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Huntdown

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Wenn ihr nach dem ersten pixelperfekten Indie des Jahres sucht, habt ihr es gerade gefunden.

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Mit der Nostalgie ist das so eine Sache. Erfolgreiche Rezepte aus der Vergangenheit wiederzubeleben hat viel Potential, aber es ist extrem schwer, die großartigen Erinnerungen einzufangen und sie in etwas Neues zu verwandeln, das die gleiche Leidenschaft entfacht, wie das Originalmaterial vor all den Jahren. Viele Entwickler haben sich in den letzten Jahren daran versucht (unterschiedlich erfolgreich), aber die Frage bleibt, ob es jemals jemand so gut gelungen ist, wie Easy Trigger Games mit ihrem neuen Indie-Abenteuer Huntdown?

Das hier ist ein knallhartes Actionspiel, das heftig mit Retro-Games flirtet und gleichzeitig richtig frisches Gameplay zu bieten hat. Das Ganze wurde mit ganz viel Style in einem tollen Konzept eingepackt, obwohl die Prämisse so simpel ist: Wir übernehmen die Rolle eines von drei Kopfgeldjägern und machen Jagd auf kriminelle Banden in einer postapokalyptischen Version der Achtzigerjahre. Wir besuchen verschiedene Gebiete und müssen insgesamt 20 Schurken erledigen, um den neon-leuchtenden Abspann bewundern zu dürfen.

Klingt alles ziemlich gradlinig und das ist es auch. Doch obwohl das grundlegende Konzept so leicht zu verstehen ist, ist es noch lange nicht einfach, das auch entsprechend in die Tat umzusetzen. Huntdown ist nämlich ein sehr komplexes Spiel und einen großen Teil des Spaßes ziehen wir daraus, uns innerhalb der schlichten Grundlagen weiterzuentwickeln und mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln zu experimentieren.

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Die Entwickler haben die Balance zwischen Herausforderung und Zugänglichkeit auf den Punkt getroffen.

Wenn ihr die klassischen Plattformer der Super-Nintendo-Zeit kennt, werdet ihr euch wie zuhause fühlen. Der Unterschied zu vielen anderen Versuchen: Easy Trigger Games ist die perfekte Steuerung gelungen, weshalb unser Knopfdruck auf dem Bildschirm lebendig wird. Allein das Abfeuern unserer Primärwaffe ist ein reines Vergnügen und wird nie alt, egal wie lange wir spielen. Dieses Gefühl zieht sich durch das gesamte Spiel und alles - vom Ballern bis hin zu unseren Bewegungen - strahlt ein Gefühl von Balance und Kraft aus.

Ich habe mich häufiger an Doom 2016 erinnert, in dem auch ein Gefühl von Freiheit und Meisterschaft in einer sonst sehr feindlichen Umgebung aufkam (auf den Knien in eine Schar Gegner zu rutschen und die Schrotflinte abfeuern fühlt sich einfach irre an). Gleich wenn ihr euch in dieses Action-Abenteuer stürzt, wird euch die großartige Grafik ins Auge stechen. Es gab einige tolle Pixel- und Indie-Games in letzter Zeit, wie The Messenger und Blazing Chrome, doch Huntdown hebt das Ganze auf ein völlig neues Level und der gutdurchdachte Stil gibt jedem Level Persönlichkeit.

Das dystopische Thema zieht sich wie ein roter Faden durch das Spiel. Futuristische Punk-Rocker ziehen durch die düsteren Seitengassen und über die verregneten Dächer. Ich habe mehr als einen Kampf gegen pöbelnde Biker verloren, weil ich von einem kleinen Detail Hintergrund abgelenkt wurde. Das Spiel ist von Filmen wie Terminator, Robocop und Blade Runner inspiriert und zwar ohne dass sich die Hommage billig wirkt. Die Musik scheint aus den Achtzigern zu stammen und vermischt epische Synthesizer-Melodien mit lärmenden E-Gitarren und elektrischen Beats. Anfangs hielt ich die Musik noch für ein wenig charakterlos, aber sie wuchs mir mit der Zeit ans Herz.

