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Lara Croft und der Tempel des Osiris

Lara Croft und der Tempel des Osiris

Im Prinzip fehlt es dem Action-Adventure für vier Spieler aus der Isoperspektive an nichts - und doch ist Kritiker Stefan einfach nicht zufrieden mit der Arbeit von Lara Croft.

Wenn ich an Lara Croft denke, dann habe ich immer eine Situation meiner frühesten Jugend vor Augen. Im originalen Playstation-Spiel Tomb Raider kämpft man unter anderem gegen einen gewaltigen Tyrannosaurus Rex. Ich war damals noch sehr unerfahren und dadurch ein gefundenes Fressen für den T-Rex. Als meine Eltern bemerkten, dass ihr Kind von einem Dinosaurier gefressen wird, verboten sie mir weiterzuspielen. Erst 2013, als das Tomb Raider-Reboot erschien, gab ich der Serie eine zweite Chance und wurde mit einer sehr authentischen Darstellung einer ausgezeichneten Actionheldin belohnt. Warum ich das alles erzähle? Nun, genau das ist der Grund, wieso ich mit dem neuen Lara Croft-Spiel nicht richtig warm werde.

Lara Croft und der Tempel des Osiris ist ein klassischer Koop-Titel für bis zu vier Spieler. Mit der titelgebenden Abenteurerin gehen wir auf Schatzsuche und erkunden den sagenumwobenen Tempel von Osiris. Die Geschichte bedient sich grob der ägyptischen Mythologie und thematisiert den Verrat von Set an Osiris. Für seine schändlichen Taten wurde Set in das Totenreich Duat verbannt, wo es ihm gelang, sich die mysteriösen Kräfte der Schattenwelt zunutze zu machen. Im Tempel von Osiris angelangt, entdeckt Lara zusammen mit einem konkurrierenden Archäologen ein mächtiges Artefakt, das die dunklen Kräfte dieses Ortes freisetzt. Durch ihr unvorsichtiges Vorgehen zerstören sie die Barriere zum Schattenreich und setzen die Welt einer großen Gefahr aus.

Lara Croft und der Tempel des OsirisLara Croft und der Tempel des Osiris
Wie der Vorgänger Lara Croft and the Guardian of Light aus dem Jahr 2010 lebt der Tempel des Osiris von der Verknüpfung von Rätseln und Action.

Doch glücklicherweise birgt dieses antike Relikt nicht nur böse Mächte in sich, es warten auch neue Verbündete auf uns. Neben der agilen Lara selbst und ihrem vermeintlichen Konkurrenten Carver gibt es zwei weitere spielbare Charaktere. Zu den professionellen Schatzjägern gesellen sich die ägyptischen Gottheiten Isis und ihr Sohn Horus, die bis in alle Ewigkeiten über den Leichnam von Osiris wachen sollen. Isis und Horus wissen, wie wir Sets Pläne vereiteln können und helfen uns bei diesem schwierigen Vorhaben. Jede der Figuren verfügt über dieselben Fähigkeiten, alle Unterschiede sind also rein optischer Natur. Doch insgesamt erscheinen die Charaktere leider flach und leer, was sie ziemlich kleingeistig wirken lässt.

Wie der Vorgänger Lara Croft and the Guardian of Light aus dem Jahr 2010 lebt Lara Croft und der Tempel des Osiris von der Verknüpfung von Rätseln und Action. Aus isometrischer Sicht führen wir die verschiedenen Charaktere via Dualstick-Steuerung durch alte Tempelanlagen, gefährliche Ruinen und staubige Katakomben. In den jahrtausendealten Schreinen warten zahlreiche Schätze, doch zum Öffnen der Schatztruhen benötigen wir glitzernde Diamanten. Die Klunker lassen sich überall finden und bestimmen unsere Punktzahl am Ende eines Dungeons. Die Schatztruhen beinhalten wertvolle Ausrüstungsgegenstände, die Einfluss auf unsere Fertigkeiten haben und das Zusammenspiel der Gruppe intensivieren. Die größte Neuerung spiegelt sich in der Wettermechanik wider. Durch Osiris‘ göttliche Macht können wir eine Apparatur benutzen, die strahlenden Sonnenschein, endlosen Regen oder eisigen Winter heraufbeschwört. Jedes Klima gewährt Zugang zu neuen Bereichen der Karte, doch erst das Zusammenspiel der verschiedenen Wetterlagen wird dem Tempel seine letzten Geheimnisse entlocken.

