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Ghost Trick: Phantom-Detektiv

Ghost Trick: Phantom-Detektiv

Der Tod muss nicht immer das Ende sein. Als Geist kann man weiter spuken und mit schlauen Tricks so manches knifflige Rätsel lösen. Capcom hat genau dieses Konzept zu einem hübschen kleinen Adventure verpackt.

  • Martin Eiser

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Natürlich, andere Länder, andere Sitten - aber schaut man sich die unterschiedlichen Verpackungsgestaltungen von Ghost Trick: Phantom-Detektiv in Japan, den USA und Europa an, dann haben wir einmal mehr den kürzeren gezogen. Aber vielleicht hatten Capcom oder Vertriebspartner Nintendo einfach Angst, dass jemand nicht auf den ersten Blick verstehen würde, worum es in dem Spiel geht? Leider wirft auch die hierzulande verwendete Verpackung mehr Fragen auf, als sie beantwortet.

Es geht um Geister, so viel lässt der Name schon erahnen. Konkret erleben wir das Spiel aus der Perspektive einer armen Seele, die mit dem Tod ihr Gedächtnis verloren hat. Allerdings, so wird uns erzählt, haben manche Geister besondere Fähigkeiten und das für genau eine Nacht. Wir gehören zu diesen Auserwählten und wollen nun das Rätsel um unsere Person lösen und machen uns damit auf, ein noch viel größeres Geheimnis zu lüften. Eines, dass schon viel zu lange zurückgehalten wird.

Geistertricks, wie die Kräfte der Toten genannt werden, ermöglichen es uns beispielsweise, die Zeit durch den Wechsel in die Geisterwelt zu stoppen, Gegenstände in der näheren Umgebung zu manipulieren und über Telefonleitungen zu bereits bekannten Adressen zu sausen. Unsere wichtigste Eigenschaft ist jedoch, dass wir die Möglichkeit haben, den Tod auszutricksen. Vier Minuten vor dem Zeitpunkt des Todes können wir von gestorbenen Lebewesen zurückreisen. Vier kostbare Minuten, in denen wir eventuell ihren Tod und somit ihr Schicksal abwenden können.

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Im Geistermodus können leblose Gegenstände besetzt und manipuliert werden - die Reichweite ist allerdings begrenzt.

An diesen Punkten wird der Puzzle-Charakter des Action-Adventures ziemlich deutlich. Welche Gegenstände sollten in welcher Reihenfolge manipuliert werden, um voranzukommen? Oft dominiert beim Ermitteln der Lösungen das Probieren- und Scheitern-Prinzip. Erst in den späteren der 18 Kapiteln wird es so knifflig, dass es einen echten Plan braucht. Zum Beispiel in dem Fall, wenn die Distanz zu einem rettenden Gegenstand einfach viel zu groß ist. Dann, wenn nicht eins aus dem anderen resultiert, wird es richtig spannend.

Eine durchaus komplexe Sache, aber warum sollte es auch einfach sein, jemanden aus dem Reich der Toten zurück zu den Lebenden zu befördern? Da dürfen ruhig auch Aufgaben dabei sein, bei denen es auf ziemlich gutes Timing ankommt. Doch keine Sorge, alle Rätsel sind zu bewältigen, denn kleine Tipps gibt's natürlich auch, wenn der Geschichte und den Gedanken aufmerksam gefolgt wird. Und schließlich kann jede Szene so oft wiederholt werden wie man möchte. Um die Frustration in Grenzen zu halten, wurden Rücksetzpunkte eingerichtet, die immer dann greifen, wenn ein entscheidender Zwischenschritt bei der Änderung des Schicksals erzielt wurde.

Es ist übrigens immer ein fantastisches Gefühl, wenn die Steuerung locker von der Hand geht und keine Fragen darüber auftauchen wie nun etwas funktioniert. Wenn alles mehr oder weniger selbsterklärend ist, hat der Entwickler irgendetwas richtig gemacht. Nervig ist nur, dass Dialoge in bestimmten Passagen, die wiederholt werden müssen, nicht noch einfacher übersprungen werden können. Bereits bekannte Gespräche klingen beim zweiten Mal einfach nicht mehr so interessant und strecken nur unnötig, wo wir doch vielleicht einfach nur einen dummen Fehler gemacht haben.

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Die Präsentation des Spiels ist wunderschön - stimmige Musik und allerfeinste 2D-Grafik.

Technisch punktet der Krimi übrigens auf der ganzen Linie. Ein wenig erinnert die Optik an Retroklassiker, allerdings an einen erstklassig animierten. Das 3D-Gefühl in den Szenen ist wirklich hervorragend und die für Dialoge ebenfalls genutzten Comic-Abbilder sind ebenfalls sehr stimmig. Untermalt wird das Abenteuer mit einem eigentlich eher schlichten, aber dennoch sehr guten Soundtrack. Auf die eine oder andere Melodie möchte man im Verlauf auch gar nicht mehr verzichten, obwohl die Akustik grundsätzlich nicht relevant ist.

Höhepunkt ist das wunderschöne Charakterdesign mit sehr sympathisch agierenden Figuren. Nicht alle wird man mögen, erst recht nicht am Schluss bei der großen Auflösung. Aber ihre kruden Eigenarten, die überspitzt in Szene gesetzt wurden, die muss man einfach lieben. Der schwungvoll schreitende Kommissar mit seinem langen weißen Mantel und den schlaksigen Beinen etwa, oder Emma, die impulsive Frau des Justizministers, die immer für ein Gläschen Wein zu haben ist. Oder die aufgeweckte Lynne, der beim Essen niemand zu nahe kommen sollte. Sie alle haben liebevolle kleine Macken, die wir in unser Herz schließen werden.

Der Tod ist für so manchen eine Erlösung. Und die Zeit heilt alle Wunden. Wenn aber beides versagt, wer will es einem dann verübeln, wenn man komplett wahnsinnig wird. Einsamkeit lässt uns perverse Pläne schmieden und Rache macht einen hässlich. Das ist in etwa die Quintessenz, die Capcom kunterbunt verpackt hat. Die eigentlich traurige Geschichte wird nur selten emotional - eher entlockt sie uns ein Schmunzeln. Und trotzdem hat Director Shu Takumi ein hübsches Denkkonstrukt aufgespannt, über das es sich nachzudenken lohnt. Was wäre eigentlich, wenn wir die Zeit zurückdrehen könnten...

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08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
interessantes Spielkonzept, gelungene Präsentation, sympathische Charaktere
-
Rätsel oft nur nach dem Probieren- und Scheitern-Prinzip
overall score
ist die Durchschnittswertung von Gamereactor. Wie hoch ist eure Wertung? Die Durchschnittwertung aller Gamereactor-Redaktionen wird aus den Wertungen in allen Ländern erhoben, in denen es lokalen Gamereactor-Redaktionen gibt

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