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Grid 2

Grid 2

Mit einem großen Remix aus Race Driver: Grid, Dirt Showdown, F1 2012 und F1 Race Stars verabschiedet sich Codemasters von der jetzigen Konsolengeneration.

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Was soll man über ein Spiel schreiben, das einfach so schön ist, dass man die ganze Zeit darüber schreiben will? Es ist wirklich ein Problem von Grid 2, denn das Rennspiel ist wie eine europäische Schönheitskönigin mit Stil (so es die denn gibt). Es sieht saugut aus, ist eigentlich auch ganz schlau auf den ersten Blick, aber am Ende dann doch stumpfsinnig. Es scheitert aber nur an den hohen Ansprüchen der Außenwelt.

Ein gesichtsloser Typ namens Patrick Callahan will mit uns als Zugpferd eine neue weltweite Rennserie installieren. Die WSR soll der heiße Scheiß werden, gepusht durch Sozialnetzwerke und fette Rennevents. Eine Rennserie für die besten Fahrer der Welt - und die sollen wir alle ins Boot holen, indem wir auf dem ganzen Planeten Rennen gegen Autoclubs fahren, um die Fahrer neugierig zu machen. Der Karrieremodus fußt auf diesem Konzept und es passt. Hält einen bei der Stange, sich weitgehend im eigenen Tempo durch unterschiedlichste Rennevents zu fahren.

Das Angebot wird Codemasters-Fans bekannt vorkommen. Grid 2 ist quasi der große Remix aus Race Driver: Grid, Dirt Showdown, F1 2012 und F1 Race Stars. Es enthält all die vielen Erkenntnisse, die das britische Studio gewonnen hat. Aber das ist auch das Problem des Spiels. Es wirkt eher wie ein Addon, auch wenn das Spiel selbst natürlich schon ein komplettes Produkt ist. Die Spielmodi sind im wesentlichen bekannt und reichen von normalen Rennen über Drift-Challenges bis hin zu Eliminationsrennen und Duellen um die Wagen. Knapp 70 davon sind im Spiel integriert - und alles ziemlich schick gestaltet. Das können sie bei Codis, ohne jeden Zweifel. Im Karrieremodus dominiert eine hervorragende Mischung aus kurzen und längeren Herausforderungen, aus Events und klassischen Rennen.

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Grid 2Grid 2
Grid 2 liefert uns unglaublich gutes Arcade-Fahrgefühl.

Leider ist er relativ schnell vorbei und die meisten Rennen sind ziemlich einfach zu spielen, selbst im hohen Schwierigkeitsgrad. Lediglich der Fahrer auf dem ersten Platz fährt einem gelegentlich mal weg, wenn man nicht schnell genug nach vorne kommt in kurzen Rennen. Bei den Promo-Events, die wie alle Rennen Ansehen und Zahl der Fans steigern, was wiederum die Karriere vorantreibt, finden sich die bitter schwierigen Überholen-Events. Hier gilt es, einen Kombopunktezähler am Laufen zu halten. Jedes überholte Auto steigert ihn weiter, eine Kollision mit einem anderen Wagen oder der Streckenbegrenzung setzt alles auf 100 Punkte. Sehr intensiv, weil man versuchen muss, aggressiv und sauber zu fahren. Hier wird aber auch sofort die komische Schwierigkeitsverteilung sichtbar. Diese Events sind - im Gegensatz zu allen anderen - kaum zu gewinnen, weil jede kleinste Kollision die Kombo killt, während der durch die Künstliche Intelligenz gesteuerte Gegner scheinbar fehlerfrei und sauschnell überholt.

Grid 2 liefert uns unglaublich gutes Arcade-Fahrgefühl. Man ist selbst in schnellen Autos immer in Kontrolle, aber die Wagen fahren eben auch nicht auf Schienen oder sinnlos zu gut oder zu schwammig. Front- oder hecklastige Unterschiede sind deutlich spürbar, ebenso Beschleunigung in Abhängigkeit vom Fahrzeuggewicht. Das Schadensmodell kann man sich anpassen, aber eben auch so nutzen, dass Unfälle die Performance beeinflussen. Allerdings nicht besonders stark. Selbst mit ramponiertem Kühler und halbem Auspuff rasen die Wagen noch sicher ins Ziel. Oder man wählt den kompletten Arcade-Web, so dass alles erlaubt ist und der Schaden nur kosmetische Auswirkungen hat. Sorgt wie immer für zwei recht unterschiedliche Spielerlebnisse langfristig.

Die für die Codemastersrennspiele typischen fünf Rückspulversuche pro Rennen sind Simulationsenthusiasten natürlich zu Recht ein Dorn im Auge. Aber man kann sie immer wieder mal gut gebrauchen. Die K.I. fährt im Regelfall zu aggressiv, als dass man ohne Rücksetzer auskommen würde. Und aus einem mir nicht erklärlichen Grund startet man immer hinten, weshalb man sich zwingend durch das Feld arbeiten muss, was auf engen Strecken wie an der Cote D'Azur oder in den japanischen Bergen schnell mal eine echte Qual wird. Ist man einmal vorne, haben die Gegner nie eine Chance mehr.

