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Miitomo

Miitomo

Am 17. März veröffentlicht Nintendo seine App für iOS und Android in Japan. Der Europa-Termin steht weiter nicht fest, aber Miitomo ist eine kleine Revolution für Nintendo.

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Das japanische Unternehmen lässt erstmals ernsthaft seine native Hardware hinter sich, wenn man die Pokémon-Apps mal ignoriert. Die Miitomo-App (hier kann man sich vorab registrieren) könnte tatsächlich der Anfang einer riesigen Veränderung für Nintendo sein. Aber vorerst ist es weder ein Videospiel noch ein weiterer Messenger. Es ist, so heißt es offiziell, "eine Kommunikations-App, um etwas über Freunde zu erfahren." Ich habe die App bei Nintendo in Frankfurt ein knappes Stündchen lang ausprobiert und mir einen ersten Eindruck gebildet.

Das Herz der App ist das eigene Mii - jene virtuelle Figur, die viele Nintendo-Fans schon seit der Wii nutzen. Wie zuletzt in Tomodachi Life haben die Mii-Figuren in Miitomo eine Persönlichkeit. Die muss man vorher festlegen, wenn man seinen Mii per ausgespieltem QR-Code einscannt, aus dem verknüpften Nintendo-Account holt oder neu erstellt. Wer seinen Tomodachi-Charakter übertragen will, darf auch das tun. Dann werden die fünf Attribute für Persönlichkeit (Bewegungen, Sprechweise, Persönlichkeit, Denkweise, Ausdruck) komfortabel übernommen. Zusätzlich kann man dem Mii eine echte Stimme geben, die es unter anderem auch für Kommentare nutzt. Außerdem hat das Mii viele Bewegungsanimationen und wirkt dadurch sehr lebendig.

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Miitomo ist eine App für einen bestehenden Freundeskreis, man kann keine "anonymen" Kontakte hinzufügen.

Im Zentrum des Erlebnisses stehen Fragen. Die beantwortet man einerseits selbst, indem man seinem Mii auf die Nase drückt, während es in der virtuellen Wohnung herumläuft. Die Fragen rangieren zwischen seicht ("Was ist dein Lieblingsessen?") und durchaus tiefgründigen Dingen über Liebe und wichtige Ereignisse im eigenen Leben. Man muss nicht antworten, tut man es aber, werden die Antworten zunächst nur in der Miitomo-App gespeichert. Dort können eigene Nintendo-Freunde sie liken und kommentieren - was sehr schnell ein großer Spaß ist. Aber man sie auch in anderen Sozialnetzwerken und Nachrichtendiensten teilen, aktuell sind Facebook, Twitter, Line, Instagram, E-Mail und iMessage verfügbar. So will Nintendo die App sichtbar machen außerhalb ihres eigenen Universums.

Man gibt also in Miitomo etwas preis von sich (so in den 190 Zeichen Antwort die Wahrheit steht) und bekommt dafür im Gegenzug Einblicke in Alltag und Seelenleben der Freunde. Aber wie finde ich die eigentlich, die Freunde Nun, man kann sich im echten Leben direkt via App befreunden, wenn man sich gegenüber steht. Oder Facebook- und Twitter-Kontakte nutzen. Miitomo ist eine App für einen bestehenden Freundeskreis, man kann keine "anonymen" Kontakte hinzufügen. Nintendo und der Sicherheitsanspruch, darauf kann man setzen. Das gilt auch für die Kommentare, die in gewissem Rahmen moderiert werden sollen - allerdings wohl nur dann, wenn jemand einen Beitrag als anstößig meldet. In der ausprobierten Testversion jedenfalls gingen alle wüsten Beschimpfungen und Kraftausdrücke ungefiltert durch in die Fragen-Streams meiner Freunde.

Fast jede Aktion in der App wird mit Miitomo-Münzen belohnt. Kommentare, neue Freunde, Likes - alles bringt mehr oder weniger Geld. Das kann man für neue Outfits ausgeben, die als Komplettversion oder einzeln verfügbar sind. Binnen Minuten hat man einen lustigen Hut auf, trägt geringelte Kniestrümpfe zum Raumanzug, dazu einen Hipsterschal und Sneakers. So stumpf das klingt, so schnell kriegen sie einen genau damit. Wohl auch, weil die Miis einfach zum Knuddeln toll aussehen.

