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Eine Lootbox zu viel...

Wir schauen uns den Einfluss der Mikrotransaktionen auf die Videospiellandschaft an.

  • Mike Holmes

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Wir haben uns erst kürzlich mit dem Aufstieg der Mikrotransaktionen in Videospielen beschäftigt, aber meine Güte - es ist seitdem doch einiges passiert. Unser ursprünglicher Artikel erschien zur Veröffentlichung von Mittelerde: Schatten des Krieges und hat sich eher generell mit dem Thema beschäftigt. Zum Beginn des neuen Jahres und nach dem katastrophalen Start von Star Wars Battlefront II haben wir das Gefühl, das Thema noch einmal behandeln zu müssen.

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Eine Lootbox zu viel...Eine Lootbox zu viel...
Star Wars Battlefront II hat den gesamten Ärger abbekommen, doch hat dieses mittelmäßige Spiel all die Aufmerksamkeit wirklich verdient?

Es ist eine schwierige Situation, egal wie man es dreht. Die steigenden Kosten bei der Entwicklung zwingen die Entwickler dazu, nach neuen Finanzierungsmethoden zu suchen, um überhaupt mit ihren Spielen Geld zu verdienen. Ursprünglich waren wir begeistert von der Entscheidung keinen Season Pass für Battlefront II anzubieten, aber die Alternative ist das fiese und verwirrende Loot-Kisten-System, das sich als sehr konsumentenfeindlich erwiesen hat. Wir hatten gehofft EA würde Blizzards Beispiel folgen (das Unternehmen und das rein kosmetische Bezahlmodell sind allerdings auch nicht frei von Kritik...) und wie bei Overwatch nur kosmetische Gegenstände zum Kauf anbieten, aber daraus wurde nichts.

Die öffentliche Reaktion war für den Publisher verheerend. EA hat wohl nicht mit dieser Art von Gegenwind gerechnet, die dem Unternehmen nun generell entgegenschlägt, aber sie mussten sicherlich mit etwas Widerstand gerechnet haben. Vielleicht wurde in diesem Fall vor allem auf die Zahlen geschaut und darauf aufbauend entschlossen, dass ein paar wütende Spieler auf Reddit mit Mistgabeln die Rechnung schon nicht ruinieren werden. Nach den Ereignissen der letzten Monate dürften sich die Entscheidungsträger jetzt wohl ziemlich dämlich vorkommen.

Trotz des schrecklichen Fortschrittsystems hatten wir mit Battlefront II viel Spaß und wir glauben die Situation ist nicht ganz so schlimm, wie manche Leute sie beschreiben. Natürlich wäre das Spiel trotzdem um einiges besser geworden, wenn manche Dinge anders gelöst worden wären. Die Berichte über die Zeit, die es dauern würde bestimme Charaktere freizuschalten,, wurden übertrieben (denn man würde ja schließlich eh niemals alles sammeln müssen - wozu auch) und am Ende wurde der Shitstorm zu einer Art Sport. EA ins Visier zu nehmen ist wie auf einen Fisch im Wasserglas zu schießen: Man kann nicht daneben treffen.

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Eine Lootbox zu viel...Eine Lootbox zu viel...
Blizzard stützt sich in der Entwicklung von Overwatch vollkommen auf die Skins und läuft damit seit Jahren gut. Spieler haben das Modell bereits akzeptiert.

Die sozialen Medien sind förmlich explodiert und EA steht aus allen Richtungen unter Beschuss. Die Leute sind es leid, dass ihr geliebtes Hobby immer mehr und immer aggressiver zu Geld gemacht werden soll. Es musste eine Linie gezogen werden und wo geht das besser als bei einem der größten Publisher und bei der bedeutendsten Marken in der Geschichte der Unterhaltung. Es wird Zeit, dass sich die Situation ändert und wir einem gemeinsamen Status Quo zustimmen. Und das am besten bevor eine weitere eigentlich tolle IP darunter leidet.

Sehen wir den Tatsachen ins Gesicht: Die Mikrotransaktionen werden nicht wieder verschwinden. Die Entwicklungskosten und die stete Unterstützung der Spiele nach der Veröffentlichung erfordern ein zahlendes Publikum und bei einer großen Organisation wie EA sind die Kosten enorm (ganz abgesehen von der konstanten Forderung nach Profit). Add Ons sind eine Möglichkeit diese Kosten zu decken, denn sie sind in der Produktion relativ billig, da die meiste Dinge, wie die Engine und Assets, ja bereits vorhanden sind. Es wird daher auch in Zukunft ausgelagerte Mini-Kampagnen geben, wie bei Dishonored: Tod des Outsiders oder Uncharted: The Lost Legacy.