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Sehr nett klingt am Anfang das Live-Route-Konzept, aber es scheitert schnell an Wiederholungen.

Die Strecken sind auf den ersten Blick schön, werden aber schnell ziemlich langweilig. Man hat viel Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, denn die Ladezeiten zwischen den Rennen sind lang - und selbst beim Fahrzeugwechsel im Garagenmenü wartet man den einen Tick zu lange. Sehr nett klingt am Anfang das Live-Route-Konzept. Damit sollen sich die Strecken in ausgewählten Rennen automatisch entwickeln, verspricht Codemasters. Das ist lustig gemacht, weil man die Strecke ohne Streckenkenntnis oder Mini-Karte nehmen muss, wie sie ist, aber trotzdem natürlich voll am Limit fährt, um nicht verlieren.

Theoretisch super, es ist nur komisch, dass man bereits bei fünfminütigen Rennen schnell das Recycling von Streckenpassagen erkennt. Die werden also quasi einfach nur zufällig aneinander kopiert und nicht wirklich vollständig und organisch live entwickelt. Das ist enttäuschend und führt außerdem dazu, dass man trotzdem versucht, gelernte Strecken abzurufen - auch wenn es nur Passagen sind. Ein bisschen Schere-Stein-Papier in dieser Art hilft einem Arcaderennspiel irgendwie wenig.

Optisch sind alle Strecken an 14 Locations absolut überzeugend - ebenso wie der Look des gesamten Spiels. Die Stadtstrecken in Barcelona, Paris oder gerade Chicago sind schick, die Rennstrecken weitläufig und die engen Bergrennen in Japan malerisch schön und eine echte spielerische Herausforderung. Es gibt Rennen am Tag und in der Nacht, aber egal wann man fährt, man genießt jeden Blick. Auch auf den eigenen Wagen natürlich und die Boliden der Konkurrenz. Die Autos sind nämlich derart hübsch ins Bild gerückt, dass man eher in der Draufsicht fahren will als in der leider fehlenden Cockpitperspektive. Ebenso beeindruckend wie die Grafik ist übrigens der Sound. Die Motoren schnauben perfekt, die Ami-Achtzylinder röcheln heiser und knurren wunderbar, wenn man das Gaspedal pumpt. Nur passend, dass es die Auspuffanlage im Rhythmus durchschüttelt.

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Verliebt hab‘ ich mich in den Rauch, den die Drifts oder ein ungewollter Dreher in der digitalen Luft hinterlassen.

Schlimm ist der dumme Kommentator im Hintergrund, dessen Stimme man sofort ausstellen sollte. Zum einen nervt er, außerdem erzählt er immer wieder Quatsch, der einfach nicht zur Rennsituation passt. Verliebt hab' ich mich dagegen sofort in den Rauch, den die Drifts oder ein ungewollter Dreher in der digitalen Luft hinterlassen. Man riecht förmlich das Gummi, wie es sich in den Asphalt brennt, so überzeugend ist das gemacht. Die Unfälle sind dagegen komplett unrealistisch und überzeichnet. Selbst bei aktiviertem Schadensmodell kann man seinem Vordermann mit Speed draufknallen, ohne dass das erst einmal zu schlimme Folgen hätte. Dafür wird mancher Begrenzungspfahl zur Sofortvollbremse und Sechsfachüberschläge mit anschließendem Weiterfahren sind auch kein Problem.

Der Onlinemodus ist Standard und bietet wie gehabt das volle Programm für bis zu zwölf Spieler. Gelungen ist die Integration von Codemasters eigenem Racenet, das uns mit Rundenzeiten und Statistiken der Freunde versorgt. Nett gemacht sind vor allen Dingen die globalen Herausforderungen. Hier muss man sauber fahren und hat pro Runde nur einen Versuch auf die Bestzeit. Dafür kann man Geistdaten von sich und anderen reinladen. Nett sind hier auch Sozialnetzwerkfeatures wie direkte Youtube- oder Facebook-Einbindung, aber neu ist das alles auch nicht. Außerdem ist das Hochladen der Videos eine langwierige Angelegenheit, passt aber so gesehen zu den ausufernden Ladezeiten - übrigens selbst bei auf der Festplatte installierten Spiel.

Grid 2 ist sicherlich eines der hübschesten Arcaderennspiele, aber es kommt gerade in Sachen Umfang und Design dann doch nicht annähernd an Forza Horizon ran. Wer damit durch ist, dürfte trotzdem seinen Spaß mit den Codemasters-Rennern haben. Style und Design sind erstklassig, ebenso das Fahrgefühl. Aber es bleibt eben auch der fade Nachgeschmack eines Remixes. Und den sollte man als Künstler nie selbst machen, sondern andere für einen... darum nur eine schwache 8/10.

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08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
sauschicke Optik, toll modellierte Autos, schöne Acradefahrphysik
-
eher ödes Streckenlayout, komischer Schwierigkeitsgrad, eher kurz
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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