Lara Croft und der Tempel des Osiris
Von einer Lara Croft erwarte ich mehr als dieses willenlose und reulose Abknallen von Kreaturen.

Natürlich gibt es in den Tempelruinen nicht nur Edelsteine und Schätze, denn gefährliche Kreaturen und todbringende Fallen erschweren das Vorankommen jedes Eindringlings. Um Skarabäen, Krokodile und anderen Schattenwesen Einhalt zu gebieten, müssen wir nicht nur auf plumpe Waffengewalt zurückgreifen. Durch knifflige Mechanismen gepaart mit der richtigen Strategie entledigen sich Lara und ihre Verbündeten dieser fiesen Gegner auf äußerst elegante Weise. Eine gute Strategie ist auch für die Bosskämpfe notwendig, die zum Höhepunkt des Spiels gehören. Ungeübten Spielern werden diese Geschöpfe einiges abverlangen. Doch nach vier bis sechs Stunden Spielzeit ist man locker mit dem Abenteuer durch. Zusätzliche Spieltiefe stellen kommende Inhalte in Aussicht, ein Season Pass ist natürlich bereits angekündigt.

Neben der Spieltiefe müssen wir leider noch ein paar weitere Abstriche in Kauf nehmen. Im lokalen Multiplayer zum Beispiel wird selbst eingeschworenen Couch-Freunden schnell auffallen, dass das neue Lara Croft-Spiel unübersichtlich ist. Durch die isometrische Sicht auf das Geschehen gestalten sich die Sprungpassagen teilweise sehr schwierig. Es erfordert eine beträchtliche Menge an Eingewöhnungszeit, um genau vorherzusagen, wo die eigene Figur aufkommen wird, wenn sie springt. Allgemein sind viele Balanceakte dank dieser besonderen Perspektive alles andere als zugänglich. Wenn sich die Figuren weit voneinander entfernen, ist dieses Phänomen ganz besonders auffällig, deshalb sollte die Truppe stets beisammen bleiben.

Unterm Strich bietet Lara Croft und der Tempel des Osiris gute Unterhaltung für ein gemeinsames Wochenende mit den Freunden. Doch gerade im Zusammenspiel mit Anderen verliert das Spiel wertvolle Punkte und es gelingt Lara nicht, dieses Manko wieder auszugleichen. Der Tempel von Osiris und das Thema des alten Ägypten sind schöne Ideen, die liebevoll umgesetzt wurden, darüber hinaus ist die Balance zwischen Action und Rätseln sehr gelungen. Im Prinzip fehlt es dem Spiel also an nichts und doch bin ich einfach nicht zufrieden. Von einer Lara Croft erwarte ich mehr als dieses willenlose und reulose Abknallen von Kreaturen. Wahrscheinlich darf man gar nicht erst anfangen, Parallelen zwischen diesem Titel und der "echten" Tomb Raider-Serie zu suchen. Die beiden Serien haben einfach nichts miteinander gemein.

07 Gamereactor Deutschland
7 / 10
+
detailverliebte Präsentation, gelungener Koop-Modus, intelligente Rätselpassagen, gutes Verhältnis zwischen Action- und Knobeln
-
Charaktere sind sehr flach, das Erlebnis ist für Einzelspieler zu monoton, Isoperspektive beeinträchtigt die Sprungpassagen
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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