Die andere Option wären steigende Preise für Spiele, aber wärt ihr bereit einen Zehner extra für ein großes Spiel zur Veröffentlichung zu bezahlen, wenn das bedeuten würde, dass es keinen DLC oder Mikrotransaktionen gäbe? Das ist schwer zu sagen, denn egal was wir uns in einer idealen Welt wünschen, wir müssen realistisch bleiben und einsehen, dass moderne Firmen in einer Marktwirtschaft agieren und Geld machen müssen. Die Spieleentwickler müssen wiederum einsehen, dass es eine Linie gibt, die nicht überschritten werden sollte - besonders nicht bei Triple-A-Titeln. Und neben den schwarzen Schafen, die es immer und überall gibt, müsste hier zuvor grundsätzlich wieder gegenseitiges Vertrauen aufgebaut werden.

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Eine Lootbox zu viel...Eine Lootbox zu viel...
Need for Speed Payback konnte an vielen Enden nicht überzeugen und wirkte unnötig gestreckt. Die Werbung für Beutkisten kam EA teuer zu stehen.

Dann gibt es aktuell noch die offiziellen Untersuchungen dazu, ob Loot-Kisten nicht den Tatbestand des Glücksspiels erfüllen und es ist offensichtlich, dass die Pay-to-Win-Mechaniken zu weit gehen können. Dabei ist es vollkommen egal, wie subtil diese Mechaniken eingebaut sind; bei einem Spiel für das wir quasi einen Tageslohn hinlegen und zusätzlich noch eine Menge Zeit einplanen, ist das nicht akzeptabel. Vielleicht müssen die Entwickler ihre Produktion ein wenig verschlanken und anstatt die eigenen Kosten direkt an die Spieler weiterzureichen. Wenn Produktionskosten wieder zurück gefahren werden, finden wir vielleicht eine glücklichere Balance.

Wir sahen wie sich Mikrotransaktionen langsam in die großen Titel einschlichen und wir haben auch erlebt, wie kritisch die Reaktionen sind, wenn diese Praktiken das Spielerlebnis beeinflussen. Ist Need for Speed Payback so „grindy" um uns zu Mikrotransaktionen zu bewegen oder sind die Spielmechaniken einfach nur schlecht gestaltet worden? Bei Mittelerde: Schatten des Krieges fällt diese Frage ebenfalls auf: Hier wurden die Mikrotransaktionen erst im Endspiel relevant, aber das ist ein Teil des Abenteuers, den viele gar nicht erleben, und der eigentlich nur diejenigen Spieler anspricht, die wirklich alles erleben müssen.

Im Multiplayer sind diese Effekte noch schwerer wahrzunehmen. Es sind so viele Systeme miteinander verwoben, das man nur schwer verstehen kann, was unter der „Haube" eigentlich vor sich geht. Früher diente der eigene Fortschritt dazu Spieler mit ähnlichen Fähigkeiten zu finden, aber mit den Mikrotransaktionen haben wir erlebt, dass Publisher mit dem Matchmaking experimentieren, denn Einkaufsgewohnheiten der Spieler scheinen plötzlich wichtiger zu werden, als K/D-Rate und Performance. Wenn wir mit Spielern zusammengebracht werden, die uns dazu bringen sollen mehr Geld auszugeben, anstatt uns einen fairen Kampf zu liefern, dann tritt das Gameplay langsam aber sicher in den Hintergrund.

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Eine Lootbox zu viel...Eine Lootbox zu viel...
Und am Ende wären wir doch wieder bei Mittelerde: Schatten des Krieges und der Frage, was wohl zuerst da war: Die Mikrotransaktionen oder die unnötig gestreckte Spielerfahrung...

Es gibt viele Techniken die uns das Geld aus der Tasche ziehen sollen und nicht alle davon sind schlimm. Spiele wie Planetside 2 benutzen seit Jahren Fortschrittsbeschleuniger, aber bei einem kostenlosen Spiel kann man den Entwicklern nur schwer einen Vorwurf machen. Bei den AAA-Titeln hingegen ist das etwas anderes und die Reaktionen auf Star Wars Battlefront II haben eine klare Linie gezogen. Das Spiel ist zum Start in einen Sturm der Ablehnung geraten und die Veränderungen am Fortschrittssystem zwischen Beta und der Veröffentlichung haben die Situation kein Stück verbessert. Vielleicht werden Firmen wie EA und Activision jetzt warten und erst einige Wochen nach der Veröffentlichung Mikrotransaktionen einbauen, wie wir das gerade bei Call of Duty: WWII erlebten.

Letztendlich köchelt diese Situation schon seit Jahren vor sich hin und ist kürzlich einfach übergekocht. Wir sind froh, dass so viele Menschen ihr Hobby verteidigen und hoffen die kollektive Reaktion erwirkt irgendwie einen Unterschied. Die Mikrotransaktionen werden nicht verschwinden - so viel ist klar, aber vielleicht waren die Ereignisse der letzten Monate der dringend nötige Weckruf für die Verleger. 2018 wird für den Dialog zwischen Spielern und Entwicklern entscheidend sein und es muss einiges getan werden, um auf beiden Seiten das Vertrauen zurückzugewinnen. Die Triple-A-Industrie steht an einem Scheideweg und wir hoffen die nächste große Welle an wichtigen Titeln respektiert unsere Zeit genauso, wie sie unsere Geldbörsen zu respektieren scheinen.



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