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Anfangs hielt ich die Musik noch für ein wenig charakterlos, aber sie wuchs mir mit der Zeit ans Herz.

Die drei spielbaren Charaktere sorgen für zusätzliche Unterhaltung, auch wenn sie sich fast identisch spielen. Da sie unterschiedlich bewaffnet sind, bleibt das Abenteuer länger energiegeladen, als mit nur mit einem Protagonisten. Es macht einfach Laune, in einem Moment die Axt der von Ellen Ripley inspirierten Anna Conda zu schwingen und gleich darauf zum Killer-Roboter Mow Man zu wechseln, der kaltblütig den Tod aller Widersacher verkündet, nachdem er sie zu Asche verbrannt hat. Die Actionhelden-Parodie John Sawyer vervollständigt unser Trio.

Wenn ihr die Kopfgeldjäger für eine bunte Truppe haltet, dann habt ihr die Endgegner nicht gesehen und von diesen knallharten Burschen gibt es eine ganze Reihe. Die Hoodlum Dolls werden von einem leicht angetrunkenen Roboter angeführt, der uns mit Kugeln und Raketen eindeckt, während die Misconducts ihren Meister im dopenden, haarigen Hockeytorwart gefunden haben. Die Kämpfe gegen diese Endbosse sind intensiv, deshalb müssen wir mit klassischem Trial & Error ihre Angriffsmuster erlernen.

Die Entwickler haben die Balance zwischen Herausforderung und Zugänglichkeit auf den Punkt getroffen. Manchmal wirkt die Lernkurve ein wenig steil, aber es gibt viele Checkpoints und wir müssen nie längere Abschnitte wiederholen. Insgesamt sind die Level eher kurz und wir verbringen selten mehr als zehn Minuten in ihnen, was übrigens auch für die Bosskämpfe gilt. Das Tempo sorgt für Arcade-Feeling und das Spiel zieht uns schnell in seinen Bann, egal ob für eine kurze Pause oder eine längere Gaming-Session.

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Wir übernehmen die Rolle eines von drei Kopfgeldjägern und machen Jagd auf kriminelle Banden in einer postapokalyptischen Version der Achtzigerjahre.

Was uns an Huntdown besonders gut gefällt ist, dass man wirklich sieht, wie die Entwickler von der Idee zum fertigen Produkt gelangt sind. Das Studio hat sich nicht zu viel vorgenommen, sondern bestmöglich versucht die ursprüngliche Version fehlerfrei abzuliefern. Es gibt kein unnötiges Beiwerk und es wurde nicht versucht, ein breites Publikum mit modernem Zeug anzusprechen, das eh nicht zum Spiel passen würde.

Es wurde eine Meisterschaft erreicht, die nur selten zu finden ist und deshalb fühlt es sich an, als hätten die Entwickler genau das erreicht, was sie von Anfang an geplant hatten. Wenn man Pro und Kontra abwägen muss, fällt die Wertung deshalb leicht. Denn ja, für uns ist Huntdown ein solide 10. Dafür müssen alle Komponenten des Spiels perfekt sein und so zusammenkommen, dass daraus etwas Großes entsteht. Klar, manche Spieler hätten sicher gerne mehr Features gehabt, schreien nach Updates und neuen Inhalten, aber uns ist nicht eine Sache eingefallen, die wir dem magischen Abenteuer gerne noch hinzugefügt hätten.

Es macht von Anfang bis Ende Spaß und der Preis ist so niedrig, dass man in diesem Jahr bisher wohl kaum günstigere und gleichzeitig ebenso hochwertige Unterhaltung bekommt. Huntdown ist genau die Sorte von Spiel, die uns daran erinnert, warum wir dieses Hobby so sehr lieben. Wenn ihr Retro-Games mögt, dann solltet ihr euch diese adrenalin-geladene Perle von einem Spiel nicht entgehen lassen.

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10 Gamereactor Deutschland
10 / 10
+
magische Pixelart-Grafiken, schönes Design, wundervolles Gameplay, großartiger Soundtrack, fantastischer Koop.
-
Minus? Hasta la Vista, Baby!
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ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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