattformer- und Puzzle: Während die Erkundung der Inseln über der Erde vor allem aus Jump'n'Run-Passagen besteht, vermischen sich diese im Untergrund mit kleinen Rätseln. Um die Riesen und ihre Maschinen wieder mit Energie zu versorgen, müssen Schaltkreise geschlossen, Maschinen wieder zum Laufen gebracht und mysteriöse Membranen in die richtige Position verfrachtet werden.

Minute of Islands
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Minute of Islands lässt sich mit Spielen wie Abzû vergleichen, die weniger eine Herausforderung, sondern vielmehr eine Erfahrung an die Spieler heranführen.

Weil der Fokus von Minute of Islands auf der Atmosphäre und der Geschichte liegt, gestalten sich die Gameplay-Elemente recht simpel und erwarten von uns keine spielerische Meisterleistung. Besonders der Gameplay-Mix unter der Erde konnte mich gut unterhalten, weil die Interaktion des Omni-Stabs spaßig umgesetzt wurde. Etwas irritierender sind die Plattformer-Level, denn es ist nicht immer klar, welche Positionen von Mo sicher angesteuert werden können. Innerhalb der letzten Spielstunden machte sich außerdem der bis dahin eigentlich sehr gut funktionierende, zyklische Ablauf des Spiels bemerkbar. Bereits zu wissen, wohin Mos Reise als Nächstes geht, nahm ein wenig die Spannung aus dem Spiel. Einige unerwartete Szenarien im Finale ließen das Gefühl jedoch wieder verfliegen, sodass Minute of Islands für mich ein passendes Ende fand.

Jeder Inselbesuch verrät uns etwas über Mo und das Schicksal der Menschheit. Einige Inselbewohner haben die Zerstörungswut der Sporen überlebt, dazu gehören auch Mos Onkel, ihre Schwester Mirri und ihre Oma. Von ihrer Familie hat Mo sich jedoch schon lange abgewandt, wechselt lediglich verbitterte Worte mit ihnen ausgetauscht werden, bevor es wieder an die Arbeit geht. Immer mehr wird deutlich, dass Mo unter ihrer Aufgabe als alleinige Retterin leidet - auch weil sie an ihren eigenen Erwartungen zerbricht. Innere Monologe zeigen ein verzogenes Bild ihrer Familie, werfen unserer Heldin üble Vorwürfe an den Kopf und isolieren sie somit immer weiter von ihren Mitmenschen. Während Mo mit ihrem Schiff von einer Insel zur Nächsten segelt, sehen wir durch die Sporen hervorgerufene Visionen, die Mos Kampf mit sich selbst weiter in den Vordergrund rücken.

Statt imposanter Bosskämpfe finden die Kämpfe bei Minute of Islands also im Inneren statt. Ich persönlich konnte mich an einigen Stellen allerdings nicht mit Mo und ihren Handlungen identifizieren, weswegen ich gewisse Auswahlmöglichkeiten sehr begrüßt hätte. Auch Spiele wie Life is Strange behandeln komplexe Thematiken, wie Depressionen oder die Selbstentfaltung, und schaffen es trotz Entscheidungsfreiheiten, die sehr persönlichen Nachrichten hinter den Geschichten rüberzubringen. Besonders in narrativ angetriebenen Spielen gehört die Auswahl von Entscheidungen für mich dazu, um mich mit meiner Spielfigur identifizieren zu können.

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Zuerst müssen die Luftfilter auf der Oberfläche der Inseln repariert werden, danach geht es auf zu den Riesen in den Untergrund.

Atmosphärisch und stilistisch existiert das Spiel irgendwo zwischen Adventure Time und Nausicaä, zwischen Hyper Light Drifter und H.R. Gigers anmutendem Body-Horror. Der einzigartige Comic-Stil mit seinen prächtigen Farben, die herumfliegenden gelben Sporen, die an rieselnden Schnee erinnern, sowie der minimale Soundtrack geben der dystopischen Welt des Spiels einen ganz eigenen Charme. Plötzlich erhalten die verwesende Leiche eines Wals oder Skelette verstorbener Bewohner in der menschenleeren Welt eine gewisse Schönheit. Zudem präsentieren nacherzählte Erinnerungen von Mo, die überall eingesammelt werden können, einen Einblick auf das Leben vor dem Exodus.

Minute of Islands lässt sich mit Spielen wie Abzû vergleichen, die weniger eine Herausforderung, sondern vielmehr eine Erfahrung an die Spieler heranführen. Das narrative Abenteuer beeindruckt mit seinem tollen Stil, dem schönen Soundtrack und der Ghibli-artigen Atmosphäre, für die ich persönlich immer gerne einen freien Tag zum Spielen hergebe. Die tieferliegenden Botschaften des Spiels über falsche Selbstbildnisse, aufgezwungene Abkapselung und die Überzeugung, seine Lasten mit niemanden teilen zu dürfen, spiegeln sich in der melancholisch-schönen Atmosphäre wider.

Möglichkeiten, Mos Weg auf ihrer emotionalen Reise selbst zu bestimmen und sich somit mehr in ihr wiederzufinden, hätten das Spiel und seine zentrale Nachricht noch einmal besser vereint. Auch ohne komplexe Systeme, oder vielleicht genau deswegen, ist Minute of Islands trotzdem eine klare Empfehlung für Fans stilistisch starker, narrativer Spiele, die sich einen Tag lang auf einer Insel weit, weit weg verlieren möchten.

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Ich persönlich konnte mich an einigen Stellen nicht so gut mit Mo und ihren Handlungen identifizieren, weswegen ich gewisse Auswahlmöglichkeiten sehr begrüßt hätte.
08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
wunderschöne Kulissen im Comic-ähnlichen Stil, Verbindung aus Grafik und Soundtrack erzeugt ein starke Atmosphäre. Eine simple, aber schön inszenierte Spielerfahrung.
-
ein wenig Entscheidungsfreiheit hätte den Thematiken gutgetan, ab und zu wirkt der Spielverlauf etwas zu repetitiv, Steuerung in Plattformer-Bereichen manchmal schwer nachvollziehbar.
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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