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Mit Mii-Foto gibt es ein integriertes Tool, um lustige Collagen zu bauen.

Man braucht dafür aber Münzen. Also wieder kommentieren, quatschen, Unfug machen. Das geht in der App ausgesprochen sympathisch. Es sind immer Reaktionen auf Interaktionen, ein sehr persönliches Erlebnis das Ziel. In den Kommentaren und auch sonst überall, wo ein Mii sichtbar ist, zeigt es mit der Hilfe von 9000 Triggern unterschiedliche visuelle Reaktionen. Die Miis reagieren dabei kontextsensitiv auf Wörter und sogar auf die Smartphone-Smilies. Man muss übrigens die Fragen nicht voll öffentlich machen, man kann auch nur mit einem einzigen Freund etwas teilen und diskutieren. Und ältere Antworten werden als Quiz verborgen, die muss man dann freischalten.

Auch mit Bildern kann man antworten. Mit Mii-Foto gibt es ein integriertes Tool, um lustige Collagen zu bauen. Einfach das eigene Mii platzieren, Klamotten anziehen, dann Hintergründe reinsetzen oder eigene Fotos, noch schnell ein Mii aus der Freundesliste hinzufügen. Dann den Winkel der Figuren verändern. Sprechblasen, 100 Zeichen Text, Stempel, Props. Ziemlich viele Möglichkeiten, Lacher sind garantiert.

Der eigene Mii wohnt in einer virtuellen Miniwohnung, deren Einrichtung aus der Persönlichkeitauswahl automatisch generiert wird. Dort können uns auch befreundete Miis besuchen. Die Besucher kommen durch die Tür rein und dann nicken sich die Freunde ein bisschen hektisch zu, bis man den Besuch rauswirft. Das eigene Mii levelt übrigens hoch, es gibt getrennte Wertungen für Klamotten bzw. Stil und die Antworten.

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Die Miitomo-App ist gratis verfügbar, aber als Free-to-Start-App konzipiert. Das heißt, man man durch Interaktionen in der App die Miitomo-Münzen erspielen. Aber eben auch Münzen mit echtem Geld erwerben durch In-App-Käufe. Die Preistruktur steht noch nicht fest, die Platzhalterpreise rangierten von 99 Cent bis zu 79,99 Euro für Münzpakete. Für die Miitomo-Münzen selbst kaufen kann man nur Klamotten sowie Spielscheine und Süßigkeiten, die zwei anderen "Währungen". Spielscheine braucht man, um das kleine Pachinko-Spielchen "Mii über Kopf" zu starten, mit dem man seltene Klamotten gewinnen kann. Alternativ kostet es 500 Münzen. Als Trostpreise gibt es Bonbons, mit denen man wiederum verdeckte Fragen freischalten kann.

Zu guter Letzt ist Miitomo mit My Nintendo-Missionen verknüpft, dem neuen Bonusprogramm, das den Club Nintendo ablöst. Hierfür lauert die vierte "Währung", die Miitomo-Platin—Münzen. Wer die App mit dem eigenen Nintendo-Account verknüpft, kriegt 100 Münzen zum Beispiel. Gleiches gilt für Facebook und Twitter. Drei Fragen beantworten bringt fünf Münzen. Kaufen kann man für die Platin-Münzen dann wieder Spielscheine und sehr spezielle Kostüme. Und potenziell auch andere Sachen, wenn My Nintendo erst einmal online ist.

Miitomo also, die App, die der Anfang einer großen Veränderung sein könnte. Nintendo hat verstanden, dass die Zielgruppe mittlerweile großflächig an iPhones, Smartphones und Tablets zockt. Das betrifft selbst und vielleicht gerade schon die Kleinsten, die Kunden von morgen. Die werden vielleicht mit einer Kommunikations-App zunächst wenig anfangen können. Aber Nintendo beginnt endlich, mit ihnen zu kommunizieren. Und vielleicht kommt dieser Tag ja viel schneller, als wir alle denken. Jener Tag, an dem plötzlich die geliebten Nintendo-Spiele plötzlich in einer eigene App auftauchen. Vielleicht auch nicht. Aber die Gespräche haben begonnen...

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