Europa erreicht einen Wendepunkt für saubere Energie
Wind- und Solarenergie erzeugten in der EU erstmals 2025 mehr Strom als fossile Brennstoffe.
Zum ersten Mal seit Aufzeichnungen haben Wind- und Solarenergie fossile Brennstoffe als Hauptstromquelle der Europäischen Union abgelöst. Im Jahr 2025 produzierten Turbinen und Solarpanels laut einer neuen Jahresüberprüfung knapp mehr als Kohle, Öl und Gas zusammen mit 29 %. Forscher beschrieben den Wandel als einen "großen Wendepunkt", nicht nur für die Klimapolitik, sondern auch für Europas politische und wirtschaftliche Sicherheit.
"Das geht über den Energiesektor hinaus", sagt Beatrice Petrovich vom Thinktank Ember, der den Bericht verfasst hat. Da die Geopolitik immer instabiler wird, ist Europa zunehmend misstrauisch gegenüber seiner Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen geworden. Jüngste Spannungen mit den Vereinigten Staaten, Europas größtem Lieferanten von Flüssiggas, sowie Unsicherheiten über die globalen Energiemärkte haben diese Sorge nur verschärft.
Dieser Meilenstein wurde vor allem durch einen Anstieg der Solarenergie verursacht, der im vergangenen Jahr einen Rekord von 13 % des EU-Stroms erreichte. In fünf Ländern, darunter das berüchtigt bewölkte Niederlande, lieferte Solarenergie mehr als ein Fünftel der Gesamtenergie. Windenergie ging im Vergleich zu 2024 leicht zurück, blieb aber insgesamt die zweitgrößte Quelle und lieferte 17 % des gesamten Stroms.
Fossile Brennstoffe hingegen setzten ihren langen Rückzug fort. Der Kohleverbrauch fiel auf ein historisch niedriges Tief und machte weniger als 10 % der EU-Energie aus, hauptsächlich konzentriert auf Deutschland und Polen. Die Gaserzeugung stieg aufgrund schwacher Wasserkraftproduktion mäßig an, blieb jedoch weit unter ihrem Höchststand von 2019. Analysten sagen, dass die größere Herausforderung nun nicht mehr darin besteht, sauberen Strom zu erzeugen, sondern die dafür erforderlichen Netze, Batterien und Flexibilität aufzubauen.
